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Walt Disney Concert Hall, Los Angeles, credit: Adam Latham
Walt Disney Concert Hall, Los Angeles, credit: Adam Latham

Hörsäle der Welt: Walt Disney Concert Hall, Los Angeles

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Walt Disney Concert Hall, Los Angeles

Wir bleiben in den Vereinigten Staaten, ja sogar in Kalifornien. Fährt man von der Davies Hall in San Francisco mit dem Auto durch das Landesinnere, erreicht man nach gut sechs Stunden die im Oktober 2003 eröffnete Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Wählt man den Weg an der Küste über Monterey und Santa Barbara, was ich nachdrücklich empfehlen möchte, wird es nur eine Stunde mehr, eine weitere halbe kommt dazu, wenn man bei Monterey in den 17-Mile Drive abbiegt, was wiederum absolut angeraten ist. In Los Angeles selbst fasziniert die Halle vom ersten Augenblick an. Sie liegt mitten in der Downtown und hat das Gesicht und auch die Atmosphäre der Innenstadt nachhaltig geprägt. Dieses stilisierte Segelschiff aus rostfreiem Edelstahl zog im Laufe der Jahre nach seiner Eröffnung so viele Restaurants und Bars in den zuvor nachts menschenleeren Financial District, dass hier wirklich mittels nur eines Bauwerkes eine Stadt entscheidend verändert wurde. Frank Gehry, von dem wir auch das Vitra Museum in Weil am Rhein oder das Guggenheim Museum in Bilbao kennen, konnte hier auf einem riesigen Areal sein Designkonzept mit großzügiger Hand verwirklichen. Als Musiker bemerkt man das sofort an dem sehr lichten und weitläufigen Bereich hinter der Bühne: Die Räume sind zahlreich und gut nutzbar, was – so banal es klingt – mit der scheinbar bestehenden Regel bricht.

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Walt Disney Concert Hall, Los Angeles, credit: Adam Latham
Walt Disney Concert Hall, Los Angeles, credit: Adam Latham

Die Bühne selbst ist ein Erlebnis. Das Orchester sitzt in einem sehr weiten Kreis (wie in San Francisco ist auch hier viel Platz) auf einer Bühne, die mit ihrer nicht allzu hohen Rückwand und den nach hinten abgesetzten Zuschauerrängen klassische Entwürfe zitiert, sich nach vorne allerdings sehr weit und ohne große Stufen zum Saal hin öffnet. Durch die räumliche Abtrennung der einzelnen Zuschauerblöcke wirkt es von der Bühne aus allerdings nicht so, als würde man gerade für knapp 2300 Zuschauer spielen. Es fühlt sich deutlich intimer an, fast etwas kammermusikalisch. Spannenderweise bietet der Blickwinkel vom Parkett aus zur Bühne ein völlig anderes Bild. Allein die futuristische, hoch über der Bühne an der Rückwand hängende Orgel verbietet Vokabeln wie „intim“ oder „kammermusikalisch“ auf der Stelle. Für den Zuschauer wirkt alles groß und großartig, es entsteht eine Art optischer Sog, dem man sich kaum entziehen kann und der einem vermittelt, dass hier ganz offensichtlich nur Großes passieren kann. Ich bin immer wieder sprachlos, wenn Architektur es schafft, so kongenial den Zweck des Raumes zu unterstützen. Die phänomenale Akustik trägt das ihre dazu bei. Was Starakustiker Yasuhisa Toyota bei der Elbphilharmonie etwas zu weit trieb, kommt hier auf den Punkt: stupende Durchhörbarkeit, Größe im Klang, dynamische Reserven, ohne die lautesten Eruptionen zu entspannt klingen zu lassen.

Hoffentlich kann man bald wieder richtig reisen, denn ein Besuch dieses Saales ist jedem Musikliebhaber in höchstem Maße angeraten. Und da man sich in dieser Stadt verlieren kann wie in kaum einer anderen, werden die Tage rund um die Konzerte auch nicht zu lang.

Walt Disney Concert Hall


 

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Musiktipps – Aufnahmen mit konzertsaaltypischem Klang

Charles Ives, „Complete Symphonies“, LA Philharmonic, Gustavo Dudamel (DGG)

Andrew Norman, „Sustain“, LA Philharmonic, Gustavo Dudamel (DGG)

 

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