AcousticPlan PhonoMaster SE

AcousticPlan PhonoMaster SE – Blaue Stunde

AcousticPlan-Geräte sind leicht zu erkennen, denn sie haben eine ganz eigene Farb- und Formensprache.

AcousticPlan PhonoMaster SE – Blaue Stunde

AcousticPlan-Geräte sind leicht zu erkennen, denn sie haben eine ganz eigene Farb- und Formensprache. Wenn es um den Klang geht, dann halten sie sich vornehm zurück und konzentrieren sich ganz auf eines: die Musik.

Man kann Claus Jäckle aus Konstanz nicht vorwerfen, ein Konformist zu sein. Die von ihm seit 1996 unter der Marke AcousticPlan hergestellten Komponenten – das Produktportfolio besteht aus sechs Verstärkern, einem reinen CD-Laufwerk, einem CD-Spieler und einem DAC – haben allesamt kein Standardmaß und werden regulär mit einer eleganten, matt schimmernden blauen Frontplatte ausgeliefert. Das sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert und trägt sicherlich zur Markenbildung bei. Wiewohl Jäckle das eigentlich gar nicht nötig hat: Denn auch klanglich überzeugen seine Geräte.

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AcousticPlan PhonoMaster SE
Die Farb- und Formensprache von Acousticplan ist einzigartig mit einem hohen Wiedererkennungswert.

Hier und heute geht’s um die Phonovorstufe PhonoMaster SE, die mit je einem MM- und einem MC-Zweig aufwartet. In beiden Zweigen setzt Jäckle auf EC86-Röhren, wobei im MC-Zweig ein hochwertiger Eingangsübertrager vorgeschaltet wird. Die EC86, die übrigens vor 60 Jahren erstmals in Großserie produziert wurde, ist „eigentlich“ eine echte HF-Triode für Frequenzen bis zu 800 MHz. Man sieht sie nicht allzu häufig in HiFi-Vorverstärkern – eigentlich bedauerlich, denn aufgrund ihrer Spanngittertechnik liefert sie einen guten Signal-Rausch-Abstand, was sie natürlich für Phonovorverstärker geradezu prädestiniert Selbstverständlich liefert Jäckle ein gematchtes Viererset dieser Trioden aus, sie sind ebenso liebevoll wie unmissverständlich von Hand beschriftet, auf dass der Besitzer der PhonoMaster dann auch jeden der vier Glaskolben in die richtigen Sockel stecke.

Für einen Phonovorverstärker der 3000-Euro-Klasse gibt’s auf der Rückseite vergleichsweise wenig zu entdecken: Wir sehen – je in Cinch-Ausführung – einen MM- und einen MC-Eingang sowie einen Hochpegelausgang. Außerdem gibt’s einen High/Low-Umschalter für das Übersetzungsverhältnis des MC-Übertragers, sodass „leise“ ebenso wie High-Output-MCs verwendet werden können. Ab Werk kommt der PhonoMaster mit einem Schaltnetzteil; wer mag, der kann ein separates, PowerMaster genanntes Netzteil erwerben (1250 Euro), das gleich zwei 15-Volt-Abgriffe hat – somit kann es auch als Upgrade für den DriveMaster (CD-Laufwerk) und den DigiMaster (DAC) mitverwendet werden. Und nun schauen wir einmal, ob dieser Purismus etwas bringt.

AcousticPlan PhonoMaster SE
Es geht auch ohne “Mäuseklavier”. Mehr Anschlüsse braucht es nicht, um für alle Situationen gewappnet zu sein.

Jawohl, das ist der Fall! Ich habe selten eine so quicklebendig und dabei trotzdem sauber und transparent klingende Vorstufe in dieser Preisklasse gehört. Was mich besonders für den PhonoMaster einnimmt, ist seine Fähigkeit, in jedem Frequenzbereich feinauflösend zu spielen, ohne dabei einen Bereich zu betonen. Man hat ja häufig bei Phonovorstufen ein gewisses Sounding: Mal tönt’s eher sonor und etwas verhangener obenherum – oder umgekehrt: strahlend im Hochtonbereich und schlanker im Bass. Die PhonoMaster-Vorstufe reicht indes völlig ungerührt durch, was auf der Vinylrille vorhanden ist.

Bei Phillip Boas Stück „Cowboy on the Beach“ (vom Doppelalbum Earthly Powers) beispielsweise fläzt sich der Rezensent wohlig im Sessel angesichts des wieselflinken und doch bis in die unterste Oktave durchziehenden Basses. Hier wird der Bass nicht nur angedeutet oder kurz angerissen, hier wandert er richtig umher – und stehende Töne haben Schubkraft und Power. Trotzdem wird der Bass nicht überbetont und wir hören mit der gleichen Berechtigung auch die zahlreichen Obertöne der nach Art einer Marschtrommel gespielten Snare und des akzentuierten Schellenkranzes. Doch auch im Mittenband ist alles da: Die schön scheppernd gespielte Twang-Gitarre im Panorama halbrechts liefert das angenehm dreckige Klangbild eines mit Mikrofon abgenommenen, leicht angezerrten Röhrencombo-Amps mit allen dazugehörenden Klangfarben. Das ist schlicht und einfach im positiven Sinne: fett.

