FIDELITY zu Gast bei T+A

FIDELITY zu Gast bei … T+A Elektroakustik, Herford

Tradition verpflichtet

T+A Elektroakustik, Herford – Tradition verpflichtet

Nicht vielen Herstellern ist gelungen, was Siegfried Amft mit T+A Elektroakustik hinbekommen hat: Das Herforder Unternehmen ist gewissermaßen Inbegriff für „Markenqualität aus Deutschland“ und höchste Klangqualität. Beides gedieh aus einer technischen Nüchternheit heraus, die T+A hinreißend konsequent anwendet.

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Ein Erstlingswerk und Meisterstück: Der HA 200 ist der erste Kopfhörerverstärker, von T+A, mit dem sich die Herforder aus dem Stand in die Spitzenklasse katapultiert haben. Hier zu sehen ein aktiv genutzter Prototyp.

Wenn wir streng mit uns ins Gericht gehen und jede Zeile dieser Ausgabe in die Waagschale legen, müssen wir zugeben, dass eine Reportage über T+A überflüssig erscheint. Über wenige deutsche Hersteller wurde so viel geschrieben und gesagt wie über die Herforder. Und das seit Jahrzehnten. Siegfried Amft gründete das Unternehmen 1978, die Geschichte seiner Manufaktur reicht also schnapszahlige 44 Jahre zurück. Allerdings hat so ein Besuch immer auch eine emotionale Komponente, die sich bei uns in unverhohlener Neugier ausdrückt. So verrückt es klingen mag: Wir haben in all den Jahren nie die Gelegenheit gefunden, uns die heiligen Hallen aus der Nähe anzusehen.

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Gestern

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Bei T+A die Reparatur auch älterer Modelle möglich – mitunter werden Ersatzteile speziell für diesen Zweck noch heute neu gefertigt.

Da es zuletzt im Zusammenhang mit dem vierzigsten Jubiläum (2018) historische Abrisse hagelte, wollen wir uns hier mit einer groben Skizze der T+A-Geschichte begnügen. Bisweilen wird vergessen, dass Siegfried Amft nach seinem Physikstudium mit Lautsprechern angefangen hat. Den Auftakt machte die Delta-Serie, bald gefolgt von Criterion (1982) und Solitaire (1984). Die beiden jüngeren Familien sind noch heute im Programm. Da „Theorie und Anwendung“ (falls Sie sich jemals gefragt haben, wofür „T+A“ steht) die Elektrostaten seiner Spitzenmodelle mit Regeltechnik ausstattete und parallel dazu Aktivmodelle anbot, sickerten früh Erfahrungen mit Audioschaltungen ein. Das ebnete den Weg für Komponenten (1986), womit alle Zutaten für die Erfolgsgeschichte beisammen sind. Als wichtigste Eckpfeiler der Firmenhistorie sollte man Dauerbrenner wie die noble R-Serie erwähnen oder die frühen Vor-/Endstufen-Kombinationen, die über verschiedene Umwege in die exklusiven HV-Maschinen mündeten.

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Ich fühle mich fast ein wenig schäbig, keine der zahllosen Legenden herauszuheben, doch nenne ich ganz bewusst keine spezifischen Modellbezeichnungen. Für mich war der Spirit, den Lautsprecher und Geräte aus Herford verströmten, immer wichtiger, weshalb ich die Komponenten gewissermaßen als Teil eines „Kollektivs“ wahrgenommen habe. Das mag auch an der nüchternen, gleichwohl zeitlos schönen Gestaltung liegen. T+A steht für schnörkellos silberne (manchmal auch schwarze) Fronten mit kreisrunden Tastern, die nicht von ungefähr an die späten Komponenten von Braun erinnern. Sinnvolle Ausstattung und der zentrale Zweck – nämlich die möglichst verzerrungsarme und saubere Reproduktion – stand für die Entwickler immer im Fokus. Der superbe Klang der Geräte war da einfach eine logische Konsequenz. Außerdem gelten die Herforder Maschinen zu Recht als unverwüstlich: Kauf dir ein T+A-System, dann weißt du, was du hast! „Made in Germany“ ist hier nicht nur eine Standortbestimmung, sondern ein Qualitätsversprechen, das von der günstigsten bis zur exklusivsten Komponente gehalten wird.

