Kashmir, Led Zeppelin, 1974

Longtrack: Kashmir, Led Zeppelin, 1974

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Kashmir, Led Zeppelin, 1974

Flirrende Hitze, trostlose Wüste, eine brütende Atmosphäre, kurz: Kashmir.

Wir reisen scheinbar endlos durch die unbarmherzige Landschaft: „Oh, let the sun beat down upon my face.“ Die düstere, pochende Riff-Figur, die Halbton um Halbton höher steigt, ist weltberühmt geworden. Sie suggeriert einen Dreiachteltakt über dem Vierviertel-Beat – es ist ein ratternder, insistierender, gewalttätiger Rhythmus. Durch die Kombination der beiden Metren entstehen dreitaktige Abschnitte. Kein Wunder also, dass der Sänger Robert Plant anfangs einige Probleme hatte, seinen Text einzuüben. Vor Angst erstarrt und den Tränen nahe sei er gewesen, sagte er. Aber es ging dann doch alles gut.

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Schließlich hatte er für diesen Song ja auch besondere Lyrics geschrieben, etwas „Abstraktes“, nicht das übliche Liebesschmerzlied, nicht den üblichen Blues. In „Kashmir“ geht es um letzte Dinge, um Prophezeiungen und Traumbilder – die Reise durch die Wüste war für Plant eine Metapher des Lebens. Inspiriert ist der Text von einem Trip mit Jimmy Page durch Marokko, ein bei den Hippies damals beliebtes Reiseland. Aber der Song heißt nicht nach Agadir oder Marrakesch oder Maghreb, er heißt „Kashmir“. Vielleicht war die nordindische Region gerade in den Medien, als der Text entstand, vielleicht galt sie gerade als das wahre Drogenparadies.

Angeblich waren Plant und Page vor ihrer Marokkoreise auch in Indien gewesen, wenn auch nicht in Kaschmir, sondern in Mumbai. Angeblich entstand das berühmte, düstere Riff sogar ursprünglich auf einer Sitar. Dennoch hat der ganze Song eindeutig arabische Anklänge. „Ich habe mich für verschiedene Gitarren-Tunings interessiert und für arabische Melodien“, sagte Page. Seine Gitarrensaiten hat er für dieses Stück in D-A-D-G-A-D gestimmt – das D ist der Bordunton im Riffteil. John Paul Jones flocht dann die zusätzlichen arabisch getönten Motive ein, gespielt von Bläsern, Streichern und Mellotron. „Es hat mit einem Riff angefangen und wurde mit orientalischen Läufen vervollständigt“, so Page.

Auch wegen der Streicher ist es ein wuchtiges, dramatisches, rätselhaftes Stück geworden – kein typischer Hardrock-Song, sondern „der progressivste und originellste Track“ der Band, wie der Zeppelin-Kenner Dave Lewis meint. Typisch für Led Zeppelin: Das Stück hat noch verschiedene weitere Formteile. Einer beginnt bei 2:13 („I been flyin’“), einer bei 3:22 („All I see turns to brown“), ein weiterer (nach der vierten Strophe) bei 6:38 („When I’m on, when I’m on my way“). Robert Plant meinte, „Kashmir“ sei der beste Led-Zeppelin-Song überhaupt: „Ich wünschte, wir wären mehr für ‚Kashmir‘ bekannt als für ‚Stairway To Heaven‘. Hier stimmt alles, nichts wird übertrieben, der Gesang ist nicht hysterisch. Die perfekten Led Zeppelin.“ Viele Bands haben das Stück gecovert – nicht zuletzt 20 Jahre später Page & Plant selber, und zwar zusammen mit ägyptischen und marokkanischen Musikern. „Kashmir“ wurde auch zum Wegweiser für Plants Solokarriere nach der Jahrtausendwende.

 

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