Dan D'Agostino Progression Integrated

Dan D’Agostino Progression Integrated

Erkenne Dich selbst

Dan D’Agostino Progression Integrated – Erkenne Dich selbst

Ok, Chilon von Sparta meinte mit dieser Losung ganz sicher nicht den highendigen Anlagenkauf. Von einem der sieben Weisen zu lernen, kann allerdings auch für uns kein Fehler sein. Dabei lassen wir uns vom neuem Vollverstärker von Dan D’Agostino, „Progression Integrated“, begleiten.

Dan D'Agostino Progression Integrated

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In aller Kürze

Der Progression Integrated von Dan D’agostino hat genug Leistung für alle Lebenslagen, klingt aber nicht nach dicken Armen, sondern kann mit feiner Hand Musiker zwischen die Lautsprecher stellen. Solch eine klangliche Präsenz ist selten.


Einer meiner Freunde, nennen wir ihn Simon, sucht einen neuen Verstärker. Das ist jetzt keine so ungewöhnliche Situation, und dennoch möchte ich darüber schreiben, denn seine Suche ist stellvertretend für so viele andere in unserer Welt. So viele Anfragen, die uns per Mail erreichen, sind zu ähnlich …

Dan D'Agostino Progression Integrated

Simon ist kein Musiker, hört aber seit gut 30 Jahren intensiv Musik. Da er recht gut verdient, konnte er sich auch immer ziemlich gute Geräte leisten, blieb allerdings in den meisten Fällen nur kurze Zeit damit glücklich. An den Anlagen konnte es eigentlich nicht liegen, denn die meisten seiner Komponenten hätte ich selbst gerne besessen. Lange Nächte hindurch haben wir dieses Thema diskutiert, denn sobald die Unzufriedenheit wieder nagte, klingelte bei mir das Telefon und er bat um ein Treffen zur gemeinsamen Fehlersuche. Dabei stellten wir mit seinen Anlagen alles an, was einem einfallen kann, um die Performance auf den Punkt zu bringen. Natürlich resultierte das immer wieder in kleineren oder auch größeren Verbesserungen, eine kurze Freude kam auf, die allerdings auch ebenso schnell wieder verpuffte. Was blieb, war die Unzufriedenheit.

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Dan D'Agostino Progression Integrated
Vier Analogzugänge, Pre-Out, ein Recorder-Duett und solide Lautsprecher-Terminals. Wer die Platte am Gehäuserücken löst, kann dort ein Phono-Modul oder das optionale Digitalboard versenken. Letzteres bietet neben Streaming sechs S/PDIF und USB-Zugänge, die alle Formate (max. 24/192) sowie DSD 256 entgegennehmen.

Eine Erleuchtung kam, als wir eines Abends bei mir im abgedunkelten Raum eine Sinfonie von Gustav Mahler hörten, die ihn – obwohl so gar nicht seine Musik – vom ersten bis zum letzten Moment fesselte. Derart emotional aufgeladen, besorgte er sich sofort dieselbe Einspielung, um zu Hause eben dieses Erlebnis noch einmal spüren zu können. Fehlanzeige, es klappte nicht.

Nach vielen weiteren Hörrunden, in denen er auch klar Punkte eingrenzen konnte, mit denen er bei meiner Anlage nicht leben könnte, war die grundsätzliche Spur allerdings gefunden: Er hatte bisher nicht auch nur einmal frei von jeder äußeren Einflüsterung nach innen gelauscht. Und damit sind wir bei einer Erkenntnis, die ein Kernsatz der HiFi-Welt sein sollte: Folge nicht Testberichten, sondern erkenne dich selbst. Berichte wie dieser hier können nur Informationen bieten, ein Raster auslegen, auf dem man seine eigenen Bedürfnisse verorten kann.

Dan D'Agostino Progression Integrated
Die liebe Verwandtschaft … hat unübersehbar ihre Gene im Progression hinterlassen. Der dicke Pegelsteller ist nicht nur optisch, sondern auch in seiner Platzierung eine Anleihe an das „VU-Bullauge“ der großen Momentum-Vorstufe. Selbst die markanten Verschraubungen werden durch Fräsungen in der Kupfereinfassung nachgeahmt.

