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Linn Keel vs Keel SE Subchassis-Vergleich

Linn Keel SE

Solide Basis

Linn Keel SE

HiFi ist schon ein interessantes Hobby: Wollte ich irgendjemandem außerhalb unserer audiophilen Sphären erklären, dass ich mich mit meinem Kollegen Carsten Barnbeck auf die Reise von München nach Nürnberg gemacht habe, um zwei Aluminium-Formteile anzuhören, würde dieser irgendjemand uns beide glatt für gestört erklären.

Linn Keel vs Keel SE Subchassis-Vergleich
Prominent auf dem Tisch liegt das Corpus Delicti: Das Linn Keel SE Subchassis. Stefan Stumbeck von HiFi Studio Nürnberg hat für uns zwei identische Linn LP12 aufgebaut, damit wir unter perfekten “Laborbedingungen” den Unterschied zum Vorgänger erlauschen konnten.

Ironischerweise straft eben der Umstand, dass wir nach dem Hörvergleich in der Tat dachten, wir spinnen, unseren hypothetischen Audioskeptiker Lügen. Der versierte HiFi-­Enthusiast wird sich vermutlich schon denken, dass die Sache mit den Aluteilen wohl irgendetwas mit Vibrations- und Resonanzkontrolle zu tun haben wird, und wenn ich nun den Begriff „Linn LP12“ in den Raum werfe, wird bei vielen der Groschen fallen: Wir sprechen hier von zwei Subchassis-Generationen, die als Ausstattungsmerkmale für den wohl berühmtesten aller High-End-Plattenspieler zur Verfügung stehen.

Um eine kontrollierte Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich auch subtile klangliche Unterschiede klar nachvollziehen lassen, hat Stefan Stumbeck, Geschäftsführer des HiFi Studio Nürnberg, für uns ein Setup mit zwei vom Subchassis abgesehen identischen Plattenspielern an einer kompletten Linn-Kette vorbereitet. Beide LP12 sind in der Maximalausstattung mit der uns bereits bekannten und beeindruckenden Bedrok-Zarge, Tonarm Ekos SE und MC-Tonabnehmer Ekstatik konfiguriert und bespielen über zwei Endstufen Klimax Solo 500 ein Paar des Linn-Lautsprechermodells 150.

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Von unten können Sie die Strebenstruktur bewundern, die Resonanzen in Schach hält. An den Ecken des Dreiecks erkennt man zudem die Gummidämpfer, die die Chassisfedern vom Korpus des Subchassis entkoppeln.

Falls Sie sich trotz eines derart vielversprechenden Setups immer noch fragen, wie die Aufgabenbeschreibung eine zweimal zweistündige Autofahrt rechtfertigt, kann ich Sie ein Stück weit verstehen und im gleichen Zuge beruhigen, denn das, was wir im Folgenden geboten bekamen, war eine faszinierende Reise durch das zugegebenermaßen eigensinnige, in sich jedoch absolut schlüssige Modellgefüge der schottischen Edelschmiede – und ebenso eine Kostprobe der Professionalität, mit der ein Händler, der sich wirklich intensiv mit der Vinyl-Wiedergabe beschäftigt, einen Hörvergleich durchführt.

Perfekte Ausrichtung in fünf Dimensionen

Eine wenig beachtete und etwas unbequeme Wahrheit ist etwa, dass selbst hochwertige Pressungen nur selten richtig zentriert sind – einfach Platte drauf und ab dafür ist demensprechend nichts, was im HiFi Studio Nürnberg passiert. Die unbestreitbar wiedergabekritische, penible Feinjustage von Auflagekraft, Spurfehlwinkel, VTA und Azimut des Tonabnehmers macht schließlich nur dann wirklich Sinn, wenn die perfektionierte Geometrie nicht gleich wieder durch unkontrollierten Schallplatteneierlauf zunichte gemacht wird. Mittel der Wahl ist für Stumbeck der Stabilizer ES-001 von DS Audio, der mithilfe von Lasertechnik die Exzentrizität der Platte misst und dessen oberseitiges Display erst dann Ruhe gibt, wenn die Rillen absolut spurtreu laufen.

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Ein perfekt eingestellter Tonabnehmer kann nicht viel ausrichten, wenn die Platte exzentrisch umhereiert – Stefan Stumbeck nutzt deshalb auch zum Auflegen des Tonträgers Präzisionswerkzeug aus dem Hause DS Audio.

