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Bel Canto e.One C5i

Platz sparen. Effizient verstärken. Digitales wandeln. Analoges entzerren. Kopfhörerfans versorgen. Gibt es eigentlich irgendetwas, das dieses Multitalent nicht kann?

Die Integration von zahlreichen Funktionen in einem einzigen und vorzugsweise kleinen Gerät ist beliebt. Mitunter führt das ziemlich weit. Ich kann mir inzwischen beispielsweise kaum mehr vorstellen, dass irgendjemand ein Handy noch Handy nennen würde, mit dem man nichts machen kann außer telefonieren. Angesagte mobile Telefonapparate heißen heutzutage „Smartphones“. Macht viel Firlefanz ein Telefon tatsächlich schlauer? Oder steigt die Anziehungskraft, die ein derartiges Handy auf manche Benutzer ausübt, vielmehr umgekehrt proportional zu deren Intelligenz – frei nach dem Motto „Only dumb people need smart phones“?
Vielseitig, klanglich anspruchsvoll
Wie dem auch sei – auf alle Fälle hat ein HiFi-Spielzeug, das platzsparend mehrere separate Komponenten ersetzt, die man ohnehin benötigt, seine Daseinsberechtigung. Hm, Spielzeug? Der Preis des multifunktionalen Bel Canto e.One C5i legt nahe, dass er dem Kinderzimmer entwachsen ist und höheren Ansprüchen an seinen Klang gerecht werden will – und zwar auf mehreren Gebieten gleichzeitig. Es ist kaum zu glauben, dass im superkompakten Gehäuse dieses leichtgewichtigen Amerikaners zusätzlich zu einem kompletten Vollverstärker samt Phono-MM-Zweig, Line-Ausgang und Kopfhörereingang auch noch eine vorzügliche D/A-Wandlersektion steckt, die digitale Signale koaxial und optisch (jeweils bis zu 24 bit/192 kHz) sowie über USB (bis zu 24/96) verdaut. Obendrein ist der Vielseitige komplett fernbedienbar. Am Gerät selbst gibt es nur ein einziges Bedienelement in Gestalt eines dreh- und drückbaren Knopfes, mit dem sich praktischerweise sowohl der Eingang als auch der Pegel einstellen lässt.

Von Trioden zu hochmodernen Schaltverstärkern
Mittels eines großen grünen Displays in der ovalen Aussparung seiner massiven Vollmetall-Front, die übrigens auch in Schwarz zu haben ist, informiert der schicke Bel Canto seinen Benutzer in erster Linie über die gewählte Lautstärke, deren Regelung auf digitalem Wege mit 24 bit Auflösung in 200 fein abgestuften Schritten erfolgt. Moment mal kurz … Bel Canto … Haben die früher nicht ganz andere Sachen gemacht? Mit Röhren? In der Tat: In den Neunzigern war der Chef der Firma aus Minneapolis, John Stronczer, ein glühender Verfechter glimmender Glaskolben und baute diverse Triodenverstärker, die hierzulande von Audioplan vertrieben wurden. Frühzeitig erkannte Stronczer dann das Potenzial von Class-D-Amps und hält den Schaltverstärkern seither die Treue. Besonders die ICEpower-Module von Bang & Olufsen haben es ihm angetan, deren neueste Generation in sämtlichen Bel Cantos der aktuellen e.One-Baureihe implementiert ist. Neben dem Integrierten C5i handelt es sich bei den Kraftpaketen ausnahmslos um Endstufen im selben Format wie unser Universalist. Zu Recht nennt René Trömner vom jetzigen deutschen Vertrieb Taurus High-End die handlichen, in den USA zusammengebauten Leistungsprotze also „Powerriegel“.

Enorm kontrolliert und langzeittauglich
Umfangreiche Features gepaart mit niedlicher Erscheinung könnten so manchen dazu verleiten, den kleinsten e.One-Spross zu unterschätzen. Das wäre wirklich schade, denn wer ihn sich unvoreingenommen anhört, merkt schnell, dass er es klanglich absolut ernst meint. Überforderungserscheinungen in Sachen Kontrolle zeigt der zweimal 60/120 Watt an 8/4 Ohm leistende C5i an der Xavian XN 270 Evoluzione keineswegs, obwohl diese um 3000 Euro pro Paar kostende Kompaktbox durchaus einen gewissen Anspruch an die Leistung und Stabilität ihres Zuspielers hegt. In der Qualität der Tieftonwiedergabe eilt der e.One C5i sogar meinem etwas teureren und dazu reinrassigen Vollverstärker ein kleines bisschen davon. Bässe agieren verblüffend klar freigestellt vom restlichen Spektrum. Sie überlagern sich nie ungebührlich mit den Mitten und wirken dadurch einfach einen Tick glaubhafter, zumal sie überaus gelenkig und souverän dargeboten werden. Am anderen Frequenzende gibt sich John Stronczers Allrounder eher leicht mild als betont strahlend. Es ist allerdings auch denkbar, dass er nur deshalb minimal runder abgestimmt wirkt, weil er so ungemein sauber klingt. In ruhigen Musikpassagen ist die Stille einfach noch stiller als gewohnt.

Akkurat und vital – ob analog oder digital
Die beachtliche Akribie des Bel Canto offenbart sich auch in seiner exakten räumlichen Abbildung. Er separiert nebeneinander angeordnete Instrumente deutlicher voneinander als der klassische Transistorverstärker von Audia Flight, der dafür mit einem echter anmutenden, gleichsam „atmenden“ Raum kontert, der auch insgesamt größer wirkt, mehr Feinheiten freilegt und sich ein gutes Stück weiter in die Tiefe reckt als derjenige des Amerikaners. Dass der Italiener alles in allem einen Vorsprung für sich verbucht, ist jedoch kein Wunder angesichts des niedrigeren Preises (1900 Euro) und der erheblich umfangreicheren Ausstattung seines Konkurrenten, der dennoch der rhythmisch Zwingendere der beiden ist.

Attraktives Rundumsorglos- Paket
Als ich den Digitalausgang des CDX-3 von Steinmusic mit einem der beiden koaxialen SPDIF-Eingänge am Bel Canto verbinde, zeigt sich, dass dessen Wandlertrakt seiner (zu)packenden Verstärkersektion problemlos das Wasser reichen kann. Die Unterschiede zwischen amerikanischem und deutschem Digitalabteil ähneln interessanterweise den bereits geschilderten der Verstärkerzüge. Wieder ist es der C5i, der alles stärker auffächert. Zugleich behält er aber den Gesamtüberblick und legt sich enthusiastisch ins Zeug, während Holger Steins Kreation organischer, fließender, relaxter musiziert und das Geschehen stämmiger untermauert. Es ist letztlich reine Geschmackssache, von welchen Eigenschaften man sich hier stärker angesprochen fühlen möchte. Auf den ersten Blick würde man dem äußerlich eher unscheinbaren Bel Canto C5i die in ihm steckenden Fähigkeiten kaum zutrauen. Entpuppt er sich bei genauerem Hinsehen doch als opulent bestückte, vollwertige HiFi-Schaltzentrale, die höchst fesselnd wandelt und verstärkt, im Betrieb stets cool bleibt und genauso aussieht. Ein wahrhaft klangstarkes Schweizer Taschenmesser.

 

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