Pro Light + Sound Frankfurt 2013

Während ich die ersten Zeilen über die diesjährige Pro Light + Sound 2013 in Frankfurt schreibe, ploppt schon per Mail der offizielle Abschlussbericht der Messe Frankfurt in meine Mailbox. Ein Rekord wird verkündet. 113.000 Besucher aus 142 (!) Ländern. Das ist eine Steigerung zum Vorjahr um 3% und setzt eine neue Marke für ein Allzeit-Hoch. Respekt. Ich selbst hatte offensichtlich fälschlicherweise den Eindruck gehabt die Messe habe sich verkleinert. Halle 6 war in diesem Jahr geschlossen. Die Aussteller, die sonst dort anzutreffen waren, sind kurzerhand auf die Hallen 5.1 und 8 verteilt worden. Das sah spontan nicht nach Wachstum aus. Was ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht wusste, war die Tatsache, dass alle asiatischen Hersteller in diesem Jahr eine eigene komplette Halle füllten. Die gewaltige Halle 9.1 war fest in asiatischer Hand und zeigte die enorme Leistungsfähigkeit dieser Hersteller, die das gesamte Spektrum an Produkten bis hin zu trickreichen Sonderlösungen abdeckten. Trotzdem bin ich mir nicht im Klaren darüber, ob es eine gute Idee war, die asiatischen Hersteller derart zu konzentrieren. Der Auftritt hatte etwas enklavisches, was u. U. einige Besucher davon abgehalten hat, sich dort umzusehen. Schade.
 
Wie in jedem Jahr gab es auch diesmal viel zu entdecken, zu sehen und zu bestaunen. Gleich zu Beginn fallen im Profilager Parallelen zum HiFi- und High End- Bereich auf. Vintage. Vintage ist auch bei den Profis ein Trend. Mehr noch: es scheint hier ein echter Megatrend zu sein. Man könnte meinen, das Profilager befände sich im Sog einer Rückwärtsspirale. Eingesogen in einen Time-Tunnel. Geräte sehen so aus als kämen sie direkt aus den 50er Jahren. Röhren und Bakelit-Knöpfe an allen Ecken. Sogar das Magische-Auge wird wieder verbaut  – nur – der Sound ist ganz eindeutig von heute! Dass man unter den Profibeschallern ebenfalls Wert auf Qualität legt, zeigt die große Zahl von Spezialvertrieben für Röhren. Sogar Hersteller von Röhren sind anzutreffen. Beispielsweise JJ Electronics, die neben dem kompletten  „Brot und Butter“- Programm auch einzeln ausgemessene 300Bs und 2A3s im Gepäck hatten. Einige Stände weiter wurden bei Marshall Röhrenverstärker zusammen gebaut. Handarbeit durch und durch. Keine Platine trübt das Auge. Alles wird ausschließlich mit einer aufwendigen Punkt-zu-Punkt-Verdrahtung verbunden. Die Marshallianer wissen offensichtlich was sie tun, denn der klangliche Erfolg gibt ihnen Recht. Das alles hat natürlich seinen Preis. Ganze 8 Stunden Handverdrahtung stecken in jedem dieser Verstärker und machen sie sicher nicht zu einem Schnäppchen. Aber wer will das schon? Sehr spannend ist es, auch immer wieder die „Grenzgänger“ der HiFi- und High End-Szene im Profilager anzutreffen. Zu allererst ist sicherlich Manger Products zu nennen. Daniela Manger war persönlich nach Frankfurt angereist und gab einen kleinen Einblick, wer im Profi Bereich alles bereits über die außergewöhnlichen Monitore abmischt. Die Liste ist lang, illuster und reicht bis zu den allerhöchsten Namen, wie beispielsweise den Filmmusik-Komponisten Claudius Bruese, der – man höre und staune –  mit Hans Zimmer zusammen arbeitet. Ja genau, dieser Hans Zimmer, der Oskars für die beste Filmmusik am laufenden Band absahnt. Keine schlechte Referenz, wie wir meinen. Wie jedes Jahr, so war auch diesmal wieder ADAM Audio mit dabei. Die im letzten Jahr als Prototypen vorgestellten kleinen Aktivlautsprecher F5 und F7 sind jetzt lieferbar und mit 200,- bzw. 300,- EUR pro Stück auffallend preiswert und gut. Von Klaus Heinz erfuhren wir auch, das es von der bisher aktiven Tensor-Serie auf der diesjährigen High End München passive Versionen zu sehen und hören geben wird. Das wird dem Geschmack vieler Audiophiler entgegen kommen. Der Clou ist aber, ADAM wird für die passiven Tensor-Varianten einen eigenen Endverstärker anbieten, um das volle Potential der Lautsprecher ausschöpfen zu können. Auf die Frage, ob der neue Endverstärker bereits zur Messe in München fertig sein werde, hielt sich Klaus Heinz aber noch bedeckt. Wollen, wolle man ja schon, einzig die Zeit scheint sehr knapp zu werden. Wir lassen uns überraschen. Auffallend in Frankfurt war die große Zahl an Ausstellern, die sich mit dem wichtigen Thema der Raumakustik beschäftigen. Hier scheint es ganz klar ein anderes Augenmerk als im HiFi-Bereich zu geben. Bei den Profis ist Raumakustik kein Randthema, sondern vielmehr ein wichtiger integrativer Bestandteil des Gesamtergebnisses. Das geht so weit, dass es Studiomöbel gibt (Beispiel Sessiondesk), die durch Formgebung und die Wahl der Oberflächenmaterialien auf ihre klangliche Signatur hin optimiert werden. Da können wir von den Profis und ihrer völlig sachbezogenen Herangehensweise eine Menge lernen!  Frankfurt bietet auch einen umfassenden Überblick auf das Geschehen im Markt für Lautsprechertreiber. Neben all den großen und kleinen Marken fällt ein Name wirklich ins Auge. Mundorf. Reimund Mundorf hat über viele Jahre hinweg (seit 2005 um genau zu sein) das Konzept des AMT (Air Motion Transformer) zu einer Reife entwickelt, wie es sie kein zweites Mal gibt. Die Treiber allerhöchster Güte warten mit Parametern auf, die sich nahe am theoretischen Ideal bewegen. Hoch belastbar, mit einem hohen Wirkungsgrad und ungewöhnlich niedrigen Verzerrungen ausgestattet, bieten sich diese Treiber dank ihrer Linearität nicht nur in höchstwertigen High End-Konstruktionen an, sondern finden auch im Profilager dank ihrer Robustheit immer größer werdende Beliebtheit. Es würde nicht verwundern, wenn wir in Zukunft eine Menge mehr Lautsprecherkonstruktionen sehen würden, die sich im kritischen Hochtonbereich auf Mundorf AMT Treiber abstützen. Eines der ungewöhnlichsten Produkte in Frankfurt war ein Lautsprecher in Form eines voll flexiblen Schlauchs, der nahezu beliebig verlängerbar ist. Das verblüffende: dieser Schlauch klang gut!
 
Frankfurt war wie immer eine Reise wert und lieferte inspirierende Einblicke in die Welt der Profis. To bei continued …

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