Thorens TD 1500

Plattenspieler Thorens TD 1500

Legenden leben länger

Plattenspieler Thorens TD 1500 – Legenden leben länger

In grauer Vorzeit, am Ende der letzten Sechziger eines längst vergangenen Jahrtausends, zu einer Zeit, als das Leben noch sepiagetönt und das Fernsehprogramm schwarz-weiß war, da saß die Jugend im eigenen Zimmer und lauschte den neuesten Scheiben aus der Hitparade. Begleiter dabei war im Idealfall ein Schallplattenspieler von Thorens.

Thorens TD 1500

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In aller Kürze

Der Thorens TD 1500 fügt sich nahtlos in die Tradition der Subchassis-Spezialisten. Der superbe Dreher lädt zum Träumen und Schwelgen ein.

Thorens TD 1500 Navigator


Schon damals war Thorens die erste Wahl für die gehobene Kundschaft, der Rest begnügte sich für den Anfang mit einem kleinen Dual und sparte fleißig für das Upgrade – auf einen TD 150 beispielsweise. Spätestens Anfang der siebziger Jahre wurden die markanten Zargen und J-förmigen Tonarme mit ihren charakteristischen kugelrunden Gewichten zur Justage der Auflagekraft zum optischen Synonym für eine gesamte Gerätegattung. Besonders die unter Liebhabern auch „Schwabbler“ genannten Subchassis-Laufwerke haben noch heute ihre eingefleischte Fangemeinde. Auch wenn der TD 1500 erst vor einem knappen halben Jahr präsentiert wurde, wirkt er auf den ersten Blick vertraut wie ein alter Klassenkamerad. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Qualität des schwarzen Hochglanzlacks schon Anfang der Siebziger so vollendet war. Der Teller wird heute als Ganzes aus Aluminiumdruckguss gefertigt, was dem Kunden das Gefummel mit Subteller und Riemen sowie Thorens unnötig hohe Herstellungskosten erspart.

Thorens TD 1500
Eine perfekte Verarbeitung bis ins Detail ist in dieser Preisklasse nicht immer üblich.

In den Siebzigern war der Zusammenbau noch eine nervenraubende Angelegenheit. Allein der Aufwand, das Subchassis kolbenförmig zum Schwingen zu bekommen, konnte einen (dank nicht vollständig geglückter Servicefreundlichkeit) mit den Zähnen knirschen lassen. Der TD 1500 hingegen lässt sich tiefenentspannt in wenigen Minuten spielfertig aufbauen: Zunächst die Sicherungen für das vorjustierte Subchassis entfernen und die Zarge in die Waagerechte bringen. Dann den Flachriemen um den inneren Antriebsteller legen, durch die Öffnungen im äußeren Teller greifen, den Riemen spannen und um das Pulley des Motors legen. Wer es dabei schafft, den Teller vorsichtig über den Mitteldorn zu stülpen, hat das Gröbste erfolgreich gemeistert. Die Tellermatte aus dickem Gummi könnte übrigens schon beim Urahn TD 150 für die Unterdrückung störender Resonanzen gesorgt haben und unterstreicht die klassische Optik.

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Thorens TD 1500
Nur noch Teller und Riemen drauf, und schon kann es losgehen.

Die Montage des im Paketpreis enthaltenen Ortofon 2M Bronze ist, dank SME-Aufnahme des Arms, eine Sache von ein paar Gewindegängen und gelingt im Handumdrehen. Es versteht sich, dass eine perfekte Justierung des Systems in der Headshell zum Service bei Thorens gehört. Lediglich die Auflagekraft darf man selbst einstellen. Das zweiteilige Ausgleichsgewicht lässt sich mithilfe der Gewindeführung deutlich feinfühliger und präziser auf die empfohlene Auflagekraft einstellen als die Kugeln am TD 150 vor gut fünfzig Jahren. Das Antiskating-Gewicht wird per Nylonfaden über ein Rubinlager geführt und läuft in einer parallel zur Ruheposition des Arms liegenden Führung. Die passende Auflagekraft lässt sich durch Verschieben des Gegengewichts auf seiner Führung mittels eines zum Lieferumfang gehörenden kleinen Metallstifts einstellen. Wer unbedingt mag, kann jetzt noch die ohne Aufpreis enthaltene Abdeckhaube montieren, um den neu erworbenen TD 1500 vor Wollmäusen zu schützen.

