Herr Höffner vor seinen H10

Höffner H10 aktiv im Test

Aktiver Standlautsprecher mit integriertem D/A-Wandler

Kaiserschmaus

In der Kaiserstadt Aachen entwickelt und fertigt Markus Höffner hochwertige Lautsprecher wie seine neue H10 aktiv. Wie ein audiophiler Kaiserschmaus sollen sie klingen.

Markus Höffner ist ein Lautsprecherentwickler, wie ihn jeder Highender liebt: Der sympathische Musikenthusiast und Klangfetischist bezeichnet sich selbst als „Überzeugungstäter“. Folgerichtig sind die Schöpfungen für sein 2014 gegründetes Unternehmen Höffner Audiosysteme, das in der Kaiserstadt Aachen beheimatet ist, vom Standfuß bis zur Hochtonkalotte auf bestmögliche Wiedergabe optimiert. Neben dem Höffner-Erstling, dem eleganten Dreiwege-Lautsprecher H1, der kompromisslos auf Höchstleistung optimiert wurde und preislich im fünfstelligen Bereich rangiert, gibt es seit kurzem das Modell H10. Das bietet Höffner Audiosysteme als Paar in passiver und aktiver Ausführung für sehr erschwingliche – wir haben es immerhin mit Manufaktur-Lautsprechern zu tun – 8500 bzw. 9450 Euro an. Dafür soll der vom Wohlklang besessene Kunde einen Lautsprecher bekommen, der optimiert auf höchste Signaltreue für ein vollendetes Musik-Erleben sorgen soll. Um Bezug auf die Heimatstadt des H10 zu nehmen: Die Wiedergabe soll ein audiophiler Kaiserschmaus sein.

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Hoeffner-H10-Aktivlautsprecher

Der H10 ist ein Zweiwege-Lautsprecher, eine Passivmembran dient der Abrundung des Tieftonfundaments. Das handgefertigte Gehäuse sorgt mit seiner markanten Formgebung für das gleichzeitige Eintreffen des Schalls am Hörplatz.

H10 in vollendeter Harmonie

Das liest sich verheißungsvoll, finden Sie? Wir auch. Und FIDELITY brannte darauf, Markus Höffners neueste Klangskulptur in Ohrenschein zu nehmen. Der Entwickler pflegt den Direktkontakt zu seinen Kunden und auch zur Fachpresse, weswegen er wenig vom Verschicken seiner Edellautsprecher hält. So kam es, dass Herr Höffner höchstselbst den Kölner Raum betrat, wo sich nicht nur der imposantere Dom – die Aachener mögen es mir verzeihen –, sondern auch meine Wirkungsstätte befindet, um mir seinen H10 in aktiver Ausführung zu liefern. So hatte ich das Privileg, zwei Wochen lang Herzensmusik über das H10-Paar zu hören, und kann Ihnen heute berichten. Aber vor dem Hören soll die Technik des Schallwandlers aus Aachen besprochen sein.

Markus Höffner, dessen Vater übrigens audiophile Tonaufnahmen anfertigte, perfektioniert seine Lautsprecher für ein naturgetreues Klangerlebnis: Die exzellent eingespielte, hochwertig aufgenommene und produzierte Musik soll in ihrer ganzen Pracht zum Klingen gebracht werden. Deswegen sind tonale Ausgewogenheit und eine verzerrungsfreie Wiedergabe oberste Prämisse bei der Entwicklung und Herstellung der Höffner-Lautsprecher. Die Messlatte liegt sehr hoch, hat sie doch der eigene H1 aufs Stativ gelegt: Überzeugend in Fein- und Grobdynamik soll der Neue sein und stets mit großem Detailreichtum aufspielen. Das schon bei geringer Abhörlautstärke.