Simon also hatte sein persönliches Profil gefunden, endlich gemerkt, was wie bei ihm wirkt. Und mit diesem Wissen konnte er die zahlreichen gesammelten Artikel schließlich richtig benutzen, einordnen. Dann besuchte er mit klarem Beuteschema ein paar HiFi-Läden, konnte sich schnell entscheiden und hört seitdem glücklich – mit einem D’Agostino-Verstärker …

Dan D'Agostino Progression Integrated
Macht aus jedem Blickwinkel eine gute Figur.

Rein optisch ist der D’Agostino Progression Integrated ein Brocken, der ein Zimmer mit Leichtigkeit dominiert. Umso verwunderlicher ist es, dass Mansour Mamaghani erzählt, es würde sich hierbei um eine Art „Sparversion“ handeln, wobei sich dieses Wort angesichts der Qualität und des Preises eigentlich verbietet. Aber, nicht vergessen, es gibt Firmen, deren Maßstäbe nicht unbedingt mit (m)einer bodenständig alltäglichen Sicht korrespondieren. Dan D’Agostino hat in seinem Leben vieles gemacht – Kompromisse im Verstärkerbau gehören jedoch nicht dazu. Während bei den großen Baureihen riesige Aluminiumblöcke hergenommen werden, denen man alles wegfräst, was nicht nach Verstärker aussieht, begnügt man sich bei dieser günstigeren Serie mit zusammengesetzten Aluminiumplatten. Die allerdings so massiv sind wie bei anderen Herstellern ein ganzes Gerät.

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Dan D'Agostino Progression Integrated
Ungewöhnliche, aber attraktive, aus dem Vollen gefräste Kühlkörper geben dem Dan D’Agostino Progression Integrated eine ganz eigene Formensprache.

Gesetzt sind bei dieser Firma natürlich sehr potente Ringkerntransformatoren, wobei ein wesentlicher Teil von deren Entwicklung die möglichst weit linearisierten Kennlinien sind. Natürlich gibt es keinen idealen Transformator, da wir uns in der realen Welt mit Sättigungen, Kapazitäten, Widerständen und dergleichen mehr herumschlagen müssen. D’Agostino sieht in der Linearisierung des Trafos allerdings einen wichtigen Weg, den nachfolgenden Baugruppen die Arbeit erheblich zu erleichtern. Damit die benötigte Leistung schnell zur Verfügung steht, sitzt die kapitale Kondensatorbank direkt beim wichtigsten Verbraucher, der Ausgangsstufe. Das althergebrachte Potentiometer erleben wir kaum noch in Verstärkern, und auch der Progression Integrated macht hier keine Ausnahme. Mehrere in Serie geschaltete und digital gesteuerte Relais schalten die benötigten Widerstände dazu, eine saubere Abstufung und dauerhafte Kanalgleichheit sind das Ziel.

Dan D'Agostino Progression Integrated
Die Ähnlichkeiten zum Top-Kraftwerk setzten sich auch im kunterbunten Inneren fort. Der riesige Ringkerntrafo des Progression Integrated liefert dank seiner Toroid-Wicklungstechnik einen gehörigen Leistungsboost, der ebenfalls aus der Momentum M400 abgeleitet wurde. Für vergleichbaren Output müsste ein herkömmlicher Trafo noch deutlich größer ausfallen.

Über die genaue Beschaltung der bipolaren Endtransistoren wollte Dan D’Agostino uns nichts verraten. Nur so viel, dass der Progression Integrated in weiten Teilen den großen Brüdern der Momentum-Serie entspreche. Lediglich die Anzahl der Bauteile (Transistoren und Kondensatoren zum Beispiel) sowie das schon angesprochene „leichtere“ Gehäuse mache den Unterschied.

Dan D'Agostino Progression Integrated
Kopfhörerbuchse auf der Rückseite.

Kraft hat der Progression Integrated aber in jedem Fall, ansonsten dürfte er wahrscheinlich nicht die Fertigungshallen verlassen. O-Ton D’Agostino dazu: „Unsere Philosophie ist es, sicherzustellen, dass ein Verstärker für jede Anforderung, die ein Lautsprecher an ihn stellt, die nötige Leistung bereithält.“

Dan D'Agostino Progression Integrated
Wie an der Perlenkette: Die Transistoren des Integrated schmiegen sich an zwei außergewöhnlich gestaltete Kühlkörper, die beinahe die vollständigen Gehäuseflanken einnehmen. Die Kraftriegel leisten unverwüstliche 200 Watt an acht beziehungsweise 400 Watt an vier Ohm.

