Revel Performa F328Be Standlautsprecher

Revel Performa F328Be Standlautsprecher

Der Richtig-Macher

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Revel Performa F328Be – Der Richtig-Macher

Ein Lautsprecher ohne hörbare Schwächen. In gerade eben noch bezahlbaren Gefilden. Geht nicht? Geht doch! Die Revel Performa F328Be tritt den Beweis an. Ein Luxus, den man sich gerade noch irgendwie leisten kann.

Revel Performa F328Be Standlautsprecher

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In aller Kürze

Die Revel Performa F328Be ist eine allürenfreie und vergleichsweise Aufstellungsunkritische Superbox, die auch mit leistungsschwächeren Verstärkern ihre Stärken zeigt. Preis um 18000 Euro.

Revel Performa F328Be Navigator


Dieser Test drohte trist zu werden. Zumindest fing der Tag höchst melancholisch an. Bei fiesem Nieselregen unter eisengrauem Himmel konnte ich mir in der FIDELITY-Redaktion einen ersten Eindruck von Revels Performa F328Be machen. Das dunkle Erscheinungsbild des Schallwand-Flaggschiffs in sattem Klavierlack-Perleffekt-Schwarz unterstrich die Atmosphäre. Als ich mich wenig später aufmachte, mit den gerade noch transportierbaren Kolossen in meinen Hörraum umzuziehen, drückte mir eine Kollegin eine Kammermusik-Aufnahme in die Hand. „Unbedingt mal reinhören“, empfahl sie mir. Was ich später in meinem Wohnzimmer auf die Ohren bekam, war schwermütig, drückend, lastend, aber hörbar von einem Könner am Mischpult in Bits und Bytes gebannt. Das Quartett CordArte setzt sich mit dem „britischen Orpheus“ Henry Purcell auseinander, sucht die Konfrontation mit dem Unkonventionellen und schlägt regelrecht Funken aus Notenblättern. Meine gedämpfte Stimmung war bereits nach wenigen Takten verflogen. Die Performa, in der Harman Luxury Group als natürliche Ergänzung für höchstwertige Mark-Levinson-Elektronik angesehen, entpuppt sich in Windeseile als erfrischend luftige, heiter-stimmige Emotionsquelle. Ein wirkungsvoller Stimmungsaufheller …

Revel Performa F328Be Standlautsprecher
Piekfeine Verarbeitung bis in das letzte Deail – wunderschön anzusehen.

Das schlanke Standboxen-Monument mit den porzellanweißen (Keramik-)Treibern in einer relativ schmalen Schallwand leistet sich keine tonalen Ausrutscher und keine Frequenzgang-Buckel. Auffällig ist die hohe Auflösung, die mit einer plastischen und überaus entschieden definierten Raumabbildung einhergeht. Die Kammermusikerinnen und -musiker sitzen beinahe leibhaftig vor dem Zuhörer, dem selbst jene superfeinen Details nicht unterschlagen werden, die mit einem Livekonzert verknüpft sind. Das gemeinsame Luftholen vor dem Auftakt. Oder die minimalen Kratzgeräusche, die auch ein perfekt geführter Geigenbogen auf den Saiten erzeugt.

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Die Kalotte aus Beryllium zeichnet verantwortlich für die beispielhaft luftige, wie auch präsise Hochtonübertragung.

Wie die Revel Performa F328Be das macht? Indem sie den für praktisch jedes Schallereignis besonders prägenden Hochtonbereich einer Kalotte aus Beryllium überlässt. Das seltene Metall mit der Ordnungszahl 4 kommt in der Natur hauptsächlich als Bestandteil des Minerals Beryll vor. Den früheren Ruf einer tödlichen Giftigkeit muss man nach aktuellen Erkenntnissen stark relativieren: Neuere medizinische und biochemische Studien legen dar, dass der menschliche Körper auf staubförmiges Beryllium, das direkt eingeatmet wird, allergisch reagiert. Nachdem aber wohl niemand seinen hochverdichteten Performa-Tweeter mit Feile oder Schleifpapier traktieren wird, kann an dieser Stelle Entwarnung gegeben werden – bloßes Anfassen ist ungefährlich. Es überwiegen die Vorteile: Beryllium ist hart, spröde und dichter als Magnesium. Erst im späten 20. Jahrhundert gelang es, diesen Werkstoff unter hohem Druck, hoher Temperatur und mithilfe von computergesteuerten Laserschneidern so zu bearbeiten, dass er für Hochtöner taugt. Die zeichnen sich erfahrungsgemäß – erinnert sei hier an die Pionierarbeit von Jacques Mahul und seiner Manufaktur Focal – durch hohe „Schnelligkeit“ und Frequenzrichtigkeit fast ohne hörbare Verzerrungen aus. Daraus erklärt sich, dass die Revel Performa F328Be selbst bei sehr hochtonreicher „Software“ wie druckvollen Sopranstimmen nie schrill oder spitz tönt.

