Who is Who - Amplifon, Andrzej Piwowarczyk

Amplifon Audio / Andrzej Piwowarczyk

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Amplifon Audio / Andrzej Piwowarczyk – Eherne Seele

In der Abgeschiedenheit eines polnischen Städtchens entstehen bei Amplifon Röhrenverstärker, die sich nicht verstecken müssten.

Who is Who - Amplifon, Andrzej Piwowarczyk
Andrzej Piwowarczyk an seinem Messplatz

Um an die Wurzeln Amplifons zu gelangen, muss man zurück in eine Vergangenheit, als die Welt noch in klare Blöcke eingeteilt war, genau genommen sogar bis in jene Zeit, als die ideologischen Grenzen noch durchlässig waren. Schon in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts produzierte die polnische Firma Amplifon erfolgreich Röhrenradios und -verstärker. Rund sechzig Jahre später diente dieser geschichtsträchtige Name dem jungen polnischen Maschinenbautechniker mit dem außerhalb Polens unaussprechlichen Namen Andrzej Piwowarczyk als Inspiration für seine 1997 gegründete Röhrenmanufaktur Amplifon. Der wissbegierige Piwowarczyk aus Staszów hatte zuvor neben Maschinenbau auch schon Geologie studiert, bevor er mit 22 Jahren sein eigentliches Hobby – die Bastelei an Verstärkerschaltungen – zum Beruf machte.

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Während wir im Westen uns in den Achtzigern die Nasen an immer prunkvoller ausgestatteten HiFi-Läden plattdrückten, gab es McIntosh, Audio Research oder Luxman in Polen höchstens als Polaroid-Fotografien. Aber Mangel fördert die Kreativität, und folglich entwickelte sich in Polen, wie in anderen Ostblockstaaten auch, eine ungemein breite und kreative Selbstbauszene, in die der 1975 geborene Andrzej Piwowarczyk schon früh mit vielfältigen Bastelprojekten hineinwuchs. Sein Kapital waren Kreativität und Erfindungsgeist, seine Ziele nicht internationaler Erfolg und sprunghaftes Wachstum, sondern schlicht, die bestmöglichen Verstärker zu bauen und damit eine Existenz für seine Frau und sich zu gründen. Seine ersten Verstärker erspielten sich regional einen guten Ruf, vereinzelte Fans aus dem Ausland, auch aus Deutschland, gesellten sich zu seinen Kunden. Darunter auch Christoph Kaintoch, der sich vom Kunden zum Freund und schließlich 2008 zum internationalen Vertriebsleiter entwickelte. Zuvor behielt Piwowarczyk alle Teile seines Unternehmens – auch den Vertrieb – aus Überzeugung in eigener Hand, aber mit der stetigen Verbreitung der Kunde über das sagenhafte Klangpotenzial seiner Röhrenverstärker fehlte ihm irgendwann die für die Fertigung benötigte Zeit. Amplifon-Verstärker laufen nämlich über kein Fließband, sondern entstehen von Hand in einer modern ausgestatteten Werkstatt. Mit nur einem Mitarbeiter arbeitet Andrzej Piwowarczyk völlig autark, bis auf Bauteile wie Kondensatoren, Röhren, Potis etc. macht er alles selbst: Transformatoren, Netzteile, sogar die CNC-gefrästen Gehäuse.

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Schon seine ersten professionellen Gehversuche bescherten ihm respektablen, wenngleich regional begrenzten Erfolg. Der EL34-Leistungsverstärker WL 36 wurde zwar nur drei Jahre lang gebaut, aber die Erkenntnisse daraus, vor allem bezüglich der Parameter der Ausgangsübertrager, flossen in die parallel ab Ende 1997 gefertigten, doppelt so kräftigen Monoblöcke WM 72, die stabile 70 Watt im Push-Pull-Betrieb bereitstellten. Auf der Audio-Show in Warschau präsentierte Amplifon 1998 den ersten Röhrenvollverstärker WT 30 in Triodenschaltung. Gleichzeitig tüftelte Piwowarczyk bereits an einem kräftigeren Vollverstärker in Push-Pull-Schaltung, der alsbald als WL 70 mit 6550-Röhren in Produktion ging. Leistungsfähige Röhrenverstärker mit feinem Klang benötigen möglichst perfekte Netztransformatoren und Ausgangsübertrager. In deren Aufbau investierte Piwowarczyk Geld und Entwicklungsarbeit, bis diese Saat aufging.

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1999 überraschte Amplifon mit den Monoblöcken WM 200, die im Gegentaktbetrieb 230 Watt pro Kanal aus 18 Leistungsröhren des Typs 5881 quetschten. Angesichts dieser enormen Reserven und dank extrem breitbandiger Ausgangsübertrager, die auch an schwierigen Lasten nicht in die Knie zu zwingen waren, hatten diese Endstufen auch impedanzkritische Lautsprecher fest unter Kontrolle. In den ersten Jahren nach der Unternehmensgründung entwickelte Piwowarczyk Schlag auf Schlag neue Ideen. Kurz nach den potenten Monos WM 200 präsentierte er mit den Monoendverstärkern WT 15 SE einen gänzlich anderen Ansatz: 15 kostbare Watt, single-ended, Class A. Der perfekte Leistungsverstärker für Hochwirkungsgradlautsprecher. Aus heutiger Sicht konnte man damals schon eine Strategie ausmachen, die den ultimativen Verstärker zum Ziel hatte. Einen Verstärker, der in Class A jeden Lautsprecher antreiben könnte. Ein entscheidender Schritt gelang kurz darauf mit der auf den ersten Blick unspektakulären Weiterentwicklung des WT 30. Die konstruktiven Verbesserungen des ersten Vollverstärkers erwiesen sich als so signifikant, dass Amplifon etwa um das Jahr 2000 herum das Push-Pull-Prinzip sukzessive ad acta legte und fortan bevorzugt auf der Basis von Trioden konstruierte. Der klangliche Zugewinn dieser Betriebsart ließ Andrzej Piwowarczyk nach eigenen Aussagen keine andere Wahl. Außerdem hatte er seine Ausgangsübertrager bis zu einem Grad optimiert, an dem sie sich völlig unbeeindruckt von der zu treibenden Last zeigten. Das Nachfolgemodell WT 40 steht mit neuem Gehäusedesign symbolisch für den Aufbruch in eine neue Ära der Firmengeschichte. Seit 2002 erfüllen Amplifon-Verstärker gültige EU-Normen, damals wurde auch der Urverstärker WT 30 an die neue Design-Linie angepasst.

