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Clearaudio Smart Matrix Professional

Test: Clearaudio Smart Matrix Professional

28Clearaudio Smart Matrix Professional – Sauber und Smart

Über Schallplattenwäsche mit Stil

Als Plattenwaschmaschine hat man‘s schwer. Wer würde schon die Putzhilfe als vollwertiges Mitglied der feinen HiFi-Kette akzeptieren? Obwohl selbstverständlich im Hörraum in Anlagennähe platziert, gehört sie dann eben doch nie ganz dazu. Und so sehen Plattenwaschmaschinen dann auch aus: Utilitaristische Kisten, die ihren Zweck nicht verhehlen, kantig, klobig, designfrei – Werkzeug eben. Das Auge, das mitisst und mithört, es wäscht nicht mit.

Zwei Fragen stellen sich: Gibt es etwas, das eine ästhetisch ansprechende Gestaltung von Plattenwaschmaschinen be-, ja womöglich gar verhindert? Und: Warum ignorieren eigentlich fast alle Plattenspieler- und Tonabnehmerhersteller die Reinigungsgeräte für jene Medien, die schlussendlich mitsamt jahrzehntealtem Staub, Fingerabdrücken und sonstigem unaussprechlichem Dreck Platz finden auf ihren penibel polierten Plattentellern, um abgetastet zu werden von hochempfindlichen, filigranen High-End-Tonabnehmern? Sollte nicht eigentlich jeder Hersteller von Analog-Equipment zumindest eine, gerne zum hauseigenen Laufwerksdesign passende Plattenwaschmaschine im Portfolio haben? Nur mal so als Anregung …

Clearaudio Smart Matrix ProfessionalDas Urmodell der flächenabsaugenden Vinyl-Waschmaschine (den noch älteren Punktsauger lassen wir mal außen vor) kommt aus den USA vom Plattenspielerhersteller VPI. Heute finden sich in dessen entsprechender Produkte-Rubrik gleich drei verschiedene Modelle. Sie sehen alle, ehrlich gesagt, immer noch sehr nach Urmodell aus.

Clearaudio aus dem fränkischen Erlangen dagegen hat schon beim allerersten, gestalterisch noch stark an das einzig existierende VPI-Vorbild angelehnten Waschmaschinenmodell Matrix auf Ästhetik geachtet und dem Gehäuse zumindest eine hübsche silberne Folienoberfläche verpasst. Dass gleichzeitig technisch innovativ gedacht und dem Gerät eine Drehrichtungsumschaltung spendiert wurde, sei auch nicht verschwiegen.

Was heute unter dem Namen Smart Matrix Professional zu, oha, Tausenden jährlich die Clearaudio-Fertigung verlässt, sieht nun ohne Wenn und Aber einfach schick aus. Das Gehäuse aus wasserfester hochdichter Faserplatte schimmert in matt silbernem Aluminium-Ton. Die Steuerung der wenigen Funktionen (Motor an/aus, Drehrichtungsumschaltung, Pumpe an/aus) geschieht über Metall-Druckschalter mit durchaus audiophiler Haptik. Eigentlich alles fasst sich schlicht gut an, ganz besonders aber der massive Metallpuck, mit dem die Platten auf der festen Schaumstoffmatte des Tellers fixiert werden.

Schön, aber muss denn eine Plattenwaschmaschine nicht nur drehen und saugen? Wozu der Schnickschnack für, Moment, 890 Euro? Wo doch nicht wenige Analog-Tüftler einfach mal ausgemusterte Reibrad-Plattenspieler (die haben das stärkste Drehmoment) mit Absaugarmen und Staubsaugerturbinen ausrüsten, und gut is’?

Robert Suchy, Sohn von Firmengründer Peter Suchy und einer der drei Clearaudio-Geschäftsführer, kann da sehr überzeugend argumentieren. Es gehe, so beginnt er seine Ausführungen, um nicht weniger als unbedingte Zuverlässigkeit.

Zum Beispiel der Motor. In der Smart Matrix Professional kommt einer zum Einsatz, der ansonsten in LKWs von Mercedes-Benz die Scheibenwischer antreibt. Ihm wurde ein Metallgetriebe vorgeschaltet, die ganze Einheit verrichtet ihre Arbeit ohne Hitzeentwicklung – Suchy erwähnt diesen Aspekt, weil es da während der Entwicklung auch Kandidaten gegeben haben soll, die den Mitteldorn des Plattentellers fast zum Glühen gebracht hätten.

Clearaudio Smart Matrix ProfessionalOder das zweite Kernbauteil: die Absaugturbine. Hier findet sich wiederum ein europäisches Zulieferteil, das seine Zuverlässigkeit in Staubsaugern renommierter deutscher Marken unter Beweis gestellt hat. Überhaupt ist ständig der Verweis auf deutschen oder zumindest europäischen Ursprung von Komponenten zu hören. In einer durchglobalisierten Welt sicherlich keine absolute Garantie für Qualität, aber ein sympathisches Bekenntnis zu Lokalpatriotismus – und kurzen Qualitätskontrollwegen.

