Duke Ellington - New Orleans Suite

Duke Ellington – New Orleans Suite

Forever Young – 50 Jahre Album-Klassiker – Duke Ellington – New Orleans Suite

Mehr als 30 großformatige Werke hat Duke Ellington im Lauf der Jahrzehnte für sein Orchester geschrieben. Das begann 1931 mit der Creole Rhapsody – sie war von Gershwins Rhapsody In Blue inspiriert. Hinter Ellingtons Großwerken stand die Absicht, den Jazz durch eine gewisse Konzerthaus-Seriosität gesellschaftlich aufzuwerten. Leider fehlte oft die Zeit, um diese Stücke gewissenhaft auszuarbeiten – das Ellington-Orchester war ja ständig auf Tournee oder im Studio. Doch der Bandleader fand eine Notlösung: die sogenannte „Suite“. Dank der Suitenform musste Ellington keine ausgedehnten Kompositionen schreiben, sondern konnte einfach mehrere kurze Stücke locker aneinanderreihen. Häufig blieben die einzelnen Nummern einer Suite sogar skizzenhaft, denn sie mussten sich ja nicht als eigenständige Bigband-Hits im Konzertalltag bewähren. Kritiker haben Ellington das „Unfertige“ seiner Suiten oft vorgeworfen. Doch der „Impressionismus“ der Stücke ist gerade ihr Charme. Nie klang Ellington mutiger, experimenteller, moderner, unkonventioneller als in den Suiten.

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Viele Ellington-Suiten entstanden für namhafte Auftraggeber, etwa die Regierung von Liberia oder den Dirigenten Arturo Toscanini. In den 1950er und 1960er Jahren waren es hauptsächlich Festivals, die sich für den Auftritt der Ellington-Band eine eigene Suite wünschten. Der Auftrag für die New Orleans Suite kam vom Veranstalter George Wein, der 1970 für das New Orleans Jazz Festival zuständig war, wo sonst in der Regel nur Lokalmatadore auftraten. Im Gegensatz zu Ellingtons exotischen Suiten dieser Zeit – Far East Suite (1966), Latin American Suite (1968), Afro-Eurasian Eclipse (1971) – bedeutete das Thema „New Orleans“ eine willkommene Rückkehr in die Ur-Heimat des Jazz. Ellington hat Musiker aus Louisiana immer besonders geschätzt und oft versucht, sie für sein Orchester zu gewinnen. Sidney Bechet war lange Zeit sein Lieblingsmusiker gewesen.

Duke Ellington - New Orleans Suite

Vor dem Festivalauftritt im April 1970 hatte die Ellington-Band ein Engagement in einem renommierten Jazzclub in New Orleans. Die Auftritte dort wurden praktisch als Bandproben genutzt, bei denen die New Orleans Suite Gestalt annahm. Ellington soll Musikwünsche der Clubbesucher abgelehnt haben, um sich ganz auf die Suite zu konzentrieren. Der Auftritt beim Festival wurde dann ein großer Erfolg: „Ich bekam Gänsehaut, das war der Duke in Bestform“, meinte George Wein. 1971 gab es für die Plattenaufnahme auch einen Grammy.

Fakten

Aufnahme: 27. April und 13. Mai 1970
Veröffentlichung: 1970
Label: Atlantic
Produktion: Duke Ellington

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Titel:
1. Blues For New Orleans
2. Bourbon Street Jingling Jollies
3. Portrait Of Louis Armstrong
4. Thanks For The Beautiful Land On The Delta
5. Portrait Of Wellman Braud
6. Second Line
7. Portrait Of Sidney Bechet
8. Aristocracy A La Jean Lafitte
9. Portrait Of Mahalia Jackson

Musiker:
Duke Ellington Orchestra

Cootie Williams, Trompete
Johnny Hodges, Altsaxofon
Norris Turney, Altsaxofon, Klarinette, Flöte
Harold Ashby, Tenorsaxofon, Klarinette
Paul Gonsalves, Tenorsaxofon
Hary Carney, Baritonsaxofon, Bassklarinette
Duke Ellington, Piano
u. a.

  • Beim Festivalauftritt in New Orleans (April 1970) und bei der ersten Studiosession bestand die Suite erst aus fünf Sätzen. Um auf volle LP-Länge zu kommen, schrieb Ellington ergänzend die vier musikalischen „Portraits“, die großen Musikern aus New Orleans gewidmet sind. Sie wurden bei der zweiten Studiosession eingespielt.
  • Der eröffnende „Blues For New Orleans“, das längste Stück der Suite, wurde zu Johnny Hodges’ Vermächtnis. Ellington hat seinem wichtigsten Solisten hier einen Gast zur Seite gestellt, den Orgelspieler Wild Bill Davis. Hodges und Davis hatten in den 1960er Jahren eine erfolgreiche gemeinsame Groove-Band. Der Blues ist Hodges’ letzte Studioaufnahme – der Saxofonist starb zwei Tage vor der zweiten Plattensession.
  • „Portrait Of Sidney Bechet“ sollte ein Sopransax-Feature für Johnny Hodges werden, der in jungen Jahren von Bechet entscheidend beeinflusst war. „Am 11. Mai überlegte ich, wie ich Johnny Hodges überreden könnte, sein Sopransaxofon mal wieder auszupacken“, erzählte Ellington. „Da klingelte das Telefon, und ich erfuhr, dass Johnny gerade gestorben war. Unsere Band wird nie mehr so klingen wie früher.“ Hodges hatte fast 50 Jahre lang zur Ellington-Band gehört.
  • Das Solo in „Portrait Of Sidney Bechet“ am 13. Mai übernahm Paul Gonsalves auf dem Tenorsaxofon. Es wurde eine doppelte Hommage: an Sidney Bechet und den gerade verstorbenen Johnny Hodges.
  • Eine relativ neue Klangfarbe im Ellington-Orchester war 1970 die Flöte. Norris Turney spielt sie prominent (und ein wenig exotisch) in „Bourbon Street Jingling Jollies“ und „Portrait Of Mahalia Jackson“.
  • „Portrait Of Wellman Braud“ ist dem Bassisten gewidmet, der im Ellington-Orchester von 1926 bis 1935 eine wichtige Rolle spielte – es war eine entscheidende Phase der Band (Cotton Club, Weltwirtschaftskrise). Das nervöse Stück gilt als das raffinierteste in der ganzen New Orleans Suite.

www.jpc.de

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