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Fast zum Leidwesen seines Vertriebs gibt sich der unauffällige polnische Entwickler äußerst bescheiden. Christoph Kaintoch hält große Stücke auf ihn und vergleicht Andrzej Piwowarczyk gerne mit Mozart. „Die Schaltungen wachsen in seinem Gehirn, bis er sie fix und fertig zu Papier bringt“, schwärmt der Vertriebsmann als wir uns zufällig auf der Münchener Messe begegnen. „Einmal niedergeschrieben, gibt es praktisch keine Änderungen mehr.“ Der neben ihm stehende Piwowarczyk scheint sich heimlich ein wenig über Kaintochs Begeisterung zu freuen, auch wenn er vermutlich kein Wort versteht. Christoph Kaintoch begleitet unser kurzes Zusammentreffen übersetzend, da der polnische Entwickler neben seiner Muttersprache und außer der universellen Sprache der Elektronik keine Fremdsprache beherrscht. Er wolle sich von den auf der Messe präsentierten Lautsprechern inspirieren lassen, erzählt Piwowarczyk. Zwischen den Zeilen scheint die Absicht durch, in absehbarer Zeit auch wieder mit eigenen Lautsprechern anzutreten. Es gab schon einmal Amplifon-Lautsprecher in sehr kleiner Stückzahl, etwa 2008 stellte Piwowarczyk die Produktion allerdings ein, weil der deutsche Profi-Ausstatter Audax die benötigten Chassis nicht mehr liefern konnte. Mit selbiger Konsequenz fiel vor einigen Jahren auch der Vorhang für den Amplifon-CD-Player TACD 1 – ein Toplader mit Röhren-Ausgangsstufe: Nachdem Philips die Produktion der CDM-Pro-Laufwerke eingestellt hatte, sei es aussichtslos geworden, einen gut klingenden und bezahlbaren CD-Player zu bauen, erläutert Andrzej Piwowarczyk achselzuckend. Er wirkt, als hätte er nicht einen Moment daran gedacht, Abstriche bei der Qualität zu machen.

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In den Jahren 2012 und 2013 vollzog Andrzej Piwowarczyk mit Amplifon einen Paradigmenwechsel. Die Konzentration auf neue, ausgefallenere Schaltungen, im Verbund mit der Modernisierung seiner Produktionsbedingungen bedingte, dass beliebte Modelle wie der Vollverstärker WT 40 respektive WT 40 II ausliefen. Dieser Integrierte mit 6C33C-B-Leistungstrioden ist mit seinen Seitenwangen aus Holz auch heute noch ein Schmuckstück, aber nicht zuletzt in klanglicher Hinsicht sei das massive, CNC-gefräste Alugehäuse des aktuellen Vollverstärkers SET 42 SE deutlich überlegen, führt Christoph Kaintoch aus. Auch sei die Verarbeitungsqualität höher, seit Piwowarczyk unabhängiger produzieren könne. „Der Vollverstärker SET 42 SE und die Mono-Endstufen SET 140 sind zu hundert Prozent betriebssicher und absolut wartungsfrei“, verspricht der enthusiastische Vertriebsleiter. Insbesondere das Spitzenmodell SET 140 mit 833-Sendetriode und 140-Class-A-Watt ist weltweit einzigartig: wundervoll klingende Röhrenendverstärker, die vor keiner noch so komplexen Lautsprecherlast zurückschrecken, wie sie in einem exklusiven FIDELITY-Test eindrucksvoll unter Beweis stellten. Eine SET-140-Endstufe bringt 70 Kilo auf die Waage, wovon sich allein rund 20 im gewaltigen Ausgangsübertrager manifestieren. Sogar nicht in erster Linie als gutmütig bekannte Lautsprecher von Wilson Audio liefen daran zu einer Performance auf, die keine Fragen offen ließ. Ein Verstärkerpärchen, das audiophile Wunschträume erfüllt und mit einem Preis von 50 000 Euro pro Paar – gemessen an den unvergleichlichen klanglichen Fähigkeiten – im internationalen Wettbewerb als Schnäppchen gelten kann. Für die nahe Zukunft stellt Andrzej Piwowarczyk eine überarbeitete Jubiläumsversion des Vollverstärkers SET 42 SE in Aussicht.

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Fragenkatalog Laut und Leise

Analog oder digital?
Digital.

Röhre oder Transistor?
Röhre.

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Schallplatte oder Download?
CD.

Waldlauf oder Fitnessstudio?
Waldlauf.

Trend oder Tradition?
Tradition.

Tee oder Kaffee?
Kaffee.

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Salat oder Steak?
Steak.

Wein oder Bier?
Bier.

Berge oder Meer?
Meer.

Buch oder Bildschirm?
Buch.

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Jazzclub oder Oper?
Jazzclub

Bach oder Beatles?
Beatles.

Wagner oder Wacken?
Wacken.

Standby oder Stecker ziehen?
Stecker ziehen.

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