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Nubert NuVero Nova 9

Nubert nuVero nova 9

Lass krachen, Kleine!

Nubert nuVero nova 9

Wie lange braucht man, um das Potenzial eines Lautsprechers zu ergründen? Stunden, Tage, Wochen? Zwanzig Sekunden, behaupte ich. Länger hat es jedenfalls nicht gedauert, ehe wir bei einer Vorführung auf der HIGH END 2025 wussten, dass wir die kleine nuVero nova 9 im Hörraum haben wollen.

Nubert NuVero Nova 9

In aller Kürze: Nubert nuVero nova 9

Nubert NuVero Nova 9

 

Nicht missverstehen: Die größeren Modelle nuVero nova 14 und 18 (die angekündigte 12 war damals noch kein Thema) machten bei unserem exklusiven „Messe/Presse-Meeting“ ebenfalls einen hervorragenden Eindruck. Aufgrund ihrer standboxigen Erscheinung erwarteten wir allerdings, dass sie im Nubert-Showroom abliefern. Bei einem Lautsprecher, den man bequem durch die halbe Innenstadt tragen könnte, sieht die Sache anders aus. Die nova 9 hatte das Überraschungsmoment auf ihrer Seite, und sie kostete es aus: Mit straffem Timing packte sie uns und garnierte ihre exzellente Bühnenabbildung mit einem Punch und Druck, den auch die Nachbarn genießen können – im Messe-Showroom genauso wie im knapp 50 Quadratmeter großen FIDELITY-Hörraum. Und das Beste: Wir sprechen hier von einem ausgewachsenen highfidelen Kraftpaket, das in praktisch jedem Habitat funktioniert und inklusive passender Füße für irgendwas um 2700 Euro zu haben ist.

Nubert NuVero Nova 9
Der Rücken einer nuVero nova 9 ist so hübsch wie funktional: Zur Vermeidung von Kratzern und Oxidation setzt der Hersteller auf robuste und rhodinierte Bi-Amping-Terminals, die mehr als ein Lautsprecherleben überdauern sollten. Die beiden Steckerbrücken unter der Reflexöffnung dämmen den Bass für wandnahe Aufstellung ein (links) oder hebeln die Diffusfeldentzerrung aus (rechts). Es soll ja Hörer geben, die das Verhalten eines ganz klassischen Lautsprecher bevorzugen …

Spulen wir vor in den September. Nubert hat die erste Lieferung seiner brandneuen Lautsprecherfamilie erhalten, in den hauseigenen Labors auf Hertz und Nieren geprüft und bringt uns die solide eingespielten Testmuster persönlich vorbei. Wahrscheinlich haben Sie eine romantisierte Vorstellung von unseren Testabläufen und Treffen mit Entwicklern: Hörräume voller Lautsprecher, Elektronik und exquisite Tonträger, gedimmte Lichtstimmung, konzentriertes Hören und HiFi-affiner Smalltalk. Die Wahrheit ist, dass ich den Entwickler der kleinen Springteufel, Thomas Bien, ziemlich schnell auf ein Stück Mohnkuchen in einer nahegelegenen Konditorei überreden konnte, wo wir uns mehrere Milchkaffees lang Zeit nahmen, um über Technik, Konzept und alles rund um die generalüberholte nuVero-Serie zu sprechen.

Zunächst interessierte mich, warum die bewährte Topserie der Schwaben überhaupt abgelöst wird. Natürliche Evolution, lautete die vorhersehbare Antwort meines Gesprächspartners. In der nuVero-Lebensspanne von 10 Jahren sammelten sich Erkenntnisse und Detailverbesserungen an, die eine neue Generation rechtfertigen. Vor allem bei den Treibern habe man mächtig dazugelernt. Außerdem hatte Thomas Bien immer das Gefühl, noch mehr aus der „Schallablösung“ herauskitzeln zu können: Das verfeinerte Zusammenspiel von Hoch- und Mittelton sowie die Beseitigung letzter Kantendispersionen (Reflexionen und Schallaufbrechungen an den Gehäusekanten) waren erklärte Entwicklungsziele seiner „novas“.

Nubert NuVero Nova 9
Die Frontalansicht offenbart zwei der zentralen Neuerungen der nova: Die Schallwand geht nun fließend und ohne Kantenaufbrechung ins Gehäuse über, während Tweeter und Mitteltöner in ihrem gemeinsamen Rahmen enger zusammengerückt sind.

