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Genesis - A Trick of the Tail

Genesis – A Trick Of The Tail

Forever Young - 50 Jahre Album-Klassiker

Genesis – A Trick Of The Tail

Es war der Aufmacher im Melody Maker: „Peter Gabriel verlässt Genesis.“

Der Autor des Artikels, der renommierte Chris Welch, erklärte die Band damit für gestorben. Denn: Genesis ohne ihren Frontmann, Haupttexter und charismatischen Sänger? Das schien undenkbar. Peter Gabriel galt in der Presse (so Phil Collins) als der „ruhmvolle Architekt“ von Genesis, die Band recht eigentlich als „sein“ Projekt. Dass Gabriel in der Wahrnehmung so sehr dominierte (zumal seit er Bühnenkostüme trug), war mit ein Grund für die Spannungen gewesen, die schließlich zur Trennung führten. Den letzten Ausschlag gab das Lamb Lies Down-Projekt. Gabriel hatte es kompromisslos regiert, aber eben auch verzögert, sodass das Album zu knapp vor der Tournee erschienen war.

Auf Gabriels Abgang reagierten die verbliebenen vier Mitglieder von Genesis völlig anders als die Musikwelt. Jetzt erst recht, wir zeigen’s ihnen! – das war ihre Haltung. Schließlich waren es Tony Banks und Mike Rutherford, die immer den Großteil der Genesis-Musik geschrieben hatten. Phil Collins meinte, Genesis könnten notfalls sogar als Instrumentalquartett weitermachen: „Dann hört man die Musik endlich richtig!“ Gleich nach der Lamb Lies Down-Tournee fingen Banks und Rutherford an, neues Material zu schreiben: „Die Songs fallen uns ein wie in den alten Tagen, und es ist gutes Zeug.“ Nur der Sänger-Ersatz, der fehlte noch. Eine Anzeige wurde geschaltet: „Sänger gesucht für eine Band in der Art von Genesis.“ Um die 400 Bewerber soll es gegeben haben. Collins, der Drummer und immer schon der zweite Vokalist der Band, probte mit den besten Kandidaten. Als letztlich keiner überzeugte, hat er einfach die Stücke selbst eingesungen. Nur so probeweise.

Und da machte es „klick“: Die Band erkannte plötzlich, dass Phil Collins der ideale Genesis-Sänger war – er klang ja sogar ein wenig nach Gabriel. „Es war großartig, dass wir keine zusätzliche Person holen mussten“ (Tony Banks). Doch die Plattenfirma, die Presse, das Umfeld der Band blieben vorerst skeptisch. Der Schlagzeuger als Frontmann? Wie sollte das gehen? Phil Collins formulierte es so: „Die Erwartungen an die zukünftige Lebensfähigkeit der Band waren sehr, sehr niedrig.“ Desto begeisterter fiel dann die Reaktion aus, als das erste Album der „neuen“ Genesis erschien. A Trick Of The Tail brachte der Band den Durchbruch in den USA und wurde zum Raketenmotor für Phil Collins’ Popularität.

Genesis - A Trick of the Tail

Fakten

Aufnahme: Herbst 1975
Veröffentlichung: Februar 1976
Label: Charisma
Produktion: David Hentschel & Genesis

Titel

Seite A

  1. Dance On A Volcano 5:56
  2. Entangled 6:27
  3. Squonk 6:30
  4. Mad Man Moon 7:34

Seite B

  1. Robbery, Assault And Battery 6:17
  2. Ripples… 8:07
  3. A Trick Of The Tail 4:35
  4. Los Endos 5:48

Musiker

Phil Collins – Gesang und Schlagzeug
Steve Hackett – Gitarren
Tony Banks – Keyboards u. a.
Mike Rutherford – Bass, 12-saitige Gitarre u. a.


  • Musik, Songtexte und Cover-Art suggerieren eine verzauberte Welt voller Elfen und Naturgeister, einen Hauch von Alice in Wonderland und Mary Poppins
  • Der neue Leadsänger Phil Collins, der als Kind Schauspielerfahrung sammelte, bringt „Charakter“ in die Songs – sogar ein bisschen Cockney-Akzent in „Robbery, Assault And Battery“.
  • „Dance On A Volcano“, der Opener, ist ein Kollektivwerk der Band, die Intro eine Art Fanfare der „neuen Ära“. Im hektischen Schlagzeug-Part (7/8-Takt!) hört man den Einfluss der Jazzrock-Formation Brand X, mit der Collins zu dieser Zeit im „Nebenjob“ arbeitet.
  • Höhepunkte des Albums sind drei berückende Balladen: „Entangled“ (Banks & Hackett), „Mad Man Moon“ (Banks) und „Ripples…“ (Banks & Rutherford). Das Synthesizer-Solo in „Entangled“ gilt als besonders inspiriert.
  • Der etwas härtere Song „Squonk“ handelt von einem sagenhaften Tier, das in Pennsylvania leben soll. Der Sound ist von Led Zeppelins „Kashmir“ angeregt.
  • Mit Phil Collins als neuem Sänger braucht die Band für ihre Konzerte ab sofort einen „Tour-Drummer“. Collins entscheidet sich für den Kollegen Bill Bruford (Yes, King Crimson). Bei längeren Instrumentalpassagen im Konzert setzt er sich aber schon mal selbst hinter die Trommeln.
  • „Robbery, Assault And Battery“ und „A Trick Of The Tail“ sind die poppigen „Story-Songs“ des Albums, ein wenig in der Tradition von Peter Gabriels Music-Hall-Humor. Bekannt wird der Videoclip des Titelsongs: Die Band steht ums Klavier herum und ein „Mini-Collins“ hüpft über die Instrumente.
  • Im Konzert konkurriert Phil Collins nicht mit der Theatralik von Peter Gabriel. Meist trägt er einfach einen Arbeiter-Overall und hat die Hände in den Hosentaschen. Zwischen den Songs übt er sich in kumpelhaftem Humor („Uncle Phil“). „Auf seine Weise war er genauso originell wie Peter“ (Richard Macphail).
  • Die Schlussnummer „Los Endos“ ist wieder ein Kollektivwerk. Das Instrumentalstück kombiniert verschiedene Rhythmen und Themen, darunter Reprisen aus den vorangegangenen Tracks sowie einen Anklang an Santana. „Los Endos“ bleibt 30 Jahre lang im Liveprogramm der Band.
  • Im Fade-out von „Los Endos“ gibt es einen kleinen Abschiedsgruß an Peter Gabriel. Collins singt die Phrase „There’s an angel standing in the sun“ aus „Supper’s Ready“.

Genesis – A Trick of the Tail bei Sieveking-Sound

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