 

Ausgeliefert wird die Smart Matrix Pro inklusive eines kleinen Fläschchens hauseigener Reinigungsflüssigkeit. Robert Suchy macht keinen Hehl daraus, dass sich die auch kostengünstig selbst mischen lässt, man solle nur auf die Verwendung von destilliertem Wasser achten (Kalkablagerungen!) und kein einfaches Spülmittel aus der Küche zugeben, da das eine schäumende Waschlösung zur Folge habe, und die ist in Clearaudio-Waschmaschinen aus hygienischen Gründen strengstens verboten – Stichwort Ablagerungen und Schimmelzucht. Die Clearaudio-Mischung enthält ein nicht schäumendes Netzmittel, was man riecht, weshalb die Empfehlung ernst genommen werden sollte, beim Plattenwaschen auf gute Raumbelüftung zu achten.

Die Clearaudio-Waschbürste ist mit kurzfloriger Mikrofaser bestückt, die sich leicht austauschen lässt. Damit steht einem Eindringen in die dunkelsten und schmutzigsten Tiefen der Vinylrille nichts mehr im Wege.

Letztes bemerkenswertes Detail: der Auffangbehälter für die abgesaugte Waschlösung. Es handelt sich um eine kleine geschweißte Aluminium-Wanne. Hätte da nicht eine Plastikdose ausgereicht? „Ach, wissen Sie“, sagt Robert Suchy, „unsere Tests haben gezeigt …“ Schon gut, ich habe verstanden. Qualität und Zuverlässigkeit. So soll’s sein.

Clearaudio Smart Matrix ProfessionalNoch vor dem ersten Wascheinsatz muss ich mir die Smart Matrix anhören. So eine Turbine kann ordentlich Radau machen. Die in der Clearaudio-Maschine lässt ein lautes Brausen vernehmen, das Plattenpflege zu nächtlicher Stunde in hellhörigen Mehrfamilienhäusern nicht unbedingt ratsam scheinen lässt. Immerhin ist kein Rumpeln zu vernehmen, wie ich es von meiner ganz ähnlich konzipierten Okki Nokki kenne. Dafür surrt der Motor in jener gedämpfter als in der geringfügig lauter drehenden Fränkin.

 

Der Fixierpuck der Clearaudio lässt sich perfekt handhaben. Das griffige Metallteil ist ohne Fummelei wahrlich im Handumdrehen festgeschraubt und schont mit einer recht breiten Auflagefläche das Plattenlabel.

Zur Praxis: Das Fläschchen mit der „pure groove“ getauften Reinigungsflüssigkeit gibt ein ausgezeichnetes Spritzfläschchen ab. Die Mikrofaserbürste vermittelt im Einsatz das angenehme Gefühl von plattenschonender Gründlichkeit – vielleicht lege ich mir eine als Tuning-Teil für meine Maschine zu, oder als Zweitbürste für besonders hartnäckige Fälle.

Was lässt sich ansonsten besseres über eine Plattenwaschmaschine sagen, als dass sie tut, was sie tun soll? Insofern unterscheiden sich die von mehreren Herstellern erhältlichen, konzeptionell sehr ähnlichen Maschinen kaum, und wem es einzig um die Funktion geht, der kann wohl mit jeder von ihnen glücklich werden. Für die Clearaudio sprechen jedoch auf Anhieb und ganz ohne Erklärungsbedarf Optik und Haptik. Ja, beide zusammengenommen sind den Aufpreis gegenüber einfacher gestrickten Vertretern ihrer Zunft wert. Man sieht und spürt hier echtes, zu Ende entwickelndes Ingenieurskönnen, und dass an keiner Stelle um eines anvisierten Verkaufspreises Willen geschludert wurde. Dazu addiere man noch das beruhigende Wissen um die hochwertigen technischen Zutaten und die resultierende Vorfreude auf viele Tausende störungsfreie Waschgänge, und es wird klar, dass die Clearaudio Smart Matrix Professional tatsächlich im Wortsinn preiswert ist. Na also: Gutes Werkzeug muss doch nicht hässlich sein.

 

 

Info

Clearaudio Smart Matrix Professional

Plattenwaschmaschine

 

Funktionsprinzip: Flächenabsaugung, manuelle Auftragung der Waschflüssigkeit

Besonderheit: Tellerdrehrichtung umschaltbar

Ausführung: Aluminium-Silber

Maße (B/H/T): 35/26/35 cm

Gewicht: 12 kg

Garantie: 2 Jahre

 

www.clearaudio.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.