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Transrotor Cantare Tonabnehmer

Transrotor Cantare Tonabnehmer im Test

Das Transrotor Cantare ist eigentlich richtig gut. Kann es sich auch gegen die Verwandtschaft durchsetzen?

Liebäugelt man insgeheim damit, sich ein Moving- Coil(MC)-System für maximal 500 Euro anzuschaffen (so wie das Transrotor Cantare), dann wird man schnell feststellen, dass in dieser Preisregion fast ausschließlich Produkte von Herstellern wie Audio Technica, Denon, Ortofon und Goldring angeboten werden.

(Grado wäre eigentlich auch noch zu nennen, baut aber ausschließlich Moving-Iron-Systeme.) Die genannten Hersteller haben eine Menge gemeinsam: Sie sind seit bereits mehr als fünfzig Jahren im Geschäft, verfügen über eine entsprechend große Erfahrung, vor allem aber halten sich die Preise der überwiegenden Anzahl ihrer Produkte in erfreulichen Grenzen.

Transrotor Cantare im SME Series V Tonarm

Japanisches Finish

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Transrotor Cantare, das Szenekenner unschwer als einen Vertreter der Eroica-Baureihe von Goldring identifizieren werden. Im normalen Eroica kommt ein Diamant mit Gyger- II-Schliff zum Einsatz, wohingegen das exklusiv für Transrotor gefertigte Cantare mit einem sogenannten Harmonic-Schliff aufwartet. Hinter diesem Namen verbirgt sich dem Vernehmen nach ein aufwendig polierter Line-Contact-Schliff aus der japanischen Edelsteinschleiferei Ogura, der den deutlichen Aufpreis gegenüber dem normalen Eroica LX (330 Euro) rechtfertigen soll. Ansonsten ist beim Cantare alles so, wie bereits vom Eroica bekannt. Der Harmonic-Diamant sitzt am Ende eines recht kurzen Aluminium- Nadelträgers, der aus einem mit 5,3 g sehr leichten Kunststoff-Gehäuse (Pocan) herausragt. Das Gewicht kann in seltenen Fällen zu Problemen führen. Konkret hat es bei mir den SME Series IV getroffen, der das System zwar ausbalancieren, aber durch seine statische Auflagekrafteinstellung – also durch Vorschub des Gegengewichts – nicht mehr genügend Druck nach vorne geben kann. Aufgrund der dynamischen Auflagekrafteinstellung des Series V und der schwereren Headshell des Model 309 taucht dieses Problem übrigens nur beim Model IV von SME auf, weshalb ich ein an Form und Farbe der Headshell angepasstes, circa drei Gramm schweres Unterlegplättchen von SME verwenden musste. Ansonsten ist der Series IV ideal, ist das Cantare doch bezüglich Systemgewicht und Nadelnachgiebigkeit (18 ?m/mN) für den Betrieb in mittelschweren Tonarmen optimiert.

Transrotor Cantare im SME Series IV Tonarm

Erfreuliche Werte

Im Dynavector DV-507 Mk II erreicht das zur Verfügung gestellte Exemplar bei einer optimalen Auflagekraft von 19 mN eine Abtastfähigkeit von 80 ?m. Das ist für ein Moving-Coil-System ein hervorragender Wert! Erfreulich ist auch die Ausgangsspannung, die mit 0,5 mV (5 cm/s, 1 kHz) keinen halbwegs ordentlichen Phono-Vorverstärker vor Probleme stellen sollte.

Gentleman-Schliff

Klanglich präsentiert sich das Transrotor Cantare ganz als britischer Gentleman. Dazu gehört natürlich in erster Linie, dass es nicht durch Übertreibungen auffällt. Quasi nebenbei straft es all jene Lügen, die immer noch meinen, mit „scharfen“ Schliffen wäre zwangsläufig auch ein „scharfer“ Klangeindruck verbunden – das Cantare ist nichts weniger als der Gegenbeweis. Das bedeutet wiederum nicht, dass es langweilig oder zu soft zu Werke ginge. Es kann sehr wohl starke Anschläge eines Klaviers mit einer gehörigen, aber stets angemessenen erscheinenden Portion Attacke wiedergeben, wenngleich der Ton selbst nicht ganz so transparent wie beispielsweise vom Shelter 301 II dargestellt wird. Vielleicht war deshalb meine erste Assoziation beim Hören mit dem Transrotor auch: „Klingt wie ein sehr gutes MM-System.“

Transrotor Cantare Diamant Nadel

Und die Konkurrenz?

Apropos MM: Zum gleichen Preis wie das Cantare bietet Transrotor mit dem Uccello Reference ein ebenfalls mit Harmonic-Diamant ausgerüstetes, ebenfalls von Goldring gefertigtes Moving-Magnet-System an. Aus der Erinnerung heraus möchte ich behaupten, dass sich beide Systeme tonal sehr ähnlich sind, das Cantare aber das Klangbild etwas präziser und prägnanter darstellt. Bevor man also, sofern noch nicht vorhanden, über den Kauf eines teuren Übertragers oder externen Phono- Vorverstärkers nachdenken muss, würde ich eher zum Uccello raten. Ist hingegen ein adäquater MCVorverstärker vorhanden, tendiere ich mehr zum Cantare. Eine andere Frage ist, ob nicht das ebenfalls gleich teure Goldring Elite I eine bessere Wahl darstellt. Das kann ich mangels eigener Hörerfahrung mit dem Elite nicht beantworten. Sicher ist aber, dass die Fähigkeit, die Musik stets als Ganzes zu vermitteln und den Hörer in große Klangräume zu entführen, handfeste Gründe sind, sich bei nächster Gelegenheit das Cantare beim Händler des Vertrauens zu Gemüte zu führen – selbstverständlich auch dann, wenn man keinen Plattenspieler von Transrotor besitzt.

 

www.transrotor.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.