Wer das für obsessiv hält, kennt zum einen Stefan Stumbeck nicht, und zum anderen hat ebendieser die passende Antwort in der Studiowerkstatt stehen. Stumbeck ist einer, für den alles exakt so zu sein hat, wie er es haben will – und wenn es seine Wunschlösung nicht gibt, dann baut er sie sich eben selbst: Vom Firmenschild draußen über einen Lautsprecherkarren mit elektrischer Liftfunktion bis hin zu einer selbstentwickelten Plattenwaschmaschine sind weite Teile der Geschäftsausstattung Eigenkreationen. Zu diesen gehört auch ein defekter Tonarm, in dessen Headshell er einen Laserpointer integriert hat. Wer einmal gesehen hat, wie sich der an die nächste Wand projizierte Lichtpunkt verhält, wenn eine dezentrierte Platte gespielt wird, hört auf der Stelle auf, am Sinn hinter Stumbecks Sorgfalt zu zweifeln.

Erst A/B, dann B/C

Linn Keel vs Keel SE Subchassis-Vergleich
Aus dem vollen Block werden alle nötigen Aussparungen herausgefräst. Gut lassen sich die Dorne erkennen, die das Subchassis in seiner Position fixieren.

Als eine Art akustische Vorspeise gibt es zunächst noch einen anderen A/B-Vergleich, denn Stumbeck will uns unbedingt noch den Unterschied zwischen der „gewöhnlichen“ Radikal und der Klimax-Radikal-Motorsteuerung vor Ohren führen. In der minimal bescheideneren Konstellation mit Radikal und Keel dreht die geometrisch nachweislich perfekt ausgerichtete Harmonia-Mundi-Aufnahme von Händels Wassermusik unter Nicholas McGegan an – und wir können beim bösesten Willen nichts zu meckern finden. Ganz im Gegenteil sind wir von Linns 150er-Standlautsprechern mehr als angetan. Das Setup macht keine Anstalten, den asketisch-kühlen Charakter der Einspielung zu verhehlen, dröselt dafür das in fantastischer Auflösung eingefangene Barockorchester bis ins feinste Saitenzirpen auf und lässt erste und zweite Geige mit lässiger rhythmischer Trittsicherheit kommunizieren. Zugegeben: Die mit etwa 6600 Euro Paarpreis für Linn-Verhältnisse noch recht bodenständigen Wandler hängen an exorbitanter Elektronik – doch wie weit ein Lautsprecher in einem solchen Setup über seine Gewichtsklasse hinauswachsen kann, sagt einiges über seine Qualität aus.

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Und das Ende der Fahnenstange ist damit noch gar nicht erreicht: Der Wechsel auf die Klimax-Radikal-Steuereinheit gibt der Auflösung nochmal einen kleinen Schubs; gleichzeitig verbessert sich der musikalische Fluss merklich, alles wird rhythmisch ein Stück stimmiger und auch geschmeidiger. Als Nächstes wandert Rollin’ von Erik Truffaz auf den Teller, damit wir uns anhand des neu interpretierten Morricone-Stückes „Le Casse“ auch ein Bild vom unteren Frequenzende machen können. Der Kontrabass schiebt seine Stimme saftig und sonor, aber dennoch mit bemerkenswerter Kontrolle durch den Raum, während die perkussiven Elemente und als Effektmaschinen missbrauchten Streicher im Hintergrund mit entspannter Klarheit positioniert und bis in die letzten Ausläufer ihrer Decay-Fahnen absolut natürlich nachgezeichnet werden. Hier schafft die Klimax Radikal im ohnehin schon erfreulich sauberen Untergeschoss noch einmal spürbar mehr Ordnung, ohne dass die Tieftonpräsenz auch nur einen Deut abnehmen würde. Und wieder die gleiche Verbesserung im Fluss der Musik.

Gestatten: Keel SE

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In der Draufsicht können Sie sich leicht ausmalen, wie die Tonarmaufnahme auf der rechten Seite perfekt in die Lücke im Bild unten passt. Das Design ist für Linn-Tonarme optimiert – mittels Adapter lassen sich aber auch Tonarme von Drittanbietern betreiben.

