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AudioQuest Brave Heart Lautsprecherkabel

AudioQuest Brave Heart

Der Gipfelstürmer

AudioQuest Brave Heart

Das neue Lautsprecherkabel Brave Heart schickt sich an, die AudioQuest-Hierarchie durcheinanderzuwirbeln. Durch konsequente Weiterentwicklung hoben die Entwickler ihre „Folk Heroes“ auf ein anderes Level.

AudioQuest Brave Heart Lautsprecherkabel

In aller Kürze: AudioQuest Brave Heart

AudioQuest Brave Heart Lautsprecherkabel

 

Jeder, der eine HiFi-Anlage sein Eigen nennt, muss sich mit den Lebensadern auseinandersetzen, die die Komponenten versorgen und miteinander kommunizieren lassen, will sagen: Ohne Kabel geht es nicht. Auf welche Weise das geschieht, ist eine sehr individuelle Angelegenheit – es gibt nur wenige Themen, die in HiFi-Foren derart leidenschaftlich diskutiert werden. Dabei ist es relativ einfach, zu einer Lösung zu kommen: durch Ausprobieren! Viele Händler sind bereit, Kabelsets auszuleihen, um sie an der Anlage des potenziellen Kunden erproben zu lassen. AudioQuest bietet ein umfangreiches Portfolio von Kabelverbindungen für alle nur erdenklichen Anwendungen im Audio- und Videobereich an. Die Bandbreite reicht von ordentlichem Standard bis zu extrem aufwendigen (und teuren) High-End-Strippen, wobei die Querschnitte schon mal Dimensionen erreichen, die Gartenschläuchen zustünden.

Die neuste Entwicklung ist das Lautsprecherkabel Brave Heart, das der zweithöchsten Serie namens „Folk Heroes“ zugeordnet ist. Die anderen wackeren Helden dieser Serie sind Robin Hood und der bald erhältliche Lone Ranger. Sie sortieren sich unterhalb des Brave Heart ein, das in einer stabilen Textiltasche geliefert wird. Das LS-Kabel ist „fullrange“ ausgelegt, eine Ergänzung durch ein dediziertes Basskabel für Bi-Wiring oder Bi-Amping ist nicht vorgesehen. Wie bei allen AudioQuest-Strippen dienen Massivleiter der Signalübertragung, hier aus PSC+-Kupfer (Perfect-Surface Copper +, AudioQuests feinstes Kupfermaterial) mit 3,31 Quadratmillimeter Querschnitt. Damit die Signalübertragung ungestört von Fremdeinflüssen geschehen kann, werden verschiedene Schichten auf Carbonbasis und (das ist neu) aus Graphen zur Abschirmung beziehungsweise Ableitung von Störungen eingesetzt. Erstmalig wird ein Draht mit vier Prozent Silberanteil in den Schirm eingearbeitet. Das in den besten Serien verwirklichte 72v-DBS-Konzept – eine mittels Batterie unter Spannung gesetzte Leitung soll die Isolationsschichten positiv beeinflussen – kommt auch beim Brave Heart zum Einsatz. Die einzelnen Technologien werden auf der Website ausführlich erläutert. Welchen Einfluss 72v DBS (Dielectric-Bias System) auf die Wiedergabeeigenschaften des Lautsprecherkabels tatsächlich hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Ob es was kann, wird der Hörtest zeigen.

AudioQuest Brave Heart Lautsprecherkabel
PMO, 72v DBS, PSC+ und Co. … als LS-Kabel von gehobenem Rang ist das Brave Heart natürlich mit allen Schlüsseltechnologien und Finessen des Herstellers ausgerüstet. Obendrauf gibt’s eine Entwarnung: Obwohl AudioQuests Top-Strippen vergleichsweise streb und starr sind, lässt sich das Kabel überraschend gut verlegen.

Optisch und haptisch macht das Kabel einen exzellenten Eindruck. Die beiden Leitungsstränge werden separat von einem robusten Geflecht mechanisch geschützt. Dadurch lassen sich die Kabel erheblich leichter verlegen als die Vorgängermodelle, deren Leitungsstränge in einem starren Geflechtmantel zusammengefasst wurden. Damit sie trotzdem kein unattraktives Eigenleben entwickeln, werden sie in gleichmäßigen Abständen von Spangen zusammengehalten. Die Bananenstecker gefallen mir vor allem wegen ihrer Konstruktion; ihre Kontaktstifte aus hochwertigem Kupfer mit einer besonders dicken Silberbeschichtung, halte ich für praxisgerecht. Silber leitet besser als alle anderen Materialien, und selbst Silberoxid steht dem kaum nach, sodass auch nach Jahren ein guter Kontakt gewährleistet ist. Die schick glänzenden Steckerhülsen sind aus Kunststoff gefertigt. Sie ersetzen die bisher verwendeten Metallhülsen, da sie, so der Hersteller, Einfluss auf das Signal nehmen – diese Meinung wird mittlerweile von einigen Kabelentwicklern geteilt. Die Stecker sind handlich und sitzen satt in den Lautsprecherbuchsen. In der Nähe des Kabelsplitters befindet sich die Stromversorgung der DBS-Einheit. Mit einem Knopfdruck kann geprüft werden, ob die Batterien noch in Schwung sind – eine grün leuchtende LED signalisiert eine positive Auskunft. Die Lebensdauer der Batterien wird mit „fast unendlich“ angegeben.

