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CoolTech - Wolfgang Lausecker

FIDELITY zu Gast bei … CoolTech, Stanzach, Tirol

Ein kühler Kopf für besseren Klang

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CoolTech, Stanzach, Tirol – Ein kühler Kopf für besseren Klang

Die zündenden Einfälle, die kleinen (R)Evolutionen, sie müssen nicht immer in den großen Konzernen, den vielköpfigen Entwicklungsabteilungen geschehen. Der österreichische Ingenieur Wolfgang Lausecker von CoolTech machte vor ein paar Jahren eine coole Entdeckung, mit der man alle möglichen Dinge verbessern kann – auch den Klang.

Stanzach ist eine kleine Gemeinde inmitten majestätischer Bergriesen. In diesem Idyll residiert der Ingenieur Wolfgang Lausecker mit seiner Firma CoolTech. Auf einem Schrank seines Büros fällt uns sofort das ferngesteuerte Modell eines Formel-1-Rennwagens auf, eine Erinnerung daran, wie es mit CoolTech losging und warum es das Unternehmen überhaupt gibt: Lausecker befasst sich mit der veredelnden Tieftemperaturbehandlung von Dingen, darunter auch vieles, das mit Klang zu tun hat. Das können Verbindungskabel für Studioequipment oder HiFi-Komponenten sein, aber auch Teile von Blasinstrumenten. Oder Holz für den Geigenbau.

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CoolTech - Wolfgang Lausecker

Der Firmengründer stammt aus Ybbs im niederösterreichischen Mostviertel, ist studierter Wirtschaftsingenieur und landete nach seinem Studienabschluss bei der Metallurgie der in Reutte (Tirol) beheimateten Plansee Group. Der Hersteller zählt zu den weltweit führenden Betrieben der metallverarbeitenden Industrie. Die Auseinandersetzung mit Werkstoffen und ihren spezifischen Eigenschaften bestimmt Lauseckers Arbeit bis heute. Weil Plansee zu den globalen Spielern im Metallgeschäft gehört, kam er „in der Welt herum“, wie er uns augenzwinkernd erzählt. In den USA schaute er viel TV, um sich die Sprache besser anzueignen. Dabei entdeckte er Anfang der 90er Jahre erstmals einen Beitrag über die Auswirkungen von Kryogen-Behandlung auf Werkstoffe. Unter anderem ging es um Elektroden für Kinolampen, die hohe Temperaturen aushalten müssen. Nach der Kältekur erhöhte sich die Lebensdauer erheblich.

CoolTech - Wolfgang Lausecker
Wolfagang Lausecker, der Kopf hinter CoolTech.

Durch seinen Job kam Wolfgang Lausecker eines Tages in Kontakt mit der Autorennbranche im Allgemeinen und der Formel 1 im Besonderen. Er besuchte auch Teams der amerikanischen NASCAR Cup Series und stellte fest, dass fast alle Rennställe auf Kryotechnik setzen. So behandelt man mit diesem Verfahren etwa die Ventile der Rennmotoren, aber auch Kolben, Federn oder Getriebewellen – „eigentlich alles, was im Betrieb mechanischen Spannungen ausgesetzt ist“ – werden dort tiefgekühlt. „Aus einem Rennmotor mehr Leistung zu kitzeln, ist eine kostspielige Angelegenheit“, weiß Wolfgang Lausecker. Als Faustregel gilt: 100 000 Euro und mehr sind aufzubringen, um ein zusätzliches PS herauszukitzeln. Die Tieftemperatur-Behandlung aller relevanten Motorenteile dagegen brachte den Rennställen im Schnitt 17 PS – bei deutlich geringeren Kosten.

Lausecker sah genau hin, lernte – und wagte 2009 den Sprung in die Selbstständigkeit. Nachdem es sich als wenig praktikabel erwiesen hatte, Werkstücke zwischen Europa und den USA hin und her zu schicken, ging er auf die Suche nach Partnern, die das nötige Know-how hatten. In Spanien wurde er fündig. Zunächst wurden dort Teile nach seinen Vorgaben tiefgekühlt, dann baute er mit den Spaniern eine Anlage, die er am Firmenstandort in Tirol nutzen konnte.

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CoolTech - Wolfgang Lausecker
Der Firmensitz von CoolTech in Stanzach, Tirol.

Der Firmeninhaber maßt sich nicht an, „das Rad neu erfunden zu haben“. Schon seit Jahren nutzt man flüssigen Stickstoff, um beispielsweise Industriestähle auf Temperaturen um die minus 180 Grad zu kühlen und so strukturelle Spannungen zu beseitigen. „Beim Wiedererwärmen enden diese Prozesse meist bei etwa 20 Grad Celsius“, erklärt Lausecker. Das in jahrelangen Experimentierreihen entwickelte Verfahren, das bei CoolTech angewendet wird, variiert die Parameter und greift subtiler in die Materialstruktur ein. Das Herunterkühlen geschieht in mehreren, immer intensiveren Wellen, die von kontrollierten Aufwärmphasen unterbrochen sind. Über die genaue Anzahl der Kühl- und Erwärmungsvorgänge schweigt Wolfgang Lausecker.

