Econaudio IA3000 Vollverstärker

Econaudio IA3000 Vollverstärker

Auf direktem Wege

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Econaudio IA3000 – Auf direktem Wege

Reduktion ist eine Kunstform. Und wie man etwas verbessern kann, indem etwas konsequent weggelassen wird, ist die zentrale Frage während der dreijährigen Entwicklungsphase des Vollverstärkers Econaudio IA3000 gewesen. Der österreichische Verstärker hat eine Antwort auf diese Frage parat, und die will ich mir ganz genau anhören: Musik ab!

Econaudio IA3000 Vollverstärker

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In aller Kürze

Das gegenkopplungsfreie Schaltungskonzept lässt die Musik unkomprimiert an die Lautsprecher durch und überzeugt durch eine exzellente Raumabbildung. Die schnelle, transparente, aber entspannte Gangart lädt zu langen Hörsitzungen ein.

Econaudio IA3000 Navigator


Die Prämisse bei der Entwicklung des IA3000 war die technische Reduktion. Es gibt vergleichsweise wenige Bauteile im hochwertigen Gehäuse des Vollverstärkers, das aus überwiegend klanglichen Gründen so entworfen und umgesetzt wurde, wie es vor mir steht. Das geht bis hin zur Auswahl der am besten klingenden Edelstahllegierung für die Behausung der Elektronik.

Econaudio IA3000 Vollverstärker
Pure analog: Sicher ist Ihnen schon aufgefallen, dass der IA 3000 D/A-Wandlereien anderen überlässt. Seine fünf Eingänge sind analog und gleichwertig, einen Phono-Pre gibt es also auch nicht.

Die Bedienung ist klar: Die drei jeweils aus dem Vollen gefrästen Drehregler aus rostfreiem Edelstahl decken die Funktionen Ein/Aus, Lautstärke und Eingangswahl ab. Satt rastend und sanft und satt laufend – so kann man den haptischen Eindruck im Umgang mit den Steuerelementen auf der Frontplatte beschreiben. Ein LED-Ring (mit eigener Stromversorgung) um den Lautstärkesteller setzt einen dezenten optischen Akzent. Im Inneren sorgt ein in Deutschland gefertigter Ringkerntrafo für die richtige Spannung, der Bestandteil eines klassischen linearen Netzteils ist. Von hier wird die rückseitig hinter den Eingangsbuchsen montierte Platine für Eingangswahl und Vorverstärkung sowie die mit vier Transistoren bestückte Endstufe mit Strom versorgt. Auffällig ist der zentrale Massepunkt der Schaltung. Hier laufen im wahrsten Wortsinn dicke Drähte aus dem Gehäuse zusammen, die aus dem gleichen Material gefertigt sind wie alle Econaudio-Kabel. Das gilt somit auch für das hochwertige beiliegende Netzkabel mit professionellem Powercon-Stecker von Neutrik. Der aus der Profitechnik bekannte Anschluss ist nicht nur in Sachen Kontaktübergang, sondern auch in Sachen Verbindungssicherheit den üblichen Kaltgerätebuchsen überlegen. An dieser Stelle ein großer Dank meinerseits, dass das Team um Firmenchef Gert Rheina-Wolbeck und Entwickler Helmut Cohrs sich konsequent für die bestmögliche Verbindung entschieden hat, auch wenn sie damit sicherlich einige Händler und Netzkabelhersteller vor den Kopf stoßen. Meinen Respekt und meine Anerkennung haben sie dafür.

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Econaudio IA3000 Vollverstärker
Die Sternförmige Masseführung wie aus dem Bilderbuch.

Zunächst will ich aber etwas Musik hören, denn allein darum geht es dem Österreicher im edlen Stahlmantel. „High Hopes“ von Pink Floyd läuft von CD. Bei gemäßigter Zimmerlautstärke höre ich ein ausgewogenes Frequenzbild. Der Bassbereich ist griffig und kraftvoll, die Mitten sind sauber und differenziert und die Höhen offen und klar – extrem klar, kann ich hier sogar sagen. Was auffällt, ist, dass der IA3000 Transienten mit ungebremster Energie an die Lautsprecher weitergibt. Das gilt hier sowohl für das Schlagzeug als auch für die stahlbesaitete Akustikgitarre, gleichzeitig geht der Verstärker aber ganz behutsam mit den Keyboards und den Streichern um. Oft gibt es bei Verstärkern eine Präferenz für das eine oder das andere, der Econaudio kann beides simultan. Schnell, dynamisch und gleichzeitig seidig glänzend führt er mich durch diesen späten Klassiker der David-Gilmour-Phase.

