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Naim SuperUniti

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All-in-one-Systeme gelten als Verlegenheitslösung. Sie kommen zum Zug, wenn Platzmangel herrscht, nicht aber, wenn es besonders gut klingen soll. Along comes SuperUniti …

Es beginnt mit einer kleinen Verwirrung. Einer eigentlich völlig unnötigen Irritation, die in meiner audiophilen Borniertheit gründet: Was, so frage ich mich, nachdem der Naim SuperUniti bei mir gelandet ist, soll ich mit diesem Ding? Als All-in-one- Lösung nehme ich ihn natürlich nicht so recht ernst und denke nicht daran, ihn in meinem Musikzimmer zu installieren. Dort gehören einzelne Komponenten hin. Für die Zweitanlage im Wohn- oder Schlafzimmer erscheint er mir dann allerdings doch etwas teuer. Immerhin sollen für den vermeintlichen Hintergrundbeschaller solide 4200 Euro bezahlt werden. Wohin also mit dem Ding? Des HiFi-Autors liebste Verlegenheitslösung schafft kurze Erleichterung: Gerät ans Netz hängen und weiter überlegen.Kollege Brockmann bestätigt in einem Telefonat die Schublade „Zweitanlage“. Für ihn ist der SuperUniti eindeutig das Zweitgerät des aktiven Audiophilen. Ich kann mich dieser Einschätzung nicht recht anschließen, Sie wissen schon, der Preis … Das bringt mich also auch nicht weiter und ich werde suchen müssen – einen Sinn suchen für ein Gerät, dass ich noch nicht so recht einzuordnen weiß.

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Gute Gene

Der SuperUniti bietet so viele Funktionen, dass man schon mal die Übersicht verlieren kann. Zunächst einmal ist er ein Verstärker, der beim ersten Blick unter die Haube wie ein direkter Ableger des großen SuperNAIT wirkt. Doch schon der zweite Blick offenbart einige Unterschiede: Er regelt die Lautstärke nicht über das klassische Potentiometer, dem die Entwickler aus Salisbury bis zu den teuersten Geräten des Hauses die Treue halten. Im SuperUniti erledigt ein Widerstandsnetzwerk diesen Job, was eine durchaus sinnvolle Entscheidung ist, wenn man mit leichtem Blick auf das Budget entwickeln muss, sind diese Baugruppen doch deutlich günstiger im Einkauf. Zudem entfällt das lästige Selektieren, da eine propere Kanalgleichheit praktisch immer gegeben ist. Deutlich kompakter sind auch die Leistungstransistoren ausgefallen, die hier zudem auf den Kühlungsblock des SuperNAITs verzichten müssen und direkt am Gehäuse andocken.
Dann kommt noch ein Streamingplayer hinzu, der sich von einem NAS oder aus dem Internet (Webradio) bedienen kann. Hier greift Naim natürlich ins bereits üppig bestückte Regal der eigenen Modellpalette und setzt einen Streaming-Baustein ein, der auf denen der übrigen Uniti-Modelle basiert. Da es sich nunmehr aber um eine neuere Version handelt, kann der SuperUniti endlich auch Daten bis 24 bit/192 kHz verarbeiten. Damit öffnet sich uns auch mit diesem Alleskönner die Welt der mitunter sogar musikalisch interessanten HiRes-Files. Diese neue Netzwerk-Platine gehört bei Naim zur „dritten Generation“, wird von der Nürnberger Firma Audivo zugeliefert und soll bei Naim ausgiebig modifiziert werden, um den klanglichen Ansprüchen des Hauses zu genügen. Erstmalig ist neben den üblichen Formaten auch Apple Lossless möglich, dies allerdings nur bis 24 bit/96 kHz. Ein konventionelles UKW-Radio ist auch integriert. Und diverse USB-, Toslink-, BNC- und SPDIF-Eingänge verraten den D/A-Wandler in ihm. Dessen Gene sollen mit denen des – nicht nur meiner Meinung nach – phänomenal guten Naim DAC in „enger Verwandtschaft“ stehen. Was in einem solchen Zusammenhang natürlich immer „abgespeckt“ heißt, sich in diesem Falle jedoch zum Glück nur auf die Anzahl der taktgebenden Oszillatoren (16 statt 24) bezieht. Der entscheidende Wandlerbaustein blieb derselbe.

