T+A Talis S300 Standlautsprecher

T+A Talis S300 Standlautsprecher im Test

Harte Fakten von T+A

T+A Talis S300 Standlautsprecher

Harte Fakten von T+A

Fotografie: Ingo Schulz

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T+A ist eine der Firmen, die sich highendiges Fabulieren sparen. Solide Forschung und ein profundes Wissen um das eigene Tun passen schon eher zu diesem Unternehmen. Die Talis S300 wurde rational konstruiert, um schönste Märchen erzählen zu können.

T+A Talis S300 Standlautsprecher

Eigentlich sollte die Diskussion nicht mehr geführt werden − soll ein Lautsprecher neutral klingen oder nicht? Soll er viereckig sein oder rund? Aus Holzwerkstoffen bestehen oder aus anderen Materialien? Solche audiophilen Grabenkämpfe, die nach wie vor − ein Blick in unsere Forenlandschaft genügt − mit beinahe heiligem Ernst geführt werden, verkennen in der Regel einen Umstand, der die Basis allen Musikhörens ist: Es gibt dafür kein Gesetz. Das, was wir von einer schönen Musikstunde erwarten, kann so unterschiedlich sein wie die persönlichen Vorstellungen von einem schönen Urlaub, einem Auto oder Leibgericht. Wie immer fangen die Probleme an, wenn wir unsere Meinung zum allgemein gültigen Maßstab erheben, uns anmaßen, über die „Richtigkeit“ der Wahrnehmung anderer entscheiden zu wollen.

Diese fast schon politisch wirkende Vorrede scheint mir leider nötig, denn selten kamen aus meinem weiteren Bekanntenkreis so viele klar gefasste Meinungen und Urteile zu einem Lautsprecher wie bei der T+A Talis S300 – wohlgemerkt bevor auch nur einer der selbst ernannten Richter einen einzigen Ton von ihr gehört hatte.

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T+A Talis S300 Standlautsprecher

Einigen war klar, dass diese T+A aufgrund der Materialwahl „kalt“ klingen muss. Andere waren wiederum sicher, dass sie nicht präzise sein kann, da den Membranmaterialien ausreichende innere Dämpfung fehle. Die Schallwand war mal zu breit, mal zu schmal. Das Gehäuse zu dünn- oder dickwandig, in der Front zu viele oder zu wenige Chassis. Kurz: Eigentlich hat T+A bei der Talis alles, aber auch wirklich alles falsch gemacht.
Die Mutigen unter den Kritikern, die es wagten, ihre Vorurteile einer eingehenden Prüfung mittels einer ausgiebigen Hörsitzung zu unterziehen, waren fast alle verblüfft, dass alles ganz anders kam als erwartet. Das ist – ganz nebenbei bemerkt – das wahre Talent ziemlich neutraler Lautsprecher: Sie erschaffen mit Leichtigkeit einen gemeinsamen Nenner.

Es lohnt sich also, einmal genauer in Augenschein zu nehmen, was T+A in dieses ansprechende Alugehäuse gesteckt hat. Die Wände sind bis zu vier Millimeter dick, im Innern mit Schwerfolie und weiterem Dämmmaterial beruhigt. Auf der schmalen Rückseite finden sich bei der Talis S300 lediglich zwei Bassreflexöffnungen und das Bi-Wiring-Terminal. Hier sind die Polklemmen versetzt übereinander angeordnet. Und überhaupt: diese Klemmen! Ginge es nach mir, wären diese Art der Anschlüsse Pflicht an allen Geräten, da sie sowohl Bananensteckern als auch Kabelschuhen besten Halt bieten und sich ohne Blessuren an den Fingern ordentlich bedienen lassen.

T+A Talis S300 Standlautsprecher

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An der Front, die – ein ästhetischer Pluspunkt – keine sichtbaren Schrauben aufweist, sitzen die vier Treiber, die samt und sonders speziell für diesen Lautsprecher entwickelt wurden. Als ich das im Vorfeld hörte, wurde ich besonders neugierig, denn nach meiner Erfahrung kommt es meist zu besonders ansprechenden klanglichen Resultaten, wenn Gehäuse, Weiche und Treiber füreinander geschaffen wurden und nicht die eine Komponente die Fehler der anderen ausbügeln muss. Auch das nur ein Vorurteil, da ich diesen Schluss nicht beweisen kann. Aufgrund meiner gemachten Erfahrungen gönne ich mir aber den ignoranten Luxus einer diesbezüglichen Überzeugung.