Um das zu erreichen, schnürte er den Hoch- und Mittelton in eine gemeinsame Metalleinfassung, die nicht nur der wohnlichen Optik dient, sondern die Chassis durch ihre filzgedämmte Anbringung vom Gehäuse (und damit vom Bass) entkoppelt. Der Mitteltöner wurde verkleinert, damit er näher an den Tweeter heranrücken kann. Gemeinsam mit dezenten Schallführungen im gefrästen Aluminiumträger sorge das quasi für eine Einpunkt-Schallquelle. Es handelt sich bei den Treibern übrigens um Neuentwicklungen. Während die Metallkalotte des Tweeters durch Verdopplung des Antriebs und verschiedene Optimierungen zu nicht gekannter Resonanzfreiheit getrieben wurde, besitzt der konisch nach innen gewölbte Mitteltöner (vormals ein flacher Treiber) jene federleichte, vierlagige Carbonmembran, die wir recht ähnlich bereits von den aktiven nuZeos kennen.

Die zwingend erforderliche Anpassung der Gehäuseform war hart erfochten − um eine Balance aus akustischen Zwängen und wohnraumtauglicher Optik zu finden, arbeitet Nubert mit erfahrenen Produktdesignern zusammen, die Thomas Bien hier und dort auch mal einbremsen. Vollkommen zu Recht, wie ich finde, denn die nuVero nova 9 sieht einfach umwerfend aus und erfüllt am Ende trotzdem sämtliche Vorgaben: Die vormals deutlich abgesetzte Schallwand wurde in den Lautsprecher integriert. Ihre nach wie vor über das Gehäuse hinausragende Front geht in einem weiten Bogen ins Volumen des Bassreflexkörpers über. Die Formgebung des erstaunlich robusten und innen versteiften Gehäuses wird lediglich durch die massiven, bombenfest verschraubten Bodenplatten gebrochen.

Nubert NuVero Nova 9
Eine fast komplette Familie: Die kleine nova 9 (links) wird gegen Aufpreis mit einem ultrastabilen Panzerholz-Fuß samt Kabelführung ausgeliefert. Wer mehr will, der kann zur nova 14 (Mitte, um 5900 €/Paar) oder nova 18 (rechts, um 11 900 €/Paar) greifen. Nicht im Bild ist die angekündigte nova 12, eine weitere Standbox, die sich unterhalb der 14 einreiht.

Für den Charakter und die klanglichen Eigenschaften ihrer nuVeros ersannen die Tüftler aus Schwäbisch Gmünd ein Konzept, das sie als „Balanced Field“ zusammenfassen und das auf einer Kombination von „Diffusfeldentzerrung“ und „Ultra Directivity“ fußt. Sie haben genauso viele Fragezeichen im Kopf wie ich? Arbeiten wir am besten eins nach dem anderen ab …

Unter einem „Diffusfeld“ versteht man ganz einfach den Hörraum, oder sagen wir: das Hörumfeld. Entwickler wie Thomas Bien können das Verhalten ihrer Lautsprecher nur bis zur Membranfläche vorhersagen und genau abschmecken. Schon wenige Zentimeter von den Boxen entfernt kommen Raumreflexionen, Moden, Dämpfung und weitere Unwägbarkeiten hinzu, die man in der Messtechnik als diffuses Kuddelmuddel von Variablen begreift. Mit ihrer Entzerrung versuchen die Schwaben, die Eigenschaften durchschnittlicher Hörräume und die typische Aufstellung der Lautsprecher abzufedern. Hier spielt unter anderem der Wandel unserer Wohnumgebung eine Rolle. Galten in Deutschland einst „plüschige“ Zimmer mit Teppich und barocker Schrankwand als Maß aller Dinge, hat sich heute ein internationaler Stil durchgesetzt: Fliesen oder Holzparkett, spartanische Möblierung und verputzte Wände statt Raufaser. Riesige Fernseher und glasgerahmte Poster verdingen sich derweil als Reflektoren. Statt einer charmanten Loudness-Kurve, die dicken Teppichen und Sofas entgegenkommt, setzt Nubert lieber auf eine Art „Linearisierung mit Optionen“.