Econaudio IA3000 Vollverstärker
Selten haben wir eine derart ausgeprägte sternförmige Masseführung gesehen. Den dafür erforderlichen Kabelsalat verzeihen wir gern. Er verbirgt die hochkarätigen Einzelkomponenten und die diskrete Bauweise: Jede „Funktion“ ist auf einer separaten Platine untergebracht. Das Alps-Poti für die Lautstärkesteuerung sitzt direkt auf der Vorstufe und ist über einen langen Steg mit dem Pegelsteller verbunden

Sarah McLachlans Mirrorball ist ein gut aufgenommenes Livealbum mit klarer Stimme, druckvoller Rhythmusgruppe und schöner Atmosphäre. Hier verstärkt sich mein Eindruck, dass der Econaudio über eine weitere herausragende Eigenart verfügt. Der eine Verstärker kann besonders gut die Phantommitte bei der Stereowiedergabe einrasten lassen, der andere vielleicht die Bühne schön weit aufspannen und Details nach rechts oder links legen. Das kann der IA3000 auch, aber was er mir darüber hinaus zeigt, ist eine beängstigend exakte Positionierung der Klangquellen im Bereich genau zwischen der Mitte und den einzelnen Lautsprechern. Bei dieser Liveaufnahme ist dort mal das Publikum präsent, mal das Keyboard oder eine begleitende Gitarre. Er nutzt also das Stereopanorama nicht nur in seinen plakativen Extrempositionen, sondern liefert eine ganzheitliche Raumabbildung, wie ich sie nur selten zuvor gehört habe. Die bisher zusammengenommenen Eindrücke verbindet er zudem noch mit einer souveränen, unaufgeregten Gangart, die lange Hörsitzungen zur Regel werden lässt. Das ist dann ein sekundärer Effekt: Sie werden definitiv mit diesem österreichischen Manufakturprodukt wieder länger Zeit mit Ihrer Musiksammlung verbringen.

Econaudio IA3000 Vollverstärker
Man verschätzt sich bei den Dimensionen des IA 3000: Der zentrale Pegelsteller nimmt einen gefühlten Quadratmeter Gehäusefläche ein und lässt sich herrlich geschmeidig mit zwei Händen bedienen. Powerschalter und Quellenwahl wurden passend ausgelegt.

Der Vollverstärker IA3000 ist voll analog aufgebaut und nimmt insgesamt fünf Linepegel-Quellen an unsymmetrischen Cinchbuchsen entgegen. Ausgangsseitig stehen solide, selbst gefertigte Lautsprecherterminals aus der gleichen Kupferlegierung wie die der verwandten Kabel bereit. „Selbst gefertigt“ ist dabei ein wichtiges Stichwort, denn die Österreicher fertigen sogar ihre Kondensatoren selbst! Nur mit dieser Fertigungstiefe und hohen Bauteilqualität hat es Entwickler Helmut Cohrs hinbekommen, mit einer auf das Wesentliche reduzierten Schaltung dieses klangliche Ergebnis abzuliefern.

Econaudio IA3000 Vollverstärker
Fünf gleichberechtigte Quellen kann der Vollverstärker verwalten.

Die Hauptrolle der aus wenigen Bauteilen bestehenden Endstufensektion spielen pro Kanal je zwei komplementär arbeitende, nach strengen Kriterien selektierte MOSFET-Transistoren. Die Schaltung schafft dabei einen bruchlosen respektive sanften Übergang zwischen den beiden zu verstärkenden Halbwellen des Signals. Wie genau er das hinbekommen hat, darüber schweigt sich Cohrs höflich aus. Dass er etwas anders macht als (alle?) anderen Entwickler, zeigt die nicht vorhandene Abwärme der Schaltung. Obwohl rund 100 Watt an 4 Ohm an den Lautsprecherklemmen zur Verfügung stehen, wird der Econaudio noch nicht mal handwarm.

