Emerson Lake & Palmer

Emerson Lake & Palmer

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Forever Young – 50 Jahre Album-Klassiker – Emerson Lake & Palmer

Was waren das für goldene Rock-Zeiten, als schon eine Bandgründung für Schlagzeilen sorgte! Keith Emerson, Chef und Keyboarder der Klassik-Rockband The Nice, und Greg Lake, Sänger und Bassist der Artrock-Band King Crimson, planten ein gemeinsames Projekt, hieß es. Ihre Bands waren sich bei ein paar Gelegenheiten begegnet, Emerson (25) und Lake (22) hatten ein wenig miteinander gejammt, sie schienen zusammenzupassen – es fehlte nur noch ein Drummer. Etliche Schlagzeuger spielten in London vor, auch Mitch Mitchell und Jon Hiseman sollen darunter gewesen sein. Als man das Bewerberfeld schon aufs Ausland ausdehnen wollte, kam der 19-jährige Carl Palmer. Die Entscheidung fiel schnell, nur Palmer zögerte noch. Seine Band Atomic Rooster hatte doch gerade erst angefangen …

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Wie sollte denn nun das neue Trio heißen? „Triton“ und „Triumvirate“ waren als Bandnamen im Gespräch, um die Gleichberechtigung der drei Musiker zu betonen. Noch besser war in dieser Hinsicht: „Emerson, Lake & Palmer“. (Da konnte man sich sogar einreden, die Namen seien alphabetisch geordnet.) Denn im Grunde ging es darum, Emersons Dominanz ein wenig zu zügeln. Lake wollte sich nämlich entschieden mehr einbringen, als es Emersons Mitmusiker bei The Nice getan hatten. Von Anfang an verfolgten Emerson und Lake daher jeweils eigene Songideen. „Wir starteten als Supergroup“, sagte Emerson, „wir hatten nicht die Zeit gehabt, organisch zu wachsen.“ Und was wollte der Dritte, Carl Palmer? Er war schon dankbar für ein Drums-Feature auf jeder Platte. Und für ein paar anspruchsvolle metrische Herausforderungen in 10/8 oder 7/4 oder so.

Das erste Konzert spielten sie vor 3000 Besuchern (Plymouth), das zweite vor 600 000 (Isle Of Wight). ELP waren vom Start weg die Top-Group der Szene. Das erste Album – ohne Titel! – glich einem Statement. Für die Virtuosität, Präzision und Komplexität dieser Musik gab es kein Beispiel in der Rockgeschichte. Zeitweise waren mehrere Keyboardparts übereinandergelegt, die Klavierpassagen waren mit Klassik- und Jazzfinessen unterfüttert, die Schlagzeugpartien höchst artifiziell gestaltet. Emersons ausschweifende Klavierkunst kündigte im Grunde schon die Erfolge eines Keith Jarrett an. Und selbst in der kleinsten Übergangspassage der Arrangements steckten noch feinsinnige Details und raffinierte Haken. Das war jedenfalls nicht mehr der Sound der englischen Arbeiterjugend. Die Kritiker beklagten „Perfektionismus“ und „kalten Chromglanz“ – dabei war es erst der Anfang.

Emerson Lake & Palmer

Fakten

Aufnahme: Juli bis September 1970
Veröffentlichung: 20. November 1970
Label: Island
Produktion: Greg Lake

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Titel:

  1. The Barbarian
  2. Take A Pebble
  3. Knife-Edge
  4. The Three Fates
  5. Tank
  6. Lucky Man

Musiker:

Keith Emerson, Klavier, Hammondorgel, Kirchenorgel, Clavinet, Moog-Synthesizer
Greg Lake, Gesang, E-Bass, akustische Gitarre, E-Gitarre
Carl Palmer, Schlagzeug

  • Der Opener „The Barbarian“ ist das Signal einer neuen Rockära. Was für eine geniale, freizügige Umsetzung von Bartóks Klavierstück Allegro barbaro – mit Fuzz-Bass und Hammondorgel, dann im Mittelteil als Piano-Drums-Duett! Nicht weniger raffiniert gelang „Knife-Edge“ nach Janáčeks Sinfonietta. Allein dieser Vokaleinsatz: nur Bassgitarre, Hi-Hat und Greg Lakes Stimme! Und das folgende Hammond-Solo mündet dann noch in eine Allemande von Bach, gespielt auf der Kirchenorgel!
  • An „Take A Pebble“ arbeiteten Lake und Emerson schon, als sie noch einen Drummer suchten. Lakes kleiner Gitarren-Folksong mit surrealem Text („Wear sadness on your shoulders like a worn-out overcoat“) wuchs dabei zum Zwölfeinhalb-Minuten-Monster an – viel Klavierromantik, ein Touch Jazz-Ballade, eine Prise „Hang On To A Dream“ (The Nice). Netterweise hat Emerson auf Autorenanteile verzichtet.
  • Greg Lake war zwölf, als er seine erste Gitarre bekam, vier Griffe lernte und „Lucky Man“ schrieb. Weil noch ein Schlusssong fehlte, kam die Jugendsünde mit aufs Album – mit vielen Overdubs. Am Ende sollte Emerson auf dem Minimoog improvisieren. Gleich seine erste Probe wurde zum endgültigen Solo erklärt – es wurde der Durchbruch für den Moog in der Popmusik. „Lucky Man“ eroberte in ganz Europa die Single-Charts, nur nicht im Vereinigten Königreich. Lag es am Text?
  • Weil Emerson und Lake noch kein eingespieltes Songwriter-Team waren, ist der Instrumental-Anteil auf dem Debüt hoch. Alle späteren ELP-Alben haben mehr als nur drei Vokalstücke.
  • „Tank“, das Schlagzeug-Feature, wurde zugleich Elektronik-Feature. Zusammen mit Stevie Wonders „Superstition“ war es das Lieblingsstück der frühen Clavinet-Fans. Und am Ende sind gleich mehrere Moog-Parts übereinandergelegt – die Dinger waren ja noch einstimmig.
  • Mit den Witwen von Bartók und Janáček kam es zu Rechtsstreitigkeiten. Beide Komponisten waren auf dem Album nicht erwähnt, ihre Stücke frei bearbeitet. Emerson ließ es sich eine Lehre sein. (Bach war immerhin lange genug tot.)

www.jpc.de

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