Nubert NuVero Nova 9
Die Schallwandler der nova 9 (v.l.n.r.): Bass, Mitteltöner und Tweeter. Alle drei basieren auf ihren Vorgängern, wurden aber durch die Erkenntnisse, die Nubert etwa mit seinen aktiven nuZeo sammeln konnte, verbessert. Der Tweeter besitzt nun einen (leider nicht sichtbaren) Doppelantrieb, während der Mitteltöner – nun wieder mit konischer Membran – kompakter aufgebaut ist, um näher am Hochtöner spielen zu können.

Die wichtigste dieser Optionen ist dann eben „Ultra Directivity“, über die wir schon beim Aufstellen der Boxen stolpern. Als unverbesserliche Highender hatten wir die nuVero nova 9 nach der unkomplizierten Montage auf ihre Panzerholz-Ständer direkt zum Hörplatz ausgerichtet. Das Ergebnis war auf Anhieb musikalisch, tonal jedoch überraschend frisch und crisp und bissig. Thomas Bien korrigierte den Fehler, indem er die Boxen gerade in den Raum ausrichtete. „Die meisten Kunden wollen ihre Lautsprecher ohnehin symmetrisch aufstellen, das sieht ordentlicher aus“, erklärte er. Alle novas sind so abgestimmt, dass sie in dieser Position am ausgewogensten spielen – und minimal, aber merklich an Plastizität gewinnen. Zwischen 30 und 45 Grad sollte der Winkel zum Hörplatz betragen, dann erzielt man bei „Nummer neun“ einen wie mit dem Lineal gezogenen Frequenzgang von 35 Hertz bis 10 Kilohertz.

Es folgt eine sanfte Betonung der oberen Höhen um moderate 2 Dezibel, die Triangeln und Hi-Hats das nötige Schillern verleiht, ehe die Tweeter ab 15 Kilohertz sanft abfallen. Die 20-Kilohertz-Marke durchschreiten die nuVero mit knapp −6 Dezibel. Verringert man den Winkel, dreht die Box also maß­voll zum Hörplatz, sind die Höhen plötzlich ausgeprägter und reichen bis über 22 Kilohertz.

Nubert NuVero Nova 9
Zur Verdeutlichung seiner „Ultra Directivity“ schickte uns Nubert einige Messungen der nuVero nova 9: Entscheidend sind die rote (0°) und grüne Linie (30°). Der Lautsprecher spielt dann linear, wenn er gerade in den Raum ausgerichtet wird. Durchs Einwinkeln kann man etwas Frische und Auflösung hinzufügen.
Nubert NuVero Nova 9
Hier sehen Sie die Auswirkungen der per Jumperbrücken einstellbaren Klangeinstellungen: Grün: Mit Bassabsenkung, ohne Diffusfeldüberbrückung; Rot: Ohne Bassabsenkung, mit Diffusfeldüberbrückung. Die beiden lassen sich freilich auch kombinieren.

Der eigentliche Clou an diesem Frequenz- und Dezibel-Potpourri liegt darin, dass sich Bass und Mitten bis ca. 5 Kilohertz nicht davon angesprochen fühlen. Allein durchs Einwinkeln deckt die Kompakte eine verblüffend umfassende (Höhen-)Tonalität ab, ohne dass sich Fundament und Stimmbereich verändern. Auflösung und Detailfülle lassen sich haarfein und stufenlos justieren. Die gerade Ausrichtung in den Hörraum erschien uns dabei tatsächlich als die harmonischste, ausgewogenste und vor allem natürlichste Abstimmung. Suzanne Vegas monofoner Gesang in „Tom’s Diner“ stand so bei etwa drei Meter Hörabstand lebensgroß, plastisch und wie gemeißelt zwischen den Lautsprechern.

Neben der Aufstellung bietet die nova 9 zwei weitere Optionen. Eine Steckbrücke am Terminal erlaubt via Bassreduzierung die wandnahe Platzierung. Außerdem kann man die Diffusfeldentzerrung auf der Frequenzweiche überbrücken. Die Tweeter der nuVero verlieren so ihre Glanzbetonung zwischen 10 und 20 Kilohertz, was je nach Raum eine weitere Ebene von Möglichkeiten eröffnet.

