Harmony Design Kopfhörerverstärker

Harmony Design EAR 903 Kopfhörerverstärker

Harmony Design EAR 903 Kopfhörerverstärker – Understatement pur

Aus dem schwedischen Kungsbacka stammen die kleinen, feinen Komponenten des Herstellers Harmony Design. Sie wirken auf den ersten Blick unscheinbar, doch das täuscht – auf dem (Hör-)Platz liefern sie jedenfalls richtig ab. So auch der Kopfhörerverstärker EAR 903.

Harmony Design Kopfhörerverstärker

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Wer den EAR 903 unvoreingenommen im Rack stehen sieht, der würde nicht unbedingt auf audiophile Weihen tippen. Allzu nüchtern und aufgeräumt wirkt die Front des Midsize-Geräts: Da gibt es einen dezenten Netzschalter, einen Lautstärkeregler und einen 6,3-mm-Kopfhörerausgang. Wer wirklich wissen will, was der Harmony Design EAR 903 so draufhat, der sollte das gute Stück schon von der Rückseite aus betrachten – und bei der Gelegenheit auch einen Blick auf die schönen Holzwangen werfen, die das Gehäuse seitlich zieren. Drehen wir das 2500 Gramm leichte Gerät also einmal horizontal um 180 Grad!

Aha: Die 6,3-mm-Klinkenbuchse war also nur Tarnung. Denn eigentlich wird hier konsequent vollsymmetrisch gedacht. Wer eine Hochpegelquelle anschließen möchte, der hat dazu genau eine Option, und zwar per XLR/symmetrisch. Ausgangsseitig finden wir am Backbord einen vierpoligen XLR-Kopfhöreranschluss sowie zwei dreipolige – mit getrennten Buchsen für linken und rechten Kanal. Bei der Gelegenheit freuen wir uns auch über die ausgezeichnete Verarbeitung dieses Geräts und kleine Details, die in dieser Preisklasse selbstverständlich sein sollten, es aber nicht sind: beispielsweise mit der Rückwand verschraubte Anschlussbuchsen. Ebendieser Verarbeitungsqualität ist offenbar auch die Tatsache geschuldet, dass man bei Harmony Design aus freien Stücken deutlich über die gesetzliche Gewährleistungspflicht hinausgeht: Erwähnenswerte fünf Jahre Garantie gibt’s auf den EAR 903.

Harmony Design Kopfhörerverstärker

Beim Blick ins Innere des Geräts fallen dann noch ein paar mehr erfreuliche Details auf: vollsymmetrischer Aufbau, kurze Signalwege, ein sorgfältig abgeschirmter Ringkerntrafo, Bauteile gut beleumundeter Hersteller und als Sahnehäubchen ein Pegelsteller, der ein Widerstandsnetzwerk aus SMD-Bausteinen dirigiert – auf dass Kanalgleichlaufprobleme und das typische Kratzen alternder Potis dem Genuss auch auf Dauer nicht abträglich seien.

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Hersteller und Vertrieb empfehlen übrigens den Einsatz von Kopfhörern mit nicht allzu niedriger Impedanz: 70 Ohm sollten es mindestens sein. Die gute Nachricht: Auch Besitzer von Kopfhörern mit geringerer Impedanz bleiben nicht außen vor. Bei Nachfrage erhält der geneigte Käufer in diesem Fall ein auf die gewünschte Impedanz angepasstes Gerät – und zwar ohne Aufpreis, solange man diese Information vor dem Kauf des Geräts an den Vertrieb weitergibt.

Alliterationsfreudig

Müsste ich die drei herausstechenden Eigenschaften des Harmony Design EAR 903 nennen, so dürfte ich eine dreifache Alliteration bemühen: Klarheit, Kontrolle, Kohärenz. Als Spielpartner habe ich den nahezu gleich (1600 Euro) gepreisten HD 800 S von Sennheiser gewählt – und dieser durchaus nicht anspruchslose Kopfhörer zeigte sich von den Spielfähigkeiten des EAR 903 ähnlich beeindruckt wie ich. Doch der Reihe nach, beginnen wir mit der Klarheit.

Harmony Design Kopfhörerverstärker

Das Hören per Kopfhörer gilt ja häufig als „audiophiler Kompromiss“, den man eigentlich nur dann eingeht, wenn man muss: Man tut es auf Reisen oder um andere Menschen nicht zu stören. Dass das Aufsetzen eines Kopfhörers aber durchaus ein genussvoller Vorgang zum reinen Selbstzweck sein kann, wird wohl nur derjenige verstehen, der einmal eine gute Kopfhörer-Verstärker-Kombi goutieren konnte. Da wir hier mit sehr geringen Watt- oder sogar nur Milliwattleistungen unterwegs sind, können gewisse Bauteile im Kopfhörer viel filigraner als bei Lautsprechern konstruiert werden – das zahlt nicht selten auf die Klarheit und Transparenz der Wiedergabe ein. Und ja: Es ist tatsächlich ein reines Vergnügen, über den EAR 903 zu hören. Adeles „Make You Feel My Love“ beispielsweise verwandelt sich auf diese Weise von einer gefälligen Ballade, an der man im Autoradio eher so vorbeihören würde, zu einem tiefsinnigen, intimen Erlebnis. Die Stimme in der Strophe sanft, katzenpfötig, leicht brüchig, im Refrain strahlend, intensiv, fast körperlich spürbar. Das Klavier kristallklar, aber nicht beißend – auch nicht im Diskant, die Streicher nur wenige Millimeter vom Ohr entfernt, dabei aber das gesamte Spannungsfeld zwischen dem Holz des Korpus, dem Stahl der Saiten und dem Rosshaar des Bogens ausbreitend: tolles Erlebnis.

