Oswald's Mill Audio, Brooklyn, NYC

FIDELITY zu Gast bei … Oswalds Mill Audio 2019

Neues aus der analogen Welt des Jonathan Weiss von Oswalds Mill Audio

FIDELITY zu Gast bei … Oswalds Mill Audio 2019

Neues aus der analogen Welt des Jonathan Weiss von Oswalds Mill Audio

Fotografie: Ingo Schulz

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Oswald's Mill Audio, Brooklyn, NYC
Jonathan Weiss präsentiert in seinem New Yorker Loft den neuen Plattenspielers K3.

Das Jonathan Weiss ein Mann der Extreme ist, dürfte sich herumgesprochen haben. Nachdem uns die gusseiserne Zarge für den Technics SP-10R und die schieferne Plattenauflage von Oswalds Mill tiefenüberzeugt haben, dauerte es nicht lange und Mr. Weiss kontaktierte uns erneut, um weitere Neuigkeiten anzukündigen.

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Die Gusseiserne Zarge von OMA mit der Technics SP-10R Motoreinheit.

Da wäre beispielsweise eine neue Marke Namens Fleetwood Sound Company. Fleetwood wird in Zukunft preislich unterhalb von Oswalds Mill angesiedelt sein. Geplant ist eine ganze Kette von Fleetwood Produkten. Zum Start gibt es einen 2-Wege Hornlautsprecher Namens „Deville“. Eine erste Hörprobe war vielversprechend. Die Deville hat eine für die Größe unerwartete Direktheit und kann erstaunlich laut. Stimmen sind greifbar und alles in allem klingt sie ausgewogen, ohne eine störende Schärfe in den Höhen. Stundenlanges ermüdungsfreies Hören ist somit garantiert. Ein guter Wurf für das erste Fleetwood-Produkt.

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Der 2-Wege Hornlautsprecher “Deville” der neu gegründeten Fleetwood Sound Company.

Ein weiteres Produkt in der Pipeline von Fleetwood ist ein Bluetooth Lautsprecher. Ja, richtig gehört, ein Bluetooth Lautsprecher. Den Prototypen konnten wir in New York bereits hören. Der Klang, typisch Oswalds Mill, direkt und punchy mit einer Menge Reserven, hat nichts mit dem üblichen Bluetooth-Boom-Box Sound zu tun. Auch das Aussehen ist extravagant und erinnert an typische Oswalds Mill Lautsprecher. Leider durften wir keine Fotos davon machen, da sich das Projekt noch in einem sehr frühen Stadium befindet.

Die große Überraschung war aber ein komplett neu entwickeltes Laufwerk. Wer Weiss kennt, der weiß, dass er für halbe Sachen nicht zu haben ist (das gilt im Übrigen auch für Fleetwood). Fünfeinhalb Jahre Entwicklungszeit und einige gusseiserne Prototypen später ist es jetzt fertig und es ist so neu, dass nicht einmal einen Namen hat. Derzeit hört es intern noch auf den Arbeitstitel „K3“.

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Video: Der neue Plattenspieler von Oswalds Mill Audio ist nach fünfeinhalb Jahren Entwicklungszeit fertig. Einen Namen hat er noch nicht. Derzeit hört er noch auf dem Arbeitstitel K3.

Jonathan Weiss hält sich noch sehr bedeckt, was Details angeht, aber einige Einblicke konnten wir ihm doch entlocken. K3 hat einen direkt angetriebenen Plattenteller. Der Motor hierfür wird zugekauft. Er ist das einzige zugekaufte Bauteil des K3. Laut Weiss hat der Antrieb ein vielfach höheres Drehmoment als der bestens beleumundete Motor des aktuellen SP-10R von Technics. Seinen Ursprung hat er im industriellen Hochpräzisionsumfeld. Höchste Präzision und Zuverlässigkeit war auch das Lastenheft für den K3 und so fiel die Wahl auf einen Motor, den man unter anderem für das Bewegen von Teleskopen, oder in der Chip-Herstellung finden kann.

Die eigentliche Steuerung des Motors wurde bei Oswalds Mill selbst programmiert. Zum Betrieb der digitalen Steuereinheit und Antrieb des Motors wird eine 24 Volt Spannungsquelle benötigt. Hier hat Weiss lange experimentiert. Anstatt des dafür üblichen Labornetzteils kommt beim K3 ein 24 Volt Röhrennetzgerät aus eigener Produktion zu Einsatz. Vom Unterschied konnten wir uns leider nicht überzeugen, da nur das Röhrennetzgerät zur Hand war. Weiss betonte aber mehrmals, dass der Unterschied eindeutig zu Gunsten der Röhrenvariante sei, auch wenn er es an diesem Tag nicht vorführen könne.

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Video: Großes Videointerview mit Jonathan Weiss in seinem New Yorker Loft.

