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Eversolo Play CD-Edition

Eversolo Play CD-Edition

Allzweckwaffe auf HiFi-Kurs

Eversolo Play CD-Edition

Er kann digital, verschmäht auch analoge Kost nicht und fühlt sich in jedem Netzwerk pudelwohl: Der Eversolo Play CD-Edition ist ein Allrounder und zudem erschwinglich. Ob’s auch klanglich passt? Finden wir’s raus …

Eversolo Play CD-Edition

In aller Kürze: Eversolo Play CD-Edition

Eversolo Play CD-Edition

 

HiFi-Geräte aus China haben sich in den letzten Jahren einen beachtlichen Ruf erspielt, denn zu meist günstigen Preisen gibt es oftmals üppigen Funktionsumfang und stimmigen Klang. Eversolo Audio, eine junge Marke des AV/Video-Spezialisten Zidoo, hat mit seinen Geräten, beispielsweise dem Digital Media Player DMP-A10, schon für vermehrtes Aufhorchen gesorgt – und das Produktportfolio wächst und wächst. Ganz neu dabei ist der Eversolo Play, ein Streaming-Vollverstärker: Der empfiehlt sich als Zentrale für den highfidelen Musikgenuss, bedient passive Lautsprecher, kann streamen, wandeln und bietet sogar noch einen Phono-Preamp. Das alles – und, wie wir sehen werden, noch einiges mehr – gibt es bereits für knapp 700 Euro. Wer einen verdaubaren Hunderter drauflegt, bekommt den Play CD-Edition mit einem CD-Laufwerk von Hitachi und damit so etliche Optionen, um die eigene Musiksammlung den sensiblen Ohren zu servieren.

Volle Aufnahmebereitschaft

Der Eversolo Play ist auch mit CD-Laufwerk ein vergleichsweise kleines Gerät, das mich als Apple-User an den Mac Studio erinnert, dessen Maße er nur minimal übertrifft. Der Rechner-Vergleich passt ganz gut, denn im Grunde haben wir es mit einem Musikrechner zu tun: Auf dem Play läuft ein heftig angepasstes Android, ein wendiger Quadcore-Prozessor (ARM Cortex A 55) führt alle Funktionen aus. Auch das Alugehäuse lässt an angebissene Äpfel denken und vermittelt Wertigkeit.

Eversolo Play CD-Edition
Zentrales Bedienelement: der sehr gute 5“-LCD-Touchscreen. Das Hauptfenster ermöglicht den Direktzugriff auf die bekannten Streamingplattformen. Der große, mehrfarbig hinterleuchtete Dreh-/Druckgeber dient zur Lautstärkeregulierung sowie zum Hoch- und Runterfahren.

Zeitgenössisches HiFi bedeutet auch Streaming, und da ist der Play sehr gut aufgestellt. Selbstverständlich sind alle relevanten Streamingplattformen wie Tidal, Qobuz oder Spotify direkt erreichbar, hinzu kommen Amazon Music, HighResAudio sowie Apple Music – und noch einige mehr. Die Streaming-Protokolle Roon Ready und Tidal Connect werden unterstützt, Zugriff auf lokale NAS- und Cloud-Speicher und drahtloses Streaming funktioniert problemlos. Ein Ethernet-Anschluss ist vorhanden, WLAN funktioniert auch ohne sichtbare Antenne bestens.

Die Klänge gibt der Eversolo Play digital oder analog aus. Digital ist die Maximalauflösung mit 32 Bit/768 Kilohertz am USB-3.0-Audioausgang ehrfurchtgebietend hoch, entsprechende DACs können via USB angeschlossen werden. Dazu gibt es noch einen S/PDIF-Ausgang mit der Höchstauflösung von 24 Bit/192 Kilohertz, sodass die schnelle Integration ins vorhandene, digitalbasierte System geschwind erledigt ist.

Aber der Play ist auch ein Vollverstärker, folgerichtig lassen sich passive Stereo-Lautsprecher plus Subwoofer anschließen und mit Signalen versorgen. Die D/A-Wandlung obliegt dem anerkannt guten AKM 4493SEQ, zwei Class-D-Verstärker mit einer Leistung von 60 W/110 W (8/4 Ω) treiben die meisten Kompaktlautsprecher an. Die hauseigene „EVC-Engine“ verhindert Rundungsfehler bei der Lautstärkeanpassung, generell sind Verzerrungen und der Rauschabstand angeblich überdurchschnittlich gering beziehungsweise gut. Für leistungshungrige oder wirkungsgradschwache Lautsprecher sind die Verstärkermodule (TI TPA3255) allerdings etwas schwach auf der Brust, was angesichts der heutigen Lautsprecherbefähigungen aber kein Problem darstellt. Das liegt namentlich am verbauten Netzteil, das etwas kleiner ausfallen muss – vor allem aus Platz-, sicher jedoch auch aus Kostengründen. Interessant: Die – passive – Wärmeabfuhr erfolgt über Kühlrippen auf der Gehäuseunterseite, eine elegante Lösung für den kleinen Verstärker. Zumindest meine kompakten Geithain ME 25 arbeiten solide mit dem Eversolo zusammen.

