Clearaudio Reference Jubilee

Clearaudio Reference Jubilee Plattenspieler

Klarheit für die Zukunft

Clearaudio Reference Jubilee – Klarheit für die Zukunft

Unter einem Technologieträger versteht man sinngemäß ein Objekt, das seinen Nutzen mit wegweisend neuen Technologien erfüllt und diese – auch über seine eigene Lebensspanne hinaus – in exemplarischer Weise verkörpert.

Clearaudio Reference Jubilee

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In aller Kürze

Mit dem Reference Jubilee blickt Clearaudio auf 40 Jahre Ingenieurskunst zurück und gibt gleichzeitig einen exklusiven Vorgeschmack darauf, was die Zukunft bringt.

Clearaudio Reference Jubilee Navigator


Der Reference Jubilee ist so ein Kandidat und soll darüber hinaus das 40-jährige Bestehen der Analogschmiede Clearaudio zelebrieren. Das schürt hohe Erwartungen an eine Technologie, die noch einmal 100 Jahre älter ist und zwischenzeitlich schon begraben schien. Eigentlich liegt das 40-jährige Bestehen der Erlangener bereits einige Jahre zurück (2018). Die zeitliche Verzögerung in der Fertigstellung ihres „Jubilaren“ erklärt sich durch die hohen Ansprüche der Entwickler. Dass sich die Schallplattenwiedergabe wieder im Markt etabliert hat, kann man auch auf die innovativen mittelständischen Firmen wie eben Clearaudio zurückführen, die aus Überzeugung an diesem Medium festgehalten haben. Das Design des Reference Jubilee zeigt diese historischen Wurzeln und gibt zugleich einen Einblick in die zukünftigen Technologien, mit denen die Schallplattenwiedergabe auch in den nächsten Jahrzehnten anspruchsvolle Musikliebhaber überzeugen soll. Dass es sich um einen Technologieträger handelt, sieht man auch am Preis des auf 250 Exemplare limitierten Boliden: knapp 25 000 Euro sind für die vorgestellte Ausführungsvariante mit Tangentialtonarm TT3 und dem MC-Tonabnehmer Jubilee MC fällig. Denn Innovation bedeutet Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf höchstem Niveau. Weitere Kosten entstehen, da Clearaudio seine Produkte vollständig in Deutschland entwickelt und fertigt. Die Kundschaft für so einen Referenz-Plattenspieler ist entsprechend begrenzt und nicht allein mit dem nüchternen Nutzen des Objektes zur Schallplattenwiedergabe zu gewinnen.

Clearaudio Reference Jubilee

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Kernstück des Reference Jubilee bildet sein Laufwerk, für das allein schon 16 500 Euro veranschlagt werden. Ein neu entwickelter Antrieb in Kombination mit dem patentierte CMB-Magnetlager und einem spezifischen Materialmix aus Panzerholz, Aluminium sowie Keramik sollen Laufruhe und Störungsarmut auf ein neues Niveau heben. Das innovative Herz des Jubilee ist ein Hybrid-Antrieb, der eine analoge Kontrolleinheit mit einem Digital Analog Converter (DAC) kombiniert. Der hochauflösende 12-Bit-Wandler erzeugt eine Motor-Referenzspannung, die in eine rein analoge Motorsteuerung eingespeist wird. Die analoge Kontrolleinheit vergleicht alle drei Sekunden die Referenzspannung mit dem Drehzahlmesswert, die ein optischer Sensor an den 12-Bit-DAC meldet. Mittels Tipptasten lassen sich Drehzahlen von 33, 45 und 78 Umdrehungen pro Minute einstellen. Bei erstmaliger Inbetriebnahme oder bei Bedarf (z. B. nach Riementausch) führt die Kontrolleinheit eine automatische Kalibrierung durch. Die vorgewählte Drehzahl kann der Bediener allerdings auch manuell verändern. Der neu entwickelte 24-Volt-Gleichspannungsmotor sitzt beziehungsweise hängt an 18 Gummiringen, jeweils neun an Ober- und Unterseite, in einer Aluminiumdose, die mit einem magnetischen Deckel elegant verschlossen wird. Ein Flachriemen wird durch Öffnungen heraus um den 50 Millimeter dicken POM-Plattenteller geführt. Dieser wiederum sitzt auf einem 15 Millimeter starken Edelstahl-Subteller, an dessen Unterseite der optische Sensor mit 1600 Elementen appliziert ist. Von den 22,5 Kilogramm Gesamtgewicht des Laufwerks entfallen allein 8,5 Kilo auf den Subteller aus Edelstahl.

Clearaudio Reference Jubilee
Bei einem wuchtigen Laufwerk wie dem des Reference Jubilee wäre das vermutlich nicht erforderlich, trotzdem entkoppelt Clearaudio seinen Motor nach allen Regeln der Kunst. Der Antrieb ist oben wie unten an jeweils neun straffen Gummiringen aufgehängt.