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Heute

Welche Früchte Siegfried Amfts Geradlinigkeit und Kontinuität dem Unternehmen einbrachten, erkenne ich direkt nach unserer Ankunft. Mit einem Kaffee in der Hand blicke ich aus dem Fenster eines Konferenzraums im ersten Stockwerk. Ich erspähe eine Lieferzufahrt und die Flanke des schätzungsweise 100 Meter langen Lagerkomplexes. Die Firmengebäude wurden mehrfach erweitert und umgebaut, was wir später daran erkennen, dass der älteste der drei Hörräume sich wie eine gemauerte Insel am hinteren Ende des Lagers befindet – ein Relikt aus Zeiten, in denen die Entwicklungsabteilung noch in diesem Gebäudeteil untergebracht war. Obwohl es sich formal nur um zwei verbundene, langgestreckte Bauwerke handelt, dürfte schon mancher Mitarbeiter an seinen ersten Arbeitstagen orientierungslos durch die Gänge geirrt sein.

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Wie üblich habe ich mich auf den Besuch vorbereitet, habe in ein paar Artikeln geschmökert und rekapituliert, welche T+A-Komponenten ich zuletzt selbst testen oder hören konnte. Meine Sorgfaltspflicht hätte ich mir diesmal schenken können. Nur Augenblicke, nachdem uns Siegfried Amft begrüßt hat, sind wir auch schon tief im Gespräch über die „speziellen Anforderungen“ dieser Tage. Und die bergen selbst für den erfahrensten Geschäftsführer Überraschungen. Vorherrschende Themen sind Rohstoffpreise und Lieferengpässen. „Um an dringend benötigte Bauteile zu kommen, muss ich persönlichen Kontakt zu unseren Lieferanten haben“, erläutert er uns. Also stelle er sich den Wecker auf drei Uhr und führe in den frühen Morgenstunden Videokonferenzen mit China, um unverzichtbare Bestandteile wie DSPs, Streaming- und Wandler-Chipsätze oder Steuerplatinen aufzutreiben, die man eben nur in Fernost bekommt. Anschließend eile er in die Firma, um von seinen Erfolgen oder Misserfolgen zu berichten und seine Verhandlungen mit deutschen Zulieferern fortzusetzen. Wo immer möglich, setzt Amft auf ortsansässige Partner. Die Gehäuse der Lautsprecher stammen ebenso aus Deutschland wie ein Großteil jener Bauteile, die von bewährten Dienstleistern, meist in der näheren Umgebung von Herford, zu fertigen Baugruppen vorgefertigt werden. Auch die Metallgehäuse der Komponenten stammen aus hiesigem Anbau, und an deren Beispiel verdeutlicht uns der Geschäftsführer sein Problem mit den unaufhaltsam kletternden Rohstoffpreisen.

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Wie wir wenig später beim Rundgang durchs Gebäude lernen, steckt allein in der Gehäusefront eines HV-Verstärkers mehr Aluminium als in einer vollständigen Komponente der E- oder R-Modellreihe. Ich muss gestehen, dass ich beim Betreten des Lagers ziemlich erstaunt war. In einer Branche, die zum guten Teil aus kleineren Manufakturen besteht, ist man schon begeistert, wenn das Lager einige Kubikmeter an Bauteilen bereithält. Nun stehen wir in einer geschätzt zwei- bis dreitausend Quadratmeter großen Halle voller Schwerlastregale. Überall entdecke ich Einzelteile der bekannten Modellfamilien sowie Schrankwände voller Schrauben, Bolzen oder mundgerecht gestutzter Kabelstücke. Weiter hinten folgen Legionen versandfertig verpackter Geräte und Boxen. Unser verblüfftes Staunen kann Siegfried Amft nicht teilen. „Eigentlich müsste hier alles bis unter die Decke voll sein“, stöhnt er und erklärt uns, wie seine Firma funktioniert.