Auch ein Plattenspieler ist anschließbar, denn der Play verfügt über einen Phono-Pre, der mit MM- und MC-Systemen klarkommt. Entzerrung und Filterung funktionieren auf digitaler Ebene, Rauschunterdrückung inklusive. Eine sprichwörtlich highendige Performance sollte man da nicht erwarten, für die potenziellen Spielpartner dieser Klasse ist der Entzerrer aber bestens abgestimmt.

Eversolo Play CD-Edition
Kaum größer als ein gewisser Desktoprechner ist der Eversolo Play – und doch drängen sich auf seiner Rückseite jede Menge Anschlüsse. Als Vollverstärker-Streamer verfügt er selbstverständlich über Anschlussklemmen für passive Lautsprecher sowie einen Mono-Subwooferausgang. Hinzu kommt ein Phono-Preamp für MM- und MC-Systeme und ein Line In. Analogsignale werden immer digitalisiert und aufbereitet. Digitale SPDIF-Eingänge – optisch und koaxial –, USB Data, Trigger In sowie ARC HDMI, SPDIF Out, USB Audio Out und der Ethernet-Anschluss machen die Rückseite voll. Ebenfalls zu erkennen: die Kühlrippen am Gehäuseboden.

Das Herz schlägt digital

Wir erinnern uns: Das Herz des Eversolo Play schlägt digital. Eingehende Analogsignale, ob vom Plattenspieler oder von anderen via Line In verbundenen Zuspielern, werden mit erfreulich hoher Auflösung (24 Bit/192 kHz) digitalisiert – eine Lösung, bei der Konzept, Gehäusegröße und Preis passt. Wie zu erwarten, sind die klangstellerischen Möglichkeiten mittels parametrischem EQ hoch, die Presets bieten keine Überraschungen, und ich selbst sage achselzuckend: „Wer’s braucht“, und lasse den EQ wie immer deaktiviert. Die Entwickler haben auch eine Einmessfunktion integriert. Die kann – weniger sinnvoll – mit einem Smartphone und dessen Mikrofon oder – alleine empfehlenswert – mit einem echten USB-Messmikrofon genutzt werden. Ohne dass damit Wunder vollbracht werden könnten sind die Ergebnisse recht gut. Experimentieren lohnt sich definitiv, und dass sündhaft teure Raumkorrektursysteme in einer ganz anderen Galaxis spielen, ist jedem klar.

Das Hitachi-CD-Laufwerk ist von guter Qualität und punktet mit einem geringen Betriebsgeräusch. Wer aus Kostengründen aufs CD-Laufwerk verzichtet, kann jederzeit ein USB-Laufwerk am USB-Data-Eingang anschließen. Der Play bietet dann identische Funktionen – CD-Rippen inbegriffen. Das geht übrigens recht fix, und wäre der interne Speicher nicht nur 32 Gigabyte groß, hätte ich im Testverlauf mehr Alben im Play geparkt.

Eversolo Play CD-Edition
Clever: Seitlich öffnet sich die Schublade des Hitachi-CD-Laufwerks, das zur Eversolo Play CD-Edition findet.

Der Eversolo Play lässt sich über seinen sehr guten Touchscreen im Verbund mit dem großen Dreh-/Druckgeber komfortabel und intuitiv bedienen. Dabei wird das System ständig verbessert: Im Testzeitraum gab es drei Updates. Der Hersteller tut also was. Wer möchte, kann den Play auch via App steuern. Dabei wird der Touchscreen gespiegelt. Eine Besonderheit sind die unter „App“ zu findenden Anwendungen. Die sind werkseitig nicht installiert, lassen sich aber direkt herunterladen und installieren. Im Falle von Apple Music ist das sehr empfehlenswert, da sich dann „lossless“ streamen lässt. Wenngleich die Auflösung – anders als beim Streamen über den Mac – auf 24 Bit/48 Hertz begrenzt ist. HiRes-Musik aus dem LAN oder über Wechseldatenträger spielt der Play selbstverständlich bitgenau, das gilt auch für die Daten der bekannten Streamingplattformen.

