Lehmannaudio Black Cube SE 2

Lehmannaudio Black Cube SE II Phonovorverstärker

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Lehmannaudio Black Cube SE II – Schwarze Magie

Der Lehmannaudio Black Cube geht in der Variante „SE II“ in seine 25-jährige Jubiläumsrunde und überrascht aufs Neue.

Lehmannaudio Black Cube SE 2
Lehmann Audios Black Cube II SE hat sich von seinen Anfängen emanzipiert und hat ein richtig schickes Gehäuse.

Es gibt unter den audiophilen Gerätschaften Klassiker, die bereits seit Jahrzehnten erfolgreich auf dem Markt sind, aber noch nie Einlass in meine heimische Anlage gefunden haben. Ein solcher Klassiker ist Norbert Lehmanns legendäre Phonovorstufe Black Cube, die bereits seit Mitte der 90er Jahre die Vinylwelt erfreut. Lehmanns so unscheinbares Kästchen stieß damals genau in die Lücke, die das überwiegende Verschwinden des Vinyls Anfang der 90er Jahre im Verstärkersektor gerissen hatte. Gute 25 Jahre später hat nun endlich die letzte Ausbaustufe, der Black Cube SE II, mit seiner Vielzahl an variablen Anpassungsmöglichkeiten und seinem überdimensionierten Powernetzteil Einlass in meinen Hörraum gefunden.

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Ganz ohne Zuckerguss

Lassen Sie mich zunächst einige grundsätzliche Gedanken zum Boom der Phonostufen der letzten 10 bis 15 Jahre anführen. Das Problem bei vielen Phonostufen besteht darin, dass sie in den höheren Preisklassen dem verständlichen Wunsch des Analogliebhabers nach Besonderem und Exklusivem klanglich nachkommen wollen. Dieses Höher-Schneller-Weiter äußert sich dann häufig in einem analogen Sounding, das zwar spektakulär den Raum aufplustert, Stimmen mit noch ein wenig mehr Brustton versorgt und auch bei der Transistorfraktion einen Schuss Euphonie hinzutut. Etwas nüchterner gestimmte Gemüter, wozu ich mich auch zähle, erinnert diese Art der Wiedergabe freilich immer an einen Rotwein, der zu lange im Barrique gelegen hat. Warum ich Ihnen das alles erzähle? Um ein wenig Verständnis für das womöglich provozierende Urteil zu wecken, dass eigentlich nicht mehr an Phonostufe benötigt wird, als dies beim Lehmann Black Cube SE II für unter 1000 Euro der Fall ist, zumindest was das Klangliche anbelangt. Das Gehäusedesign von Cube und Netzteil kommt eher schlicht und funktional daher. Dafür lässt sich der Verstärker problemlos neben oder auch hinter dem Dreher platzieren, und das Netzteil verschwindet schnell unsichtbar hinter dem Rack; da der Black Cube ohnehin permanent am Netzteil nuckelt, die perfekte Lösung. Wichtiger sind ohnehin die inneren Werte, wie etwa die Glimmerkondensatoren und einige weitere speziell angefertigte Bauteile, auf die Norbert Lehman gesteigerten Wert legt.

Lehmannaudio Black Cube SE 2

Abstimmung ohne Grenzen

Das wichtigste Entscheidungskriterium bei der Auswahl einer Phonostufe sollte neben den technischen Parametern deren Anpassungsflexibilität sein. Und zwar nicht nur die Verstärkung und die Impedanzen betreffend, sondern für MM auch die Wahlmöglichkeit in Sachen Kapazität und – vielfach unterschätzt – Varianten im Bereich des Subsonic-Filters bzw. ein variables Bassmanagement. Zu feinfühlig und zu komplex ist das Abstimmungsverhältnis zwischen Tonabnehmer, Tonarm, Laufwerk, Stellfläche, Vinylqualität und Lautsprechern, sodass man sich hier nicht nur auf ein minimales Maß an Möglichkeiten bei der Phonostufe verlassen sollte – bereits ein einfacher Wechsel des Tonabnehmers könnte hier die vormals heile Welt ins Wanken bringen.

Lehmannaudio Black Cube SE 2
Halten Sie schonmal eine Pinzette bereit. Die Abstimmung des Phono-Entzerrers geschieht über winzige Dip-Schalter an der Gehäuseunterseite. Das ist grundsätzlich klasse, da man nichts versehentlich verstellen kann. Eine Bedruckung gibt es allerdings nicht, man sollte die Anleitung also hüten wie ein Kleinod.

Und genau hierauf zielt die aktuelle Entwicklungsstufe des Black Cube mit seinen ausgefeilten Abstimmungsmöglichkeiten. Allein die 16 Varianten für den Bassbereich machen mancher sonst nur schwer beizukommenden Rumpelorgie den Garaus und sorgen somit für mehr Transparenz und Flow im Klangbild. Diese und die vielen anderen Anpassungsmöglichkeiten müssen freilich mit einem gewissen Fleiß erkauft werden, wobei es hilfreich sein kann, sich hier die Zuarbeit eines audiophilen Freundes zu sichern, um die Arbeit zwischen Umjumpern und Hören aufzuteilen. Oder besser noch, man holt sich die Hilfe des freundlichen Händlers, bespricht mit diesem die Möglichkeiten und Fallstricke des vorhandenen Analogsystems und erörtert vorab bereits einige Möglichkeiten, die der Black Cube bietet.

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Aber keine Angst, Norbert Lehmanns Wunderkästchen klingt auch in der Werkseinstellung bereits ganz wunderbar, und wenn Sie kein allzu exotisches Analogequipment auffahren und Raum und Lautsprecher kein diffiziles Eigenleben führen, dann betrachten Sie die Einstellvarianten einfach als nützliches Backup für den Fall der Fälle oder als spielerischen Zeitvertreib für ein verregnetes Wochenende.