Der eigentliche Plattenspieler ist ein monolithisches Gussteil mit einer Vielzahl unterschiedlich großer gefüllter Kammern zur Resonanzkontrolle. Der erste Schritt hin zur Gussform entsteht in einem 3D-Druckverfahren. Das Lager ist ebenfalls eine eigene Entwicklung. Hier hält sich Weiss aber außerordentlich bedeckt. Er verrät nur so viel: Es sein ein riesiges invertiertes Lager mit einem präzisen kontrollierten Ölinnendruck. Der darauf ruhende Plattenteller besteht aus einem Materialmix und wiegt rund 20 kg. Im Plattenteller finden wir wieder Kammern zur Resonanzkontrolle. Laut Weiss ist hierfür ein Mix aus Öl und Sand bestens geeignet. Mehr verrät er aber nicht.

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Der Plattenteller des K3. Gut sichtbar, die einzelnen Kammern zur Resonanzkontrolle.

Weiss, der sich auch Gedanken darüber macht, wie der Schneidevorgang bei der Herstellung einer Schallplatte weiter verbessert werden kann, glaubt, dass seine Motor-Plattenteller Einheit auch gut geeignet wäre bestehende Schneidesysteme zu verbessern. Vielleicht erinnert der K3 deshalb eher an eine Schneidemaschine als an ein Laufwerk.

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Weiter in der Planung ist ein eigens für den K3 entwickelter Tonarm, der nicht frei zu kaufen sein wird – es sei denn Sie entscheiden sich für einen K3. Es ist kein Geheimnis, das Weiss für diesen neuen Tonarm eng mit Frank Schröder zusammen arbeitet.

Der K3 ist eine unscheinbare Erscheinung. Vielleicht zu unscheinbar. Aber stille Wasser sind bekanntlich tief. FIDELITY konnte den K3 als erstes Magazin weltweit ausgiebig hören. Wie nicht anders zu erwarten, überzeugt das Ergebnis auf ganzer Linie.

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Der K3 ist keine Materialschlacht und eine eher unscheinbare Erscheinung. Er erinnert mehr an eine Schneidemaschine, als an einen Plattenspieler.

Als Einstieg und zum Herantasten gab es die uns bestens vertraute Gusseisen Zarge plus Technics SP-10R Motor. Ein wunderbar frei und offen spielendes System mit einer fantastischen Räumlichkeit und großer Kontrolle. Genauso, wie wir es kennengelernt haben.

Dann der K3. Der Unterschied ist nicht nur unerwartet, sondern unerhört. Die soeben noch als perfekte Wiedergabe eingestufte Platte bekommt eine nicht für möglich gehaltene Tiefenstaffelung, die vorher schlicht nicht da war. Gespenstisch. Die Faktoren „Atack“ und „Decay“, also wie schnell ein Ton aus dem Nichts erscheint und wieder im Nichts verschwindet, enorm wichtig für eine wirklich glaubwürdigen Wiedergabe, meistert der K3 mit Bravour. Der K3 ist hier völlig eine Klasse für sich. Chapeau! Klavieranschläge, perkussives Material, oder Bläserattacken sind kaum mehr als Konserve zu erkennen.

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Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Auch Mozart wusste es schon: „Die Stille zwischen den Noten ist genauso wichtig wie die Noten selbst“. Diese tiefe innere Ruhe zwischen den Noten beherrscht der K3 ebenfalls in Perfektion.

Mit jedem hin- und herschalten zwischen den beiden Laufwerken wird es immer deutlicher, die 3-Dimensionalität des K3 ist unerreicht.

Trotz herausragender Performance hinterlässt der K3 ein nicht uneingeschränkt stimmiges Bild. Er hat etwas Provisorisches, wirkt nicht wie ein fertiges Produkt. Auch stellen wir uns die Frage: Wieso dieses Design (das irgendwie an die Architektur des Guggenheim Museum New York erinnert)? Oswalds Mill hat eine fantastische Formensprache entwickelt, die sich an der goldenen Ära des Kinosounds und frühen HiFi orientiert. Warum orientiert sich Weiss mit seinem zugegebenermaßen exorbitant performenden Laufwerk nicht an die goldene Ära der US-amerikanischen Studio und Rundfunklaufwerke? Das wäre für uns stimmig.

Wie dem auch sei, der K3 Plattenspieler bewegt sich an der Grenze des derzeit technisch machbaren, ohne aber eine Materialschlacht zu zelebrieren. Ist er schön? Nun das liegt sicher im Auge des Betrachters. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Wohl aber dem, der es in seine engere Wahl ziehen kann. Ab dem 1.Quartal 2020 soll der K3 lieferbar sein. Das komplette Paket besteht aus: Laufwerk, Steuerung, Röhrennetzteil, Tonarm, Tonabnehmer und einem schweren, eigens für den K3 entwickelten Tisch. Die Preise der einzelnen Komponenten waren leider noch nicht zu erfahren, auch nicht der Preis des Gesamtpaketes Hier sollte man aber erfahrungsgemäß belastbar sein.

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Lesen Sie hier auch unsere weitere große Reportage über Oswalds Mill Audio.

 

www.oswaldsmillaudio.com

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www.fleetwoodsound.com

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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