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Econaudio IA3000 Vollverstärker
Massiv ausgeführt: Die Lüftungsschlitze, die den Markennamen nachbilden, verraten die Dickwandigkeit des Gehäusedeckels. Daneben die optionalen Absorberfüße des Vollverstärkers.

Die Endstufe läuft komplett ohne Gegenkopplung, was ihr die Fähigkeit mit auf den Weg gibt, schnelle Transienten und sanften Tastenanschlag zeitgleich in den Hörraum zu projizieren. Es gibt auch keine Relais oder Sicherungen im Ausgang. Der über die Jahre bis zur Reife entwickelte Verstärker klingt deshalb so, wie er klingt, weil Firmenchef Gert Rheina-Wolbeck sich um das Gehäuse und die verwendeten Materialien eingehend gekümmert hat. Zusammen mit Helmut Cohrs hat er immer wieder die klanglichen Einflüsse des Gehäuses gehört, geändert, angeglichen. Das gilt auch für die Art der Verbindungen zwischen den Gehäuseteilen. Zum Lieferumfang gehören serienmäßig übrigens drei hochwertige Gerätefüße – aus eigener Entwicklung und Fertigung, versteht sich –, die separat für gut 1000 Euro erhältlich sind.

Econaudio IA3000 Vollverstärker
Eine echte Besonderheit ist der Stromanschluss des IA 3000, der mit einem Neutrik-Speakon-Stecker ausgeführt – eine hervorragende Verbindung, die Kabel-Tunern schwere Stunden bereiten könnte.

Ich habe meine analoge Wiedergabekette angeschlossen. Die Positionierung der Instrumente ist einmal mehr präzise im Stereopanorama nachvollziehbar. Die Offenheit meiner Übertrager-bestückten Luxman-E-250-Entzerrereinheit bekomme ich mit dem IA3000 noch ein wenig transparenter serviert, als ich es kenne. Dabei bleibt der Econaudio immer vornehm, ich möchte sagen gentlemanlike, wird also niemals harsch oder anstrengend. Schnelle Impulse setzt er punktgenau in den Hörraum, knackige Bassläufe zeichnet er verlustfrei nach und bleibt dabei der vorliegenden musikalischen Interpretation treu. Ich mag das jüngste Soloalbum von Jazz-Bassist Dave Holland – Another Land ist extrem sauber, aber auch mit einer leichten Betonung der tieferen Frequenzen aufgenommen. Auf einfacheren Anlagen klingt das dann schon mal schnell etwas belegt, nicht so mit dem österreichischen Musik-Leistungszentrum. Die Becken von Obed Calvaire erstrahlen, wenn sie es in der Aufnahme denn wirklich tun. Die Fingerfertigkeit Hollands auf den dicken Saiten ist in all ihrer Nuanciertheit zu hören. Dave Holland nutzt mal nur seine Fingerkuppen für einen ausgewogenen, warmen Ton, mal greift er kräftiger zu. Viel zu entdecken gibt es auch bei Kevin Eubanks und seiner E-Gitarre, die zwischen glockenhaften Klängen und bluesigem Crunch alle Spielarten bedient. Der IA3000 zeichnet die spielerischen Akzente des Trios ebenso nach wie den tonalen Charakter der Instrumente und der Aufnahme. Dabei ergänzt er diese essenziellen Fähigkeiten mit der gesteigerten Präzision in der Raumdarstellung und einem feinen Swing, der die Musik scheinbar ohne jegliche Begrenzung aus der Rille bis ans Ohr dringen lässt.

Bildergalerie
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Nach den bisher erhaltenen Eindrücken zu schließen, scheint der Econaudio-Vollverstärker prädestiniert für klassische Musik zu sein. Ich lasse sie ihm als hochauflösenden Stream via Qobuz zukommen – Edward Edgars Streicherserenade op. 20 wird vom Ensemble Metamorphosen Berlin unter der Leitung von Wolfgang Emanuel Schmidt dargeboten. Und meine hohen Erwartungen werden nicht enttäusch: Noch mehr als bei den vorher gehörten Aufnahmen kann ich die dynamischen Qualitäten des IA 3000 genießen. Das energetische „Allegretto piacevole“ zeigt das ganze Können der Musiker sowie der Anlage und speziell des Vollverstärkers. Instinktiv verfolge ich die Bogenführung der Streichinstrumente mit entsprechenden Kopfbewegungen und tauche ein in die aus meiner Sicht sehr gelungene Interpretation der Komposition. Selbst im Fortissimo bleibt alles im Lot, die Raumabbildung ist stabil, die Lautstärkeänderungen werden unkomprimiert durchgereicht. Sie können hören, wie sich der Charakter eines jeden Instrumentes mit der jeweiligen Intensität und Spielart ändert. Bei Piano-Passagen füllen die Resonanzen der hölzernen Klangkörper die Luft zwischen den Noten. Wird es laut, bleibt auch hier die Einheit von Bogen, Saite und Korpus gewahrt. Beeindruckend.

