Miller & Kreisel MPS 2520P

Miller & Kreisel MPS 2520P Aktivlautsprecher

Wenn richtige Profis am Werk sind (wie bei Miller & Kreisel), können sich schon mal Grenzen verschieben.

Miller & Kreisel MPS 2520P – So groß kann klein sein

Oder: Wenn richtige Profis am Werk sind (wie bei Miller & Kreisel), können sich schon mal Grenzen verschieben.

Miller & Kreisel MPS 2520P

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Die Geschichte fing harmlos an. Eigentlich war es nur die Anfrage eines Musikers, Pedanten und Soundtüftlers, der einen besseren Subwoofer brauchte, um ein besonders gut aufgenommenes Album besser abmischen zu können. Er fragte also ein kleines, noch unbekanntes Unternehmen, das allerdings schon einige Erfahrung im Lautsprecherbau hatte, man setzte sich zusammen und heraus kam ein für die Zeit – wir sprechen vom Jahr 1973 – grandioser Subwoofer. Das zugrunde liegende Isobarik-ähnliche Prinzip, „Balanced Dual Drive“ genannt, sorgt in weiterentwickelter Form noch in heutigen M&K-Subwoofern für THX-zertifizierte Fundamente. Da hätte an und für sich vergessen werden können, wie viele gute Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ins Licht einer Öffentlichkeit traten. Bei dem abzumischenden Album, um das es hier geht, handelte es sich allerdings um Countdown to Extasy von Steely Dan, der Musiker hieß Walter Becker. Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt. Mit dieser Referenz im Rücken wuchs Miller & Kreisel schnell zu einer der Größen der Studioszene, und so verwundert es sehr, dass man hierzulande noch nicht viel von diesem Hersteller gehört hat.

Miller & Kreisel MPS 2520P

Jenseits des hiesigen Marktes hat sich Miller & Kreisel zu einer echten Größe hauptsächlich in den amerikanischen Studios etabliert, und so haben Sie wahrscheinlich alle schon mit den auf diesen Lautsprechern entstandenen Produkten zu tun gehabt: Der Herr der Ringe, die ersten drei Star Wars-Episoden, Pearl Harbour und andere für besten Sound prämierte Filme erfuhren ihre komplette Postproduktion auf diesen Boxen.

Was hat es auf sich mit diesen unauffälligen Kisten, die in bescheiden mattem Schleiflack daherkommen, erschreckend klein sind und so gar nicht in die Welt amerikanischer Hochglanzproduktionen passen wollen? Keine riesige Kiste für die Wall of Sound, sondern ein präzises und durchdachtes Werkzeug, das offenbar erfolgreiches Arbeiten zulässt.

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Miller & Kreisel MPS 2520P

Das fast würfelförmige, stabil aufgebaute Gehäuse schmückt sich an der Front mit drei seidenen Hochtonkalotten und zwei 15 Zentimeter durchmessenden Tiefmitteltönern aus einem Kohlefasergeflecht. Die Vermehrfachung der Treiber wird von vielen Puristen als Verrat an der reinen Lehre angesehen, setzt man es jedoch schlau um, kann man auf mehrere Vorteile hoffen: Zum einen reduziert sich bei gleichem Schalldruck der Membranhub beträchtlich, was sich simpel mit „weniger Verzerrungen“ übersetzen lässt. Impulse können bei akkuratem Gleichschritt auch knackiger kommen, da die Chassis wiederum nur kurz hüpfen und nicht weit springen müssen. Zudem lässt sich bei korrekter Beschaltung in der Frequenzweiche die Abstrahlcharakteristik der Box gezielt beeinflussen. Was in unserem Fall bedeutet, dass die MPS 2520P stärker vertikal bündeln. Reflexionen von Boden, Decke oder Studiotisch fallen also weniger ins Gewicht. Entsprechend weniger technisch kann die Inneneinrichtung ausfallen, wenn es sich denn um ein schönes Wohnzimmer handeln soll. Die vertikale Bündelung des Hochtons lässt sich mittels eines Kippschalters am rückwärtigen Verstärker noch justieren. Während ich im Wohnzimmer die weitere Version bevorzugte, blende ich im Studio mit einem Klick den Tisch aus.

Ansonsten ist die Rückseite der Boxen nicht weiter spektakulär, die üblichen Anschlüsse und Einstellmöglichkeiten sind vorhanden. Unüblich sind allenfalls die Ausgangsbuchsen, die dazu dienen, das Signal durchzuschleifen und in ein weiteres Paar MPS 2520P zu führen.

