Paul McGowan of PS Audio

PS Audio / Paul McGowan

Die US-amerikanische High-End-Schmiede PS Audio verdankt ihre Gründung einer Verkettung von Zufällen.

PS Audio / Paul McGowan: Hightech-Manufaktur mit wechselvoller Geschichte

Die US-amerikanische High-End-Schmiede PS Audio verdankt ihre Gründung einer Verkettung von Zufällen.

Während des heißen Sommers 1973 war der spätere Gründer von PS Audio Paul McGowan (das „P“ im Firmennamen) Programmdirektor einer Rock’n’Roll-Radiostation in Santa Ana, Kalifornien. Der Sender bekam eine Rüge der Federal Communications Commission (FCC), eine unabhängige Behörde, die in den USA unter anderem für die Einhaltung gewisser technischer Standards im Rundfunk zuständig ist. Die Klangqualität von McGowans Radiostation lasse zu wünschen übrig, so der Vorwurf. Als Ursachen für den miesen Klang konnten vergleichsweise schnell der verwendete Phonovorverstärker und der Übertrager, mit dem das Studio-Tonsignal zum eigentlichen Sender geschickt wird, ausfindig gemacht werden.

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PS Audio Paul McGowan
Paul McGowan von PS Audio aus Boulder, Colorado.

Paul McGowan, der zu diesem Zeitpunkt in prekären Verhältnissen lebte und stets auf der Suche nach Nebenverdienstquellen war, erkannte für sich die Chance, ein paar zusätzliche Dollar zu verdienen. In seiner Freizeit hatte er bereits Musik-Synthesizer konstruiert und verkauft und sah die Vorgaben der FCC nach eigenen Worten „als die Gelegenheit, ein wenig Geld nebenher zu machen“. Die Konstruktion eines neuen Übertragers war außerhalb seiner Möglichkeiten, aber er traute sich zu, die Phonovorverstärker der Studio-Plattenspieler so zu überarbeiten, dass sie deutlich besser klingen würden. Dafür blieb ihm gerade einmal ein Zeitfenster von einer Woche.

McGowan fand in einem Fachbuch eine auf Operationsverstärkern basierende Schaltung – und baute davon inspiriert innerhalb nur eines Tages einen mit Neun-Volt-Batterien betriebenen Phonovorverstärker, der in einer Zigarrenschachtel Platz fand.
Paul McGowan war vom Klang seines Erstlingswerks begeistert, holte dazu aber bei einem Werbekunden seiner Radiostation, einer Firma, die Wasserbetten herstellte, eine zweite Meinung ein. Der Kunde verwies ihn an den Wasserbetten-Installateur Stan Warren (das spätere „S“ des Firmennamens), der sich als bekennender Audiophiler entpuppte – und das Potenzial des Zigarrenkisten-Phonoverstärkers erkannte, denn er gründete zusammen mit Paul McGowan wenig später PS Audio.

PS Audio erstes Produkt
Eines der allerersten Produkte von PS Audio. Ein Phonovorverstärker, realisiert mit Operationsverstärkern. Dieser Phono-Pre legte den Grundstein für die Erfolgsgeschichte von PS Audio.

Ein gutes Jahr später war der Verstärker serienreif und wurde ab April 1974 für erschwingliche 59,95 US-Dollar direkt an Endkunden verkauft – zu einer Zeit, als der Begriff „High End Audio“ noch nicht einmal erfunden war.

Bis heute legt man bei PS Audio Wert darauf, ein Eigentümer-geführtes Familienunternehmen zu sein, obgleich die Besetzung an der Spitze in den zurückliegenden Jahrzehnten mehrfach wechselte. Stan Warren nahm in den frühen 1980er Jahren seinen Hut und gründete eine eigene Firma, die sich wie PS Audio die Entwicklung sehr gut klingender und dennoch bezahlbarer Komponenten der Unterhaltungselektronik auf ihre Fahnen schrieb. Sein Nachfolger, Dr. Bob Odell, war ebenfalls Entwickler und kam von Harman/Kardon. Auch Paul McGowan sah das Kapitel PS Audio für sich zwischenzeitlich als beendet an und ging zu Arnie Nudells Lautsprechermanufaktur Infinity Systems, um mit ihm das neue Unternehmen Genesis Technologies aus dem Boden zu stampfen, in dem er Mitentwickler einiger bemerkenswerter Schallwandler war.

