Christine Corvisier Quintett - Chansons de Cologne

Christine Corvisier Quintett – Chansons de Cologne

Zwischen drei Welten

Das Christine Corvisier Quintett mit Chansons de Cologne – Zwischen drei Welten

Nie platt, nie beliebig, nie angestrengt: Die französische Saxofonistin Christine Corvisier, die seit geraumer Zeit in Köln lebt, hat mit der Sammlung Chansons de Cologne ein Album eingespielt, das wie geschaffen für entspannte Herbstabende ist.

Fotografie: Olaf Rohl

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Christine Corvisier Quintett - Chansons de Cologne

Schon der Einstieg mit dem alten Ohrwurm „C’est si bon“ zieht einen in diese audiophil aufgenommene Silberscheibe hinein. Eine CD mit autobiografischer Färbung, auf der Melancholie nie in Larmoyanz, intellektueller Anspruch nie in Verkopftheit abdriften.

Zusammen mit Sebastian Scobel (Klavier), Martin Schulte (Stromgitarre), David Andres (Kontrabass) und Alex Parzhuber (Schlagzeug) spürt Christine Corvisier nicht nur französischen Befindlichkeiten und ritualisierten US-amerikanischen Jazz-Gepflogenheiten nach, sondern stellt zwischen den Notenzeilen auch die Frage, welchen Einfluss ihre rheinische Wahlheimat auf die musikalisch-emotionale Verfassung hat. Keine Sorge, das Ergebnis sind keine Ethno-Experimente im Jazz-Idiom, sondern ist eher ein durchaus vielversprechender Versuch, aus innerer und äußerer Bewegtheit das Kondensat einer global verstandenen Musikästhetik zu gerieren.

Christine Corvisier Quintett - Chansons de Cologne

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Eine leichtfüßige Wanderschaft zwischen (mindestens) drei Welten, bei der ohne jede Berührungsangst auch andere Dimensionen tangiert werden. Ins Fremde, Ungekannte, Nie-Gehörte wird für Sekundenbruchteile hineingehört, Schnipsel werden mitgenommen, Zitate auf Atomgröße reduziert oder auf Universums-Ausmaße hochskaliert – immer im Bestreben, die eigene (Musikerinnen-)Identität möglichst scharf konturiert zu erfassen, sich selbst zu finden.

Nicht zuletzt durch Martin Schultes offensichtlich röhrenverstärkten Gitarrenklang wird Chanson-Klassikern wie „Lumière s.v.p.“ oder „La belle vie“ ein Nostalgie-Gewand in Pastell übergestreift. Gerade so, als schaue man einen jener Technicolor-Streifen, die im quirligen Paris der 1950er Jahre spielen, deren Farben aber in den Jahrzehnten seit der Entstehung stark verblasst sind.

Christine Corvisier Quintett - Chansons de Cologne

Anderes erinnert an die Coolness der schwarzweißen Nouvelle Vague, an jene Epoche, als Miles Davis Krimisoundtracks (L’Ascenseur pour l’echafaud) schrieb und Jazzmusiker in etwa so gut verdienten wie heutige Popstars.

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Zudem haben Christine Corvisier und Co. nicht die geringsten Hemmungen, auch Ikonen der Chanson-Literatur so kraftvoll durchzukneten, dass etwas völlig Neues herauskommt. Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“ pendelt zwischen freier Improvisation und bis zur Erkenntlichkeit fein geschmiedeten Passagen, weit fort vom Original und doch ganz nah.

Zu einer der bemerkenswertesten, weil spannendsten Neuerscheinungen dieses Herbstes passt eine Aufnahmequalität, die an die großen Zeiten des Labels Blue Note erinnert und ganz auf Räumlichkeit, Durchhörbarkeit und tonale Ausgeglichenheit abhebt. Wenn David Andres für den Valse d’Amélie zum Bogen greift, sieht man förmlich das Kollophonium stauben, und die atmosphärische Film-Reminiszenz verströmt unendlichen Charme. Très bien, Madame!

Christine Corvisier Quintett - Chansons de Cologne

Christine Corvisier Quintet
Chansons de Cologne
Label: JAZZsick records 2022
Format: CD

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www.christinecorvisier.com

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