Audio Note Komplettanlage

Wir nehmen ein paar große Scheine in die Hand und richten uns ein kleines Naherholungsgebiet im Wohnzimmer ein. Es funktioniert vor allem mit Musik– denn für Audio Note ist HiFi lediglich Nebensache.

Wenn alles perfekt zusammenpasst, ist das Ergebnis größer als die Summe aller Teile. Ich denke da zum Beispiel an ein besonders gelungenes Menü im Sternelokal, an den majestätischen Anblick eines Bergpanoramas oder an ein Spitzenorchester in Spiellaune. Ob nun akribisch arrangiert, minutiös geplant oder meisterhaft komponiert: Die Belohnung für ein perfektes Zusammenwirken von Mensch und „Material“ ist dauerhaft. Wer so etwas je erlebt hat, wird immer wieder gern daran zurückdenken. Ich jedenfalls tue das. Solche außergewöhnlichen Momente sind durchaus auch mit einer HiFi- Anlage erlebbar. Diese muss nicht einmal besonders groß oder besonders teuer sein – sie muss „nur“ die Faszination von Musik vermitteln. Aber die Verschmelzung unterschiedlicher HiFi-Komponenten zu einem perfekt abgestimmten Musiksystem geschieht nicht von selbst und ist womöglich gerade dann eine besonders schwierige Aufgabe, wenn nur die Produkte einer einzigen Marke zur Verfügung stehen. Hier sind Experten gefragt. Das Studium von Fachzeitschriften oder Internet-Foren bringt keinerlei Praxiserfahrung. Die jedoch muss ein HiFi-Spezialist unbedingt erworben haben, und natürlich muss er ebenso ein tiefes Verständnis der Materie mitbringen. Beides ist wohl nicht oft bei ein und derselben Person zu finden. Aber es gibt sie (noch), die engagierten Spezialisten, denen der echte Musikgenuss wirklich am Herzen liegt. Und wer weiß, womöglich wird es überraschende Lösungen geben, wenn es – wie hier – darum geht, ein nachhaltig faszinierendes Musikwiedergabesystem zusammenzustellen.The man with the gloves
Wir baten Audio Note, den exklusiven und gerne unterschätzten Vollsortimenter aus England, um eine „kleine“ Kette, die von A bis Z aus eigenem Hause stammen sollte. Prompt stellte Alexander Voigt vom Deutschland-Vertrieb ein rein analoges, teils schon vormontiertes Paket zusammen, dem man auf den ersten Blick weder Preis noch Performance ansieht. Der sorgfältige Aufbau der Kette – zunächst in den FIDELITYRäumlichkeiten – ist gut vorbereitet und gelingt Alexander Voigt, der mit dem Tragen von Handschuhen seine Wertschätzung der Produkte auch optisch unterstreicht, auf Anhieb. Doch um ein besonderes Erlebnis muss man sich schon ein bisschen selbst bemühen. Das ist auch bei Audio Note nicht anders. Ein flüchtiger Blick hilft hier ebenso wenig weiter wie die langweilige Frage nach irgendwelchen Wattzahlen oder Verzerrungsprozenten. So kommen wir der Sache, um die es hier eigentlich geht, einfach nicht näher. Schon vergessen? Es geht um Musik. Und um Verführung. Manchmal genügen schon drei Dinge, um die verführerische Harmonie eines fein abgestimmten Zusammenspiels sofort zu erfahren: innere Ruhe, ein Stapel guter Schallplatten und simples Zuhören. So auch bei dieser englischen Komplettkette. Meine Empfehlung zur Steigerung des Genusses: Bevor es losgeht mit der Musik, nehmen Sie sich noch ein paar Minuten Zeit, um sich auf den besonderen, herrlich altmodischen Genuss von Schallplatten gebührend einzustimmen. Prüfen Sie vorsichtig, ob alle Komponenten tatsächlich wackelfrei aufgebaut und sauber verkabelt sind. Drehen Sie ein wenig am Lautstärkeregler des schweren Verstärkers, registrieren Sie mit leichter Hand auf dessen Gehäusedeckel, dass die Röhren darunter langsam Betriebstemperatur erreichen. Ach so, Sie möchten doch lieber sofort eine erste Schallplatte auf den Plattenteller legen? – Nur zu. Spüren Sie die erstklassige Qualität des Präzisions- Tonarms? Sie ist nicht nur spür-, sondern auch hörbar und ein steter Quell des Vergnügens, nicht zuletzt, weil bei Tonarm und Tonabnehmer die wahren Dreh- und Angelpunkte einer jeden analogen Kette zu finden sind.

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Vinyl in der Wohlfühloase
In der Tat: Wenn es darum geht, den historisch gewachsenen Kettengedanken der High Fidelity besonders eindrucksvoll zu demonstrieren, geht nichts über die klassische Kombination aus Plattenspieler und Röhrenverstärker im Set mit Lautsprechern, die nicht nach Designerware ausschauen, sondern tatsächlich nach Boxen. Pures Understatement also. Ganz grundsätzlich steht Audio Note nicht gerade im Verdacht, irgendeiner Modeströmung zu folgen, und das ist wohltuend. Alles wird dem klanglichen Erlebnis und den dafür notwendigen Bauteilen – Übertrager, Trafos, Elkos, Kabel, Röhren – untergeordnet. Praktischerweise hat Peter Qvortrup, Mastermind bei Audio Note, ein schier unglaubliches Reservoir an Edel-Bauteilen aus eigener Produktion aufgebaut. Was letztlich auch die Erklärung dafür liefert, wie umfangreich und wie überaus differenziert das Lieferprogramm dieser Firma ist.