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In der Performa F328Be hat Revel den Hochtöner zudem mit einem „Waveguide“, der Andeutung eines Horns, verbunden, um ein präziseres Abstrahlverhalten zu erreichen.

James Todd, „Technical Trainer“ der Harman Luxury Group, singt eine Hymne auf das besondere Tweeter-Material: „Beryllium ist stabiler und steifer als Aluminium oder Titan“, erklärt Todd und ergänzt: „Durch erhöhte Effizienz erreichen wir eine verbesserte Dynamik.“ Damit einher gehe eine spürbare Reduzierung der Verzerrungen. In der Performa F328Be hat Revel den Hochtöner zudem mit einem „Waveguide“, der Andeutung eines Horns, verbunden, um ein präziseres Abstrahlverhalten zu erreichen. Vergleichsgrafiken mit und ohne den Wellenleiter sprechen eine deutliche Sprache und belegen, dass jahrzehntelange Erfahrung mit einem Bauprinzip – Revel setzt Waveguides seit rund 20 Jahren ein – durch nichts zu ersetzen ist. Der Hochtöner arbeitet auf eine belüftete sowie bedämpfte Kammer.

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„Deep Ceramic Core“-Technologie. Per Plasmaentladung wird der Aluminiumkern des Chassis-Konus mit Keramik beschichtet.

Die hohe Kunst des Boxenbaus beschränkt sich aber nicht auf die Implementierung eines sehr guten Hochtöners. Das Gesamtpaket muss stimmen. Hinter Mitteltönern und Bässen steht Revels „Deep Ceramic Core“-Technologie. Per Plasmaentladung wird der Aluminiumkern des Chassis-Konus mit Keramik beschichtet. „Das ermöglicht auch hier eine höhere Belastbarkeit ohne Verzerrungen“, erklärt James Todd. Im Vergleich zu den Vorgängern habe man jeden Treiber nach Computeranalyse überarbeitet und den magnetischen Fluss so weit wie möglich linearisiert. Auch die Vermeidung stehender Wellen war im Fokus der Entwickler: „Eines der wichtigsten Dinge, die wir im Zuge der akustischen Forschung und bei unseren ausgedehnten Hörtests gelernt haben, ist, dass der indirekte Schall, der von den Wänden, dem Boden und der Decke reflektiert wird, einen erheblichen Einfluss auf die Klangqualität hat“, so Todd. Ein Hochtöner habe nicht die gleiche Streuung wie Mitteltöner und Bassbereich. Man habe darauf geachtet, ihn im realen Raum ebenso klingen zu lassen wie in einer schalltoten Kammer.

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Das Bi-Amping-Terminal der Be ist im Auslieferungszustand mit vergoldeten Brücken ausgestattet. Unserem Muster lag allerfings auch ein hochwertiger Satz Kabelbrücken bei. Feindynamik und Gelöstheit profitieren aber merklich von Y-Kabeln, -Adaptern oder (logisch) echtem Bi-Amping.

Das Ergebnis besticht im Hörtest durch eine Homogenität, von der andere, auch deutlich teurere Konstruktionen Lichtjahre entfernt scheinen. Die Härte, die den Klang von Schallwandlern mit Keramikchassis oft entscheidend ins Negative beeinflusst – sie ist restlos verschwunden. Geblieben ist ein Präzisionsniveau, wie es von Textilchassis selten erreicht wird. Ein derart präziser Hochtöner reagiert freilich sensibel auf seine Ausrichtung. Winkelt man die Lautsprecher auf den Hörplatz ein, bekommt man tonale Korrektheit in allen hörbaren Frequenzbereichen und erlangt eine gigantische Detailfülle. Stellt man die Boxen „gerade“, wird das Geschehen etwas samtiger, verbindlicher und verzeiht bisweilen „spektakulär“ gemischte Aufnahmen. Verkabelt habe ich die Bi-Wiring-Terminals der Performa übrigens mit dem passend konfektionierten „Rocket 88“-Kabel von AudioQuest. Damit kommt ein entscheidendes Mehr an Luftigkeit ins Spiel, der Klang löst sich vollends von den Lautsprechern und auch die punktgenaue Abbildung legt noch einmal zu, während die letzten Verzerrungsreste verschwinden. In der Verpackung finden sich für die Doppelterminals übrigens feine Kabelbrücken, die bei Revel zum Lieferumfang zählen – stark!

