Piega Coax 511 Standlautsprecher

Piega Coax 511 Standlautsprecher

Die hübsche kleine Schwester

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Piega Coax 511 – Die hübsche kleine Schwester

Die Piega Coax 511 ist dem größeren Modell 711 wie aus der Schallwand geschnitten, kostet aber deutlich weniger. Ein Schnäppchen. Aus der Schweiz. Eigentlich kaum vorstellbar.

Piega Coax 511 Standlautsprecher
Das nennt man unaufdringliche Eleganz, gepaart mit höchster haptischer Qualität.

Neulich traf ich den Grinner wieder. Sie erinnern sich, der Typ, der mir angeblich die Piega 711 vorführen wollte (Den Test der Piega Coax 711 gibt es hier) und mich dann hinterrücks auf Dimensions- und Zeitreise schickte. Der hat das HiFi-Business hinter sich gelassen und arbeitet jetzt als Assistenztrainer am Wiederaufbau frustrierter Fußball-Nationalmannschaften. Kein siebenstelliges Monatsgehalt mehr, keine Auswahl unter neun verschiedenen Porsche-Modellen, und auch sein jetziges Domizil hat nur noch knappe 800 Quadratmeter Wohnfläche. Kann einem echt leidtun, der Mann. Ob er jetzt mit 150-Euro-Boxen aus dem Kistenschieber-Markt seine sinnfreien Dub-Geräusche hört? Nein, so weit ist er dann doch nicht herabgesunken. Im kargen 90-Quadratmeter-Wohnzimmer mit den schlichten Holzintarsien und den unaufdringlichen Designermöbeln dient nach wie vor ein Pärchen Piega-Schallwandler als wohlfeile Genussverstärker. Allerdings keine Piega Coax 711 wie vor ein paar Jahren, sondern „nur“ die kleine Schwester Coax 511, ein cleveres Dreiwege-Design mit dem unnachahmlich guten Bändchen-Mittelhochtöner, von dem Piegas Coax-Familie ihren Namen hat, und gleich vier 16 Millimeter großen Tieftönern, von denen zwei nur passiv wirken, also vom Luftdruck ihrer angeschlossenen Kollegen angeregt werden.

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Piega Coax 511 Standlautsprecher
Die Herstellung des famosen Mittelhochton-Bändchens bei Piega geschieht unter Reinraumbedingungen mithilfe von eigens dafür entwickelten Spannwerkzeugen.

Die Piega Coax 511 schafft es dennoch nach ein paar Sekunden, die Härchen auf meinen Unterarmen aufzustellen und in meinem Hinterkopf eine Spieluhr mit der Akte X-Titelmelodie in Gang zu setzen. Da ist sie wieder, die nicht zuletzt dem koaxial aufgebauten Bändchen-Mittelhochtöner geschuldete Homogenität der Frequenzbereiche, die perfekt auf den Punkt ausbalanciert ist. Dieser behutsame, fast zärtliche Umgang mit Gesangsstimmen, der aus einem unbestechlichen, ultrapräzisen Abhörmonitor eine für entspanntes Langzeithören taugliche Spaßmaschine macht.

Betrachtet man die Unterschiede im Vergleich zur größeren Piega Coax 711, dann ist die 511 nur drei Zentimeter niedriger, etwas schlanker – und reißt gut 6000 Euro weniger pro Paar aus dem Budget.

Piega Coax 511 Standlautsprecher
Die Passivmembran mit ihren penibel abgewogenen Gewichten, um die erforderliche Resonanzfrequenz punktgenau zu treffen.

Das schon wieder so eingefroren wirkende Dauergrinsen des verarmten Grinners (Insider wollen etwas von einer verlorenen WM-Wette wissen) spricht dafür, dass die Piega Coax 511 nicht so viel schlechter wie preiswerter ausgefallen ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist angesichts des Gebotenen schlicht mit „Sehr Gut“ zu bewerten, auch wenn mancher Käufer bei rund 12 000 Euro für ein Boxenpärchen erst einmal schlucken wird.