Dass sich die Massen trotzdem absolut lautlos und reibungsfrei drehen, dafür sorgt ein starkes Magnetlager in Verbindung mit der invertierten, geschliffenen und polierten Keramik-Lagerachse. Auf Nenndrehzahl beschleunigt der starke Motor in nur etwa 3 Sekunden, was für ein riemenbetriebenes Masselaufwerk sensationell ist. Nach dem Ausschalten dreht sich der Teller beharrlich etwa 25 Sekunden bis zum Stillstand weiter. Großen Anteil am Gewicht hat auch das Sandwich-Chassis aus Panzerholz und Aluminiumdeckplatten. Die V-förmige Gestalt mit den schichtweise platzierten Materialien und balancierten Proportionen in Verbindung mit dem perfekten Oberflächenfinish lässt den Referenz Jubilee trotz seiner Maße von 50 mal 34 Zentimeter und einer Höhe von 16 Zentimeter (ohne Tonarm) sehr gefällig erscheinen. Erst im direkten Vergleich zu meinen eigenen Subchassis-Laufwerken wird deutlich, welch stattliche Erscheinung der Clearaudio-Plattendreher ist.

Clearaudio Reference Jubilee
Sci-Fi und Holz harmonisch vereint: Der Jubilee MC-Tonabnehmer in gediegener Holzoptik fügt sich nahtlos in seine Rolle am futuristisch anmutenden Tangentialtonarm ein. Prinzipiell funktionieren übrigens alle Arme des Herstellers am Reference Jubilee.

Perfekt nicht nur zur Optik, sondern auch zum kompromisslosen Konzept der Minimierung von Reibung und Störeinflüssen gehört in diesem Setup der TT3. Der Tangentialtonarm ist mit einem Verkaufspreis von 3630 Euro der mittlere der drei Tangentialmodelle im Clearaudio-Portfolio und basiert auf den rein mechanischen Souther-Armen aus den 1980er Jahren. Clearaudio hat diese Technologie übernommen und weiterentwickelt. Tangentialtonarme weisen im Gegensatz zum klassischen Drehtonarm keinen Spurfehlwinkel auf und fahren theoretisch den Weg des Schneidstichels bei der Aufzeichnung nach. Theoretisch, weil es auch bei einem Tangentialtonarm noch einige Freiheitsgrade zur optimalen Ausrichtung des Tonabnehmers gibt. Eine akkurate Justierung ist hier sehr wichtig, denn entweder ist alles ideal frei von Fehlwinkeln oder eben alles nicht! Zugegebenermaßen besitze ich aktuell nur Drehtonarme, die Justage war also Neuland für mich. Hilfreich ist, dass Clearaudio alle erforderlichen Helferlein wie eine integrierte Wasserwaage und eine Metallschablone für die tangentiale Ausrichtung mitliefert. Das bebilderte Manual lässt allerdings manchmal Interpretationsspielraum zu, da hilft nur Learning by Doing. Das macht allerdings dank der hochwertigen und durchdachten Ausführung eine Menge Spaß, und ist der Umgang mit dem TT3 erst einmal erlernt und eingeübt, geht er schnell und sicher von der Hand.

Clearaudio Reference Jubilee

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Aufgefallen ist mir allerdings, dass die Auflagefläche beziehungsweise die Drehpunktfläche des Tonarmes etwas größer ist, als ich das von meinen Drehtonarmen gewohnt bin. Der Tonabnehmer ist nämlich an ein Carbonröhrchen geschraubt, das mittels Schlitten tangential rollen kann. Der Armschlitten wird dazu durch zwei Kugellager in einer polierten Glasschiene geführt, und der Auflagepunkt ist deshalb naturgemäß etwas breiter als beispielsweise bei einem Lagerdorn. Die Einstellung der Auflagekraft des Tonabnehmers kann dabei schon mal um die ±0,2 Gramm schwanken. Beim Einsatz meines Tonabnehmers Lyra Kleos mit relativ geringer Auflagekraft von 1,75 Gramm (±0,05) ist das ein Nachteil gegenüber dem hauseigenen Jubilee MC, das mit 2,8 Gramm (±0,2) wie gemacht scheint für den TT3. Aufgrund des rein mechanischen Konzeptes und der seitenkraftfreien Nadelführung durch die Rille können sich Verschmutzungen nach meinen Erfahrungen stärker auf den Abtastvorgang auswirken. Eine saubere Schallplatte ist hier umso wichtiger, damit das Hörerlebnis nicht durch Störgeräusche getrübt wird. Tonabnehmer mit einer höheren Auflagekraft sind diesbezüglich nach meinem Dafürhalten ebenfalls besser geeignet, weil oft spurtreuer. Das Jubilee wurde in FIDELITY Nr. 43 bereits als effektfreier, tonal sehr gut balancierter Tonabnehmer für Genusshörer beschrieben, was auch in diesem Setup bestätigt werden kann. Im Betrieb habe ich das Standardnetzteil gegen das optionale Professional Power 24V getauscht, eine transformatorbasierte, stabilisierte und gefilterte Gleichstromversorgung (690 Euro). Sie sollte bei diesem Setup auf jeden Fall gleich mit geordert werden.

