Amplifon Audio SET 140 Single Ended Triode Amplifier

Amplifon SET 140 Röhren-Monoendverstärker im Test

Amplifon SET 140 – R. I. P., High Fidelity!

Nach langem, schwerem Siechtum und einer unerfüllten Existenz ist die High Fidelity friedlich entschlafen. Statt eines Nachrufs zwei gewichtige Gründe, ihr keine Träne nachzuweinen.

Fotografie: Ingo Schulz

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Amplifon Audio SET 140 Single Ended Triode Amplifier
Sie wirken wie Dampfmaschinen, deren Ära endete, als der Eiserne Vorhang ersten Flugrost ansetzte.

Mit einem Leistungsgewicht von einem halben Kilo pro Watt sehen die Amplifon Röhrenmonos SET 140 aus Polen, zumindest auf dem Papier, im Vergleich mit modernen Class-D-Verstärkern ziemlich alt aus. Sie wirken wie Dampfmaschinen, deren Ära endete, als der Eiserne Vorhang ersten Flugrost ansetzte. Um der Nachhaltigkeit nach einem anstrengenden Energiespartag gemütlich nach Hause zu leuchten, glimmen ihre beiden imposanten Cookie-Jar-Trioden vom Typ 833A hell wie 60-Watt-Birnen und genehmigen sich dabei großzügige 500 Watt aus dem Stromnetz. Dafür stört weder Glucksen aus dem Heizkörper noch das Anfeuern der Gastherme. Mit den beiden SET 140 spart man auch in eisigsten Polarnächten hundert Prozent Heizkosten, und selbst Klirren bleibt allein der ausgesperrten Kälte überlassen.

Amplifon Audio SET 140 Single Ended Triode Amplifier
Das Ende von HiFi kann nicht mit Fachbegriffen erläutert werden. Mit Farben vielleicht. Oder höchstens einem Gedicht.

Perfekt, um (sich) die stille Zeit zwischen den Jahren zu vertreiben, dachte ich, ohne die Folgen zu berücksichtigen. Denn zweimal 70 Kilo, deren Hauptanteil sich jeweils ungünstig auf der hinteren Seite konzentriert, erfordern eine gewisse Speditionslogistik, oder klarer ausgedrückt, mindestens drei Männer von Statur. Dessen waren sich die beiden halben Portionen durchaus bewusst, nachdem sie die zwei Eisenquader unter Schweiß und Flüchen (und einer Verschnaufpause im Lift) in den dritten Stock auf einen ebenen Platz vor der Anlage im Hörraum gewuchtet hatten. Was in einem zwecks optimaler Dämpfung ziemlich vollgerümpelten 20-Quadratmeter-Zimmer heißt: mitten im Raum. Welch monströse Ausmaße die Heavy-Weight-Verstärker wirklich haben, fiel in der Redaktion gar nicht so auf.

Stabil wie Raubtierkäfige, sind die SET 140 aus acht Millimeter dicken CNC-gefrästen Aluplatten konstruiert; Profile verstärken Ecken und Kanten. Für den gelernten Maschinenbauer Andrzej Piwowarczyk, der seit 1997 seine Firma Amplifon leitet, ist die ruhige, unerschütterliche Positionierung der Röhren von zentraler Bedeutung, um ihnen Mikrofonie vom Leib zu halten. Die große Sendetriode 833, die trotz der enormen Leistung von 140 Watt nur 40 Prozent ihres Maximums abruft, steckt aus diesem Grund sogar in einem rigiden Teflonsockel von der Größe eines Hufeisens, unter dem ein unhörbarer Lüfter die heiße Verlustleistung blasenförmig verteilt. Dass die Lüftungsgitter und der Röhrenkäfig beim Darüberstreichen einen wundervollen Harfenton erklingen lassen, hält Piwowarczyk dagegen für klanglich nicht relevant. Rückseitig zeigen sich die Monos solide, aber unspektakulär: ein Paar vergoldete Kupfer-Schraubklemmen für LS-Kabel aller Art im oberen Drittel und eine ebenso hochwertige Cinchbuchse seitlich unten; beides von WBT. Auf der Front befindet sich lediglich ein Drucktaster aus Edelstahl mit modernem LED-Ring. Obwohl diese Power-Schalter zum Besten gehören, was der Markt offeriert, hätte vielleicht ein dicker Kipp- oder Drehschalter besser zur nostalgisch glimmenden Röhre darüber gepasst.

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Vielleicht hätte ein dicker Kipp- oder Drehschalter besser zur nostalgisch glimmenden Röhre darüber gepasst.