Wer jemals das Vergnügen hatte, ins Innere dieser Klangskulpturen zu schauen, dessen Respekt für das Team um Kurt Scheuch steigt ins Unermessliche. Wo selbst Lautsprecherschmieden aus dem Premium-Segment auf mehr oder weniger stabile Konstruktionen aus schichtweise verleimten Holz- oder Faserplatten setzen oder im besten Falle moderne Verbundwerkstoffe das Feld beherrschen, da kommt in den großen Piegas Aluminium-Strangguss zum Einsatz.

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Piega Coax 511 Standlautsprecher
Atemberauben aufwendige Verarbeitung auch im Inneren: Zu sehen: die mit definierter Spannung versehene Innenverstrebung.

Die Piega Coax 711 ist eines jener Wohlklang-Dimensionstore, durch die man zuverlässig dem Alltag entfliehen kann, die einem den Weg in ferne musikalische Welten öffnen und die vor allem weit über ihrem pekuniären Wert spielen. Im Klartext: Man muss anderswo deutlich mehr Geld ausgeben, um das Klangniveau einer 711 zu erreichen. Entsprechend gespannt war ich auf die familieninterne Konkurrenz der schönen Schweizer Schwestern. Und die fällt höchst erfreulich aus, denn auch die „Kleine“ spielt ohne jeden Zweifel in jenen Gefilden, die mit bloßem HiFi nur noch wenig bis nichts zu tun haben. Hier wird sozusagen permanent auf Metaebene musiziert, werden jedem Schallereignis so viele Zusatzinformationen mitgegeben, dass man eine Weile nur noch schweigend und staunend vor den 115 Zentimeter hohen Alu-Säulen – wahlweise silbern, schwarz oder weiß erhältlich – sitzt.

Piega Coax 511 Standlautsprecher
Keine billigen Formbleche als Brücken zwischen den Bi-Wiring-Terminals, sondern schmuckloser, aber solider Kupferdraht – daran gibt es nichts auszusetzen.

Staunen über den vielleicht nicht abgrundtiefen – da setzt die Physik Grenzen –, aber supersauberen Bassbereich. Staunen über die fast völlig verfärbungsfreie Manier, mit der die Piega Coax 511 Sopranstimmen über die Rampe bringt – beileibe nicht nur solche aus dem Klassiksektor. Vor nicht langer Zeit hörte ich auf einem Mittelalterrock-Festival das Trio Cellar Darling aus der Schweiz. Ein Projekt, das entstand, als die Luzerner Sängerin Anna Murphy und zwei ihrer Mitstreiter im Zorn die Death-Metal-Kultcombo Eluveitie hinter sich ließen. Das im letzten Jahr erschienene CD-Debüt This Is The Sound (Nuclear Blast) lebt von seinem riesigen musikalischen Spektrum von knochenhart bis ganz zart, vom Zauber historischer Akustikinstrumente wie der Drehleier und vom im wahrsten Wortsinn coolen Drive elektronisch verfremdeter Bassläufe. Dass hier eine neue Band um eine weibliche Ausnahmestimme herum gestrickt wurde, dass die streckenweise ausgesprochen heftigen Arrangements immer Anna Murphys besonderem Timbre huldigen – die Piega Coax 511 lässt mich darüber nicht im Unklaren. Dass ihre große Schwester 711 das Tor in andere Dimensionen ein wenig weiter aufzustoßen vermag – geschenkt. Hier steht einfach weniger Membranfläche im Bass zur Verfügung. Und obwohl auch die Piega Coax 511 sehr ordentliche Pegel zu stemmen vermag, ist die schlanke Schweizerin keine dezidierte Partybox. Denn das hieße, diesen feinsinnigen Schallwandler unter Wert zu nutzen, ja man könnte sogar von Missbrauch sprechen.

