Shelter 301 II

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Nur wahren Könnern gelingt der Transfer vom Großen ins Kleinere ohne Einbußen – wie zum Beispiel das kleinste Moving-Coil-System von Meister Osawa beweist.

Der eine oder andere Leser wird ganz schön schlucken, wenn er auf das Preisschild für das kleinste Moving- Coil(MC)-System von Shelter blickt. Vielleicht hat er ja auch noch den Preis für das Vorgängermodell (550 Euro anno 2005) in Erinnerung.
Für ein Tonabnehmersystem, das „nur“ einen Nadelträger aus Aluminium und eine Rundnadel besitzt, andererseits auf die Montage erleichternde Gewinde im Gehäuse verzichtet, scheinen 900 Euro doch recht üppig bemessen zu sein. Eher die Regel denn die Ausnahme in dieser Preisklasse sind verschiedene Varianten aus der Familie der Line-Contact-Schliffe, Nadelträger aus Bor oder Beryllium – und Gewindebohrungen. Immerhin steht hinter Shelter der Entwickler Yazuo Osawa, der in den frühen 1980er Jahren für den – von einigen Fans zur Legende erhobenen – Hersteller Fidelity Research arbeitete. Osawa kann von daher schon mit einer nicht zu bestreitenden Erfahrung im Tonabnehmerbau aufwarten. Was ihm wohl auch ermöglicht, viele der Eigenschaften des von mir sehr geschätzten Shelter 901 II auf sein Einsteigersystem zu übertragen.

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So erinnert das extrem stabil wirkende Gehäuse aus hellblau eloxiertem Aluminium stark an das des größeren Stallgefährten, wenn es nicht gar identisch ist. Mit einem Gewicht von 7,5 g (die in der Bedienungsanleitung angegebenen 8,1 g verstehen sich inklusive der mitgelieferten Schrauben und Muttern) kann jeder aktuelle Tonarm das 301 II problemlos ausbalancieren. Die Nadelnachgiebigkeit wird vom Hersteller zwar nicht angegeben, sie dürfte aber ungefähr bei 14 ?m/mN (bezogen auf 10 Hz) liegen, wie Beobachtungen der Resonanzfrequenz in den von mir verwendeten Tonarmen nahelegen. Damit ist das 301 II bestens in den weit verbreiteten mittelschweren Tonarmen aufgehoben. Bei maximal zulässiger Auflagekraft (22 mN) sind einwandfreie 60 ?m sogar ohne Einsatz von Antiskating möglich. Damit kommt es auch für Besitzer solcher Tonarme in Betracht, deren Hersteller auf dieses Ausstattungsmerkmal großzügigerweise verzichten. Bei dem mir zur Verfügung gestellten Exemplar erweisen sich 19 mN (entspricht 1,9 g) als Auflagekraft samt geringem (1,3 laut Skala am SME Series IV) Antiskating als optimal, womit sich 70 ?m problemlos abtasten lassen. Ebenfalls unkritisch ist die Ausgangsspannung, die vom Hersteller mit 0,4 mV (bei 5 cm/s und 1 kHz) angegeben wird. Die Spannung erzeugt ein Generator klassischer Bauart mit Kupferspulen geringer Induktivität im Verbund mit einem starken Neodym-Magneten.

Nicht nur aus technischer Sicht, sondern vor allem auch aus klanglicher Sicht zeigt sich das Shelter 301 II als allürenloser und universeller Vertreter seiner Art. Zwar ist das Auflösungsvermögen dank Rundnadel naturgemäß ein wenig eingeschränkt, was sich in einer etwas gröberen Darstellung einzelner Instrumente und in nicht ganz so üppigen Klangfarben zeigt. Aber diese kleinen Schwächen offenbaren sich nur im direkten Vergleich mit anderen Tonabnehmern, die über einen wirklich „scharfen“ Nadelschliff verfügen. Es muss dann aber die Frage gestellt werden dürfen, ob diese dann auch das ausgesprochen musikalische Talent des kleinen Shelters aufweisen – die Fähigkeit also, einzelne Noten zu einer Melodie zu verbinden.

Die klangliche Grundabstimmung des 301 II ist nämlich für lange und genussvolle Hörstunden wie prädestiniert. Es seziert eine Aufnahme eben nicht so, dass entspanntes Hören unmöglich wird. Bemerkenswerterweise erweist es sich dabei trotzdem als richtig ehrliche Haut, weil es keinen einzigen Frequenzbereich ungebührlich überbetont und zudem trotz Rundnadel eine bemerkenswerte Transparenz an den Tag legt. Keine Spur von beschönigendem, zur Fülle neigendem Oberbass oder zur Üppigkeit tendierenden Mitten. Tonal steht es ganz grundsätzlich fest auf der neutralen Linie, im Zweifelsfall mit einer minimalen Neigung zur eher warmen Seite. Und diese kleine Nuance ist wohl einer der Gründe, die das Shelter 301 II von den reinen Verwaltern hörbarer Frequenzen abheben lässt. Eine andere ist – und hier zeigen sich weitere Parallelen zum großartigen 901 II – seine Fähigkeit, ein großes Klangbild aufzubauen, das sich beim 301 II zwar eher in die Breite denn in die Tiefe aufspannt, aber den Hörer sofort in seinen Bann zieht. Hinzu kommt noch, dass es jeden noch so kleinen Verdacht, vielleicht doch ein kleiner Langweiler zu sein, umgehend und nachdrücklich mit seinem bemerkenswerten Temperament widerlegt. Denn wer, bitteschön, will sich schon beim Hören von Musik langweilen.

 

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