Zingali Acoustics Quantum Array 2.8

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8

Punktlandung

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8 – Punktlandung

Gute Lautsprecher gibt es viele. Selten waren wir uns im Hörraum allerdings so einig wie bei der neuen Zingali Quantum Array 2.8.

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8

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In aller Kürze

Ein Lautsprecher, bei dem nichts mehr fehlt, ist er gut kombiniert und sauber platziert. Das große audiophile Glück zum angemessenen Preis.

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8 Navigator


In den neunziger Jahren hatte ich das Glück, die Geburtsstunde des Omniray-Hornes, jenes aus dem vollen Holz gedrehten Schalltrichters der Zingali-Hochtöner, zumindest mittelbar erleben zu können. Ein Berliner Händler in Moabit, ein kleiner Laden mit kundenfeindlichen Öffnungszeiten, besaß eines der ersten Paare in Deutschland, führte sie mit großen Convergent-Monoendstufen vor und erfreute sich an den reihenweise herunterklappenden Unterkiefern. Schon die damaligen Zingali-Modelle begeisterten mit ihrer horntypisch sportlichen Ansprache, ohne diese – wo Licht, da Schatten – mit den sattsam bekannten Verfärbungen zu erkaufen. Die Tieftöner konnten noch nicht so ganz mit dem pfeilschnellen Hochton mithalten, was allerdings in meiner Erinnerung nur ein minderschwerer Schönheitsfehler war. Die Mischung aus klanglicher Ausgewogenheit und lockerem Antritt begeisterte mich nachhaltig, und nicht nur ich kontrollierte mehrfach den Kontostand, ob denn da nicht doch etwas möglich sei …

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8
Na, bemerken Sie das besondere Detail? Nein? Dann lassen Sie sich bestimmt von der außergewöhnlichen Schallführung der Quantum Array ablenken. Der Hersteller – und das ist genial – liefert die Standboxen mit Hutmuttern statt Spikes aus. Die sind weniger garstig zum Bodenbelag und sorgen für eine exzellente Ankopplung. Eine größere Abbildung finden Sie weiter unten.

Es war leider nicht möglich, ich sah mich nach bezahlbareren Alternativen um und verlor Zingali aus den Augen. Nicht zuletzt, weil diese Firma wegen ihrer hohen Qualitätsstandards und der extravaganten Materialauswahl nie für den breiten Markt produzierte. Zingali war nur bei wenigen Händlern erhältlich, noch viel seltener in der Vorführung, und so kam es, dass ich mich vor einem guten Jahr tatsächlich fragte, ob diese Firma die Zeit und Corona wohl überlebt habe. So passte es ganz vorzüglich, dass mir die Redaktion ein Paar Lautsprecher aus aktueller Produktion zum Hören und darüber Berichten anbot – wie schön, wenn sich nach so langer Zeit Kreise schließen.

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Zu Beginn gaben sich die Quantum Array etwas spröde, denn sie gaben uns keine Chance, hinter ihre Bespannungen zu blicken und einige ihrer konstruktiven Geheimnisse zu erkunden. Ein paar erste Hinweise gibt der Name: Die Ziffer vor dem Punkt zählt die Tiefmitteltöner, jene nach dem Punkt benennt die Größe dieser Treiber und des Hornes in Zoll. Es handelt sich also um eine Konstruktion mit zwei achtzölligen Tiefmitteltönern unter dem ebenso großen Hochtonhorn. Das Line-up der Italiener bietet in dieser Serie übrigens noch die Modelle 3.8, 2.10 und 3.10.

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8
Hutmuttern zur Ankopplung – funktioniert prächtig.