Bildergalerie
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Wie ich es von einem Masselaufwerk erwartet habe, ist das Klangbild weiträumig und mit einem klar definierten Tieftonbereich, der überhaupt nichts aufdickt oder abrundet. Die coole nordische Jazzmusik vom Vestbo Trio aus Dänemark fließt geschmeidig aus meinen Lautsprechern, die einzelnen Instrumente haben ihren definierten Platz. Der Bass auf dem Stück „Mudslide“ erzeugt ein Vibrieren in der Magengegend, das geht emotional gut los. Der Raum wird bis zu den Lautsprechern realistisch proportioniert von den Musikern bespielt. Bei dem Stück „Wild Blue“ von John Mayers neuer Scheibe Sob Rock wird exemplarisch deutlich, dass Stimmwiedergabe ganz besonders von dieser Detailtreue profitiert. Obwohl der Interpret nicht besonders im Vordergrund agiert, steht er doch absolut im Fokus seiner Musik – so soll es sein. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich an den Einstellungen der Phonovorstufe länger rumprobiere, um die Proportionen in der Musik zu korrigieren. Nicht so beim Jubilee, da passte in meinem Setup die 100-Ohm-Abschlusskapazität von Anfang an ganz hervorragend, und ich konnte mich auf das Finden und Waschen der nächsten länger nicht gehörten Schallplatte konzentrieren. Oder aber das Experimentieren mit verschiedenen Tellermatten – beim Reference Jubilee liegt die Schallplatte nämlich auf dem „nackten“ POM-Teller. Das ist auch die beste Variante, wie sich herausstellte. Hier gibt es nach meinem Empfinden kaum etwas klanglich herauszuholen, lediglich eine optionale Plattenklemme oder ein Gewicht kann ich empfehlen. Die POM-Auflagefläche ist sehr plan und relativ hart beziehungsweise glatt. Die plane Auflage der Schallplatte mit gutem Kontakt zum Teller ist für den Abtastvorgang des rein mechanisch geführten Tonabnehmers von Vorteil. Wegen des ausladenden Tangentialtonarmes ist hier ein besonders flaches Gewicht aus dem reichhaltigen Clearaudio-Sortiment hilfreich. Zum Abschluss höre ich etwas gröbere Rockmusik, die neue LP von War on Drugs I Don’t Live Here Anymore. Der Sound ist auf diesem Album dermaßen voll von E-Gitarren und anderen elektrischen Instrumenten plus Effekten, dass ich normalerweise nicht mehr als eine Albumseite am Stück hören kann. Mit dem Clearaudio Reference Jubilee gelingt es mir, alle Stücke über vier Seiten durchzuhören, weil die Ortbarkeit der Instrumente und Differenzierbarkeit auch im dichten Soundteppich möglich ist. Hier zahlt sich der hohe Aufwand in der Minimierung von Störeinflüssen beim Laufwerk aus, eine genaue Justage des Tonarms TT3 und saubere Schallplatten mal vorausgesetzt.

Clearaudio Reference Jubilee
Zeit für Veränderung: Für seinen Jubilar ließen sich die Erlangener die neue „Boomerang“-Grundform des Chassis einfallen. Ein optischer Volltreffer, wie wir finden.

Knapp 40 Jahre Know-how hat Clearaudio in den Reference Jubilee investiert, und er bleibt gerade deshalb sicher für die meisten von uns ein Traum. Aber so sind Technologieträger eben, sie geben einen exklusiven Vorgeschmack auf das, was die Zukunft bringt.

Info

Plattenspieler Clearaudio Reference Jubilee
Konzept: Masselaufwerk mit Riemenantrieb und hybrider Motorsteuerung
Chassis: Sandwichkonstruktion aus Schichtholz und Aluminium („Panzerholz“), höhenverstellbare Füße, Montage eines Tonarms möglich
Antrieb: Riemenantrieb mit 24-V-Motor, automatische Drehzahlkalibrierung, Hybridmotorsteuerung mit 12-bit-DAC und analoger Regelung
Lager: invertiert, geschliffene und polierte Keramiklagerachse, Laufbuchse aus Sinterbronze, CMB-Magnetlager
Plattenteller: solider 50-mm-Plattenteller aus technischen Kunststoffen mit hoher Dichte (POM), dynamisch gewuchtet; massiver 15-mm-Edelstahl–Subteller, CNC-präzisionsgedreht, dynamisch gewuchtet
Gleichlauf: < ±0,05 %
Leistungsaufnahme: 2,1 W (Betrieb), 1,8 W (Standby)
Gewicht: 22 kg (ohne Tonarm und Netzteil)
Maße (B/H/T): 50/16/34 cm (mit Tonarmbasis, ohne Tonarm)
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: ab 19 800 € (ohne Arm), Testmuster um 25 000 € (inkl. Tangentialtonarm TT3, Tonabnehmer Jubilee MC)

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Kontakt

Clearaudio electronic GmbH
Spardorfer Straße 150
91054 Erlangen
Telefon +49 9131 40300100

www.clearaudio.de

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