Econaudio IA3000 Vollverstärker
Als Lautsprecherklemmen verwenden die Österreicher Konstruktionen „Marke Eigenbau“. Man habe viele Modelle am Markt ausprobiert und dabei festgestellt, dass keine Ausführung dem Hohen Anspruch des Verstärkers genügt. Das Ergebnis sind äußerst robuste (und hervorragende) Massivkupferklemmen. Rechts daneben der blaue Anschluss für das Speakon-Stromkabel. Alternativ kann man hier den Strombooster und -manager PWR3000 anschließen, den Econaudio für 6900 Euro anbietet.

Der von Helmut Cohrs und Gert Rheina-Wolbeck sorgfältig und mit Ruhe entwickelte Vollverstärker Econaudio IA3000 vermag alle Details seitens der Wiedergabekette zeitrichtig, unkomprimiert, musikalisch und mit beeindruckender Räumlichkeit an die angeschlossenen Lautsprecher durchzureichen. Sind diese gut genug, werden Sie Ihre Kette neu entdecken können – tatsächlich hat mir persönlich unterm Strich am meisten Spaß gemacht, dass der hochwertige Verstärker zu langen Hörsitzungen geradezu einlädt. Ein österreichischer Gentleman, der mit allen klanglichen Wassern gewaschen ist. Bedenkt man den konstruktiven Aufwand mit höchstwertigen Bauteilen und das Konzept der kürzesten Signalwege, ist auch der relativ hohe Preis absolut nachvollziehbar.

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Hohe Fertigungstiefe und Kettengedanke
Firmeninhaber Gert Rheina-Wolbeck hat die Maschinen zur Fertigung der mechanischen Bauteile und Gehäuse im eigenen Betrieb zur Verfügung. Seine Erwe Group GmbH, zu der auch Econaudio als Marke gehört, baut seit Jahrzehnten hochwertige Sicherheitstechnik und kann jahrelange Erfahrung in der Metallverarbeitung vorweisen. Vor rund 10 Jahren entstand zusammen mit seinem Vater Helmut die Idee, eigene Verstärker zu bauen. Angefangen hat es mit einer Vor-/Endstufe als Prototyp, die immer noch bei Helmut Rheina-Wolbeck spielt.

Der vorhandene Maschinenpark ermöglicht die hohe Fertigungstiefe. Kabel und Lautsprecherklemmen werden ebenso wie die vorhandenen Absorbersysteme im eigenen Hause gefertigt. Die Kondensatoren für die Vorstufe produziert Econaudio ebenfalls selbst. Damit machen sich die Österreicher unabhängiger von Zulieferern – nicht erst seit jüngster Zeit ein sinnvoller Gedanke. Künftig soll das Portfolio dann auch Quellgeräte und Lautsprecher beinhalten. Damit wird Econaudio zum Vollsortimenter.


Info

Vollverstärker Econaudio IA3000
Konzept: Vollverstärker inklusive Econaudio-Netzkabel
Eingänge: 5 x analog unsymmetrisch Cinch
Ausgänge: 1 Paar Lautsprecherklemmen (massives Kupfer)
Besonderheiten: Fernbedienung auf Anfrage, Econaudio-Absorberfüße im Lieferumfang enthalten (um 1000 €)
Ausführung: Edelstahl
Maße (B/H/T): 45/18/38 cm
Gewicht: 24 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Preis: um 21 168 €

Kontakt

econaudio
Feldgasse 16
9560 Feldkirchen
Österreich
Telefon +43 4276 2816

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www.econaudio.at

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