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Die Basswiedergabe der H10

Es handelt sich indes beim H10 um ein Zweiwege-System: Ein Tiefmitteltöner mit verwindungssteifer 17-Zentimeter-Coatingmembran und Langhubantrieb ist zuständig für impulstreue Bass- und Mittenwiedergabe. Ein Einzoll-Kalottenhochtöner ergänzt und rundet den weiten Wiedergabebereich nach oben ab. Der Hochtöner soll nach Aussage von Markus Höffner im Arbeitsbereich bis über 30 Kilohertz einen außerordentlich verzerrungsfreien Frequenzverlauf mit herausragend gleichmäßiger Schallverteilung bieten.

Hoeffner-H10-Aktivlautsprecher

Der Standfuß des H10 ist aus massivem Aluminium und sorgt für sicheren Stand des Lautsprechers. Optional sind, typisch für eine Manufaktur, auch andere Gehäuseausführungen als die edle „Eiche hell“-Ausführung möglich.

Der Tiefmitteltöner sei der Dynamikspezialist bei der Basswiedergabe und überzeuge auch kritische Ohren mit einer hochpräzisen Bassdarstellung. Doch halt: Ein Blick auf die H10-Front lässt auf ein Dreiwege-System schließen. Klar, der Kenner weiß, was Sache ist: Markus Höffner setzt auf eine Passivmembram mit 22 Zentimetern Durchmesser, die das Tieftonfundament sicherstellen soll. Eine Passivmembran verfügt über keinen eigenen Antrieb und wird allein von den Luftmassen im Gehäuse zum Schwingen angeregt. Sie bringt, schlicht ausgedrückt, mehr Bass im abgestimmten Bereich. Im Unterschied zum verbreiteten Bassreflexrohr, das für einen vergleichbaren Effekt sorgt, ist die Passivmembran-Wiedergabe gänzlich frei von Strömungsgeräuschen und ungleichphasigen Mitteltonanteilen.

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Es versteht sich von selbst in dieser Anspruchsklasse, dass die Passivmembran des H10 auf ihren Arbeitsbereich exakt eingemessen und abgestimmt ist. Die Dreiwege-Systemgläubigen dürfen sich übrigens schon auf einen Dreiwege-H10 freuen, den Markus Höffner ebenso in Arbeit hat wie einen dezidierten Tieftonlautsprecher für die Auslotung tiefschwärzester Bassgewölbe.

Weichet, Frequenzen …

Exzellente, virtuos aufspielende Chassis machen noch kein Top-Ensemble. Damit die Lautsprecher perfekt zusammenwirken, bedarf es eines Ensembleleiters. Diesen Posten hat die Frequenzweiche inne – und typisch für alle Höffner-Entwicklungen ist die des H10 ein Meisterstück der Lautsprecherentwicklung. Ganz gleich ob, wie beim passiven H10, nach herkömmlicher Machart oder, wie beim Testmodell, in einem D(igital)S(ignal)P(rocessor) realisiert. Hiermit erfolgt die präzise Trennung der Signalanteile nach Frequenzbereichen, wobei im Höffner-Labor größter Wert auf eine Optimierung von Frequenz- und Phasengang gelegt wird. Im Ergebnis zeichne sich so jeder H10 durch einen besonders glatten Frequenzverlauf und sehr hohe Zeitrichtigkeit aus: Die Musik erklingt mit allen Schallanteilen und in bester Raumdarstellung gemäß ihrer Produktion.

Der aktive H10 verfügt über digitale, DSP-gesteuerte Class-D-Endstufen, die sich auch bei hohen Lautstärken nicht aus der Ruhe bringen lassen. Verzerrungen seien kein Thema. Schutzschaltungen sorgen für einen effektiven Überlastungsschutz: Die Ausgangsleistung wird bei überhöhter Temperatur automatisch reduziert, bei Gleichspannung am Ausgang schaltet das System ab.