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PS Audio Besuch 2018 in Boulder, Colorado
Paul McGowan mit seinem Paar Infinity Reference Standard. Hier werden alle Produkte von PS Audio einem kritischen Hörtest unterzogen.

Gekauft wurde PS Audio von Steve Jeffery und Randall Patton, von denen die Firma bis 1998 als unabhängiges Unternehmen fortgeführt wurde. Jeffery und Patton waren für die „Ultra“-Produklinie (unter anderem mit DACs und CD-Laufwerken) verantwortlich, übernahmen in den acht Jahren, in denen sie die Firma leiteten, unter anderem die Mitbewerber Ultra Analog und Threshold – und gerieten schon 1997 in finanzielle Probleme, die bis zur Produktionsaufgabe führten.

Alte Liebe rostet nicht: Paul McGowan kaufte sich die Namensrechte an der Firma zurück, die er einst gegründet hatte, und übernahm erneut den Vorstandsvorsitz sowie den Posten des Chefdesigners, den er bis heute innehat. Er baute das schon lange in Boulder, Colorado, beheimatete Unternehmen quasi neu auf und machte es fit für eine Zukunft, in der hochwertige Musikwiedergabe ganz viel mit Vernetzung und dem Ausloten der Möglichkeiten digitaler Technik zu tun hat.

PS Audio Firmengebäude
Das neue Firmengebäude von PS Audio liegt direkt gegenüber dem alten Gebäude.

Dabei sehen Paul McGowan und sein Team die Geräte, die sie produzieren – darunter moderne DACs, die auch mit den hohen Abtastraten hochauflösender Audiodateien zurechtkommen, und Streamer, mit denen man sich den gut klingenden Hörstoff von der Festplatte oder gleich aus dem Internet holt –, stets nur als Mittel zum Zweck an. Die Firmenphilosophie klingt einfach: “Music. It’s all we do”– „Musik ist alles, was wir machen.“ Man definiere sich nicht nur über die Dinge, die man tue, sondern fast noch mehr über jene, die man sein lasse – “The things that define you are not just the things that you do but the things you say no to.” Eine deutliche Absage an Produkte, die man nur herstellt, um gewisse Trends oder kurzlebige Nachfragewellen zu bedienen.

PS Audio beschäftigt etwas mehr als 30 Mitarbeiter, über die Hälfte davon in der Produktentwicklung. Stolz ist man auf die Fertigungstiefe: Bei PS Audio verzichtet man an vielen Stellen auf jene Zukauf-Komponenten, die in der Audioindustrie gang und gäbe sind, und setzt stattdessen auf durchdachte Eigenentwicklungen. Und obwohl in den Geräten, die klangvolle Bezeichnungen wie „Stellar Gain Cell DAC“ oder „NuWave Phono Converter“ tragen, ein beträchtliches Maß an Handarbeit steckt und sie nach wie vor in den Vereinigten Staaten und nicht in Billiglohnländern zusammengeschraubt werden, haben sie sich jene Erschwinglichkeit bewahrt, die schon in den 1970ern das Markenzeichen von PS Audio war. Die Komponenten sind gewiss nicht billig, aber preiswert und zeichnen sich durch erstaunliche Vielseitigkeit aus.