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Schnöde Montagestraßen oder computergesteuerte Bestückungsautomaten sucht man bei T+A vergeblich. Jeder Arbeitsplatz in den Fertigungshallen ist von einem Mitarbeiter besetzt, der sich als Fachkraft versteht und seinen verantwortungsvollen Anteil zur Qualität der Komponenten beisteuert. An mehreren Montageplätzen können wir beobachten, wie eifrige Hände Bauteile oder ganze Platinen in den Gehäusen der neuen 200er-Serie versenken und sofort nach dem Einbau mit (teils eigens entwickelten) Messgeräten überprüfen, ob die verbauten Teile tun, was sie tun sollen. Und ob sie innerhalb der geforderten Toleranzen liegen. Mit einem Personalbestand von deutlich über 50 Mitarbeitern sind die Herforder nicht nur die größte High-End-Manufaktur Deutschlands, sondern auch weltweit eine Hausnummer. Bedenkt man, dass eine einzelne HV-Komponente mit allen erforderlichen Arbeitsschritten mehrere Plätze für mehrere Tage belegen kann, relativiert sich die Leistungsfähigkeit der großen Fertigungshalle. Um die Produktion möglichst effizient zu gliedern, kamen Amft und sein langjähriger Entwicklungsleiter Lothar Wiemann auf die Fertigung in Losen: Dutzende von HV-Geräten werden en bloc gefertigt, ehe die gesamte Produktion auf die Herstellung hunderter Caruso-Anlagen umgestellt wird. Das ermöglicht den Mitarbeitern, sich auf eine Modellreihe zu konzentrieren, ohne dass es zu eintönig wird. Diese Arbeitslogik bringt hervorragende Ergebnisse, sie bedingt aber auch, dass die Lager die Nachfrage nach HV-, 200er-, R- oder E-Maschinen decken können, bis die Modelle wieder an der Reihe sind – und das sei aktuell kaum zu leisten.

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Hier wird im Auftrag eines Kunden ein Paar T+A Criterion modifiziert.

Die Laune des Geschäftsführers bessert sich merklich, als wir kurz darauf die separierte Lautsprecherproduktion betreten, in der relative Ruhe herrscht. Zwei Mitarbeiter sind gerade dabei, letzte Handgriffe an einer überarbeiteten Criterion zu vollführen, die in den kommenden Stunden auf die Heimreise zu ihrem Besitzer gehen wird. Direkt daneben parkt ein Aktiv Monitor 2 aus den frühen Neunzigern, der schon bessere Tage gesehen hat und als nächster Aspirant einer Frischzellenkur auf der Liste steht. „Tatsächlich bekommen wir momentan häufiger Boxen aus dieser Generation“, erklärt Amft. Die Lautsprecher seien generell in Ordnung, nach 30 Jahren geben allerdings die Sicken der Basstreiber und Mitteltöner auf. Während er weitere typische Reparaturfälle aufzählt, führt er uns zu einem Regal mit unscheinbaren schwarzen Treibern, das meinen Blick auf T+A nachhaltig verändern wird: „Die haben wir gerade anfertigen lassen“, erklärt er uns. Die Restbestände an Basstreibern seien knapp geworden, also mussten neue Chassis für die Oldtimer her. T+A gab die Kleinserie von kaum 100 Exemplaren nach alter Originalrezeptur bei einem Zulieferer in Auftrag. Für die meisten Hersteller wäre das wirtschaftlicher Wahnsinn. In Herford jedoch gilt die Devise, dass alles repariert wird, solange es irgendwie möglich ist. Zumindest bei Lautsprechern klappt das flächendeckend. Wenig später erfahren wir, dass immer häufiger AV-Komponenten aus den frühen Zweitausendern eintrudeln – bei deren DVD-Laufwerken oder HDMI-Chipsätzen sieht die Sache natürlich anders aus. Doch wie uns ein defekter K8-Receiver beweist, wird zumindest versucht, die Geräte wieder funktionsfähig zu machen.

