Integrierte Phono-Pres

Integrierte Phono-Pres

Sinnvoll, oder Spielerei?

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FIDELITY Klangtipp #11 – Integrierte Phono-Pres

Nichts kann so sehr eine individuelle Note setzen wie ein amtlicher externer Phono-Vorverstärker. Alles andere ist Massengeschmack, oder?

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

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Pro

Bis in die frühen 1990er Jahre hat sich die Frage nach einem externen Phonovorverstärker nicht gestellt. Jeder Vollverstärker und jeder Vorverstärker besaß einen eigenen Entzerrer. Je nach Preissegment und Ausstattungsvariante in unterschiedlicher Qualität, die grundsätzliche Frage nach intern oder extern stellte sich jedoch nicht. Natürlich gab es immer den einen oder anderen Hersteller, der unter Audiofreunden einen besonderen Ruf in Sachen Vinyl besaß, aber die Konzentration auf eine spezifische Quelle war uns fremd.

Mit dem Siegeszug der CD und dem Einzug des finanzoptimierten Controllings in den Firmenzentralen verschwanden dann Mitte der 1990er Jahre die Phonosektionen, und es begann die Ära der externen Spezialisten zu schlagen. Und schon bald begann man sich zu fragen, ob der explodierende Markt nicht nur den guten alten integrierten Phono-Pre ersetzen, sondern ganz neu interpretieren wollte. Zwar wurden auch technische Gründe angeführt, allen voran die Netzteilversorgung, die extern eben besser zu gewährleisten sei, dennoch bekam man den Eindruck, dass es bei externen Phono-Pres mehr um Exklusivität und Sounding als um schlichte Verstärkung und RIAA-Entzerrung ging.

Dies merkte man immer dann, wenn man einem integrierten Phonozweig lauschte, den sich einzelne Hersteller hin und wieder dennoch leisteten. Da war die Wiedergabe bisweilen weniger spektakulär, aber umso ehrlicher und neutraler im Sinne der exakten musikalischen Wiedergabe. Und wenn wir uns mal die nackten technischen Tatsachen anschauen, so spricht einiges für die interne Lösung ohne Schnickschnack: Wir haben kürzeste Signalwege und können auf eine zusätzliche Verkabelung verzichten, wir umgehen Störungen, weil wir aufgrund der gemeinsamen Stromquelle und Masse ein einheitliches Potenzial haben ,und letztlich besteht zwischen Phonosektion und Gesamtverstärkung eine einheitliche Klangphilosophie. Alles andere ist Spielerei, die mehr dem Ego als der Musikwiedergabe dient.

Kontra

Fast muss man dankbar für den temporären Untergang des Vinyls sein, haben doch in dieser Zeit die meisten Hersteller die Phonosektion aus ihren Verstärkern entfernt. Das hatte zur Folge, dass sich Profis ausschließlich mit den Fallstricken der Vinylwiedergabe befasst und eigene ausgefuchste Konzepte entwickelt haben. Wir dürfen schließlich nicht vergessen, dass der Phono-Pre eine extrem schwierige Aufgabe hat. Er soll das minimale Signal von MC-Systemen in hörbarem Maß mit Drive verstärken, und das ohne zu rauschen, zu brummen oder von sonstigen Störfaktoren beeinflusst zu werden.

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Damit dies gelingen kann, sind einige technische Voraussetzungen notwendig, die eben auf externe Weise besser gelöst werden können. Dies fängt bei der eigenen Stromversorgung an, die womöglich sogar komplett störungsfrei per Akku erfolgen kann, geht über ein maximal abschirmendes Gehäuse bis hin zu einer individuellen Entkopplung. Neben diesen Basics sind es vor allem die technischen Einstellungsvarianten, die einen externen Pre erforderlich machen, betreibt man Vinyl als ein ernsthaftes Hobby. Die Renaissance des Analogen hat zu einer immensen Weiterentwicklung und Diversifizierung im Bereich der Tonabnehmer geführt, deren Potenzial sich eben erst mit den entsprechenden Anpassungsmöglichkeiten seitens der Phonoverstärkung ergibt.

Ein wirklich ausgeklügeltes Management in Sachen Verstärkung, Kapazitäten, Widerstandsabschlüssen und Bassfilterung kann nur ein externes Gerät zur Verfügung stellen. Der erfahrene Vinylenthusiast weiß, dass die optimale analoge Wiedergabe eben diffiziler in den Griff zu bekommen ist als die digitale Reproduktion. Und nicht selten möchte man den analogen Zweig auch als bewusste Abgrenzung zum übrigen Wiedergabesystem nutzen. Da wäre es eher hinderlich, auf die identische Abstimmung von Phono- und Restverstärkung zu setzen. Nichts kann so sehr eine individuelle Note setzen wie ein amtlicher externer Phonoverstärker. Alles andere ist Massengeschmack.

 

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