Zuverlässiger Interpret

Für den Hörtest konzentriere ich mich aus Qualitätsgründen auf Schätze der eigenen Musiksammlung: Beispielsweise das wenig bekannte, gleichwohl grandiose Instrumentalalbum Guitarero von Peter Horton, eine aufwendige Produktion von 1985, die nie auf CD erschienen ist. Ich höre die LP – mein Violectric PPA V600 ist via Line In mit dem Eversolo Play verbunden – und meine mit 24 Bit/88 Kilohertz digitalisierte und selbst remasterte Digitalfassung zum Vergleich. Bei beiden Formaten überzeugen der Detailgrad und die Impulstreue, mit der sich die Musik aus den Lautsprechern in den Hörraum ergießt. Hortons Flamencogitarre erhebt sich mit ihrem knackigen Ton aus dem exzellenten Fusion-Ensemble um Keyboarder Kuno Schmidt, das Toningenieur Carlos Albrecht hervorragend aufgenommen hatte. Wenngleich die Räumlichkeit und Präzision meiner aktiven Referenzkombi von dem Team Play/Geithain ME 25 nicht erreicht wird: Das Ergebnis ist definitiv audiophil und auch für sensible Highender-Ohren goutierbar. Solange von dem Chinesen keine Großraumbeschallung erwartet wird, kann der mehr als ordentlich abliefern. Mir gefällt es jedenfalls so gut, dass ich drei sehr angenehme Hörnachmittage mit dem Streaming-Vollverstärker verbringe. Hätte der Everplay Solo auch noch einen Pre-Out – womöglich würde ich ihn meinem Fuhrpark einverleiben. Genau, so gut ist diese kostengünstige Allzweckwaffe, die fraglos und unbeirrt auf HiFi-Kurs segelt.

Eversolo Play CD-Edition

Info

Netzwerkreceiver Eversolo Play CD-Edition

Konzept: Streaming-Vollverstärker, DAC, CD-Player (nur CD-Edition)
Eingänge: 2 x analog Stereo RCA (Line In), 2 x analog Stereo RCA Phono (MM/MC), 1 x Trigger-In, 1 x koaxial
S/PDIF, 1 x optisch S/PDIF, 1 x HDMI ARC, 1 x USB-A (Media)
Ausgänge: 2 x Lautsprecher, 1 x RCA Mono Subwoofer Out, 1 x koaxial S/PDIF, 1 x USB-A für externen USB-DAC
Verstärkertyp: Class D (TI TPA3255)
Ausgangsleistung (RMS@ 8/4 Ω): 60 W/110 W
D/A-Wandler: AKM 4493SEQ mit internen 32 Bit/768 kHz
Maximale Auflösung: 24 Bit/192 kHz, alle gängigen Tonformate und DSDNative 512
Netzwerk: Ethernet, WLAN, Bluetooth 5.0
Streaming: AirPlay 1, Roon Ready, Tidal Connect, DLNA, Qobuz Connect, Internetradio
Musikdienste: Tidal, Qobuz, HighResAudio, Amazon Music, Apple Music u. a.
Bedienung: 5,5“-LCD-Touchscreen und Dreh-/Druckgeber, App (Android und iOs)
Interner Speicher: 32 GB
Besonderheiten: Multiroom-Funktionalität, Parametrischer EQ, Einmessfunktion, Phono-Pre für MM- und MC-Systeme, CD-Ripper, WLAN ohne Antenne
Lieferumfang: Netzkabel, Anleitung
Ausführung: Aluminium schwarz
Maße (B/H/T): 20/7/23 cm
Gewicht: 2,6 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 800 € (CD-Edition; Basisversion ab 700 €)

Kontakt

audioNEXT

Isenbergstraße 20
45130 Essen
Telefon +49 201 5073950

www.audiodomain.de

Mitspieler

USB-Interface und D/A-Wandler: Mutec MC3+USB, Mytek Digital Stereo192-DSD DAC, Violectric V800
Musikserver: Audiodata MusikServer II
Plattenspieler: SONY PS-9X
Phonovorverstärker: Violectric PPA V600
Kopfhörerverstärker und Kopfhörer: Violectric V280, AKG K702 Studio, Fostex T50RP, Beyerdynamic Aventho Wireless
Aktivlautsprecher: Geithain RL 906
Passivlautsprecher: Geithain ME 25

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.