Man sollte sich allerdings davor hüten, auf liebgewonnene Klischees hereinzufallen. Andrzej Piwowarczyk ist sicher kein Nostalgiker, auch wenn seine SET-140-Endstufen objektiv betrachtet schon vor der digitalen Revolution zum alten Eisen gehörten. Was sich beim Power-Schalter und im schnörkellosen Design andeutet, bestätigt sich auch beim Blick ins Innenleben. Teflon-Kupfer-Kondensatoren von Duelund und VCap zählen nicht unbedingt zu den Sonderangeboten, gelten vielen aber als klanglich alternativlos. Sogar die Tantal-Widerstände stammen vom japanischen Spezialisten Shinkoh oder von Audio Note. Rotstiftspuren sind auch bei den „No-Name-Bauteilen“ nicht zu finden. Die respektablen Netztransformatoren werden vom polnischen Hersteller Trafber zugekauft, die Ausgangsübertrager müssen im Haus gewickelt werden. Deren Qualität sei hauptsächlich für das klangliche Ergebnis verantwortlich, meint Piwowarczyk. Schon ein breitbandiger AÜ für einen 50-Watt-SE-Verstärker stelle jeden Entwickler vor eine komplexe Aufgabe; einen Übertrager für die dreifache Leistung zu entwerfen und zu fertigen, habe eine sehr lange Entwicklungsphase erfordert. Er wiegt 19 Kilogramm, die für die eingangs erwähnte physische Unwucht sorgen, und hat seinen −3-dB-Punkt erst bei 23 bzw. 37 000 Hertz. „Lautsprecherimpedanz“ ist für diesen mehrfach verschachtelten, kunstvoll gewickelten Eisenklumpen ein Fremdwort ohne Bedeutung. Ziel seiner Arbeit sei es gewesen, die Dynamik und Standfestigkeit der besten Transistorverstärker mit dem Charme und Schmelz einer Single-ended-Röhre in Class A zu verschmelzen. Die SET 140 kämen diesem Ideal schon sehr nahe, schiebt der bescheidene polnische Entwickler mit spürbarem Stolz nach.

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Amplifon Audio SET 140 Single Ended Triode Amplifier
Keine großen Gesten, keine Salutschüsse. Die Musik ist einfach da. Das Ende aller Diskussionen.

Vergleichbare Endstufen sind auch auf dem internationalen Markt rar. Die legendärsten Vertreter mit 833er-Trioden dürften die HE-833-Monos von Wavac sein, die auf dem Datenblatt durchaus mit den SET 140 vergleichbar sind. Hören konnte ich sie leider noch nie, dafür hatte ich erst kürzlich Monoendstufen von Silvercore zu Gast, denen ich heute noch nachtrauere und die sogar noch günstiger als die Amplifon-Monos waren. Allerdings unterscheiden sich jene, bis auf die identischen Leistungsröhren, doch ganz erheblich von den polnischen Schwergewichten. Silvercore verwendet ein kühles, leichtes Schaltnetzteil und operiert bei wesentlich geringerer Leistung. Ungeachtet dessen müssen die ungemein farbig aufspielenden Monos aus deutscher Fertigung im weiteren Verlauf bisweilen als Referenz herhalten. Als die SET 140 von Vertriebsleiter Christoph Kaintoch, der eine enge persönliche Beziehung zu Andrzej Piwowarczyk pflegt und erst als Fan zum Beruf kam, persönlich in der Redaktion angeliefert wurden, erwartete sie schon eine LAS 408 mit tieftonunterstütztem Koax-Chassis von Live Act Audio. Schnell schalteten wir ein kleines Lindemann-musicbook-15-DSD hinter den T+A MP 3000 HV als Quelle und gönnten den Röhren dann eine kurze Phase der Akklimatisierung, um sich mit den besten Kabeln, die AudioQuest zu bieten hat, vertraut zu machen. Daraufhin hörten wir Ray Charles und waren sehr zufrieden. Die impedanzkritischen LAS 408 folgten den SET 140 aufs Wort, die Stimmen von Gladys Knight und Ray Charles schwebten bei „Heaven Help Us All“ frei im Raum, während das Piano eine unerschütterliche Basis hämmerte. Im Grunde ist der offizielle Test hier schon vorüber. Als Fazit bleibt, dass sich die Amplifon SET 140 in einer zufällig zusammengewürfelten Kette ohne Mühe durchsetzen und gemäß gängiger HiFi-Kriterien ihre herausragende Qualität in bestem orangenem Licht präsentieren. Allein, mir fehlte noch etwas, was sich schwer in Worte fassen lässt.

Amplifon Audio SET 140 Single Ended Triode Amplifier
Dreikammern-Aufbau: Links die große 833-Triode mit Treibern, in der Mitte das Netzteil, ganz hinten die kurze Audioschaltung unter einem gewaltigen 19-Kilo-Ausgangsübertrager.