Piega Coax 511 Standlautsprecher
Bildmitte: Die Hochtonsektion des einzigartigen Piega Flächenstrahlers.

Also behutsamer Genrewechsel: Die nächste Sängerin, aber völlig andere Musik. Meditativer Sänger-Songschreiber-Stoff aus Skandinavien, ausdrucksvoller Alt statt Jungmädchen-Sopran. Es soll ja Menschen geben, die man mit den schwermütigen Songs der spätberufenen Chanteuse Kari Bremnes jagen kann. Ich vertrete eher die Meinung, dass man über manche Dinge erst dann glaubwürdig singt, wenn man einige Stationen auf der Lebensreise abgehakt hat. Kari Bremnes hat einiges erlebt, einiges gesehen, von dem sie in unnachahmlich lakonischer und dennoch emotionaler Weise zu erzählen weiß. Das aktuelle Album Det vi har (Strange Ways Records) macht da keine Ausnahme. Nordisch kühle Schnappschüsse setzen sich zu einem plastischen Bild zusammen. Obwohl manche Studiotricks zum Einsatz kamen, ist das Endprodukt in Sachen Räumlichkeit und Dynamik durchaus bemerkenswert und unterscheidet sich wohltuend von komprimierten 08/15-Aufnahmen aus dem Massenpop-Business. Bassläufe etwa wurden ungemein knackig, scharf umrissen und dreidimensional für die Nachwelt festgehalten; auch das Schlagzeug hat Körper und Kontur. Die Piega Coax 511, befeuert von der wundervollen Röhren-Vor-/Endstufen-Kombination ZeroUno Plus / La Scala aus dem Hause Canever Audio und dem CD-3sx von Ayon, modelliert Schallereignisse so neutral wie ein guter Studiomonitor und bringt gerade so viel eigenen Charakter mit, dass das Langzeithören mit ihr nicht langweilig wird. Für sich betrachtet erschafft die 511 wirklich ausgedehnte Räume, die sich weit in Tiefe und Breite erstrecken, ohne jemals undefiniert oder gar diffus zu erscheinen. Erst der direkte Vergleich mit ihren großen Geschwistern wie der Piega Coax 711 oder der sowieso in einer ganz anderen Klasse verorteten Master Line Source offenbart, dass es – letztlich für deutlich höheren finanziellen Aufwand, mit spürbar mehr Gehäusegewicht und mehr Platzbedarf – noch etwas besser geht.

Piega Coax 511 Standlautsprecher
Selbstverständlich wird das Aluminiumgehäuse auch zusätzlich bedämpft. Dadurch legt es sein Eigenleben ab.

Schon die 511 vermag allerdings, einen Konzertsaal beinahe größenrichtig in mein Wohn- beziehungsweise Arbeitszimmer zu beamen. Da ist es wieder, dieses Dimensionstor-Phänomen, das sogar in akustisch problematischem Umfeld funktioniert. Als der US-amerikanische Komponist John Rutter sein neoromantisches Requiem aufnahm, arbeitete er mit großem Orchester und ganz großem Chor. Die Wiedergabe dieses ausufernden Apparates ist eine Aufgabe, an der auch deutlich teurere Lautsprecher schon krachend gescheitert sind. Die Schweizerin löst das Problem dagegen erfreulich unangestrengt, spielt die Stärken ihres Bändchen-Mittelhochtöners aus, um beispielsweise den Choristinnen noch ein paar Highlights zu gönnen, und glänzt auch hier mit jener unbedingten Homogenität, die bei Piega einfach selbstverständlich ist: Hohe Lagen strahlen, ohne zu nerven. Die Mitten könnten authentischer und plastischer nicht sein. Und die Bässe gehen so weit hinab, wie es mit dem Volumen des kleinen Schallwandlers darstellbar ist, ohne dass das Ergebnis angestrengt klingt.