Erfreulich fand ich, dass Kabelbrücken zum Lieferumfang gehören. Es handelt sich um blanke Massivleiter aus dem gleichen PSC+-Kupfer, die, um es vorwegzunehmen, einen guten Job machen. Von den üblichen notwendigen körperlichen Verrenkungen abgesehen, war die Installation schnell erledigt. Eine besondere Einspielzeit benötige das Brave Heart nicht, versicherte mir Thijs Helwegen, Sales Manager von AudioQuest. Das „PMO“ (Permanent Molecular Optimization) benannte Verfahren, mit dem hochfrequenter Wechselstrom durch die Kabel geleitet wird, nehme diese Phase vorweg. Trotzdem bemerkte ich eine relativ kontinuierliche Verbesserung in den ersten beiden Wochen der Testphase. Auffällig war, selbst bei noch wenig konzentriertem Hören, die Offenheit und Homogenität, mit der sich die Musik im Raum verteilte. Meine Aufmerksamkeit wurde nicht auf einzelne Frequenzbereiche oder spektakuläre Effekte gelenkt, alles hörte sich wohlproportioniert und natürlich an. Wobei „natürlich“ hier meine subjektive Vorstellung von Klangfarben und Räumlichkeit ausdrückt.

AudioQuest Brave Heart Lautsprecherkabel

Um herauszufinden, was diesen Eindruck erzeugte, fütterte ich zunächst meinen Michi Q5 mit CDs, die ich eigentlich in die Abteilung „schon zu oft gehört“ verbannt hatte – genau deshalb sind sie hervorragend geeignet, kleinste Veränderungen in der Wiedergabe aufzuspüren. Obwohl diese gar nicht „sooo“ klein waren, wie sich herausstellen sollte. In der kurz nach seinem Tod 2004 veröffentlichten Scheibe Genius Loves Company singt und spielt Ray Charles im Duett mit einer illustren Auswahl befreundeter Musiker. Das Brave Heart half meiner Anlage, die letzten klanglichen Finessen aus dieser herausragend gut aufgenommenen Scheibe herauszukitzeln. Die Charakteristika der ausdrucksstarken Stimmen wurden überaus deutlich wiedergegeben, auch Instrumente klangen „echt“. Die von Billy Preston virtuos bearbeitete Hammond-B3-Orgel begeisterte mich geradezu. Einen weiteren Zugewinn konnte ich im Bereich der räumlichen Abbildung feststellen. Die Größenverhältnisse wurden in einem nachvollziehbaren Maßstab dargestellt, und auch die örtliche Zuordnung der Schallereignisse verbesserte sich. Das Resultat war ein vollkommen entspannter Musikgenuss, es fiel mir leicht, komplexen Strukturen zu folgen. Sogar recht schräge Töne präsentierten sich verdaulicher. Die Wiedergabe feinster Hintergrunddetails gelang erstaunlich sauber. Das dezente Besenspiel von Laurent Sériès auf Malias Hommage an Nina Simone, Black Orchid, habe ich selten so klar und differenziert gehört, und das leicht raue Timbre der Sängerin klang auf einmal geschliffener, ohne verschliffen zu sein.

Klassische Musik profitierte besonders von den Qualitäten des AudioQuest-Kabels. Je besser die Aufnahme und je anspruchsvoller die musikalische Kost, desto mehr konnte das Brave Heart überzeugen. Was natürlich nicht bedeutet, dass einfach gestricktes Material und durchschnittliche Aufnahmen nicht profitierten, nur eben nicht im selben Maß. Insgesamt bemerkte ich Auswirkungen auf den Klang vergleichbar mit denen, die ein guter Netzfilter mit sich bringt: ein übersichtlicheres Klangbild und eine tonale Entschlackung. Thijs Helwegen schickte uns zum Vergleich noch das Bi-Wire-Set ThunderBird Zero/Bass aus der höher positionierten Mythical-Creatures-Serie. Tatsächlich war das ThunderBird im Bassbereich druckvoller und vielleicht etwas konturenschärfer, im Mittelhochton waren die Unterschiede im Bereich „Geschmacksache“ zu verorten. Mir gefiel das Brave Heart tatsächlich im oberen Frequenzbereich etwas besser. Das AudioQuest Brave Heart ist in der Lage, aus gut abgestimmten Anlagen die bestmögliche Wiedergabequalität herauszulocken. Und das ist bekanntermaßen das höchste Lob, das im Zusammenhang mit HiFi-Takelage vergeben werden kann.

AudioQuest Brave Heart Lautsprecherkabel

Info

Lautsprecherkabel AudioQuest Brave Heart

Konfektionierung: Kabellänge von 1,5 bis 3 m, Gabelschuh- oder Bananenstecker (jeweils aus hochreinem Silber)
Besonderheiten: Zero-Tech (Unterdrückung von Einstreuungen), 72v DBS (Isolations-Polarisierung), Kupfer-Massivleiter mit Oberflächenveredelung (Perfect-Surface Copper+)
Lieferumfang: 2 LS-Kabel, DBS-Batterie, Kabeltasche
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: ab 4400 € (2 x 2 m)

Kontakt

AudioQuest

Hoge Bergen 10
4704 RH Roosendaal
Niederlande
­Telefon +31 165 541404
info@audioquest.nl

www.audioquest.de

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