Monophon Vinyl Würzburg

FIDELITY zu Gast bei … Monophon

Der Plattenladen „Monophon“ in Würzburg ist eine Welt für sich – und tatsächlich möchte man hier gleich heimisch werden.

FIDELITY zu Gast bei … Monophon in Würzburg im Paralleluniversum

Der Plattenladen „Monophon“ in Würzburg ist eine Welt für sich – und tatsächlich möchte man hier gleich heimisch werden.

Fotografie: Stefan Weigand

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Das Quietschen der Straßenbahn hallt noch nach. Zwei Stationen hat sie mich mitgenommen und vom Würzburger Hauptbahnhof hier nach Grombühl gebracht, dem früheren Arbeiterstadtteil gleich unterhalb der Weinberge. Die letzten paar Meter am Wagnerplatz bis zur verheißungsvollen Türschwelle sind schnell bewältigt. Dann noch ein kleiner Schritt, nein, eigentlich ein großer. Denn kaum betrete ich das Monophon, bin ich in einer ganz eigenen Welt. „Hast du auch äthiopischen Jazz, 70er und 80er?“ – „Ich wusste, dass du kommst und hab dir etwas zusammengestellt. Zwei, drei Tipps von mir liegen auch im Stapel.“

Monophon Vinyl Würzburg

Dialoge dieser Art werde ich während meines Aufenthalts noch öfter hören. Michael Pfreundschuh, den alle einfach Michael nennen, hat das Monophon 1996 gegründet. Er ist nicht nur Inhaber des Plattenladens, sondern auch so etwas wie Herz und Seele für Menschen, die nach guter Musik suchen. Vielleicht ist „Laden“ auch gar nicht der richtige Begriff, denn eigentlich ist es eine Art Wohnung, die den Besucher in Empfang nimmt. Der kann sich kaum satt sehen: An den Wänden unternehmen Plakate eine Zeitreise, auf Regalen steht Vintage-HiFi, und ansonsten ist praktisch jeder Quadratmeter gut bestückt mit Plattenregalen. Dazwischen behaupten sich Bücher und auch ein paar CDs. Eine Stöberoase in Reinform, die auf den ersten Blick vielleicht etwas chaotisch wirkt, aber doch einer strengen Logik folgt: nämlich einfach gute Musik versammeln. Höhlenartig zieht es den Besucher in die Tiefe des Ladens. Vier Räume mit insgesamt 60 000 Platten. Jazz, Rock, Pop, Electro, Rares, Gängiges, Gebrauchtes, Neues, Schönes, Unbekanntes, Spannendes. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass man hier in einer WG gelandet ist. Und möchte gerne einziehen! Kein Wunder, dass hier auch schon die legendäre Radiosendung Zündfunk live ausstrahlte und der Laden unter Kennern als Geheimtipp weitergereicht wird.

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Eine Studentin kommt strahlend herein und sichert sich ein Buch, auf das sie in den Kisten vor der Ladentür gestoßen ist. „Es ist doch schön, wenn die Dinge zu den richtigen Menschen finden“, sagt Michael mit einem Strahlen und dem fränkischen Zungenschlag, der Sympathie und Bodenständigkeit vereint. Schon öffnet sich wieder die Tür, und nun ist es offenbar ein waschechter Sammler, der sich hier im Plattenparadies eingefunden hat: „Den Weg aus Berlin nehme ich gerne auf mich. Hier im Monophon gibt es immer etwas zu entdecken; auch mal Dinge, die ich gar nicht gesucht habe und dann gar nicht mehr missen möchte.“ Gefragt, was denn die Spezialität des Ladens sei, antwortet Michael trocken: „Alles. Hauptsache gut. Ok, einen Schwerpunkt gibt es in Sachen Electronic Field Recording, dazu kommt Indie und Jazz.“ Privat schlägt Michaels Herz für 12K, etwa für die Alben, die Taylor Deupree dort produziert hat. Aber auch World Standard aus Japan zählt er zu seinen Lieblingsbands. Und woher kam der Name seines Ladens? „Das war ganz spontan, einfach aus dem Nichts, ganz ohne Tamtam.“

Monophon Vinyl Würzburg

Die Anlage, die im Eingangsraum steht, wechselt immer wieder. Mal steht dort eine Kombination aus C.E.C. und Devialet, mal einfach ein klassischer Dual-Dreher und Elektronik von AcousticPlan, mal spielen dort experimentelle Selbstbaulautsprecher, mal ein Paar Wilson Benesch. Wie analog das Monophon ist, zeigt ein Blick auf das Telefon, das an der Wand hängt und selbst schon fast so etwas wie eine Zeitreise ist: Telekom pur. In der Farbe Beige. Mit Wählscheibe. Gleich am Telefon reihen sich Notizen. „Karo sucht eine Wohnung.“ „Dirk auf die Miles Davis ansprechen.“ Hier wird klar: Dieser Laden hält nicht nur Vinyl-Liebhaber auf Trab, sondern vernetzt Menschen. Und das ohne Homepage, ohne Facebook-Kanal, ohne Instagram-Account, ohne Computer. „Eine eigene E-Mail-Adresse habe ich nicht, aber ich gebe auch schon mal die meiner Frau raus.“ Analoger geht es nicht.

Ohnehin ist der Laden angenehm unversnobt. Wer eine Frage hat oder etwas nicht weiß, der bekommt unkompliziert Hilfe. Entsprechend gemischt ist auch die Kundschaft. Anfänger, Amateure oder Vinyl-Freaks: Alle finden hier so etwas wie eine Heimat und die passende Scheibe(n) dazu. „Das fällt mir immer wieder auf, dass Narzissmus bei Plattenhändlern leider sehr ausgeprägt ist. Ich weiß, man kommt da leicht in ein blödes Fahrwasser. Aber letztlich muss der Kunde glücklich werden. Darauf kommt es an.“
Es gibt Dinge, die kann man nicht lernen oder irgendwie trainieren. Sie sind Begabungen. Bei Michael ist es die Gabe, nach ein paar wenigen Blicken und ein, zwei Fragen irgendwo aus der Tiefe des Ladens eine Platte zu ziehen, die dann absolut ins Schwarze trifft. Denn genau dafür sind Plattenläden da: Dass Menschen und gute Musik zusammenfinden. Nach eineinhalb Stunden verlasse ich das Monophon, als ob ich aus einem Traum aufgewacht bin. Vor mir tun sich wieder die Fassaden der Grombühler Backsteinhäuser auf, die Straßenbahn quietscht auch schon herbei. Die Tasche ist gefüllt mit Souvenirs: Platten aus der Traumwelt.

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Info

Öffnungszeiten:
Mo bis Fr: 12 bis 19 Uhr
Sa: 11 bis 16.30 Uhr

Kontakt

Monophon
Wagnerplatz 6a
97080 Würzburg
Telefon +49 931 571639

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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