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Piega Coax 511 Standlautsprecher
Schwingspulenträger aus Titan und speziell geformte, extrem steife Aluminiummembranen – die niedlichen Fünfzöller haben es faustdick hinter den Ohren. Zwei des Quartetts fungieren als Passivradiatoren.

Denn das gehört zu den größten Stärken jeder Piega, die ich bisher im Test hatte: Der nachgerade aberwitzige Aufwand, den die Schweizer Manufaktur bei Treiberherstellung und Gehäusebau treibt – die sanft gerundeten Aluminium-Konstruktionen können dank sinnreicher Innenverstrebung sogar „gestimmt“, also in ihrem Resonanzverhalten verändert und so etwa an unterschiedliche Räume angepasst werden –, äußert sich darin, dass auch die Piega 511 absolut locker und selbstverständlich musiziert, ganz gleich, welches Material man an sie verfüttert.

Bildergalerie

Selbst dezidiertes LoFi-Material wie die Raritäten (Universal/Polydor) des österreichischen Barden Wolfgang Ambros wird damit erträglich. Anspieltipp: „Skandal im Sperrbezirk“. Ambros stieg für den unverwüstlichen Gassenhauer bei einem Liveauftritt der Spider Murphy Gang ein – und sorgte beim Publikum für Furore. Ein kurioser Kracher der bayrisch-österreichischen Völkerverständigung, bei dem gewiss nicht die Aufnahmequalität im Fokus stand. Im Auto scheppert und muffelt das nach Kräften, über die Piega Coax 511 bekommt die Aufnahme einen zweiten Atem, wird durchsichtiger, leuchtender, im besten Sinne gehaltvoller.

Piega Coax 511 Standlautsprecher
Kunstwerke aus Aluminium-Strangguss

Jetzt wandert auch noch John Coltranes „verschollenes Album“ in den Ayon-Player: Both Directions At Once ist ein Dokument des Übergangs, die Momentaufnahme eines Ausnahme-Jazzers, der gerade von einer Stil-Dimension in eine andere wechselte und eine Reihe hinreißender Hybriden schuf: Stücke, die noch in der Tradition des Hardbop stehen, den Freejazzer Coltrane aber schon erahnen lassen. Abgesehen davon, dass jene Referenzkopie, die „Trane“ seinerzeit aus Rudy van Gelders Studio mit nach Hause nahm, monofon ist, käme niemand auf die Idee, einer Aufnahme aus dem Jahr 1963 zu lauschen, so präsent, wohlbalanciert und in sich stimmig erscheint das Gebotene über die Piega Coax 511.

Jetzt ist mir auch klar, warum das Dauergrinsen des Grinners alle Schicksalsschläge überwunden hat. Auch bei mir zeigen nach einer Hörsession mit der Piega Coax 511 die Mundwinkel für den Rest des Tages nach oben. Das vollbringen nur ganz wenige Schallwandler. Denkwürdig.

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Wir meinen

Das famose Mittelhochton-Bändchen macht aus der Coax 511 einen Ausnahme-Schallwandler. Verarbeitung und Materialqualität entsprechen höchsten Anforderungen.

Piega Coax 511 Navigator

 

Info

Standlautsprecher Piega Coax 511

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Funktionsprinzip: 3-Wege Standlautsprecher, geschlossen
Wirkungsgrad: 90 dB/W/m
Nennimpedanz: 4 Ω
Bestückung: 2 x 160-mm-UHQD-Tieftöner, 2 x 160-mm-Passiv-Radiatoren, C111-Koaxialbändchen
Ausführungen: Aluminium geschliffen, schwarz eloxiert oder weiß lackiert
Besonderheiten: Bi-Wiring-Anschlüsse mit „Piega Multi Connectors“
Größe (B/H/T): 22/115/25 cm
Gewicht: 32 kg
Garantiezeit: 6 Jahre (nach Registrierung)
Paarpreis: 12 000 €

Kontakt

www.piega.ch

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