Nubert NuVero Nova 9

Auf meine Frage, mit welchen Verstärkerleistungen die nova sich am wohlsten fühlt, reagierte Thomas Bien überraschend angespannt. Nubert stehe hier unter ständigem Beschuss, erklärt er mir. Seit den Neunzigern halte sich das Vorurteil, die Boxen der Schwaben hätten einen zu geringen Wirkungsgrad und forderten echte Boliden als Antrieb. Das liege aber einfach an der fehlenden Normierung, die Angaben vieler Hersteller ließen sich einfach nicht vergleichen. In der Regel messen Entwickler ihre Lautsprecher unter optimalen 2 Volt, was 4 Ω entspricht. Nubert gab bis vor einiger Zeit immer 2,83 V an (8 Ω), hatte folglich einen geringeren Wirkungsgrad. Mit etwa 85 Dezibel (@2,83 V) kommt die Box mit einer großen Bandbreite von Verstärkern zurecht, was ich aus einem kurzen Abstecher zum Mavis M90 (50 W@4 Ω) und Line Magnetics LM 88AI (30 W@4 Ω) bestätigen kann: beide Verstärker spielten an der nova 9 stimmungsvoll und spritzig musikalisch. Im Verlauf unseres Tests begegnete die Kompakte auch Endverstärkern wie dem Burmester 216, der die hochpräzise Transientenwiedergabe der Lautsprecher in den Vordergrund schaufelte. Die nova zaubert Attacken derart schnell und präzise in den Hörraum, dass ich sie beinahe mal als Studio-Abhöre ausprobieren möchte. Abgefedert wird die damit vermeintlich einhergehende Härte durch wundervolle Tonalität und den „unfassbar guten Sound“ der Box, den gleich mehrere Kollegen hervorhoben. Selbst brettharte Impulse erhalten da eine samtige Note.

Uns ist klar, dass die Bewertung von Nubert-Lautsprechern stets von einer emotionalen Komponente begleitet wird. Fertigung in China und der webbasierte Direktvertrieb wurden den Schwaben immer angekreidet. Doch ist beides längst die Regel und wird von vielen (selbst highendigen) Marken praktiziert. Und so können wir tiefenentspannt mit den Armen wedeln und die ungemein musikalische, stimmungsvolle Nubert nuVero nova 9 zu einem unserer bisherigen Jahres-Highlights küren – und vor allem in Hinsicht auf ihre „Best Buy“-Qualitäten sehen wir nichts, was ihr diesen Rang streitig machen könnte.

Nubert NuVero Nova 9

Info

Lautsprecher Nubert nuVero nova 9

Konzept: 3-Wege-Kompaktlautsprecher im Bassreflexgehäuse
Bestückung: Bass (15 cm) und Mittelton (8 cm) mit vierlagigen Carbonmembranen; Hochtöner mit 2,5-cm-Metallkalotte
Frequenzgang (−3 dB): 35 Hz bis 30 kHz (abhängig von Auf- und Einstellung)
Wirkungsgrad (2,83 V@1 m): 84,5 dB
Dauerbelastbarkeit: 180 W
Impulsbelastbarkeit: 250 W
Lautsprecherterminal: Bi-Amping, rhodiniert
Besonderheiten: Ultra-Directivity-Charakteristik, Bass/Ultra Directivity über Jumper einstellbar, (optional) passende Ständer mit Kabelführung, magnetisch geschirmt
Zubehör: Lautsprecherkabel (2 x 2 m), Mikrofasertuch, Montagehandschuhe, Kurzanleitung
Ausführungen: Schwarz/Weiß Pianolack
Gewicht: 21/28 kg (ohne/mit Ständer)
Maße (B/H/T): 24/54/36 cm ohne Ständer, 32/101/45 cm mit Ständer
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: um 2190 €, Ständer um 500 €

Kontakt

Nubert electronic

Nubertstraße 1
73529 Schwäbisch Gmünd
Telefon +49 7171 87120
info@nubert.de

www.nubert.de

Mitspieler

CD-Player: Ayon CD-3sx, Audio Note CD 3.1x
Netzwerkplayer/Streamer: Lumin P1, T+A PSD 3100 HV
Vorverstär­ker: Soulnote P-3
Vollverstärker: Line Magnetic LM-88IA, Mavis M90
Endverstärker: Burmester 216, Soulnote M-3x
Lautsprecher: Wilson Audio Sasha DAW, Audio Physic Spark
Rack: Solidsteel, Finite Elemente, Beaudioful
Kabel: AudioQuest, HMS, in-akustik, Vovox, Nubert (Hausmarke)

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.