ATC SCM7 Lautsprecher

ATC SCM7 Mk3 Kompaktlautsprecher im Test

Großer Auftritt für einen kleinen Lautsprecher

Reality Check für die SCM7

Geschlossene Lautsprecher sind nicht überholt – wir haben sie nur vergessen.

Die Acoustic Transducer Company, mit Sitz in Stroud, Gloucestershire, wurde 1974 von Billy Woodman gegründet. Woodman ist gebürtiger Australier, studierter Elektroingenieur und passionierter Jazz-Pianist. Letztere Eigenschaften bewirkten ein intensives Interesse an professioneller Beschallungstechnik. ATC begann als Hersteller selbst entwickelter Lautsprecher-Chassis und ist heute weltweit in der Studiotechnik etabliert.

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Die SCM7 ist das Einstiegsmodell der Entry-Serie aus der Produktlinie „Consumer HiFi“ – eines direkten Ablegers der Profi-Modelle.

In der ATC-Nomenklatur gibt die Zahl in der Typenbezeichnung das Nettovolumen des Lautsprechers an. Die SCM7 Mk3 ist die dritte Inkarnation dieses Modells und von der Größe her ein typischer Minimonitor, straft diese Einordnung aber Lügen, sobald man sie anhebt: Die Schätzchen sehen schlank und elegant aus, sind aber bleischwer. 7,5 kg sind deutlich mehr, als solch ein Lautsprecher eigentlich wiegen darf. Fast die Hälfte dieses Gewichts geht auf das Konto des Tiefmitteltöners, der mit einem Durchmesser von 125 mm angegeben wird, dessen Korbdurchmesser aber genau 6 Zoll (152,4 mm) beträgt.

Wenn man weiß, dass ein typisches Chassis dieses Durchmessers weniger als 1,5 kg wiegt, ist bereits klar, dass hier ein extremer Aufwand getrieben wird. ATC stattet alle aktuellen Tieftöner mit einer neu entwickelten Magnettechnologie (SLMT) aus, die Verzerrungen 3. Ordnung im Bereich von 100 bis 3000 Hz um 10-15 dB reduziert, was der Transparenz der Wiedergabe zugute kommen soll. Die Staubschutzkappe ist zudem als große Gewebe-Mitteltonkalotte ausgebildet.

ATC SCM7 Mk3

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Neu entwickelte Treiber

Auch der Hochtöner ist eine Neuentwicklung: ebenfalls mit Gewebekalotte und ohne Ferrofluid-Füllung, dafür mit einer doppelten Aufhängung gegen Taumeln und mit Neodym-Antrieb – das Beste ist hier gerade gut genug …

Warum dieser Aufwand beim Tiefmitteltöner? ATC verwendet in der SCM-Reihe keine Bassreflex-Systeme, sondern geschlossene Gehäuse. Das kann heute als durchaus exotisch gelten: Bassreflex-Konstruktionen haben in der HiFi-Szene eine Marktdurchdringung von gefühlten 99 Prozent, aber in der Studiotechnik gelten andere Prioritäten. Hier ist eine möglichst geringe „Gruppenlaufzeit“ wichtiger als eine besonders kräftige Basswiedergabe. Die Gruppenlaufzeit ist ein Maß für die Schnelligkeit im Bassbereich: Eine Bassdrum etwa soll nicht lange nachschwingen, sondern einen einzigen trockenen Schlag abgeben – geschlossene Lautsprecher sind hier prinzipbedingt im Vorteil. Der Tieftöner muss hier allerdings deutlich mehr Leistung und damit Hub verkraften, als in einem Bassreflex-Gehäuse, außerdem war Pegelfestigkeit ebenfalls ein primäres Entwicklungsziel – das erklärt den Aufwand.

Wer seine Lautsprecher schützen muss oder will, bekommt von ATC Frontabdeckungen aus Stahlblech mitgeliefert, die ebenso grazil wie stabil sind und magnetisch gehalten werden. Eine Klangbeeinträchtigung ist hier nicht zu befürchten. Vervollständigt wird die Ausstattung mit einem Doppelterminal, das Bi-Wiring oder Bi-Amping erlaubt.