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Ich muss gestehen, dass wir uns während der Hördurchläufe fremdbeschäftigt haben. Unser Gastgeber sah es uns nach – schließlich war er selbst derjenige, der uns ein ausgebautes Keel SE zum Spielen in die Hand drückte. Wie bei fast allen Komponenten bewegt sich Linn auch hier dem Subchassis-Prinzip zum scheinbaren Trotz in Richtung mehr Masse. Das Chassis ist wie beim Vorgänger samt Tonarmaufnahme aus einem Stück gefertigt, das strukturgebende Strebennetzwerk wirkt jedoch wesentlich wuchtiger als zuvor. Die Massezunahme wird direkt beim Anheben mehr als deutlich. In allen Belangen nähern sich die Schotten nach Kräften dem Ideal eines monolithischen Apparates von der Abtastnadel bis zum Korpus des Subchassis. Beim Tonarm Ekos SE etwa hat man sich bei 3M eigens für die Anbindung des Tonarmrohres am Lagergehäuse einen speziellen Klebstoff entwickeln lassen, der so aushärtet, dass das Tonarmrohr ohne jede Nachgiebigkeit und praktisch ohne Abstand unmittelbar an seiner Aufnahme haftet.

Man könnte meinen, dass das Ganze dazu dient, Vibrationen mittels Masse zu schlucken – das allerdings ist keineswegs der Fall. Mit fast schon schelmischer Freude klopft Stumbeck zwischen den Hördurchgängen mit seinem Fingernagel das neuentwickelte Subchassis ab; es klingelt nicht weniger als das bisherige, nur eben erwartungsgemäß tiefer. Nach wie vor lautet die Maxime Kontrollieren statt Totdämpfen – im Kontext eines Subchassis-Drehers, dem man konzeptionell bisweilen eine gewisse Behäbigkeit nachsagt, sicher keine schlechte Idee. Rhythmisch fehlt dem LP12 auf alle Fälle gar nichts, wie landläufig bekannt ist und sich auch während unserer Session einmal mehr zeigte.

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Apropos Rhythmus: Das Streicheln und Bestaunen des Corpus Delicti hat mittlerweile endgültig dafür gesorgt, dass wir mit den Hufen scharren und wissen wollen, was der Übertragungsmonolith nun kann. An dieser Stelle würde ich normalerweise eine längliche Klangbeschreibung nachschieben – aber was soll ich machen? Wir haben drei Takte gehört und die Sache war klar. Das Bassfundament war mit einem Schlag so viel kraftvoller, dass dies allein das Wiedergabeniveau auf eine höhere Stufe hob. OK, wir haben danach noch viele, viele Takte mehr gehört. Besonders beeindruckt hat uns vor allem, wie das hinzugewonnene Lungenvolumen in keinster Weise den Mitten und Höhen im Wege stand – ganz im Gegenteil schien alles, wenn überhaupt, noch einen Hauch klarer positioniert und leichter nachvollziehbar. Nach anfänglichem ungläubigem Staunen hatten wir deshalb auch keine Schwierigkeiten, uns mit dieser neuen musikalischen Realität anzufreunden, und genossen einfach noch Musik, bis der Sonnenstand zur Heimkehr gemahnte.

Ach ja, jetzt habe ich Ihnen eingangs den Mund auf eine Reise durch das Linn-Modell­universum wässrig gemacht und bis jetzt kein weiteres Wort darüber verloren. Dazu gibt es allerdings so viel zu erzählen, dass ich dies auf einen separaten Artikel in baldiger Zukunft verschieben möchte. In diesem Sinne: Fortsetzung folgt.

Linn Keel vs Keel SE Subchassis-Vergleich

Info

Subchassis Linn Keel SE

Konzept: monolithisches Aluminium-Subchassis für Linn LP12
Garantiezeit: 5 Jahre
Preis: um 5060 €

Kontakt

HiFi Studio Nürnberg 2.0

Krelingstraße 53 (Eingang Schweppermannstraße)
90408 Nürnberg
Telefon +49 911 36771900
info@hifistudionuernberg.de

www.hifistudionuernberg.de

www.linn.co.uk

Öffnungszeiten:

Montag geschlossen
Dienstag bis Freitag 14–19 Uhr
Samstag 10–14 Uhr

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.