Den D’Agostino Progression Integrated zu hören ist ein besonderes Erlebnis. Denn seine feine klangliche Signatur ruft in jedem, der noch die großen amerikanischen Verstärker des letzten Jahrhunderts kennt, sofort eine Erinnerung wach. Dieser unverschämt natürliche Klang nach Hubraum und endlosen Kraftreserven wird jedem, der ihn einmal wirklich gehört hat, ewig in den Zellen stecken. Da die Zeit aber nicht stehen bleibt, gibt es diese Signatur nur als leises Zitat, als feinen Duft, der über einer heute üblichen, eher neutralen Abstimmung schwebt. Jeder erfahrene Hörer weiß sofort, was gemeint ist, ohne dass der Verstärker der Musik etwas in den Weg stellen würde. Nachdem Carsten Barnbeck und ich beim gemeinsamen Hören dieses Aroma feststellten, befragte ich Agostino dazu und bekam eine passende Antwort: „Wir beginnen immer mit einer technischen Grundlage für alle unsere Entwicklungen. Jede Komponente muss gut gemessen werden und die Aufgabe erfüllen, für die sie entwickelt wurde. Von dort aus diktiert unsere jahrelange Hörerfahrung den endgültigen Klang, den jedes Produkt erzeugen wird.“

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Zuerst lauschen wir uns durch eine herrliche alte Aufnahme von Dvoráks Streichquartetten (Panocha Quartet, Supraphon). Ihr Zusammenspiel ist so verfeinert und verinnerlicht, dass keine große Geste mehr nötig ist. Die vier Herren sitzen mit geschlossenen Augen auf der Bühne und fangen scheinbar aus dem Nichts einfach an zu spielen. Ihr Klang ist eine perfekte Mischung alter Schule, nicht der sportliche Zugriff moderner Formationen. Vielleicht lässt er sich am besten mit „altem Gold“ beschreiben. Hört man die Panochas, lauscht man in eine vergangene Zeit. Der Progression Integrated vermag es, die Präsenz dieser vier Musiker in die heimischen Wände zu transportieren. Er liefert nicht nur saubere Töne, sondern scheint auch die Seele gleich mit im Gepäck zu haben. Da Simon, wir erinnern uns, am liebsten Kammermusik und Jazz hört, kann ich sofort verstehen, was ihn hier gefangen nahm und nimmt. Feinste Dynamikunterschiede, mit denen sich beispielsweise ein Bogenwechsel ankündigt, erhalten hier eine fast physische Präsenz. Das Geflecht der Musik wird greifbar.

Ähnlich geht es uns, als wir danach Johnny Cash, Trilok Gurtu, John Coltrane oder Sting hören. Immer wieder fesselt uns die Präsenz der Darbietung, dieses Gefühl, dabei zu sein.

Dan D'Agostino Progression Integrated

Wir können Simon verstehen und ihn zu seiner Wahl beglückwünschen. Er hat herausgefunden, was er wirklich zum erfüllenden Musikhören braucht, und hat den für ihn perfekten Verstärker gefunden. Angesichts seiner objektiven Qualitäten ist dieser Vollverstärker natürlich alles andere als ein Nischenprodukt. Ich kann mir aber vorstellen, dass Menschen, die nicht so tief in die Musik eintauchen wollen und stets eine gewissen Distanz zum Geschehen benötigen, von ihm überfordert werden können. Denn Gleichgültigkeit und Unverbindlichkeit kann der Progression Integrated nun wirklich gar nicht.

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Info

Vollverstärker D’Agostino Progression Integrated
Konzept: Stereo-Vollverstärker mit Erweiterungsoptionen
Leistung (8 Ω): 2 x 200 W
Eingänge: 4 x XLR (symmetrisch), 2 x Cinch (asymmetrisch)
Ausgänge: 1 x XLR (symmetrisch), 1 Paar Lautsprecherklemmen (Bananenstecker und Gabelschuhe)
Zubehör: Fernbedienung, DAC-Modul optional (1 x USB, 1 x optisch, 1 x Cinch (S/PDIF), LAN/WLAN)
Maße (B/H/T): 44/19/51 cm
Gewicht: 26 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (5 Jahre nach Registrierung)
Preis: um 27 000 € (Phono-Option um 3000 €, DAC-Option um 6700 €)

Kontakt

Audio Reference
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
Telefon +49 40 53320359

www.audio-reference.de

www.dandagostino.com

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