Quick-Start

Damit wird die schon erwähnte Sinnsuche deutlich verkürzt: Zum ersten Hören bleibt der SuperUniti nun doch an meiner Anlage im Musikzimmer, findet seinen Platz auf der obersten Ebene des Phonosophie-Racks und wird zunächst nur über den Router (LAN) mit dem Musikarchiv auf dem NAS verbunden. Da ich einen gewissen Respekt (und auch ein gerüttelt Maß an Unverstand) gegenüber Computerdingen mitbringe, freue ich mich über die beiliegende Quick-Start-Anleitung, deren Schritte auch für mich leicht nachvollziehbar sind und auf Anhieb funktionieren. Es dauert ganze drei Minuten, und der Naim ist mit dem heimischen Netzwerk verbunden, hat das NAS erkannt und will loslegen. Erfreut nehme ich auch zur Kenntnis, dass am beiliegenden Netzkabel die Phase markiert wurde. Sie ahnen nicht, bei wie vielen auch höchstpreisigen Geräten man mit dem Multimeter hinter der Anlage herumkriechen muss, weil Hersteller und/oder Vertrieb auf diesen klanglich bedeutsamen Aspekt nicht geachtet haben. Fragwürdig hingegen finde ich den sehr geringen Abstand der Cinchbuchsen zueinander. Kabel mit dickeren Steckern können da schon mal sperren, wie ein Bild zum Abschluss dieser Story zeigt.

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Klingt er doch?

Als die ersten drei Töne von Charlie Hadens Beyond The Missoury Sky ertönen, erkenne ich meinen Irrtum und leiste hiermit Abbitte: Der SuperUniti ist ein absolut vollwertiges HiFi-Gerät. Denn auch nach den ersten zwei, drei Stücken fehlt – nichts. Oder genauer gesagt: fast nichts. Es ist klar, dass zu diesem Tarif noch nicht alles an endgültiger Auflösung, Kontrolle und Klangfarben zu bekommen ist. Dem neuen Naim gelingt allerdings wieder einmal das Kunststück, Musik derart schlüssig und in sich vollständig zu präsentieren, dass die Frage nach einem „Mehr“ angesichts des Vergnügens, das ich schon jetzt an der Musik habe, müßig erscheint. Ich erfreue mich also weiter an der Musik und lasse das kritische Hören im Koffer.
Nach einigen Tagen lustvollen Surfens durch die weiten Archive meines NAS höre ich dann doch mal ganz genau hin, zwinge mich quasi zur Suche nach Eigenheiten. Bei Gitarrentönen beispielsweise fällt der übliche Nahbesprechungseffekt, jene Betonung des Grundtons, die entsteht, wenn vor allem Nierenmikrofone sehr dicht an der Klangquelle stehen, ein klein wenig mehr auf als sonst. Der SuperUniti legt hier eine kleine Schippe drauf, was vielen Aufnahmen eine gewisse Glaubwürdigkeit verleiht, jeden Ton mit einer Aura der Selbstverständlichkeit umgibt. Die Masse an dürftig produzierten Aufnahmen profitiert von dieser praxisnahen Abstimmung, der Flirt mit dem Grundton schmeichelt dem Ohr. Bei der Lautsprecherwahl sollte man vielleicht ein Auge auf diesen Bereich werfen: Boxen, die Tiefbass vorgaukeln wollen, indem sie knapp über 100 Hz eine allzu dicke Bugwelle vor sich herschieben, sind sicherlich keine idealen Partner. Klar und präzise abgestimmte Monitore – oder auch Standboxen – sind hingegen bestens zur Zusammenarbeit geeignet.
Mit meinen kleinen Spendor 3/5SE funktioniert das ziemlich gut; im Verbund mit dem SuperUniti spielen sie im 30 Quadratmeter messenden Musikzimmer schön souverän und erwachsen, ohne mulmig zu werden. Dabei legen sie ihren betont zurückhaltenden, britisch-distinguierten Charakter ab und marschieren voran, dass es eine Freude ist. Ich hätte nie gedacht, dass diese eher nüchternen BBC-Derivate irgendwann doch noch einmal bei lockerem Jazz ganz einfach nur Spaß machen würden.
Schuld daran ist zu einem großen Teil der Verstärkerpart, der Naim offensichtlich vortrefflich gelungen ist. Bis vor kurzem noch spielte, über Monate hinweg, ein SuperNAIT bei mir, und ich kann aus der Erinnerung nur minimale Unterschiede feststellen. Wenn mich nicht alles täuscht, fächert der reine Vollverstärker einzelne Stimmen in komplexen Stücken einen Hauch besser auf, sorgt für eine Spur mehr Klarheit in diesem Bereich und wahrt bei sehr hohen Lautstärken einen Tick mehr Haltung. Aber sonst? Unser neuer Alleskönner ist dem etablierten Bruder unheimlich dicht auf den Fersen. Hier wie da die gleiche leichte Zurückhaltung im tiefsten Bass, lockerstes Obertonflirren wird auch anderen überlassen. Aber dann diese herrlich saftigen, griffigen, lebensechten Mitten: Sie sorgen immer wieder dafür, dass sich meine Musikerohren wie zu Hause fühlen, kaum dass ein Naim spielt. Der NAIT bietet noch die Option, ihn mittels diverser Netzteile aufzuwerten, was beim Uniti nicht möglich ist – das mag ein Argument sein.