Klassik trifft Moderne
HiFi-Komponenten von Audio Note werden nicht einfach gekauft, man gönnt sie sich. Sie sind etwas Besonderes im schnelllebigen Audiomarkt. Der Vollverstärker OTO beispielsweise ist, technisch wie philosophisch unverändert, seit zwei Jahrzehnten im Programm. Ein moderner Klassiker, der selbst in der alternativen Ausführung mit Alufront und Aluknöpfen zeitlos wirkt. Übrigens sind diverse Variationen seines Innenlebens lieferbar, zum Beispiel mit oder ohne Phonozweig. „Unser“ Verstärker heißt übrigens mit vollem Namen OTO Phono SE Signature. Er verbirgt hinter seiner schwarzen Acrylfront mit Goldknöpfen (Audio Notes „klassische“ Optik) diverse superedle Bauteile und selbstverständlich auch einen richtig guten Phono-MM-Eingang. Denn im „Arm 2 Mk II“ des mitgelieferten Plattenspieler TT2 Deluxe sorgt ein Audio Note IQ3 für die präzise Abtastung des Vinyls. Da macht ein erstklassiger Phonoeingang absolut Sinn. An den Ausgängen des OTO wiederum nuckeln zwei Exemplare der mittleren Lautsprecher-Serie „J“, die bestens mit dem Amp harmonieren. Sie werden möglichst wandnah positioniert, was im Vergleich zu üblichen Freistehern Platz spart und Klangvolumen bringt. In einem solchen Umfeld darf man auch die Kabelfrage nicht unterschätzen. Audio Note antwortet mit einer passenden Auswahl aus dem hauseigenen Portfolio: Von der Netzleiste über die Verbindungskabel bis hin zur Doppelverkabelung der Lautsprecher – es ist alles dabei. Wir haben es hier also keineswegs mit der kleinsten Kette von Audio Note zu tun, sondern vielmehr, so drückt es Alexander Voigt aus, mit einer „fortgeschrittenen Einsteigeranlage“. Im Gegenwert eines Kleinwagens, das sollte man noch erwähnen. Und wer’s braucht, kann das analoge Komplettset markenrein mit einer digitalen Musikquelle aufstocken, zum Beispiel mit einem CD3. Oder den Plattenspieler durch einen CD-Player ersetzen, zugleich den Phonozweig am Amp einsparen …

Firlefanz für Stammtische
Wie auch immer man sich entscheidet, Audio Note steht für echte Handarbeit und wendet sich gegen modischen Firlefanz. Bei Messprotokollisten und anderen Papiertigern werden die Briten eher belächelt, unter Kennern jedoch gilt die Marke als erstklassige Wahl für den Connoisseur, der nichts als Musik genießen möchte. Ohne Bildschirm, ohne iPad, ohne Systemfernbedienung. All das ist natürlich very old school und hat mit heutzutage üblicher Lebens-Taktfrequenz oder Bequemlichkeit nicht das Geringste zu tun. Der Lohn dafür steckt im tiefen Gefühl, der gespielten Musik sehr, sehr nahe zu sein, in den besten Momenten gar mit ihr eins zu werden. Mitunter wird auch noch ein Hauch von Luxus spürbar, der jedoch mit dem Understatement des wahren Gentlemans vermittelt wird: Man hat sich da etwas gegönnt, das weder seine Verführerqualitäten auf den ersten Blick verrät noch am Stammtisch punkten kann. Mit einer Handvoll Röhren-Watt, unscheinbaren Boxen und einem schlichten Plattenspieler hat man jeden Rest von Testsiegerund Schnäppchenjäger-Mentalität weit hinter sich gelassen. Dabei spielt diese „kleine“ Anlage auch überraschend laut, klar und deutlich, mit einem flinken, wohlproportionierten Bass und einer akustisch tadellosen „Räumlichkeit“. Vor allem aber, und das ist wohl am typischsten für Audio Note, führt sie immer direkt zur, nein: in die Musik hinein – eine Qualität, die kein Messprotokoll wirklich scharf umreißt! Ich bleibe dabei: Um die musikalisch und emotional involvierende Spielweise einer Audio-Note-Kette kennenzulernen, hilft keine Theorie, sondern nur Praxis. Man höre also selbst. Und staune.

The sky is the limit
Übrigens: Das Prinzip „Understatement“ lässt sich innerhalb der Marke bis in unglaubliche Höhen treiben. Auf dem allerobersten „Level“ der Engländer komponiert, kann ein AN-Komplettsystem mitunter so viel kosten wie ein kleines, gut erhaltenes Landschloss … Okay, bis zum absoluten AN-Gipfel ist es ein langer Aufstieg. Doch bereits hier, im kleinen Naherholungsgebiet für „fortgeschrittene Einsteiger“, finde ich die Aussicht einfach vorzüglich. So gut, dass eine Plattensammlung mit dieser Kette garantiert nicht verstaubt. Dafür klingt Audio Note viel zu verführerisch. Sagen die Kenner.

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