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Wir können diese Akribie und das Bewusstsein für Klasse und Qualität noch an weiteren Beispielen entdecken. So kommen wir an einer Klimakammer vorbei, in der jedes Gerät nach seiner Fertigung mehrere Abkühl- und Aufwärmprozesse durchstehen muss. Anschließend wird gemessen, ob alles funktioniert, was praktisch immer der Fall sei. Der Prüfstand wurde notwendig, als der Export eine immer größere Rolle zu spielen begann – er simuliert eine Flugreise in tropische Gefilde, bei der die Komponenten unglaublichen Temperaturunterschieden und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt werden.

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Eine doppelte Überraschung erleben wir in einem abgelegenen Fertigungsraum, in dem eine Mitarbeiterin in konzentrierter Atmosphäre Solitaire-P-Kopfhörer montiert. Dessen maßgeschneiderter Kopfhörerverstärker HA 200 lieferte die Inspiration zur jüngst eingeführten 200er-Serie. Nicht nur, dass jeder der kostbaren Planar-Magnetostaten von Hand zusammengebaut wird, die empfindlichen Folien werden auch vor Ort für den Einbau vorbereitet, eingeschnitten und vor der Verwendung mit speziellen Messaparaturen zu gematchten Paaren vereint. Nur wenige Meter neben dem Fertigungsplatz liegt ein kleiner Hörraum, mit einem einzelnen Sitzplatz und einem Stativ, auf dem ein offenkundig viel genutzter Prototyp des HA 200 thront. „Für die Abstimmung unseres Hörer-Verstärker-Gespanns wollten wir uns nicht allein auf Messtechnik verlassen. Wir laden immer wieder Probanden ein, die Hörparcours und ein anschließendes Frage-Antwort-Spiel durchlaufen“, erklärt der Geschäftsführer die eigenwillige Anordnung.

Morgen

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Nachdem wir unseren Rundgang beendet haben, führt uns Siegfried Amft wieder zurück in den Konferenzraum, wo wir Gelegenheit für einige letzte Fragen haben: Wie geht’s in den kommenden Jahren weiter mit T+A, wollen wir natürlich wissen. Tatsächlich hätten wir keinen spannenderen Zeitpunkt finden können, um diese Frage zu stellen. Die Firma befindet sich mitten in einem Generationenwechsel. Wie berichtet hat Chefentwickler Lothar Wiemann das Ruder nach 39 Jahren gerade erst an seinen Nachfolger Jörg Küpper übergeben. Das dürfte sich allerdings kaum bemerkbar machen, denn Küpper ist ebenfalls ein alter Hase, der schon viele Jahren an Wiemanns Seite tätig war. Außerdem hat die Entwicklung eine enorme Komplexität erreicht. Das ursprüngliche Zweigestirn – Amft für die Lautsprecher und Wiemann für die Elektronik – wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten um etliche Ingenieure und Softwareentwickler erweitert, die Maschinen von T+A sind heute Gemeinschaftsleistungen.

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Für Amft dringlicher dürfte deshalb die Übergabe der eigenen Position an seinen Sohn Conradin sein. Der hat mittlerweile sein Studium abgeschlossen und unterstützt ihn als Prokurist. So lernt er alle Facetten, Stärken und Problemzonen des Unternehmens kennen und bekommt ein Gespür für die Branche. Zudem wird uns im Verlauf des Gesprächs klar, dass er sich der kommenden Herausforderungen bewusst ist. Es stehe eine neue Generation von Konsumenten in den Startlöchern, die auf eine andere Art des Musikhörens konditioniert ist und nicht mehr sonderlich viel mit „klassischem“ HiFi und High End verbindet – oder zumindest noch nicht. Komponenten wie Cala und Caruso, vor allem aber der neue Kopfhörer seien erste Schritte, um auf dieses Publikum zuzugehen. Und das seien nicht die einzigen Ideen, die in der Schublade liegen. Sein Vater indes gibt uns zum Schluss zu verstehen, dass der Tag, an dem er das Unternehmen endgültig übergibt, noch etwas hin ist: „Bald werde ich siebzig. Dann werde ich kürzertreten und auf eine 40-Stunden-Woche runtergehen. Das habe ich mir vorgenommen.“

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Kontakt

T+A elektroakustik

Planckstraße 9–11
32052 Herford
Telefon +49 5221 76760

www.ta-hifi.de

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