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Hörstoff: Aus dem Cthulhu-Kosmos

Aus dem Cthulhu-Kosmos

Hörstoff

Aus dem Cthulhu-Kosmos

Der Schriftsteller H.P. Lovecraft (1890–1937) gilt als der Meister des kosmischen Horrors. Zahlreiche Rockbands, vor allem im Black Metal, sind von ihm inspiriert.

Nur sein Name – Lovecraft – strahlte Optimismus aus. Schon früh litt er an psychischen Problemen (wie seine Eltern), zog sich daher immer mehr zurück, entwickelte eine Paranoia gegenüber Fremden und Einwanderern. Die Angst vor dem Unbekannten – das war auch sein literarisches Thema. Von klein auf an Astronomie interessiert, projizierte er seine Horrorvisionen in die Tiefen des Weltraums. Dort imaginierte er furchtbare Wesenheiten mit übernatürlichen Kräften – die „Großen Alten“ wie Cthulhu, Shub Niggurath und Yog-Sothoth. Leider bleiben diese düsteren, unerklärlichen Mächte aber nicht im fernen Kosmos, sondern haben sich vor langer Zeit schon in der Menschenwelt eingenistet. Lovecrafts Geschichten handeln von verbotenen Orten, dunklen Mythen, geheimen Büchern wie Necronomicon und Dzyan. Sie handeln von diesen verborgenen bösen Kräften aus dem Weltall, die man besser ruhen lassen sollte. Bei Lovecraft sind es oft Wissenschaftler, deren Forschungsdrang das Böse aufstöbert und aufweckt. Dann macht sich langsam und schleichend das Grauen breit und bringt Tod und Wahnsinn. Manchmal bleibt das Grauen nur angedeutet – und wirkt desto entsetzlicher.

Weil Lovecrafts Geschichten erstmals in Groschenheften gedruckt wurden, war er lange Zeit nur in einschlägigen Kreisen bekannt. Doch die Storys rund um die „Großen Alten“ inspirierten bald etliche Kollegen zu neuen literarischen Exkursionen in den „Cthulhu-Kosmos“. Auch Komponisten, Maler und Musiker lassen sich davon inspirieren – ganz besonders Heavy-Metal-Bands, die düstere Visionen lieben und auf ihren Plattenhüllen gerne böse Mächte beschwören. Gleich mehrere Rockbands haben sich nach dem fiktiven Buch „Necronomicon“ benannt. Eine der führenden Zeuhl-RIO-Formationen heißt Shub Niggurath. Die Band Mekong Delta benannte eines ihrer Alben nach der Lovecraft-Story The Music Of Erich Zann.

Bemerkenswerterweise gab es bei Black Sabbath, den Urvätern des Heavy Metal, schon auf ihrem Debütalbum Black Sabbath (Vertigo, 1970) einen Lovecraft-Bezug.

Hörstoff: Aus dem Cthulhu-Kosmos

Der Song „Behind The Wall Of Sleep“ spielt auf die Story Beyond The Wall Of Sleep an, in der ein sterbender Mörder kosmische Albträume hat. Der Song handle vom Tod, meinte Geezer Butler einmal: „Deine Träume erzählen dir, wie dein Tod sein wird.“ Zwar ist das Stück kurz (3:37), aber es passiert erstaunlich viel – es war schließlich die progressive Rockära. Im Walzerteil eingangs gibt es Gitarrenbreaks, dann setzt ein schweres Riff ein langsameres Tempo und einen düsteren Tonfall – dem Riff antwortet jeweils der Gesang (zwei Strophen). Es folgen: ein kurzer Zwischenteil, die gesungene Bridge („Turns your body to a corpse“), das Gitarrensolo und eine Wiederkehr des Walzerteils. Dann wieder Tempowechsel, dritte Strophe, und das Schlagzeug spielt bis zum Ende allein …

Auch Metallica, die erfolgreichste Heavy-Metal-Band der Welt, war auf ihrem frühen Album Ride The Lightning (Vertigo, 1984) bereits von Lovecraft inspiriert.

Hörstoff: Aus dem Cthulhu-Kosmos

Der Songtitel „The Call Of Ktulu“ ist von Lovecrafts Story The Call Of Cthulhu angeregt, einer der grundlegenden Geschichen des Cthulhu-Mythos. Der Metallica-Song dauert fast neun Minuten (8:52) und beendet das Album, ist aber rein instrumental. Nach einem ruhigen Anfang wird das Pattern im Heavy-Sound weitergeführt: Die beiden Gitarren riffen los und sind nicht mehr zu halten – das schreckliche Wesen Cthulhu ist geweckt. Dann kommen neue Riffs, die einander überlagert werden, ein Gitarrensolo und weitere Teile. Eine spätere Orchesterversion dieses Songs erhielt sogar einen Grammy. (Auf dem Folgealbum Master Of Puppets hatten Metallica übrigens einen weiteren Lovecraft-Titel.)

Electric Masada ist eine achtköpfige Variante der Formation Masada des Jazz- und Noise-Saxofonisten John Zorn. Das ist nun nicht Heavy Metal, aber Metal-Elemente gibt es schon auch – wie etwa der Songtitel „Metal Tov“ verrät.

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Daneben und dazwischen hören wir Noise, Free, Wild-Anarchisches, aber auch beunruhigend Sanftes – der Lovecraft-Schrecken erhält hier neue musikalische Dimensionen. Das Doppelalbum At The Mountains Of Madness (Tzadik, 2005), benannt nach einer besonders verstörenden Lovecraft-Story, wurde 2004 in Moskau und Ljubljana live mitgeschnitten. Stücktitel wie „Hath-Arob“ und „Idalah-Abal“ sind übrigens nicht dem Cthulhu-Kosmos entnommen, auch wenn sie so aussehen. Sie sind hebräisch.

Black Sabbath – Black Sabbath auf emp.de

www.metallica.com

Electric Masada – At the Mountains of Madness auf jpc.de

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