CoolTech - Wolfgang Lausecker
Das einfach erscheinende Steuerpult steuert einen raffinierten Prozess von Kälte und Wärme.

Die Anlage wirkt auf den ersten Blick überschaubar. Sie besteht aus einem Steuerpult mit Temperaturanzeigen und einer Edelstahl-Kühlkammer, die etwa so groß wie eine Haushaltskühltruhe ist. Direkt neben dem Firmengebäude steht der riesige Stickstofftank. Auch das Innere des Kühlbehälters wirkt unspektakulär: Die Objekte werden in Gitterträgern in die Truhe gehängt und sind zu keinem Zeitpunkt direkt dem flüssigen Stickstoff ausgesetzt. „Eine schockartige Abkühlung bringt nicht die gewünschten Ergebnisse“, betont Lausecker. Zu rasches Abkühlen brächte Spannung in einen Werkstoff, könnte die Materialien sogar beschädigen. Langsame Kühlung hingegen führt dazu, dass sich Spannungen lösen. Stickstoff kondensiert bei minus 196 Grad zu einer farblosen Flüssigkeit, darüber ist er gasförmig. Genau dieses Aggregatzustands bedient sich Lausecker. Im Kühlbehälter befinden sich Zuführungen mit kleinen Ventilatoren, die stickstoffgekühlte Luft zuführen. Hochpräzise Temperatursensoren und Heizelemente helfen dabei, die für jedes Material gesondert entwickelten Prozesskurven präzise umzusetzen.

CoolTech - Wolfgang Lausecker
CoolTechs Werkstatt wird vom riesigen Stickstofftank überragt, der die programmierbare Kühlkammer im Gebäude speist.

Was dabei mit dem Werkstoff passiert? Nun, das ist schnell erklärt, aber nicht ganz einfach zu verstehen: Bei der Herstellung eines Materials – nehmen wir reinen Kupferdraht – richten sich die Atome gemäß ihrer elektromagnetischen Eigenschaften aus und formen dabei stabile Gitter- oder Kristallmuster. Da die Prozesse im vergleichsweise „groben“ Umfeld einer Massenproduktion nicht unter Laborbedingungen ablaufen können und sie durch spätere Weiterverarbeitung (Härten, Walzen, Schmieden etc.) beeinflusst werden, gerät die an sich streng geometrische Anordnung der Atome oder Moleküle durcheinander. Die Gitterstrukturen verwinden sich. Der Effekt: Elektronen, die sich durch das leitende Metall bewegen, müssen den unebenen Strukturen folgen und Umwege in Kauf nehmen. Die CoolTech-Behandlung löst den größten Teil dieser Verspannungen. Das Material wird homogener und der holprige Feldweg, über den sich die Elektronen vorher mühen mussten, wird zur glatt asphaltierten Straße – um es bildhaft auszudrücken. „Das erhöht im Endeffekt die Leitfähigkeit des Metalls“, erklärt Lausecker. Er bemüht sich um genaues Verständnis der Hintergründe, forscht und analysiert gemeinsam mit Fachwissenschaftlern am Fraunhofer-Institut sowie an der Universität Dresden. Es werde noch dauern, alle Prozesse vollends zu durchschauen, doch „wir lernen jeden Tag dazu“, meint der Cooltech-Chef.

CoolTech - Wolfgang Lausecker
Zu den Kunden von CoolTech gehört vor allem Hightech-Industrie. Im versiegelten Kästchen unten rechts befinden sich Werkzeuge für Flugzeugturbinen, die „so geheim sind, dass nicht mal ich sie sehen soll“, wie uns der Inhaber erklärt.