Raum & Ordnung

Marek Janowskis Aufnahme von Wagners Rheingold kommt von der Festplatte. Ist es immer noch ein Naim, der hier spielt? Farbe, Druck, Fluss – das alles stimmt. Doch die faszinierende Weite in der Abbildung, die ich gerade erlebe, hatte ich bislang nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen der Geräte aus Salisbury gerechnet; selbst bei neueren Modellen ging es meistens etwas kompakter zu. Und jetzt verblüfft der SuperUniti mit einer vor allem extrem breiten, anständig tiefen und unerwartet exakt eingeteilten Bühne. Alberich oder die Rheintöchter lassen sich jetzt mühelos bis auf den Zentimeter verorten. Auch bei dichter instrumentierten Stellen könnte ich mit dem Finger auf die Positionen der einzelnen Musiker der Dresdner Staatskapelle zeigen. Den meisten der zum Vergleich hinzugezogenen CDPlayer gelingt das nicht in diesem Maße. Lediglich einer, der aber gleich doppelt so viel kostet wie der Uniti, schließt in dieser Disziplin bis zu ihm auf. Hut ab!

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Tiefstapler erobert Wohnzimmer

Während vieler weiterer Stunden mit Musik von verschiedensten Medien wird mir immer klarer, wie falsch ich den vermeintlich kleinen Kerl zu Beginn eingeschätzt habe. Tatsächlich hat Naim Audio hier ein Paket geschnürt, das sich durch Einzelkomponenten nur mit erheblich höherem finanziellem Aufwand toppen lässt. Um noch etwas deutlicher zu werden: Ja, ich könnte mit dem SuperUniti bestens leben. Denn seine Stimmigkeit ist mir persönlich weit mehr wert als ein paar mehr präsentierte Details, die dann im Zweifelsfall auf Kosten der Geschlossenheit gehen und den unmittelbaren Genuss der Musik verhindern. Zudem spielt der (eingespielte) Naim sofort nach dem Einschalten auf den Punkt. Eine Anlage aus getrennten Geräten muss man erst mit viel Mühe und Zeit zum Spielen bringen, den SuperUniti stellt man einfach hin.
Nach einiger Zeit findet er dann doch noch seinen Weg nach oben ins Wohnzimmer und darf dort für Stimmung sorgen (tut mir leid, davon gibt’s keine Fotos – etwas Privatsphäre muss sein!). Hier verführt er uns alle mit seiner Webradio-Funktion, sodass er von nun an praktisch durcharbeiten muss. Ein paar freie Stunden nachts werden ihm gelegentlich gegönnt, ansonsten aber darf er uns die mitunter erstaunlich gut klingenden Webradio-Stationen dieser Welt in die gute Stube holen. Daher – und mangels eines Antennenanschlusses zu Hause – habe ich das UKW-Radio gar nicht mehr ausprobiert. Nach meinen Erfahrungen mit den Tunern des Hauses erwarte ich aber auch hier nichts Bedenkliches. Sein Besuch endet mit einer Gewissheit: Naims Super- Uniti sollte man unbedingt ernst nehmen. Fast schon zu schade für die ambitionierte Zweitanlage, ist er vor allem eines: eine schlichtweg erstklassige Musikmaschine. Dass seine Platinen nicht so cool wackeln wie die der großen Geschwister, ist hiermit verziehen.

 

www.music-line.biz

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