T+A Talis S300 Standlautsprecher

Für ein solides Fundament sollen bei der Talis zwei 17 Zentimeter durchmessende Treiber sorgen, die auf eine gemeinsame Kammer arbeiten. Ihre Aluminiummembrane sind zur Stabilisierung an genau definierten Stellen geprägt, so können leichte Masse und maximale Steife kombiniert werden. Die massiven Körbe halten die beiden mitunter ordentlich pumpenden Gesellen im Zaum, der Antrieb wie aus dem Profilager gestattet im Zweifelsfall auch keine Extravaganzen. Diese Tieftöner werden nach genauen Herstellervorgaben in China gefertigt. Damit auch alles wie gewünscht ausfällt, stellt T+A die nötigen Werkzeuge zur Verfügung und arbeitet mit einem dichten Netz in der Qualitätskontrolle. Der Mitteltöner, der auf eine eigene, runde Kammer arbeitet, lässt aufgrund seines eher geringen Durchmessers von zwölf Zentimetern und einer versteiften Aluminiummembran sowie eines wiederum höchst potent ausgelegten Antriebs die Vermutung zu, dass hier keine Details auf der Strecke bleiben werden.

Auch der Hochtöner besteht aus Aluminium. Ihm wurde außerdem eine kleine Mulde in der Front – ein Waveguide – verpasst, um ihm pegelmäßig rund um die Übernahmefrequenz auf die Sprünge zu helfen. Das schont den Treiber, reduziert Hub und somit Verzerrungen und erleichtert die Anbindung an den Mitteltöner.

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Für das ausgiebige Hören durfte die Talis S300 in zwei sehr unterschiedlichen Räumen spielen: einmal in einem 45 Quadratmeter großen und nur schwach gedämpften Wohnzimmer, danach im 30 Quadratmeter großen und akustisch komplett kontrollierten Studio.

Mit Vovox-Kabeln an eine Accuphase-Endstufe angeschlossen konnte die T+A direkt mit einer überbordenden Detailflut und einem sehr weiten Raum punkten. Allerdings klang es noch nicht sonderlich geschmeidig, die ganze Vorstellung geriet etwas hüftsteif. Da es sich um einen komplett neuen Lautsprecher handelte, wanderten die beiden erst einmal in den Keller, standen dort Front an Front, gegenpolig angeschlossen und mit einem sehr breitbandigen Monosignal versorgt. Eine Woche mussten sie sich auf diese Weise abmühen, bevor sie wieder „richtige“ Töne von sich geben durften. Und ja, genau diese Kur haben sie gebraucht. Daher meine Empfehlung, auf einem wirklich gut eingespielten Paar zu bestehen, wenn es denn ans Probehören geht. Andernfalls erlebt man viele Details, nicht aber die enorme Geschlossenheit, zu der dieser Lautsprecher in der Lage ist und die ich noch weit höher schätze als seine Auflösung.

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Verblüffend ist nun, dass die Talis S300 nicht mehr nach vielen Details klingen, obwohl weiterhin alles wie auf dem Silbertablett serviert wird.

Eine echte Nagelprobe stellt für viele Lautsprecher die Wiedergabe eines gut aufgenommenen historischen Hammerflügels dar – ich nehme mir András Schiff mit Franz Schuberts später B-Dur Sonate D960 (ECM New Series 2425/26) vor. Wie immer, wenn ich ihm zuhöre, kann ich auf besondere Art in das Werk eintauchen. Er spielt nicht nur die vielen schönen Töne, verbindet sie nicht bloß zu einer schimmernden Oberfläche – immer wieder findet er verborgene Mittel- oder Gegenstimmen, gibt ihnen ihre Eigenständigkeit, lässt sie aus einem vermeintlich bekannten Kontext heraus blühen. Durch dieses Nebeneinander vieler miteinander kommunizierenden Stimmen, das an eine angeregte Unterhaltung erinnert, erhält das Werk eine Plastizität, das ihm bei den meisten anderen Interpreten fehlt. Das Stück wird dreidimensional, man meint, um einzelne Töne herumhören zu können, eine vorher noch zweidimensionale Klangfläche wird zu begehbarer Musik. Immer wieder unfassbar. Auf dieser Aufnahme kommt die unglaubliche Dramatik der Klangfarben des in den 1820er Jahren gebauten Brodmann-Hammerflügels dazu. Durch die verschiedenen Arten der Dämpfung, Verschiebung und Moderation erhält der Musiker eine Farbpalette in die Hand, deren Möglichkeiten die eines jeden modernen Flügels bei weitem übersteigen – der kann dafür andere Sachen besser, keine Frage.