Wir konnten die Wirkung der Kryogenbehandlung an der XLR-Version eines AudioQuest Wild Blue Yonder nachvollziehen, die wir bei unserem Besuch der Fürsorge Lauseckers übergaben und einige Tage später via Post zurückbekamen. Unsere anfängliche Sorge, der Kunststoff-Batterieträger des DBS-Systems würde die extremen Tieftemperaturen nicht überstehen, erwiesen sich als unbegründet. Und die akustische Wirkung der CoolTech-Behandlung ließ sich nicht überhören: Die Kabel wirkten im direkten Vergleich zum unbehandelten Referenz-Satz im ersten Moment etwas leiser und zaghafter. Eine spontane akustische Fehleinschätzung, die wohl darauf beruht, dass die Kryo-Strippen feine dynamische Strukturen und Nuancen der Raumabbildung stärker bündeln und fokussieren. Sie erscheinen dadurch sauberer sowie weniger angestrengt und aufgeregt. Die Wiedergabe wird geordneter, übersichtlicher und gewinnt eine musikalische Selbstverständlichkeit, die man wunderbar mit einem „freieren, ungehinderten Fluss“ umschreiben darf. Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir haben hier kein neues Kabel entwickelt. Die ohnehin hervorragende AQ-Strippe wurde allerdings in fast allen Aspekten um entscheidende Nuancen besser. Und das zu einem mehr als fairen Preis. CoolTech nimmt für die Behandlung zwischen 45 (unter 0,5 Meter) und 90 Euro (länger als 5 Meter). Hinzuzurechnen ist freilich der Versand. Auch Einzelteile nimmt sich Lausecker vor: Die Kryogenbehandlung von Tonabnehmern liegt bei knapp 50 Euro, für Mehrfach-Steckerleisten (6-fach) sind 95 Euro fällig. Natürlich kann man auch ganze Röhrensätze einsenden (um 15 Euro/St.).

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Und doch ist der Verbesserungseffekt bei Unterhaltungselektronik und ihrem Zubehör nur eine Seite der Medaille. Der Blasmusiker Wolfgang Lausecker spielt Saxofon und Klarinette, unter anderem in der Big Band Außerfern. So kam er auf die Idee, zunächst das Mundstück, dann auch die Klappen und am Ende sein ganzes Baritonsax in die Kältekammer zu stecken. „Zuvor hatte ich bestimmte tiefe Töne trotz intensiven Übens nicht herausgebracht, danach war es kein Problem mehr“, erzählt er, und die Verblüffung ist ihm immer noch anzumerken. Noch erstaunlicher erscheinen die Ergebnisse, wenn E-Gitarren in die Kältekammer wandern. Neue Instrumente bekommen nicht nur einen herrlichen „Vintage-Look“, weil sich in der Lackierung feine Risse bilden. Auch ihr Klang ändert sich. „Die klingen, als sei das Holz viel älter“, führt Lausecker aus. Legenden wie die Vintage-Modelle von Fender und Gibson griffen auf Jahrzehnte gereiftes Holz zurück. Ein Luxus, an den heute nicht mehr zu denken ist. Die Kältebehandlung entzieht dem Holz neuer Instrumente einen großen Teil der verbliebenen Feuchtigkeit, verändert beziehungsweise „aged“ damit ihren Charakter.

CoolTech - Wolfgang Lausecker
Wolfgang Lausecker veredelt nicht nur HiFi-Kabel, sondern auch Musikinstrumente und Werkzeuge.

Das Prozedere hat durchaus Grenzen: Wolfgang Lausecker zeigt uns Panzerholz-Platten, an denen seine Kryotechnik scheiterte. Dieser auch als Kunstharz-Pressholz bezeichnete, unter anderem im Plattenspielerbau eingesetzte Werkstoff ist beinahe so hart wie Metall, weist eine hohe Dichte auf und zeigte sich in Versuchsreihen von den Tiefkühl-Aktionen völlig unbeeindruckt. „Da veränderte sich gar nichts“, meint der Ingenieur schulterzuckend.

Dafür bekommt er regelmäßig Pakete, in denen sich Tubas, Posaunen oder Trompeten befinden. Aber auch Sendungen eines Unternehmens, das verschlossene Metallkästchen schickt, in denen sich Strangwerkzeuge befinden – „so streng geheim, dass sie niemand sehen darf“. Die Metallfräser, die daneben im Kühlbehälter stehen, dienen dazu, Triebwerksschaufeln von Düsenflugzeugen herzustellen. Ein anderer Kunde ließ gerade erst SSD-Festplatten behandeln, die er gleich im größeren Konvolut schickte. Die Idee bleibt immer gleich: Das Strukturgitter soll homogenisiert, der innere Fluss und das Schwingungsverhalten optimiert werden.

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Was bei Musikinstrumenten hilft, klappt scheinbar auch beim Menschen: Lausecker betreibt nebenher eine gut frequentierte CryoSauna

Das soll sogar beim Menschen funktionieren: In einem Nebenraum steht eine „Kryo-Sauna“, in der der menschliche Körper für drei Minuten vom Hals abwärts für kurze Zeit minus 140 Grad ausgesetzt wird. Laut Wolfgang Lausecker heilsam bei Rheuma und anderen entzündlichen Prozessen. „Die Uniklinik in Erlangen setzt eines dieser Geräte ein“, sagt Lausecker. Ein Ritterschlag, zweifellos.

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Kontakt

CoolTech, Wolfgang Lausecker
Blockau 64a
6642 Stanzach
Telefon +43 676 6769800

www.cooltech.at

 

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