Gerüstet ist der aktive Aachener für den analogen und den digitalen Betrieb. Es stehen digitale AES/EBU- sowie optische und koaxiale S/PDIF-Eingänge für Signale mit maximal 24bit/192kHz-Auslösung zur Verfügung. Das H10-Paar arbeitet bei Anliegen eines digitalen Audiosignals im Master/Slave-Betrieb: Der linke Lautsprecher eines H10-Paares fungiert immer als Chef im Verband, mithin als Master: Er nimmt das AES- oder S/PDIF-Signal entgegen und reicht es über den S/PDIF-Ausgang an den rechten H10, den Slave, weiter. Eine Verwechslung ist ausgeschlossen: Der Höffner-Schriftzug auf der Gehäusefront steht entsprechend links oder rechts.

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EQ für Raum und Geschmack

Dank der Digitaltechnik gibt es zusätzlich noch drei Presets zur Anpassung des H10-Paares an die Umgebung oder den persönlichen Geschmack des Hörers. Ab Werk sorgen die Presets P1 und P2 für eine Erhöhung des Basspegels um +3 beziehungsweise +6 dB, während P3 die neutrale Einstellung ist. Doch auch maßgeschneiderte Presets sind jederzeit möglich. Im Falle das aktiven H10 sind schon mal Sonderwünsche realisierbar, wie Markus Höffner augenzwinkernd berichtet: „Die Lebensgefährtin eines Kunden verliebte sich ganz spontan in die Basspower des H10 und wünschte sich tatsächlich ,mehr Bässe‘. Für sie schuf ich dann ein maßgeschneidertes Preset, während ihr Mann die neutrale Wiedergabe bevorzugt.“

Ansonsten sei der H10 sehr genügsam bei der Aufstellung im Raum: „Steht er mitten im Raum wie bei Ihnen, ist er recht anspruchslos, was die Akustik angeht. Genauso problemlos ist die Aufstellung direkt an der Wand möglich.“ Das handgefertigte ventilierte Gehäuse mit seiner markanten Form hat hieran einen großen Anteil, denn die Formgebung sorgt für ein gleichzeitiges Eintreffen des Schalls am Hörplatz. Der massive Aluminium-Standfuß sorgt für den idealen Neigungswinkel und stabilen Stand des H10. Bei den Materialien sind Sonderwünsche jederzeit möglich. Die Test-Lautsprecher in der Ausführung „Eiche hell“ sind jedenfalls wahre Schmuckstücke und zeugen ebenso wie die mittels Magneten zu befestigenden Lautsprecherabdeckungen von großer Handwerkskunst. Anders ausgedrückt: Der Käufer erhält augenscheinlich viel für sein Geld.

Klang von kaiserlichen Gnaden

Doch der schöne Augenschein ist nichts, wenn der Ohrenschein nicht stimmig ist. Jetzt wird gehört! Zunächst wollen wir die edlen Aachener mit digitaler Klangkost beschicken – wenn Markus Höffner Wohlklang in vollkommener Harmonie anstrebt, passt doch das formidable Album In Tune vom Oscar Peterson Trio mit den überragenden Singers Unlimited perfekt. Denn besser sind komplexe Harmonien kaum zu singen, und Klaviervirtuose Peterson sorgt mit seiner eigenen rhythmisch-harmonischen Kraft für die kongeniale Begleitung. Schon das zupackend swingende „Sesame Street“ lässt aufhorchen: Eine solche Präzision bei der Wiedergabe ist nicht alltäglich. Es stehen nicht die Lautsprecher im Raum, sondern die Musik.

Der H10 verfügt über einen Class-D-Verstärker mit DSP-Steuerung. Neben symmetrischen und unsymmetrischen Analogeingängen stehen auch digitale Eingänge im AES/EBU- und S/PDIF-Format zur Verfügung. Die USB-Schnittstelle dient der Programmierung des Systems. Drei Presets zur Anpassung an die Hörumgebung oder den persönlichen Geschmack sind ab Werk vorhanden. „Through“ dient entweder dem Daisy-Chaining-Betrieb oder zum Anschluss eines Tieftonlautsprechers. Einen eigenen hat Markus Höffner derzeit in Arbeit.