ATC SCM7 Mk3

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Widersprüchlichen Meinungen

Ich habe eine Vorliebe für kleine 2-Wege-Monitore. Große Lautsprecher vertragen sich weder mit meinem Wohnzimmer noch mit meinem sozio-akustischen Umfeld – ideale Voraussetzungen für die kleinste ATC. Zudem sind die wenigen existierenden Berichte über die SCM7 ebenso interessant wie widersprüchlich. Im angelsächsischen Sprachraum gibt es ernst zu nehmende US-Rezensenten, die diesen Lautsprecher probehalber mit 2,5 Röhrenwatt betreiben, andere Tester warnen vor hohem Spannungsbedarf trotz mäßigem Maximalpegel. Einig ist man sich immerhin hinsichtlich der Abbildungseigenschaften, die höchstes Lob erhalten. Da ich in der Vergangenheit mit Lautsprechern dieser Empfindlichkeit (84 dB/W) noch nie Probleme hatte, will ich mir selbst Gewissheit verschaffen. Die ATC SCM7 erreichen mich in der Gehäuseausführung „Esche schwarz“, die Lautsprecher sind aber auch in einem sehr eleganten Kirsch-Furnier oder in Schleiflack (Schwarz oder Weiß) erhältlich.

Mein Wohnzimmer ist 22 Quadratmeter groß und mit Vorhängen, Teppichen, Bücher- und Plattenregalen gut gedämpft. Die Lautsprecher sitzen auf 60 Zentimeter hohen Stahlrohrständern, bilden ein Stereodreieck von 2,8 Meter Kantenlänge, sind dabei mehr als einen Meter von der Rückwand entfernt und auf den Hörplatz eingewinkelt. Das ist definitiv keine Nahfeldanordnung: Im täglichen Leben sollten sich Menschen und Lautsprecher mit Respekt begegnen und einander nicht zu sehr in die Quere kommen.
Erster Eindruck der Briten am Kabeltuner: ganz normal. Der Wirkungsgrad ist vergleichbar mit einer Pioneer Pure Malt oder einer Wharfedale Reva-1. Mein Cyrus III PSX-R erreicht zwar mit offiziellen 2 x 57 W an 8 Ohm nicht einmal die von ATC empfohlene Mindestleistung (75 bis 300 Watt!), verhält sich aber kein bisschen schüchtern. Die SCM7 lässt sich ebenfalls nicht lange bitten – die beiden verstehen sich auf Anhieb prächtig.

ATC SCM7 Mk3

Die SCM7 ist erstaunlich belastbar

Die Angabe der empfohlenen Verstärkerleistung kann man sowohl als Lebensversicherung als auch als Drohung verstehen: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert! Wenn man einmal den ausgebauten Tiefmitteltöner der ATC gesehen hat, ist man hinsichtlich der Belastbarkeit völlig beruhigt: Der begrenzende Faktor ist wohl eher die Endstufe als das Chassis. Da die Lautsprecher bereits eingespielt sind, konfrontiere ich sie gleich mit einer meiner Referenzaufnahmen: Bert Kaempfert In London – Live 1974 (Polydor 2003).

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Die SCM7 geht sofort dermaßen zur Sache, dass ich erst einmal den Pegel reduzieren muss – mit einem solch dynamischen Auftritt hatte ich angesichts der geringen Empfindlichkeit nicht gerechnet. In den kurzen Spielpausen des Konzerts werden Saiteninstrumente nachgestimmt – das habe ich vorher in dieser Deutlichkeit noch nicht gehört.

Die etwas unbeholfenen englischen Ansagen Kaempferts sind über die ATCs glasklar zu hören, die Sprachverständlichkeit ist exzellent. Aufgrund ihrer Impulsschnelligkeit kommt Ladi Geislers legendärer „Knackbass“ – ein Markenzeichen des Bert Kaempfert Orchesters – extrem artikuliert. Ack van Rooyen kommt von halbrechts mit Flügelhorn oder Trompete, bei etwas gehobenem Pegel richtig laut, aber völlig unangestrengt. Die Bassdrum macht „Plopp“ und nicht „Wumm“ – so hat es wahrscheinlich öfter „geploppt“ vor der Invasion der Bassreflexboxen, man erinnert sich ja kaum noch …

ATC SCM7 Mk3

Wurden wir etwa … verführt?