Miller & Kreisel MPS 2520P

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Professionell und im besten Sinne kundenfreundlich ist übrigens die Verwendung ähnlicher oder gleicher Treiber durch alle Modelle sowie der Einsatz konzeptionell gleicher Frequenzweichen. So wird ein einheitlicher Klang durch das komplette Portfolio gewährleistet, was einem das Leben bei der Zusammenstellung von Mehrkanalsystemen deutlich erleichtert. Bei M&K nennt sich diese Idee übrigens „Timbre Matching“.

Ein schlichtweg grandioses Feature der M&K MPS 2520P möchte ich Ihnen – zusammen mit einer kleinen Botschaft an den Hersteller – nicht vorenthalten. Wer kennt nicht die endlosen Orgien bei der Aufstellung neuer Lautsprecher, bis alles endlich am richtigen Platz steht, alle Abstände und Winkel passen. In Sachen Abstand habe ich den Prozess bei mir durch die Anschaffung eines Laser-Entfernungsmessers drastisch erleichtert. Wenn von einem Punkt am Hörplatz die Abstände zu beiden Hochtönern gleich sind, kann schon nicht mehr viel schiefgehen. Bisher gehe ich dann beim korrekten Einwinkeln der Lautsprecher vor wie folgt: Ich lege den Entfernungsmesser genau mittig oben auf einen Lautsprecher. Dann stelle ich ein Mikrofonstativ an, vor oder hinter den Hörplatz – je nachdem, wo sich die gedachten Achsen der Boxen kreuzen sollen. Ich drehe einen Lautsprecher so lange, bis der Laserstrahl auf das Stativ trifft, und markiere die Stelle mit einem Aufkleber oder Gummiband. Dann kommt der Laser auf die andere Box, ich drehe wieder, bis der Punkt auf dem Stativ landet, und justiere dann noch die vertikale Ausrichtung, bis auch hier die Markierung getroffen wird. Es ist verblüffend, wie sehr ein Klangbild einrastet, wenn man sich einmal so viel Mühe gibt.

Miller & Kreisel MPS 2520P

Nun spielt das Leben böse Streiche … Es kann immer wieder sein, dass ein Kind/Haustier/Freund/etc. sachte gegen einen Lautsprecher stößt und ihn so leicht verschiebt, dass es mit Augenmaß nicht auszumachen ist, allerdings doch eine kleine Verschlechterung des Klanges zur Folge hat. Im Zweifelsfall so klein, dass es nicht sofort auffällt. An und für sich sollte man also regelmäßig die genaue Ausrichtung kontrollieren, und nein, auch ich mache das nicht. Bei der M&K ist die kleine Leuchtdiode, die den korrekten Betrieb der internen Elektronik mit blauem Leuchten verkündet, so tief in einer engen Bohrung versenkt worden, dass man sie nur vollständig erkennt, wenn die Box exakt auf den Hörplatz ausgerichtet ist. Simpler und effektiver kann man dieses Hilfsmittel nicht gestalten, herzlichen Dank.

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Stehen die beiden Lautsprecher – idealerweise mit den Hochtönern nach außen weisend – auf ihrem Platz, sind symmetrisch an den Vorverstärker angeschlossen und sauber ausgerichtet, kann der Spaß losgehen. Als echtes Profiwerkzeug gestatten sie sich allenfalls eine Einspielzeit von zehn bis zwanzig Minuten, lassen aber schon ab dem allerersten Moment erkennen, dass hier eine ganze Menge richtig gemacht wurde. Bei mir spielen sie als Satelliten (ihre ureigenste Bestimmung bei einem fix eingebauten 80-Hz/24-dB-Hochpass) im Verbund mit meinen Sky-Audio-Subwoofern.

Miller & Kreisel MPS 2520P

Massive Attacks Mezzanine liegt auf dem Plattenteller, nimmt über die Miller & Kreisel meinen Raum und mich ordentlich in die Mangel und lässt sehr schnell eine erste Einschätzung zu, die sich übrigens im weiteren Verlauf immer wieder bestätigen wird. Die MPS 2520P zeichnen sich durch ein absolut verblüffendes dynamisches Spektrum aus. Ich habe wirklich selten Boxen gehört, die „sehr leise“ und „sehr laut“ so eng beieinander darstellen können. Und das scheinbar mühelos, was auch schon die nächste hervorstechende Eigenschaft ist. Diese handlichen Lautsprecher schütteln jegliches Fortissimo mit einer solchen Lockerheit aus dem sprichwörtlichen Ärmel, dass man meint, es gäbe nach oben keine Grenzen. Die einzelnen Schichten dieser schon speziellen Produktion werden mit archäologischer Akribie freigelegt, ohne indes den Zusammenhang zu zerstören.