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AcousticPlan PhonoMaster SE
Gemeinsam sind wir stärker? Diese alte Faustregel gilt nicht bei HiFi-Maschinen. Vor allem bei hochempfindlichen Phonoentzerrern lohnt es sich, die eigentliche Signalverarbeitung (im Bild oben) und das Netzteil (im Bild unten) in getrennten Gehäusen unterzubringen. AcousticPlan macht’s richtig!

Doch auch ruhigere Kost will dem PhonoMaster schmecken. Die Gesamtausgabe von J.S. Bachs Wohltemperiertem Klavier (Friedrich Gulda, MPS-Label, 5-LP-Box) ist über den PhonoMaster ein veritabler Hochgenuss, weil der PhonoMaster eben nicht nur flink, breitbandig und hochauflösend spielt, sondern das alles vor einem immens ruhigen und schwarzen Hintergrund darbietet: Hier macht sich der hohe Geräuschspannungsabstand bezahlt; kein Nebengeräusch trübt den Musikgenuss, die gut 40 Jahre alte Aufnahme klingt auch heute noch hinreißend. Das Hinzunehmen des von Jäckle selbst entwickelten Netzteils PowerMaster kann das noch steigern: Denn je zarter und filigraner die abgespielte Musik, desto höher ist der Gewinn an Kontrasten und Farbenreichtum – wie Talk Talk’s Opus magnum Spirit of Eden eindrucksvoll zeigt. Das Stück „Rainbow“ kommt nach dem Aufsetzen des Tonabnehmers buchstäblich aus dem Nichts und hält seinen Spannungsbogen bis zum letzten Ton.

In Bezug auf die Räumlichkeit lässt der PhonoMaster auch nichts anbrennen. Er erschafft allerdings keinen künstlichen Raum oder dehnt diesen künstlich in die Länge oder Breite. Vielmehr reproduziert er exakt das, was die Aufnahme hergibt. Alte Blue-Note- oder auch Verve-Aufnahmen mit teilweise fahrlässigem Pingpong-Stereo fluten den Raum, gut eingefangene Laufzeitstereofonie sorgt für eine vollständige Ablösung des Klangs von den Lautsprechern und ein massives Live-Gefühl – aber klaustrophobisch enge Aufnahmen, wie beispielsweise bei den frühen Alben der Punkrocker Wipers, werden eben nicht zur Cinemascope-Veranstaltung.

Was bleibt? Der PhonoMaster ist ein echtes Universalgenie. Ob Sie nun Soloklavier, Kammermusik, fettes Orchester, Swing, Bebop, Pop, Rock oder Punk hören: Diese Vorstufe wird Sie nicht enttäuschen. Bei den leisen Tönen punktet sie mit mustergültigem Signal-Rausch-Abstand und stupender Feindynamik, und wenn’s lauter wird, bringen ihre Breitbandigkeit und Geschwindigkeit Live-Gefühl und Farbenreichtum auf dem gesamten hörbaren Frequenzband. Das PowerMaster-Netzteil ist tendenziell verzichtbar, wenn Sie überwiegend härteres oder lauteres Material wiedergeben. Für klein besetzte Ensembles oder „Musik zum in den Lautsprecher Kriechen“ empfehle ich den Zukauf des Powermasters uneingeschränkt: Damit lässt sich auch den Flöhen beim Husten zuhören.

PS: Die eingangs erwähnte blaue Frontplatte ist kein Muss. Claus Jäckle baut Ihnen auf Wunsch auch eine silberne oder schwarze Frontplatte ein – daran soll es ja nicht scheitern …

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Wir meinen

Breitbandig, farbenprächtig, universell: Der PhonoMaster zeigt, dass eine Phonovorstufe auch ohne Mäuseklavier in der ersten Liga spielen kann.

AcousticPlan PhonoMaster SE

 

Info

Röhren-Phonovorverstärker AcousticPlan PhonoMaster SE
Funktionsprinzip: Phonovorstufe
Eingänge: MM (Cinch), MC (Cinch)
Ausgänge: Hochpegel (Cinch)
Übersprechdämpfung: 116 dB (1 kHz)
Empfindlichkeit: MC high 0,1 mV, MC low 0,4 mV, MM 4 mV
Signal-Rausch-Abstand: MC high 75 dB, MC low 78 dB, MM 80 dB
Ausgangsimpedanz: 50 Ω
Maße (B/H/T): 10,5/12,5/25,5 cm
Gewicht: 1,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 3190 €

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www.acousticplan.de

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