Mich beschleicht das Gefühl, dass die meisten Entwickler – und wir Kunden – vor etwa 40 Jahren irgendwo falsch abgebogen sind. Die neuen Möglichkeiten, Reflexgehäuse erst zu berechnen und dann zu simulieren, haben uns möglicherweise dazu verführt, Präzision gegen Volumen einzutauschen, einen athletischen Bass gegen Tiefton-Hedonismus. Dass man sich dadurch Aufwand erspart – eine Bassreflexkonstruktion reduziert den erforderlichen Maximalhub – machte auch noch die Kaufleute glücklich …
Daher mein Appell an die audiophile Gemeinde: Das Thema „geschlossener Lautsprecher“ sollte unter dem Gesichtspunkt der Impulswiedergabe wieder aufgerollt werden!

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Nachdem die SCM7 eindrucksvoll demonstriert hat, dass ihr ganz großes Orchester (Big Band plus Streichorchester) keinerlei Probleme bereitet, lege ich einen audiophilen Geniestreich von 1983 in den Rega-Player: Jay Leonhart und Mike Renzi bieten auf Salamander Pie (DMP 1983) Kontrabass und Klavier vom feinsten und den ganz speziellen Gesangsstil des Meisters. ATCs Warnung, beim Abhören mit geringer Lautstärke zu beginnen, da geringe Verzerrungen vom Gehör leicht als geringer Pegel interpretiert werden, kann ich hier gleich nachvollziehen: Sekunden nach dem Einpegeln bin ich bereits am Zurückregeln, weil ich viel zu laut unterwegs bin.

Das hat natürlich auch mit der im wahrsten Sinne des Wortes anspringenden Dynamik der SCM7 zu tun: Ein eher geringer Wirkungsgrad und ein unbändiges Temperament schließen sich offensichtlich nicht gegenseitig aus. Dass Klavier und Bass auch Perkussions-Instrumente sind, macht die SCM7 hier ganz klar: Das Klavier sprüht Funken und der Bass hat Punch und Power. Die Sprachverständlichkeit ist eine Klasse für sich.ATC SCM7 Mk3

Bühne frei für Mr. Schifrin

Eher wenig gesungen und gesprochen wird hingegen bei Lalo Schifrin, ist er doch einer der fruchtbarsten Filmkomponisten der letzten fünfzig Jahre. Anfang der 50er Jahre studierte er am Conservatoire de Paris, finanzierte sein Studium als Jazz-Pianist und nahm 1962 zwei Sessions in New York und Chicago auf, die vollständig dem Bossa Nova gewidmet waren: Bossa Nova Groove (Ubatuqui 1999) – jeweils in Quartett-Besetzung mit zusätzlicher Percussion, Die Aufnahmen sind herrlich einfach und unprätentiös ausgeführt, da wurde nicht viel nachgearbeitet und schon gar nichts überproduziert. Mit der SCM7 sitzt man einfach mit im Aufnahmeraum und ist dabei. Dass der Toningenieur das damals am Pult genau so gut gehört hat, glaube ich nicht …

Schifrins virtuosen Umgang mit großen Klangkörpern zeigt die Latin Jazz Suite (Aleph Records 1999), eine Live-Aufnahme mit der WDR-Bigband und eigener All Star Besetzung. Das ist ganz großes Kino. Kleine Lautsprecher „können“ hier üblicherweise keine Originalpegel – bestenfalls wird es ein Hochseilakt mit Absturzgefahr. Doch der 6-Zöller in der SCM7 gibt sich schon fast gelangweilt, wenn er die Kesselpauke donnern lässt, die man der Bigband beigefügt hat. Der Hörer entspannt sich vollständig, und wählt mit der ATC einfach eine Lautstärke, die ihn (oder den Verstärker) gerade noch nicht überfordert – das ist eindeutig Profitechnik.ATC SCM7 Mk3

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Ein Orchester in Originalpegel