Den Miller & Kreisel gelingt das Kunststück, jedes Detail in gleißendes Licht zu tauchen und gleichzeitig das große Ganze im Blick zu behalten. Das ist beim entspannten Jazz, den ich danach höre, schon schön, da es die Glaubwürdigkeit der Darstellung steigert. Eine so ausgeprägte Sensibilität bei dynamischen Abstufungen ist nur möglich, wenn der Lautsprecher an sich sehr resonanzarm und „trocken“ arbeitet. Jegliches Überschwingen der Chassis verschmiert wieder eine kleine Kontraststufe. Daher sind die Miller & Kreisel auch in ihrem Element, als ich mich durch einige Strauss-Opern höre. Gerade bei der an vielen Stellen immens komplexen Elektra wird das Hören mitunter anstrengend, weil überforderte Lautsprecher keinen Durchblick mehr bieten. Das Gehirn muss fehlende oder verdeckte Informationen interpolieren, was auf Dauer Stress erzeugt. Mit den MPS 2520P geschieht das nicht, sie durchleuchten jeden noch so fernen Winkel der wunderbaren Einspielung mit Christian Thielemann und „seiner“ Staatskapelle Dresden. Kleine Nebenstimmen bleiben hörbar, auch wenn das Blech schmettert, und eine Geigenstimme kann man selbst dann noch differenziert wahrnehmen, wenn gleichzeitig eine Sopranistin in ganz ähnlichen Frequenzen Raum fordert. Im direkten Vergleich merkt man, dass aufwendige Hochtöner wie die Bändchen meiner Lautsprecher in höchsten Sphären noch etwas feiner differenzieren. Die Schlagkraft der Amerikanerinnen geht ihnen allerdings ab.

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Als ich aber die beiden M&K-Monitore im Heimkino einsetze, wird mir schlagartig klar, warum Lucasfilm mit diesen Lautsprechern abmischt. Kein noch so krasser Dynamiksprung, keine Explosion und keine Sopranistin, die diese Lautsprecher in Bedrängnis brächte. Das ist – gerade angesichts der Größe – nichts weniger als spektakulär.

Miller & Kreisel MPS 2520P

Dabei geht es allerdings nicht nur um stampfende Dinos und brüllende Godzillas. Auch und gerade leisere Filme wie das großartige Melancholia von Lars von Trier legen durch die Unmittelbarkeit des Klanges eine weitere Schicht der Distanz zwischen Medium und Rezipient ab, wirken glaubhafter und „echter“. Und obwohl man mit diesen Lautsprechern enorm laut hören kann, ertappe ich mich dabei, dass ich Filme viel leiser genieße – einfach weil die Sprachverständlichkeit auch bei niedrigeren Pegeln so exorbitant gut ist.

Wir meinen

Kleine und höchst professionell entwickelte Monitore, die perfekt die Brücke zwischen Studio und Wohnzimmer, Kopf und Bauch schlagen.

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Miller & Kreisel MPS 2520P Navigator

 

Info

Aktivlautsprecher Miller & Kreisel MPS 2520P
Konzept: 2-Wege-Aktivmonitor
Verstärker: 200 W RMS/400 W Peak (Bass), 180 W RMS/360 W Peak (Hochton)
Bestückung: 2 x 15-cm-Tiefmitteltöner (Glasfibergewebe), 3 x 2,5-cm-Hochtöner (Gewebekalotte)
Frequenzumfang: 80–12 KHz ±1 dB, 12–20 KHz ±2 dB
Maximaler Ausgangspegel: 110 dB/100 Hz
Hochpass: fixed 80 Hz (24 dB)
Maße (B/H/T): 33/27/40 cm
Gewicht: 18 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: um 5400 €

Kontakt

Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
Telefon +49 40 53320359

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www.audio-reference.de

www.mksound.com

 

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Mitspieler

Plattenspieler: Transrotor Apollon TMD mit SME 5, SME 3012 u. a.
CD-Player: Mark Levinson No. 390s
DAC: Merging Technologies
Vollverstärker: Lavardin IT
Vorverstärker: Crane Song Avocet
Endverstärker: Digitalendstufe auf ICE Power basierend, Accuphase P-4200
Lautsprecher: Spendor Classic 3/5, FinkTeam Borg, Wilson Audio Sasha DAW, Sky-Audio 2.2 System
Kabel: Vovox, AudioQuest, Audio Note

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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