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Zur Kontrolle: Leider schweigt sich Harmony Design über die Ausgangsleistung des EAR 903 aus. So viel sei zur Beruhigung gesagt: Der HD 800 S von Sennheiser ist mit seinen 300 Ohm Impedanz nicht nur Gourmet, sondern auch Gourmand – trotzdem hat der EAR 903 keinerlei Mühen, ihn zu höchsten Lautstärken zu treiben, ohne dabei ins Verzerren oder Komprimieren abzudriften. Ob es nun die mit brutaler Wut gedroschene Standtom in Interpols Stück „Pace is the Trick“ (für Pedanten: Timecode 2’23”) oder der Subbass bei U2 in „Cedars of Lebanon“: Über den EAR 903 schlabbert nichts, zerrt nichts, drückt nichts.

Was mich fließend zum Thema Kohärenz überleiten lässt: Denn was nützen Klarheit und Kontrolle, wenn das Klangbild dabei tonal nicht kohärent ist? Verzerrungsarmut – im Sinne von Klirr – lässt sich ja beispielsweise auch künstlich herbeitricksen, indem die Frequenzgangenden abgesoftet werden. Doch der EAR 903 verhält sich diesbezüglich wie ein tontechnischer Messverstärker: Hier ist wirklich keinerlei tonale Schlagseite auszumachen. Der Bass geht bis in den Subbass hinunter, ohne anzudicken oder etwas zu verschweigen. In den Mitten löst er vorzüglich auf und reicht mit höchster Präzision durch, was das Trägermedium hergibt: Aus einer mediokren Aufnahme zaubert er keine Vorführ-CD – aber mit einer hochwertigen Produktion lässt er audiophile Höhenluft schnuppern. Besonders gut gefällt mir allerdings der Hochtonbereich, der beweist: Langzeittauglichkeit und hohes, ja höchstes Auflösungsvermögen müssen keine unvereinbaren Gegensätze sein. Wer mag, kann die allerletzten Flöhe husten hören – so ist es mir mit der Kombi Harmony Design/Sennheiser HD 800 S erstmals gelungen zu dechiffrieren, was Billy Corgan von den Smashing Pumpkins beim Track „Galapagos“ im elegischen Zwischenspiel ab 03’14” eigentlich in seinen Bart murmelt. Ebenso ist man versucht, nach dem Konsum von The Police/„Wrapped Around Your Finger“ eine Unze Goldstaub aus dem Kopfhörer zu schütteln, weil Stewart Copelands Crash- und Splashbecken so wunderbar gülden crashen und splashen. All dies geschieht aber ohne jede Schärfe, ohne Blendwerk – und ohne Überpräsenz, die einen nach einer halben Stunde Musikzufuhr ermattet den Kopfhörer vom Schädel zupfen lässt.

Harmony Design Kopfhörerverstärker

Was bleibt? Der Harmony Design EAR 903 schafft es, das Hören per Kopfhörer zu einem echten „Date“ zu machen. Zu etwas, auf das man sich mit hibbeligen Knien freut. Und nicht zu etwas, das man notgedrungen tut, weil ein Familienmitglied oder Nachbar schlafen muss. Dieser Kopfhörer-Amp bringt puren Genuss, auf wundersame Art und Weise vermählt mit einer tonstudiohaften Neutralität und Auflösung. 1600 Euro sind kein Pappenstiel, und so manch einer wird sich fragen, ob’s denn nicht auch der kostenlose Kopfhörerausgang des CD-Spielers tut? Naja, ich hab’s getan (Umstöpseln vom EAR 903 auf die kostenlose Buchse): Es war nicht schön. Überhaupt nicht schön.

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Wir meinen

Tolles Gerät, das bei symmetrischer Verbindung zur absoluten Höchstform aufläuft, aber auch per Klinkenstecker schon in der Topliga spielt.

Harmony Design Kopfhörerverstärker Navigator

 

Info

Kopfhörerverstärker Harmony Design EAR 903
Funktionsprinzip: Kopfhörerverstärker
Eingänge: 1 x Hochpegel XLR symmetrisch
Ausgänge: 1 x Kopfhörer symmetrisch XLR 4-polig, 1 x Kopfhörer symmetrisch, 2 x XLR 3-polig, 1 x Kopfhörer 6,33-mm-Stereoklinke
Maße (B/H/T): 24,5/5,5/20,6 cm
Gewicht: 2,5 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Preis: 1690 €

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Kontakt

Applied Acoustics
Brandensteinweg 6
13595 Berlin

www.applied-acoustics.de

www.harmonydesign.se

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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