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Einen Klangkörper von dreidimensionaler, holografischer Gestalt, schillernd in allen farbigen Details, formen die Schallwandler aus Aachen und belegen, wie wertvoll die immergrüne MPS-Produktion ist und ewig bleiben wird. Obschon es schwerfällt, muss ich zu den opulenten Arrangements von „The Shadow Of Your Smile“ mit dem äußerst einfühlsamen Peterson-Solo und dem finalen „Here’s That Rainy Day“ springen und aale mich in der Wohlklang-Oase. Sensationell. Das gilt auch für den reinen Digitalbetrieb ohne wandelnden Zwischenschritt, ohne dass ich entscheiden möchte, welche Betriebsart ich bevorzuge.

Vinylschätze neu entdecken

Denn tatsächlich habe ich den allergrößten Spaß mit dem H10-Paar, nachdem ich meinen Phonovorverstärker Violectric PPA V600 mit den Lautsprechern verbunden habe und tatsächlich tagelang LPs genieße, zum Beispiel The Yes Album, Splendido Hotel von Al Di Meola – eine perfekte Hochglanzproduktion von 1980 –, das eigentümliche Deutschrock-Album Interzone der gleichnamigen Band sowie das meisterhafte CTI-Album First Light von Trompeten-Meister Freddie Hubbard. Da dachte ich, meine LPs zu kennen – und kann nun dank der Höffners die Musik ganz neu entdecken. Die jeweiligen Fingerabdrücke von Musikern und Toningenieuren sowie die Effekte der Zeit waren mir nie zuvor so ohrenfällig und klar. Das ist eine Wiedergabe von kaiserlichen Gnaden, die auch gnadenlos offenlegt, wenn die Vorlage nichts taugt. Wenn aber alles im Lot ist, dann lässt es sich vor den H10 genussvoll hören – losgelöst von Zeit und Raum, versetzt in den klingenden Kaiserdom von und zu Aachen.

Wir meinen …

Ein neutral abgestimmter, sehr hoch auflösender Aktivlautsprecher mit exzellentem Impulsverhalten und grandioser Raumdarstellung.

Testkomponenten

USB-Interface und D/A-Wandler: MUTEC MC-3+USB, Mytek Digital Stereo192-DSD DAC, Violectric V800
Rechner: MacBook Pro 16″
Softwareplayer: Audirvana Version 3.5.33
Musikserver: Audiodata MS II
Plattenspieler: Sony PS 11 mit Violectric PPA V600
Kabel: Vovox, AudioQuest

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Technische Daten

Konzept: 2-Wege-Standlautsprecher, aktiv
Verstärker: Class-D mit 2-Wege-DSP-Weiche
Leistung: 2 x 250 W
Bestückung: 1 x 170-mm-Tiefmitteltöner, 1 x 26-mm-Hochtöner
Eingänge: 2 x analog (XLR/RCA), 3 x digital (AES/EBU S/PDIF koaxial und optisch)
Ausgänge: 2 x analog (XLR „through“ für optionalen Subwoofer oder Daisy-Chaining-Betrieb), 1 x digital S/PDIF
Maximale Auflösung Digitalbetrieb: 24 bit/192 kHz AES/EBU und S/PDIF (optisch bis 24 bit/96 kHz)
Sonstiges: 3 Werks-Presets zur Raumanpassung, USB-Schnittstelle zur Programmierung
Ausführungen: Eiche hell, weitere Optionen nach Absprache
Maße (B/H/T): 33/92/34 cm
Gewicht: 19 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 9450 €

Kontakt

Höffner Audiosysteme
Markus Höffner
Hubertusstraße 40
52064 Aachen
Telefon +49 241 70179999
info@hoeffner-audio.de

www.hoeffner-audio.de

 

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Höffner H10 aktiv

Einordnung: 100 Prozent intuitiv, klanglich sehr neutral abgestimmt

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