Die nach unten atmenden Bassreflexgehäuse werden im Hause in Aprilia aus MDF und Massivholz hergestellt. Um eine möglichst gute Kontrolle über die Qualität gewährleisten zu können, setzt man auf eine möglichst hohe Fertigungstiefe. Lediglich die Chassis werden zugeliefert, allerdings von einem guten alten Bekannten: Mit Sica Altoparlanti arbeitet man seit Anbeginn zusammen, man kennt sich, und dort werden auch wirklich spezielle Chassis nach Zingalis Vorgaben gebaut – was mit den großen Zulieferern in der Regel nicht zu realisieren wäre.

So ist es auch möglich, einen wirklich zum Horn passenden Hochtontreiber mit Mylar-Membran zu bekommen, der bei eigentlich noch moderater Trennung zweiter Ordnung bis immerhin 1000 Hertz herabreicht – ohne irgendwelche Federn bei der Präzision zu lassen, wie wir noch sehen werden. So müssen sich die beiden in diesem Falle acht Zoll durchmessenden Tiefmitteltöner – es handelt sich tatsächlich um eine reine Zweiwege-Konstruktion – gar nicht so weit nach oben bemühen.

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8
Handarbeit steht bei Zingali im Vordergrund.

Neu ist bei den Zingali Lautsprechern, dass nicht nur der Hochtöner an einem Horn hängt, sondern nun auch die Tiefmitteltöner – dank der Teile des Chassis abdeckenden Leisten – auf eine Druckkammer arbeiten und dadurch auch nicht mehr ganz frei in ihrer Abstrahlung sind. Durch diese Konstruktion verliert man etwas Tiefbass, gewinnt allerdings ab dem Grundton etwas Pegel. Für Zingali war es indes besonders wichtig, durch diese Maßnahme die Abstrahlwinkel aller Chassis anzugleichen und die gesamte Schallemission in einem Winkel von 90 Grad zu konzentrieren. Dadurch ist man natürlich weitaus freier in der Einrichtung des Zimmers, in dem man Musik hören möchte, denn die für eine saubere Abbildung so kritischen Erstreflexionen rechts und links der Lautsprecher fallen nicht mehr so sehr ins Gewicht.

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In unserem Hörraum steht nicht viel neben den Lautsprechern, daher konnten wir uns auf die Einwinkelung rein aus Gründen der Klangbalance konzentrieren. Der durch das Horn beschleunigte Hochton färbt nicht, ist allerdings relativ gnadenlos, weshalb man nicht ganz platt auf Achse aufbauen sollte. Die besten Ergebnisse und damit eine wunderbare Balance und gleichzeitig ein Höchstmaß an Präsenz und Akkuratesse brachte uns eine Stellung, bei der die Zingali ein wenig nach außen ausgedreht waren.

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8
Ein Blick hinter die Kulissen offenbart eine solide Konstruktion.

Es klang wahrscheinlich schon durch und daher soll es auch klar benannt werden: Diese Lautsprecher sind kleine Diven, allerdings so grundehrlich und schonungslos, dass man einige Zeit mit der Suche nach den passenden Spielpartnern verbringen sollte. Ein mittelstarker Röhrenverstärker konnte hier überhaupt nicht seine Qualitäten ausspielen, der Hochton klang verhangen, der Bass schleppend. Ein transistorierter Kollege der durchaus höchsten Preisklasse konnte auch nicht wirklich beglücken, mit ihm klang es irgendwie schon korrekt, letztlich aber egal. Die Sonne ging dann mit dem Underdog der letzten Ausgabe auf, mit dem NAD M33. Wieder einmal bewies er, was für einen großartigen Partner er für alle möglichen sehr unterschiedlich konstruierten Lautsprecher abgibt. An dieser Stelle noch einmal ein Kompliment an NAD!

Mit den Zingali am richtigen Platz, der richtigen Verstärkung und einer passenden Verkabelung (in diesem Fall landeten wir nach kurzer Suche bei AudioQuest) erlebt man Musik auf eine Art, die andere Lautsprechersysteme nicht so wirklich zu bieten in der Lage sind. Jeder, der sich schon einmal mit Hörnern befasst hat, wird genau wissen, was gemeint ist, wenn ich jetzt von „Präsenz“ spreche. Bei Hörnern entstehen Töne nicht im Raum, sie sind schlicht da. Und das mit einer Lockerheit im Ansatz, wie man sie eigentlich nur von echten Instrumenten, nicht aber deren elektrischer Übertragung kennt.