Lehmannaudio Black Cube SE 2
Ein kompaktes Raummaß ist für Norbert Lehmann noch lange kein Grund, seine Phono-Stage nicht mit höchstwertigen Komponenten zu bestücken. Die Teile sind aber nur ein Aspekt der Magie. Die Kölner schaffen es vor allem, dass sich die Baugruppen trotz engster Verhältnisse elektrisch nicht ins Gehege kommen.

Hören ohne Verluste

Eine Herausforderung für den Analogzweig einer jeden Anlage sind die Scheiben James Blakes. Auch wenn die Songs meistens eher leise daherkommen, so sind Arrangements aus tiefsten elektronischen Bassfrequenzen, Klaviermelismen, hoher und bis ins Falsett kippender Männerstimme und ausgeklügelten Geräuschfrickeleien doch immens schwer zu reproduzieren, soll sich das Klanggeschehen nicht in einem Einheitsbrei abspielen. Während mein eigener „custom-made“ Röhrenpre zwar wunderschön die Stimme Blakes betont und die Bassenden sonor auftrumpfen lässt, öffnet der Black Cube hier noch zusätzlich den Raum nach hinten, beleuchtet die elektronischen Spielereien Blakes wesentlicher deutlicher, indem er diese weiter auffächert, ohne jedoch den Stimmumfang und den Bassbereich zu vernachlässigen. Sicher, der Lehmann’sche Würfel tritt hier ein wenig nüchterner als meine Röhre auf, aber weit davon entfernt, ins Analytische oder gar Asketische zu kippen.

Lehmannaudio Black Cube SE 2
Wer normal tickt, betreibt den hervorragenden Übertrager mit seinem Standard-Netzteil (links), dass auf den ersten Blick zwar ausschaut wie eine „Wandwarze“, an seiner Rückseite jedoch über ein Kaltgerätekabel gespeist wird. Wer dagegen richtig normal tickt, greift zum großen PWX (rechts) und freut sich über den belebenden Charakter des leistungsstarken Dynamik-Spenders.

Das Netzteil beim Lehmannaudio macht den Unterschied

Wird der Black Cube SE II dynamisch gefordert, etwa wenn Zubin Mehta mit den Los Angeles Philharmonics Gustav Holsts Planeten in Schwingung versetzt, wenn die Bläserattacken und die Tuttischläge zu Beginn der Orchestersuite wüten, dann zahlt sich vor allem das „PWX“ benannte Netzteil aus, das genügend Reserven zur Verfügung stellt. Zwar klingt der Black Cube SE II in der Variante mit Steckernetzteil schon mehr als hervorragend und wäre als aufrüstbare günstige Einstiegsvariante auch bereits eine Option, das PWX mit seinen speziellen custom-made Ringkerntransformatoren bietet aber eine zusätzliche Schippe Schub und Dynamik, die man nicht missen möchte. Dabei ist es gänzlich unerheblich, ob man sein Vinyl mittels MM oder MC abtastet – aufgrund seiner Anpassungsvarianten spielte der Pre bei mir unabhängig von der Systemwahl mit gleicher Prägnanz und Transparenz, sodass auch im größten Orchestergetümmel die Musik in ihren Strukturen klar erkennbar blieb.

Bildergalerie

Vom Studio ins Wohnzimmer

Wie auch schon bei meiner Beschäftigung mit Nobert Lehmanns Kopfhörerverstärker Linear D II fällt mir die Kombination aus Studiotugend und extremer Langhörtauglichkeit auf. Norbert Lehmanns Geschick besteht darin, klangliche Details sehr transparent zu fokussieren, diese aber nicht in Einzelereignisse zerfallen zu lassen und durch unnötig prononcierte Betonung Kopfschmerzen zu provozieren, sondern immer den musikalischen Fluss im Auge bzw. im Ohr zu haben und so für lange Stunden ungetrübten Hörgenusses zu sorgen. So geht High End ohne Allüren.

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Wir meinen

Ein regelrechtes Wunderkästchen an Variabilität und klanglicher Güte. Mit dem Netzteil PWX ist der Lehmannaudio eine Phonostufe, die dem Ende der Fahnenstange schon recht nah kommt.

Lehmannaudio Black Cube SE 2 Navigator

 

Info

Phonovorverstärker Lehmannaudio Black Cube SE II mit Netzteil PWX
Empfindlichkeit (Ausgangspegel 775 mV): 3,8 mV/1 kHz (MM) / 0,38 mV/1 kHz (MC)
Verstärkung (1 kHz): 46 dB (MM) / 66 dB (MC)
Max. Eingangspegel (1 kHz): 45 mV (MM) / 4,5 mV (MC)
Rauschabstand: 71 dB (MM) / 63 dB (MC)
Verstärkung einstellbar auf: 36 dB, 46 dB, 56 dB, 66 dB
Kanaltrennung: > 80 dB bei 10 kHz
Eingangsimpedanz: 47 kΩ, 1 kΩ, 100 Ω
Ausgangsimpedanz: 47 Ω
Eingangskapazität: 100 pF
Bassfilter: 16 Einstellungen zwischen 7 Hz und ca. 90 Hz
Leistungsaufnahme: < 3 W
Maße Entzerrer (B/H/T): 11,4/5/12,4 cm
Maße Netzteil (B/H/T): 9,3/5/23 cm
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 950 €

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Kontakt

Lehmannaudio Vertriebs GmbH
Waltherstraße 49–51
51069 Köln
+49 221 29 49 33 20

www.lehmannaudio.com

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