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Genesis - Selling England By The Pound

Genesis – Selling England By The Pound

Forever Young – 50 Jahre Album-Klassiker

Genesis – Selling England By The Pound

Selling England By The Pound gilt vielen Fans als der Höhepunkt im Schaffen der Band. Für Rocksänger Fish ist es „das definitive Genesis-Album“.

Die englischen Rockkritiker haben immer gerne mit der „Straße“ sympathisiert, mit den „Mods“ und „Punks“. Rock war in ihren Augen ein Jugendprotest, der aus der Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht kam. Deshalb hatte es der sogenannte „Progressive Rock“ bei vielen Kritikern schwer – er galt als zu künstlich, zu aufgesetzt, zu gebildet. Kaum eine Band erfüllte dieses Klischee mehr als Genesis. Denn deren Bandmitglieder kamen aus dem Bildungsbürgertum oder aus Künstlerfamilien, die meisten hatten elitäre Privatschulen besucht. Sie besaßen nicht das, was man heute „Street Credibility“ nennt. Sie hatten auch keinen Anlass, ihren Frust hinauszuschreien oder gesellschaftliche Benachteiligung zu beklagen. Stattdessen liebten sie schön komponierte Gitarren- und Keyboard-Geflechte, lyrisch-verträumte Melodien und surrealistische Songtexte voller mythologischer Anspielungen. Die Attitüde der frühen Genesis galt vielen als herablassend und snobistisch. Häufig nannte man sie „snooty“ (hochnäsig).

Als die Band anfing, auf dem europäischen Kontinent und in den USA mehr Erfolg zu haben als in ihrer Heimat, drohte Genesis der Vorwurf, nicht nur die Straße, sondern auch das eigene Land zu verraten. Darauf antwortete der Albumtitel Selling England By The Pound. Das war ein damals aktueller Wahlkampf-Slogan der Labour Party, ein Warnruf, dass der „Ausverkauf“ Englands drohe. Indem Genesis sich diesen Warnruf zu eigen machten, wollten sie ihre Bodenständigkeit betonen. Ein Albumkonzept verbanden sie damit zwar nicht, aber das „britische Thema“ zieht sich doch auffällig durch alle Songs. Etwa: Shakespeares Romeo und Julia in „The Cinema Show“, der Wald bei London in „The Battle Of Epping Forest“, die Anspielung auf die Mündung des Forth in Schottland („Firth Of Fifth“).

Nachdem die Plattenfirma Charisma gerade das Konzertalbum Genesis Live veröffentlicht hatte, durften sich die Musiker bei dem neuen Studiowerk ein wenig Zeit lassen. Eine Folge davon war, dass eine große Menge Material zusammenkam und sich lange Diskussionen entwickelten, was davon aufs Album sollte und was nicht. Der eine wollte dieses, der andere jenes, und am Ende ist die Platte sehr lang geraten: fast 54 Minuten. Sie enthält gleich vier Longtracks von über acht Minuten Länge mit zwei besonders ausgedehnten (mehr als fünfminütigen) Instrumentalpassagen, außerdem einen komplett instrumentalen Track („After The Ordeal“). Aufgrund dieser „proggigen“ Längen gilt Selling England By The Pound bei vielen Fans als der Höhepunkt im Schaffen der Band. Für Rocksänger Fish ist es „das definitive Genesis-Album“.

Genesis - Selling England By The Pound

Fakten

Aufnahme: August 1973
Veröffentlichung: September 1973
Label: Charisma
Produktion: John Burns & Genesis

Titel

Dancing With The Moonlit Knight 8:04
I Know What I Like 4:10
Firth Of Fifth 9:40
More Fool Me 3:13
The Battle Of Epping Forest 11:43
After The Ordeal 4:15
The Cinema Show 10:41
Aisle Of Plenty 1:32

Musiker

Peter Gabriel – Gesang, Flöte, Oboe, Percussion
Tony Banks – Keyboards, Gitarre
Steve Hackett – Gitarren
Mike Rutherford – Gitarre, Bass, elektrische Sitar, Cello
Phil Collins – Schlagzeug, Percussion, Gesang


  • Selling England By The Pound ist das bis dahin erfolgreichste Genesis-Album. Es ist das erste, das in den USA in die Top 100 kommt und im UK und Italien in die Top 5.
  • Mit der a cappella gesungenen ersten Zeile („Can you tell me where my country lies?“) schlägt der erste Song gleich die „englische“ Thematik an. Bei Liveauftritten verkleidet sich Peter Gabriel für dieses Stück als „Britannia“ – im weiteren Text kommt auch der Albumtitel vor. Stilistisch und klanglich erinnert der Song mehrfach an „The Musical Box“, den Opener des Albums Nursery Cryme.
  • Peter Gabriel schreibt die Lyrics zu vier der Songs, und zwar angeblich in nur zwei Tagen. Besonders umfangreich gerät sein Text für „The Battle Of Epping Forest“ – ein gedanklicher Brückenschlag zwischen Robin Hood und Londoner Straßengangs.
  • Inspiriert vom virtuosen Rockjazz des Mahavishnu Orchestra, experimentiert Phil Collins am Schlagzeug diesmal mit ungeraden Takten und freien Schlagmustern. Zwei Jahre später wird er die Fusion-Band Brand X gründen.
  • Mit „I Know What I Like“ gelingt Genesis ihr erster Top-30-Hit im Vereinigten Königreich – der Refrain lädt zum Mitsingen ein. Mike Rutherford spielt hier die elektrische Sitar, Peter Gabriel eine nigerianische Talking Drum.
  • Der Text zu „I Know What I Like“ ist vom Albumcover angeregt, einem Gemälde der Künstlerin Ada Swanwick (1915–1989). Auf Wunsch der Band fügt Swanwick noch einen Rasenmäher ins Bild ein (vorne links): „Keep them mowing blades sharp…“, heißt es im Song. Die Sounds am Anfang des Songs sollen das Geräusch des Rasenmähers imitieren.
  • Ein Genesis-Klassiker ist der Longsong „Firth Of Fifth“ – trotz eines etwas ziellosen Songtexts. Drei dichte Klavierpassagen von Tony Banks bilden das musikalische Gerüst. Wie in „The Cinema Show“ sind die Instrumentalteile in diesem Song deutlich länger als der Gesangsteil.
  • In der kurzen Ballade „More Fool Me“ übernimmt ausnahmsweise Phil Collins die Lead Vocals. Da ahnt noch niemand, dass er zwei Jahre später zum alleinigen Sänger der Band werden wird.
  • Das minimalistisch sich wiederholende Ende von „Dancing With The Moonlit Knight“ sollte ursprünglich in „The Cinema Show“ übergehen. Doch die Band verwirft diese Idee wieder. Dafür mündet „The Cinema Show“ nun ins letzte Stück, „Aisle Of Plenty“. Es ist umstritten, wo die Grenze zwischen beiden Songs liegt.

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