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8
Selbstverständlich ist für die Zingalis Bi-Wire kein Problem.

Zuerst hören wir Beethovens Pathétique-Sonate mit András Schiff, eine Aufnahme aus der Tonhalle Zürich (ECM). Der Flügel steht sehr präsent vor uns. Man kann die weite Akustik des Saales und die raumbetonte Mikrofonierung hören, das ist aber alles ziemlich egal, weil die Musik sofort gefangen nimmt. Aufgrund dieses schnellen Antritts kommen die vielen kleinen und großen Akzente in der Musik unmittelbarer und stärker, als es mir bekannt ist. Leises scheint leiser, Lautes lauter zu werden, die dynamische Bandbreite wirkt deutlich weiter als bei den meisten anderen Lautsprechern. Dadurch erlebt man diese der Musik und der Interpretation innewohnende Spannung mit einer Intensität, die mir bisher noch selten begegnet ist. Und in dieser Preisklasse schon einmal gar nicht.

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Bildergalerie
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Thielemanns Parsifal aus Wien (Wiener Staatsoper, DGG) gewinnt auch mit diesen Lautsprechern, mühelos setzen sie einen auf jede noch so feine Spur in den Mittelstimmen, sofern sich nur der Hauch eines Transienten findet. Die Sänger wirken plötzlich, als wären sie mit viel mehr Engagement bei der Sache – faszinierend. Schließlich füttern wir den CD-Spieler mit einigen gut bekannten Pop-CDs (Police, Pink Floyd etc.), und schon nach wenigen Sekunden ist die Sache klar: Auch hier fehlt nichts, genau so muss es sein.

Sollten meine Schilderungen den Eindruck erweckt haben, die Quantum Array 2.8 könnten nicht knackig zuschlagen, muss ich jetzt nachbessern. Bei einigen Aufnahmen mit Streichquartetten, Opern und Soloinstrumenten zeigen sie, dass sie sich klangfarblich als äußerst kompetenter Partner empfehlen. Ihre minimale Tendenz ins Helle darf man bei der Suche nach dem passenden Verstärker gerne berücksichtigen. Da aber der absolut neutrale NAD punktet, dürfte klar sein, dass es sich wirklich nur um eine minimale Tendenz handelt.

Zingali Acoustics Quantum Array 2.8

Nach so vielen Jahren sitze ich wieder vor einer Zingali und bin schon wieder genauso hingerissen wie früher. Auch diese neuen Modelle legen musikalisch eine solche Punktlandung aufs Parkett, dass ich nur noch begeistert bin. Und sehr hoffe, über möglichst viele andere Modelle ebenfalls schreiben zu dürfen.

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Info

Lautsprecher Zingali Quantum Array 2.8
Konzept: 2-Wege-Hornlautsprecher, Bassreflex
Bestückung: 25-mm-Hochtonhorn (Mylar-Treiber), Hornvorsatz aus Massivholz gedreht, 2 x 20-cm-Tiefmitteltöner
Weiche: 12-dB-Frequenzweiche, Trennung bei 1 kHz
Besonderheiten: Bassreflexöffnung zum Boden, Bi-Wiring-Anschlüsse
Ausführungen: Gehäuse aus MDF (bei der Plus-Version aus Massivholz), 14 unterschiedliche Furniere
Maße (B/H/T): 95/28/45 cm
Gewicht 25 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: ab 9200 € (je nach Ausführung bis max. 10 600 €)

Kontakt

Aqipa GmbH
Möslbichl 78
6250 Kundl
Österreich
+43 5332 723000

www.zingaliacoustics.it
www.aqipa.com

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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