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PS Audio Gain Cell DAC + Stellar S300
Stellar Gain Cell DAC und S300 Power Amplifier

So ist der Stellar Gain Cell DAC nicht nur ein Digital-Analog-Konverter, der manchem alten CD-Player auf die Sprünge helfen und so nebenbei auch fast alle derzeit angesagten Digitalformate zu entschlüsseln weiß. Er ist zudem auch ein Vorverstärker, der sogar die Aufnahme-Fans nicht vergisst, denn er hat nicht nur neun (!) Eingänge (vier analoge, fünf digitale), sondern auch vier Ausgänge, darunter eine XLR-Variante für besonders störungsfreie Übertragung. Eine Vielseitigkeit, die nicht erstaunt, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass schon das zweite Gerät, das PS Audio in den 1970ern anbot, ein Hochpegel-Vorverstärker namens „Linear Control Center“ war, aus dem relativ schnell eine ganze Gerätefamilie wurde. PS Audio war auch die erste amerikanische High-End-Firma, die den klangschädlichen Einfluss von Trafo-Magnetfeldern erkannte und deshalb Vorverstärker mit ausgelagertem Netzteil entwickelte.

PS Audio Besuch 2018 in Boulder, Colorado
PS Audio Linear Control Center von 19977.

Der aktuelle NuWave Phono Converter ist gleichsam später Erbe dieser auf Schnickschnack und Schnörkel verzichtenden, dem Klang verpflichteten Produktphilosophie: Er kombiniert eine Phonostufe für Low-Output-MC-Tonabnehmer mit einem DSD/PCM-Konverter, wobei es dem Benutzer freisteht, ob er analoge Signale unverändert durchschleift oder sie digital wandeln lässt. Was unter anderem die Möglichkeit eröffnet, Vinylschätze für die digitale Zukunft in maximal möglicher Qualität auf Computerfestplatte zu bannen. Auch die Auseinandersetzung mit der Digitaltechnik und ihren Schnittstellen zur „wirklichen Welt“ hat bei PS Audio Tradition: Auf Basis eines der ersten CD-Player baute Paul McGowan Mitte der 1980er einen Silberscheibendreher, der mit dem Ausgangsgerät praktisch nur noch das Laufwerk gemeinsam hatte und mehr als eine Ahnung davon vermittelte, was mit dem neuen Medium CD möglich war.

Mit der gängigen Massenware haben Geräte von PS Audio bis heute nichts zu tun. Dafür setzt sich Paul McGowan, der mit dem Erreichten eigentlich nie zufrieden ist und stets nach Verbesserungen und nach sinnvollen Erweiterungen des Portfolios strebt, auch damit auseinander, das Umfeld für seine Schöpfungen so optimal wie möglich zu gestalten. So finden sich in der Produktpalette mit den Geräten der PerfectWave-PowerPlant-Reihe mittlerweile auch hochleistungsfähige Netzfilter, die den „Schmutz“, der aus der Leitung kommt, durch Regeneration eliminieren, also den Netzstrom praktisch neu generieren, wobei unter anderem eine Art Oszillator zum Einsatz kommt. Das größte Modell P10 ist mit über 1500 Watt Sinus spezifiziert, was wohl auch für sehr große und leistungsstarke Audiosysteme ausreichen sollte.

Mit der Idee der Netzstromverbesserung war PS Audio ursprünglich allein, trat aber eine Welle los. Heute tummeln sich im Markt eine ganze Reihe von Firmen, die sich der klangfördernden Verbesserung der „Nahrung“ für Geräte der Unterhaltungselektronik verschrieben haben.

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Bei PS Audio ist man freilich schon wieder einige Schritte weiter – vielleicht ja auch, weil Paul McGowan und sein kleines, engagiertes Team Ideen deutlich schneller umsetzen können, als dies ein Großkonzern vermag. So griff man beispielsweise vor nicht langer Zeit die Idee eines Multiplayers auf – und konterte die Schwemme der sattsam bekannten Billiggeräte mit dem „Direct Stream DAC and Memory Player“, der CDs und SACDs spielt und außerdem auf Streamingdienste wie Tidal zugreifen kann. Bei PS Audio hat die Zukunft schon begonnen.

 

www.psaudio.com

www.hifi2die4.de

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