Passport, Doldinger

Passport – Passport: Doldinger

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Forever Young – 50 Jahre Album-Klassiker – Passport – Passport: Doldinger

Miles Davis’ Album Bitches Brew (1970) gab den Startschuss für den elektrischen Rockjazz. Einige der dabei Beteiligten gründeten rasch hintereinander die prägenden Bands des neuen Stils: Weather Report (1970), Mahavishnu Orchestra (1971), Return To Forever (1971). Auch in Deutschland hatte man den Startschuss gehört. Olaf Kübler schreibt: „Wir, mit Klaus Doldingers Passport, waren die Richtigen, die als erste deutsche Formation in diesem Bereich richtig zuschlagen konnten.“ Klaus Doldinger, der Bandleader, hatte sich in wenigen Jahren vom Dixieland-Klarinettisten zum Modern-Jazz-Saxofonisten gewandelt und war einer der bekanntesten deutschen Jazzmusiker. Als Filmkomponist besaß er zudem Erfahrung mit elektrischen Keyboards – er war bereit für den nächsten Entwicklungsschritt. Nach einer Vorläufer-Formation namens Motherhood gründete er 1971 die Rockjazz-Gruppe Passport.

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„Ich hatte damals das Gefühl, dass eine Straight-ahead-Jazzband nicht das Richtige für mich wäre“, sagte Doldinger später. „Free Jazz sprach mich nicht so an, und ständig Standards herunterspielen wollte ich auch nicht. Ich wollte meine persönliche Musik machen, meine eigenen Stücke spielen und die neuen technischen Möglichkeiten nutzen – Synthesizer, Tonbandeffekte und so weiter. Dass [der befreundete Produzent] Siggi Loch gerade Chef von Warner Deutschland wurde, war ein glücklicher Umstand: Ich war der erste Künstler, der von ihm unter Vertrag genommen wurde.“ Im Herbst 1971 entstand in München das Debütalbum der neuen Formation. Offen war nur noch der Bandname. „Ich machte eine Liste mit Vorschlägen. Der Promochef des Labels sagte: ‚,Passport‘ gefällt mir gut, da haben wir gleich das Artwork fürs erste Cover. Da nehmen wir einen Pass und eure Passfotos und fertig!‘“

Die Startbesetzung der Band hielt allerdings nicht lange. Eine erste kleine Tournee (März 1972) sollte beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt ihren krönenden Abschluss finden. Dieser Auftritt war eine große Chance – vor dem Festivalpublikum in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst und mit TV-Liveübertragung. Doch Doldinger wurde bei diesem Auftritt (laut Olaf Kübler) von seinem Jazz-Temperament übermannt. Statt mit einem rockenden Groove begann er das Konzert mit einem langen, unbegleiteten Saxofonsolo. Seine enttäuschten Mitmusiker, die auf den großen Durchbruch gehofft hatten, sollen noch am gleichen Abend gekündigt haben.

Passport, Doldinger

Fakten

Aufnahme: Herbst 1971

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Veröffentlichung: Winter 1971/72

Label: Atlantic

Produktion: Klaus Doldinger

 

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Titel:

  1. Uranus
  2. Schirokko
  3. Hexensabbat
  4. Nostalgia
  5. Lemuria’s Dance
  6. Continuation
  7. Madhouse Jam

 

Musiker:

Klaus Doldinger, Saxofone, Keyboards

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Olaf Kübler, Tenorsaxofon, Flöte

Jimmy Jackson, Orgel

Lothar Meid, E-Bass

Udo Lindenberg, Schlagzeug

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  • Das gedoppelte Saxofon ist der „Signature Sound“ des Albums. Er prägt die „Hitnummern“ wie „Uranus“ (Thema im 5/4-Takt), „Schirokko“ und „Lemuria’s Dance“. Später hat Doldinger das Zwei-Saxofone-Konzept in seinen Jubilee-Projekten (1973 und 1975) wiederbelebt – dann zusammen mit Johnny Griffin.
  • Die unmittelbaren Vorbilder fürs Debütalbum von Passport kamen nicht aus den USA, sondern aus England. Es waren Rockjazz-Gruppen wie Colosseum, Soft Machine und If – alle ebenfalls mit Saxofon dabei. „Ich wurde oft gefragt, ob der Name ‚Passport‘ von ‚Weather Report‘ angeregt war: Überhaupt nicht! Die Band Weather Report war noch gar kein Thema für uns“ (Doldinger).
  • Die bekanntesten Themen der Platte sind ähnlich gebaut wie Doldingers Tatort-Melodie, die von derselben Band eingespielt wurde. „Uranus“ oder „Schirokko“ hätten auch als Kriminalfilm-Musik bestens funktioniert. (Die Erkennungsmelodie der Krimiserie Soko Wien bzw. Soko Donau imitiert bis heute den Passport-Sound.)
  • Klaus Doldinger wurde u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Verdienstkreuz 1. Klasse und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Seine Band Passport besteht bis heute.
  • Der Schlagzeuger der Band „kam aus dem Nichts“ (Doldinger). Olaf Kübler beschrieb den 25-jährigen Udo Lindenberg als „typische blasse Maus“. Er habe immer etwas kränkelnd und leidend gewirkt, sei aber bei den Frauen gut angekommen. „Auch machte Udo die beste Figur am Schlagzeug.“ Wenn er aber davon sprach, ein Popstar werden zu wollen, „dann lachten wir alle laut los“. Später hat Kübler jahrelang in Lindenbergs Panikorchester mitgewirkt.
  • Zum musikalischen Charme der Band gehörte in ihren frühen Tagen die Nähe zum Krautrock – dieser Sound kam auch im Ausland an und machte Passport international erfolgreich. Auf einer Australien-Tour diente einst eine junge einheimische Rockband namens AC/DC als Vorgruppe.
  • Da Klaus Doldinger im Konzert keine Playbacks spielen konnte, war bei der ersten Tournee von Passport zusätzlich ein Gitarrist dabei: Raffael Waeber. Er gehörte zu den Fusion-Pionieren der Schweiz und spielte auch in der Jazz Rock Experience von Bruno Spoerri und Hans Kennel. Über sein späteres Schicksal ist wenig bekannt.

Passport Passport, Doldinger

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