T+A Talis S300 Standlautsprecher

Schwierig ist bei der Darstellung eines Hammerflügels immer die Gratwanderung zwischen dem etwas zurückgenommenen Druck und der milderen Präsenz der Töne (diese Instrumente sind noch komplett aus Holz aufgebaut und müssen ohne verwindungssteifen Metallrahmen auskommen) und dem silbrigen und obertonreichen Flirren der dünneren Saiten in Kombination mit den nur bezogenen bzw. belegten, noch nicht mit Filz-Hammerköpfen ausgestatteten Hämmern. Anscheinend ist gerade diese Farbe nur sehr schwer darzustellen, kippt es doch in neun von zehn Fällen in eine der beiden Richtungen: flirrig oder muffig. Die Waage halten nur wenige Lautsprecher so mühelos, wie es die T+A schafft. Hier kommt ihr zugute, dass sie die schon angesprochene Auflösung nicht nur vertikal, also zur peniblen Transientendarstellung nutzt, sondern auch horizontal, also bei der feinen Entwicklung eines Klanges akribisch am Ball bleibt. So erlebe ich den völligen Einbruch des Stückes, wenn Schiff unvermittelt die Dämpfung einsetzt, als überaus dramatischen Moment, während diese emotionale Höllenfahrt Schuberts auf anderen, zum Vergleich gehörten Lautsprechern zu einem netten Effekt schrumpft.

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Diese Lautsprecher sind so gut balanciert, dass man mit ihnen entspannt hören, mit Musik der Welt abhandenkommen kann und dennoch jederzeit jedes erdenkliche Detail hörbar bleibt. Eine Auflösung also, die nur für ein vollständiges und entspanntes Bild sorgt, nicht aber für einen Beschuss des armen Hörers.

Danach spielen die Talis in meinem Studio, wiederum mit Vovox-Kabeln an eine Custom-made-Endstufe angeschlossen, in deren Innern unter anderem ICE-Power-Module für Leistung sorgen. Die T+As sind bestens eingespielt, können also gleich aufs Ganze gehen. Auch hier fällt auf, wie entspannt alles klingt, wie leicht ich mich auf die Musik konzentrieren kann, wenn ich eine Aufnahme schneiden möchte. Ich kann voll und ganz den Musikern und ihren Intentionen folgen, werde durch nichts abgelenkt. Möchte ich dann allerdings die genauen Einstellungen an einem Equalizer oder Reverb vornehmen, bekomme ich alle Informationen, um binnen kürzester Zeit zu sauberen Ergebnissen zu kommen.

In diesem Raum mit kontrollierter Akustik wird nun übrigens hörbar, wie tief die T+A tatsächlich spielen können. Lediglich für wirklich subsonisches Gegrummel kann man über einen Subwoofer nachdenken. Damit hätte ich in der Tat nicht gerechnet: Die T+A Talis S300 sind Lautsprecher, mit denen man gleichermaßen entspannt im Wohnzimmer als auch konzentriert professionell hören kann. Bestimmt gibt es noch weitere Lautsprecher, die eine solche Bandbreite aufweisen, vielleicht auch in noch höherer Qualität. Unterhalb von 20 000 Euro habe ich solche Qualitäten allerdings noch nicht erleben dürfen.

Wir meinen

Neutralität, Klarheit, Wärme, Geschmeidigkeit: Dieser Lautsprecher kann all das in höchstem Maße.

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T+A Talis S300 Standlautsprecher Navigator

 

Infos

Lautsprecher T+A Talis S300
Funktionsprinzip: 3-Wege-Standlautsprecher, Bassreflex
Nennbelastbarkeit: 200 W
Musikbelastbarkeit: 270 W
Impedanz: 4 Ω
Übertragungsbereich: 25 Hz–35 kHz
Empfindlichkeit: 87 dB
Bestückung: Tieftonchassis 2 x 170 mm, Mitteltonchassis 1 x 120 mm, Hochtonchassis 1 x 25 mm
Trennfrequenz: 250/2200 Hz
Ausführung: Aluminium schwarz oder Aluminium silber
Maße (B/H/T): 21/105/28 cm (inkl. Anschlussterminal, ohne Standfüße)
Gewicht: 33 kg
Paarpreis: 9890 €

Kontakt

T+A elektroakustik GmbH & Co. KG
Planckstraße 9–11
32052 Herford
Telefon +49 5221 76760

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www.ta-hifi.de

 

Mitspieler

Plattenspieler: Transrotor Apollon TMD mit SME 5, SME 3012 u. a.
Phonopre: ifi iPhono Micro
CD-Player: Mark Levinson 390s
Vollverstärker: Lavardin IT
Vorverstärker: Crane Song Avocet
Endverstärker: Digitalendstufe auf ICE Power basierend, Accuphase P-4200
Kabel: Vovox

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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