Thorens TD 1500
Der Tonarm wirkt schlicht, er ist allerdings feinfühlig in Azimut und Höhe einstellbar. Die Antiskating-Korrektur ist jener am Tonarm des großartigen TD 124DD entnommen. Das Korrekturgewicht hängt an einem Nylonfaden, der über ein Rubinlager läuft.

Am rückseitigen Anschlussfeld lassen sich nicht allein gewöhnliche Cinchstrippen andocken, für MC-Systeme stehen zusätzlich symmetrische Ausgänge in XLR-Ausführung zur Verfügung. Auch das Netzteil findet hier Anschluss, doch aufgrund seiner Gewöhnlichkeit keine nähere Erwähnung. Der Teller dreht sich, also wird es wohl seinen Zweck erfüllen. Näher sollte man sich mit dem von Grund auf neu entwickelten Tonarm beschäftigen. Auf den zweiten Blick erkennt man die Schrauben zur Verstellung der Armhöhe, sollte ein Wechsel des Tonabnehmers eine Korrektur des VTA erfordern. Die zu lösenden Schrauben sind gut zugänglich, die Einstellung gelingt auch hier dank weich laufender Gewinde fein und präzise, ohne dass der Arm plötzlich nach unten wegrutschen kann. Die Einstellung des Azimuts ließe sich, falls nötig, durch Lösen und Verdrehen der Headshell oder Verdrehen des Armrohrs korrigieren.

Thorens TD 1500
Mit Deckel oder ohne? Sagen wir es so: Wir würden ihn gleich im Karton lassen. Spannender finden wir die Tatsache, dass neben Cinch-Abgriffen auch XLR-Ausgänge geboten werden. Das ist für einen Dreher dieser Klasse selten.

Die einzige Einstellung, die man an seinem frisch gelieferten Thorens selbst erledigen muss, ist wie gesagt die Justage der Auflagekraft. Der Rest des Pakets kommt bereits ab Werk perfekt eingestellt. Auf die Kontrolle der Drehzahl kann man getrost verzichten. Der TD 1500 kann selbst auf sich aufpassen und regelt die Umdrehungsgeschwindigkeit automatisch. Am Boden des Tellerlagers sitzt eine mitlaufende Geberscheibe, deren tatsächliche Drehzahl optisch abgelesen und an eine kleine Platine geleitet wird. Eine elektronische Steuerung erkennt hier Abweichungen von der Solldrehzahl und regelt bei Abweichungen entsprechend nach. Interessant für den Fall, dass ein Plattenbesen mitlaufen sollte. Als Lagerspiegel kommt eine Delrin-Scheibe zum Einsatz, die einerseits resonanzmindernd wirkt, andererseits ein Einlaufen der Achse im Lagerspiegel verhindert. Ein Board aus einem Aluminium-Sandwich-Mix mit resonanzoptimierender Zwischenlage dient als Träger für Tellerlager und Armboard.

Thorens TD 1500
Der TD 1500 kommt inkl. des Ortofon 2M Bronze.

Konstruktionsbedingt beansprucht der Tonarm den höchsten Anteil der zu federnden Masse und sitzt zudem unvorteilhaft weit außerhalb des Zentrums. Um unerwünschten Taumelbewegungen des Chassis entgegenzuwirken, gleicht ein der Armbasis gegenüberliegend montiertes Alugewicht die Masse des Arms wieder aus. Steht alles in der Waagerechten, schwingt das Subchassis von seiner Umwelt entkoppelt und von ihren Einflüssen unbeeindruckt schön kolbenförmig auf und ab. Das Gewackel mag Subchassis-Neulingen suspekt vorkommen, nimmt man die ersten Male den Arm aus seiner Halterung, um eine Platte aufzulegen. Doch noch bevor der hydraulische Tonarmlift die Nadel in die Rille senkt, ruht die schwingende Konstruktion wie ein Yogi in sich – ausgeglichen, stabil, in innerer Balance versunken. Womit wir auch die ersten Attribute aufgezählt hätten, die mir durch den Kopf schossen, als die Musik aus den Boxen schallte.