Bleiben wir bei großem Kino: Bei Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7 vom Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt unter Eliahu Inbal (Nippon Columbia 1987) handelt sich um eine „OnePoint“-Digitaleinspielung mit Stützmikrofonen. Sinfonieorchester mit der SCM7 ist ganz anders als mit anderen Kleinmonitoren: Anstatt ängstlich zu lauschen, ob sich der Lautsprecher der Grenze seiner Belastbarkeit nähert, ist jetzt die Endstufe das begrenzende Element. Nein, wir sprechen hier nicht über gesundheitsgefährdende Lautstärken: An einem Lautsprecher mit einer Empfindlichkeit von 84 dB/W sind 100 W bei Impulsspitzen schon mal drin. Ich höre die Sinfonie mit gefühlter (!) Originallautstärke, was völlig stressfrei für alle Beteiligten abläuft. (Die Größe des Raumes ist natürlich immer zu berücksichtigen). Im Finalsatz, dem Rondo, fährt Mahler alles auf, was laut ist, scheppert und dröhnt. „Wirkung ohne Ursache“ hätte Richard Wagner wohl gespottet. Sei’s drum, die Schlussapotheose ist akustisch atemberaubend. Und die SCM7 steht da wie ein Fels in der Brandung.

Dass Monitorlautsprecher Aufnahmemängel aufzeigen, die üblicherweise unauffällig bleiben, demonstriert Live in Samois, Tribute to Django Reinhardt mit dem Rosenberg Trio (Universal 2003). Ich will das Abhören zuerst abbrechen, da das gesamte Klangbild aufnahmetechnisch stark nach rechts verschoben ist. Doch da hat die SCM7 mich schon in einer Art akustischem Doppelnelson fixiert, sodass ich kaum meinen Kopf bewegen, geschweige denn meinen CD-Player erreichen kann. Das Staccato des Sologitarristen Stochelo Rosenberg kommt dermaßen kernig, dass ich einfach sitzen bleiben muss. Dieser Lautsprecher kann Sie durch seine pure Intensität in den Sessel drücken!

Ein Platz auf Wolke Sieben

Diana Krall ist eine Ausnahmekünstlerin, deren Werdegang ich seit nunmehr über zwanzig Jahren verfolge. Mit Turn Up The Quiet (Verve Universal 2017) hat sich La Krall wieder auf ihre Wurzeln besonnen, spielt ihr Piano wieder selbst, und singt so hinreißend wie immer – sheer delight! Das Album ist so opulent und trotzdem intim aufgenommen, wie bei Krall üblich. Wohl dem, der einen Schallwandler wie die SCM7 sein eigen nennen kann: Willkommen im Studio – besser geht das nicht!

Die im Titel beschworene Ruhe wird vollkommen auf den Hörer übertragen, ungeachtet der athletischen Natur der SCM7: Wenn das Timing der Aufnahme stimmt, gehen die Lautsprecher mit. Diese Scheibe ist besonders instruktiv für Menschen die glauben, geschlossene Lautsprecher „können“ keinen Bass. Im konkreten Fall wird der Kontrabass von John Clayton Jr. bedient, dem ich ebenfalls eine ATC SCM gönnen würde – vielleicht eines der größeren Modelle, je nach Größe seines Hörraumes. Mir reicht das kleinste Modell der Baureihe völlig – ich sitze auf Wolke Sieben …

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Wir meinen

Ein echter Monitor: schnell, präzise, transparent und neutral. Exzellent für lange Hörsitzungen. Die SCM7 „macht“ keinen Bass, sie bringt ihn, falls vorhanden, zu Gehör – und das erstklassig.

Technische Daten

Funktionsprinzip: 2-Wege Kompaktlautsprecher, geschlossenes Gehäuse
Empfindlichkeit (Herstellerangabe): 84 dB/1W/1m
Nennimpedanz: 8 Ω
Ausführungen: Echtholzfurnier Esche schwarz, Kirschholz, Seidenmattlack schwarz oder weiß
Maße (B/H/T): 17,4/30/24,3 cm
Gewicht: 7,5 kg
Garantiezeit: 6 Jahre (nach Registrierung)
Paarpreis: um 1200 €

Kontakt

ATR – Audio Trade
Schenkendorfstraße 29
45472 Mülheim an der Ruhr
Telefon +49 208 882660

 

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