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Manfred Mann's Earth Band - Messin'

Manfred Mann’s Earth Band – Messin’

Longtrack, 1973

Manfred Mann’s Earth Band – Messin’

Zum Progrock gehören Tempowechsel, Klassik- und Jazzanklänge, umfangreiche Instrumentalteile und überraschende Instrumente. Weil das alles zusammen kaum in einen Drei-Minuten-Song passt, gibt es den Longtrack.

Als Manfred Mann 1961 nach England kam, war es Mike Hugg, mit dem er seine erste Band startete – die Mann Hugg Blues Brothers. Ihre Platten machten sie allerdings unter dem einfacheren Namen „Manfred Mann“ – und hatten absolute Pop-Hits wie „Do Wah Diddy Diddy“ oder „Mighty Quinn“. Obwohl Mike Hugg „nur“ der Drummer in dieser Band war, wurde er im Lauf der Jahre zum führenden Songwriter bei Manfred Mann. 1969 übernahm er sogar die Sängerrolle – und die Band änderte damit nicht nur ihren Stil, sondern auch ihren Namen. Sie hieß nun: Manfred Mann Chapter Three. Dem Zeitgeist folgend, bewegte man sich nun Richtung Psychedelik, Jazzrock und Improvisation. Die treibende Kraft dahinter war eben Mike Hugg: Er schrieb fast alle Stücke, darunter 1970 auch einen 16-Minuten-Song namens „Happy Being Me“. Ein Jahr später entstand schon das dritte Album von Chapter Three, doch es ist nie erschienen. Manfred Mann hatte nämlich die Reißleine gezogen. Er wollte in eine andere Richtung gehen und gründete eine neue Band – ohne Mike Hugg.

Die neue Formation hieß Manfred Mann’s Earth Band. Der Bandname reagierte auf die gerade startende ökologische Bewegung – 1972 erschien der erste Bericht des „Club of Rome“. Zum ökologischen Thema passte aber auch ein Song, den Mike Hugg noch für das (unveröffentlichte) letzte Chapter-Three-Album geschrieben hatte: „Messin’“. Er handelt von der Umweltzerstörung, der Verschmutzung des Planeten. Sein Refrain lautet: „We’re messin’ up the land / We’re messin’ up the sea / We’re messin’ up the air / Messin’ up on you and me“. Jemand schlug vor, diesen Song ins Liveprogramm der Earth Band zu nehmen – Manfred Mann war einverstanden. Er ging sogar noch einen Schritt weiter und machte „Messin’“ zum Eröffnungs- und Titelsong des dritten Earth-Band-Albums. Von Mike Hugg, dem Verfasser, stammt auch das Arrangement.

Manfred Mann's Earth Band - Messin'

Die Gesangsparts sind übersichtlich. Mick Rogers singt zwei Strophen zu Beginn (0:35 bis 1:28), dann erklingt dreimal der Refrain (1:28 bis 2:10), die ersten zwei Mal als Frauenchor mit anfangs sparsamer Begleitung. Es folgen die dritte und vierte Strophe und wieder der dreimalige Refrain (2:31 bis 4:06). Im instrumentalen Mittelteil gibt es dann ein spannendes, auskomponiertes Thema, das von Gitarre und Keyboard gemeinsam gespielt wird (4:35 bis 5:44). Und danach kommt das grandios konzipierte Gitarrensolo (6:00, wieder Mick Rogers), das sich steigert, virtuoser wird, als sich das Tempo verdoppelt, und, während zwischendurch das Keyboard übernimmt, noch fortdauert bis zur Wiederkehr des Refrains (8:51). Der erklingt zuerst wirkungsvoll ohne Beat und dann mit Drum-Breaks. Sie werden zum Ende hin ein kleines Schlagzeugsolo.

In „Messin’“ verwendet die Band zudem ein assoziatives „Sounddesign“ – es ist dem ganzen Stück unterlegt. Dazu gehören Maschinengeräusche (Umweltzerstörung?) und „lachende“ Affenschreie (Natur?). Diese „Samples“ bekam die Band damals von Laurie Scott Baker (1943–2022), einem auf Elektronik spezialisierten Komponisten, der auch mit Robert Wyatt und Allan Holdsworth gearbeitet hat. Der Aufbau des 10-minütigen „Messin’“ wurde übrigens zur Blaupause für die Opener der beiden folgenden Alben der Earth Band. Dabei sollte der Song „Give Me The Good Earth“ (1974) auch das ökologische Thema wieder aufgreifen.

www.manfredmann.co.uk

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