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Old Slowhand Clapton steht mal wieder voll bis zum Rand auf der Bühne des Budokan Theatre in Tokio, greift tief in die Seiten und legt die beste Version von „Wonderful Tonight“ hin, die er jemals in Vinyl schneiden ließ. Das Album (Slowhand) ist zwar ähnlich betagt wie ein TD 150, klingt über den aktuellen Nachfolger allerdings wie frisch gestrichen. Clapton selbst scheint ungewohnt fragil, seine Stratocaster strahlt aber voll lebendiger Wärme, scheinbar von allem Irdischen befreit. Hier stellt sich das erste Mal eine beginnende Gänsehaut ein, was nicht immer bei einem neuen Plattenspieler vorkommt. Das neu entwickelte Subchassis verhilft dem TD 1500 zu einer stoischen Gleichmut, arbeitet gleichzeitig feinsinnig und sensibel genug, um der Musik nicht auch nur einen Hauch von Energie zu nehmen.

Thorens TD 1500
Geht’s noch klassischer? Thorens‘ neuer 1500er baut auf dem beliebten TD 150 aus den 70er Jahren auf. Für Retrogefühle ist also gesorgt. Und ein kleiner Intelligenztest ist auch dabei: Die Bedruckung des Tonarms sorgte bei uns für Verwirrung. Auch hier lehnt sich Thorens natürlich ans historische Vorbild an. Es handelt sich aber um eine Neuentwicklung.

Die epischen Landschaften von Tiamats Wildhoney entlarvt der Thorens problemlos als genau die klaustrophobisch zusammengepferchten Samplebänke, die sie sind, ohne der monumentalen Wucht an Wirkung auf den Zuhörer zu nehmen. Zwar müht sich der Heco Sub bis zur Erschöpfung, den Gewitterdonner im Intro zu „Kaleidoscope“ glaubhaft darzustellen, drückt aus allen Rohren Luft und wandelt tieffrequent, dass die Teetasse zittert. Auch wenn der Subwoofer eine Etage tiefer und damit keine vierzig Zentimeter entfernt sein tieffrequentes Werk treibt, zieht das Ortofon 2M Bronze weiter seine Runden, nicht ahnend, dass rundherum alles bebt und zittert.

Der körperhafte, euphonische Charakter des Systems passt wunderbar zu Arm und Laufwerk, was einen auf lange Sicht glücklich und zufrieden Musik hören lässt.

Gunter Kürten schnürt für knapp zweitausend Euro ein Rundum-Sorglospaket, inklusive Abdeckhaube und System, das klassische Werte wie Design und Haptik mit moderner Feinmechanik, elektronischer Steuerung und klanglicher Vielseitigkeit verschmilzt. Mit dem TD 150 legte Thorens das Fundament für eine Ikone. Im TD 1500 findet diese ihre klangvolle Fortführung in bester Tradition. Legenden leben länger!

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Info

Plattenspieler Thorens TD 1500
Konzept: riemengetriebener Plattenspieler mit Subchassis
Antrieb: elektronisch geregelter Gleichstrommotor
Teller: 22-mm-Aluminiumteller
Drehzahl: 33 oder 45 U/min, elektronisch geregelt
Tonarm: Thorens TP 150 mit SME-Headshell
Anschlüsse: Cinch/XLR (symmetrisch)
Ausführungen: Schwarz oder Walnuss
Maße (B/H/T): 42/14/36 cm
Gewicht: 8 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 2000 € (inkl. Tonabnehmer Ortofon 2M Bronze)

Kontakt

Thorens GmbH
Lustheide 85
51427 Bergisch-Gladbach
Telefon +49 2204 8677720

www.thorens.com

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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