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Die für ihren experimentellen, oft querständigen Pop gelobte Sängerin Billie Eilish schwelgt auf ihrem Debütalbum nicht nur in clubtauglichen Computerbass-Exzessen, sie spielt auch gern mit künstlich erzeugten Verzerrungen. Das tönt selbst über gute Ketten oft so, als wäre der Verstärker rettungslos im Clipping und als würden sich die Chassis bald in Rauch auflösen. Die Revel Performa F328Be drückt diese Mixorgien nicht nur mit erstaunlich hohen Pegeln in den Raum, sie macht auch unmissverständlich klar, dass hier nichts am Kaputtgehen ist, sondern eine talentierte Künstlerin die Möglichkeiten ihrer Effektgeräte auslotet.

Bildergalerie
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Es sei nicht verschwiegen, dass das Revel-Team fühlbar am Wirkungsgrad der Lautsprecher „geschraubt“ hat: „Das letzte Revel-Flaggschiff, die Ultima Salon2, war ein Vierwege-Lautsprecher mit Frequenzweichen hoher Ordnung und eine enorme Herausforderung für den Verstärker. Wer sich eine leistet, muss mit hohen Zusatzkosten für eine passende Endstufe rechnen“, warnt James Todd. Die müsse aufgrund niedriger Impedanz des Lautsprechers strompotent sein und eine hohe Ausgangsleistung liefern können. Bei der Revel Performa F328Be habe man den Wirkungsgrad deutlich erhöht, um sie mit schwächeren Verstärkern, beispielsweise Röhrengeräten, kompatibel zu machen. Das komme auch der Dynamik (also der Spanne zwischen den leisesten und lautesten Tönen) zugute. „Ob er nun einen Transistorverstärker, einen Schaltverstärker oder eine Röhre einsetzt, bleibt dem Kunden überlassen, die Performa setzt da jedenfalls keine Limits“, meint James Todd mit hörbarer Überzeugung.

Revel Performa F328Be Standlautsprecher

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Bei mir daheim gebärdete sich die Revel Performa F328Be so unkompliziert wie versprochen. Als ich den Lautsprecher mit Cambridge Audios Monoblöcken Edge M samt passendem Vorverstärker/Netzwerkplayer Edge NQ verband, ging für mich endgültig die Sonne auf. Gerade so, als sei der letzte Mosaikstein an seinen Platz gefallen. Das Freiburger Barockorchester musizierte Vivaldis Vier Jahreszeiten (Deutsche Harmonia Mundi) selten in solcher Brillanz, Earl Wild verwandelte mit Arthur Fiedler und dessen Boston Pops Gershwins Rhapsody In Blue (CBS/Sony) in eine wohlkontrollierte, ungemein mitreißende Jazz-Apotheose. Und das noch pressfrische neue Album Californian Soil der in ansprechender Weise gereiften Independent-Gruppe London Grammar geht tief ins Herz. „Die Revel Performa F328Be klingt einfach hervorragend“, schwärmt James Todd. Recht hat er!

Info

Lautsprecher Revel Performa F328Be
Konzept: 3-Wege-Standlautsprecher, Bassreflex
Bestückung: 25-mm-Beryllium-Höchtöner mit Waveguide, 130-mm-Mitteltöner aus Keramik-Verbundwerkstoff mit gegossenem Rahmen sowie 3 nach dem gleichen Prinzip gefertigte 200-mm-Tieftöner, 2 Bassreflexöffnungen
Nennimpedanz: 8 Ω
Empfohlene Verstärkerleistung: 50 bis 300 W
Empfindlichkeit (2,83 V/1 m): 91 dB
Besonderheiten: Bi-Wiring-Anschlüsse
Ausführungen: Schwarz, Weiß, Walnuss und Metallic silber
Gewicht: 41 kg
Maße (B/H/T): 34/130/45 cm
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: um 18 000 €

Kontakt

HARMAN Deutschland GmbH
Parkring 8
85748 Garching bei München
Tel.: +49 8031 3911600

www.harmanluxuryaudio.com
www.revelspeakers.com

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