Schließlich landeten die Monos also doch bei meinen unbeschalteten Breitbändern von Steinmusic. Und sie fügten sich ein wie ein Missing Link, wie eine Erfindung, die alles bislang Dagewesene in Frage stellt und ganz neue Aspekte eröffnet. Verglichen mit den SET 140 ist alles, was bislang bei mir spielte, nur HiFi, ein verzweifeltes, ewig unerfülltes Hobby. Sie veränderten alles und zugleich nichts. Nichts, weil sie sich nicht vorlaut in Szene setzten, sich nicht eitel präsentierten, sondern einfach nur Musik machten – und alles, weil diese Musik noch nie so selbstverständlich erklang. Es war in der Redaktion noch so einfach, Urteile zu fällen wie „kompromisslos im Tiefbass“ oder „transparente Mitten“ und dergleichen Geschwätz mehr. Das ist nun auch alles nicht falsch geworden, es mutet aber merkwürdig irrelevant an, es klingt so nach HiFi-Messe und Vergleichstest. Und das ist, während Leonard Cohen „You Want It Darker“ wie einen Gedenkstein an den Weltuntergang im Raum verankert, unendlich weit weg. Ich denke nicht an Technik, sondern darüber nach, ob es pietätlos war, dem alten, sterbenden Poeten ein solch brutales Sounddesign mit abgrundtiefen Bässen zu verpassen. Komme aber zu keinem Schluss, weil des Meisters Bariton meine Bauchdecke massiert, bis die Suppe in meinem Gehirn überschwappt und kleine bunte Seen vor meinen Augen bildet. Ein Augenblick der umfänglichen Entgrenzung, sowohl meiner selbst als auch des ganzen HiFi-Gerümpels: Meine bemitleidenswerten Acht-Zoll-Fullrange-LS können per physikalischer Definition solch furchteinflößende Tiefbassorgien gar nicht wiedergeben, mein in die Jahre gekommener D/A-Wandler ist keinesfalls in der Lage, so transparent, so weiträumig, so gar nicht artifiziell zu klingen. Und doch geschieht es: Schließe ich die Augen, verschwindet die gesamte Technik, es befinden sich nur noch Leonard Cohen und ich und ein Erdbebensimulator im Raum. Immer noch digital in CD-Qualität „Take This Hammer“, eine ausgesprochen audiophile Liveaufnahme von Harry Manx, dem kanadischen „Bollywood-Bluesman“. Seine Interpretation des amerikanischen Arbeitersongs schleicht sich mit leiser Slide-Gitarre an, die mehr und mehr ihren Körper perkussiv ins Spiel bringt. Von links schiebt sich anfangs unscheinbar und vorgeblich unschuldig eine Mundharmonika ins Bild. Aber mit ihr beginnen die Probleme: An zu braven Anlagen kippt die ganze Nummer ins geschmäcklerisch Belanglose, ist die Kette zu scharf, zu anmachend, nervt die Mundharmonika, dann das heisere Krächzen im Gesang, schließlich das Schnarren der Slide-Gitarre, am Ende der ganze Song. Die Luft um die Stahlsaiten muss Schmisse davontragen, die Schläge auf den Korpus müssen widerhallen wie Donnergrollen, genau zwischen langweilig und überdreht hat sich die Mundharmonika zu befinden, damit sich ihre Melodie entfalten kann, sonor und trocken muss Henry Manx singen, nicht dünn und aggressiv. Eben genau so, wie die Amplifon-Endstufen es angehen. Keine großen Gesten, keine Salutschüsse. Die Musik ist einfach da. Das Ende aller Diskussionen.

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Im Quervergleich mit den Silvercore-Endstufen, deren Klang ich noch gut im Ohr habe (und wohl nie wieder vergessen kann), zeigt sich Amplifon deutlich neutraler, weniger verschwenderisch im Umgang mit dem süßen Röhrencharme. Und dennoch hegen die SET 140 keine Ambitionen, analytische Halbleiter-Verstärker auswärts auf deren Platz zu schlagen. Amplifon genießt immer Heimrecht, egal in welcher Anlage. Wo Amplifon herrscht, haben die anderen sogenannten HiFi-Verstärker Sendepause, es sei denn, sie haben es auf eine blutige Nase abgesehen. Im Tiefton fallen mir lediglich Monos aus der Fünfer-Reihe von Soulution ein, die den SET 140 eventuell an passenden Schallwandlern auf Knien das Wasser reichen könnten. Die lustvoll die Peitsche schwingenden Schweizer Edelverstärker haben mich einst durch ihre schraubstockartige Kontrolle schwer beeindruckt, aber sie raubten zumindest meinen Lautsprechern auch die Würde. Dagegen setzen die polnischen Boliden auf Kraft statt Drehmoment, der fünfstellige Dämpfungsfaktor von Soulution gegenüber den süßen zwölf der SET 140 spricht Bände. Es gibt sicher Lautsprecher, die diese ständige Disziplinierung benötigen, aber in meiner Kette überzeugt das souveräne, schwungvolle Laufenlassen von Amplifon mehr als das pedantische Stop-and-go der dominanten Eidgenossinnen. Man nimmt die liquide Natürlichkeit des Ein- oder Ausschwingens von Tönen der 833er-Monos wie selbstverständlich als ganzheitlich statt gestückelt wahr. Bereits nach kürzester Zeit der pflichtbewussten Evaluierung versinke ich regelmäßig voll und ganz in der Musik. Nicht nur mit Paradeaufnahmen von Vinyl, sondern – was sich bereits mit digitaler Kost andeutete – auch mit ganz normalen Einspielungen, sogar den alles andere als perfekten, aber von mir umso mehr geschätzten historischen Aufnahmen. Bei aller Neutralität der Amplifon SET 140 wirken sie doch nie teilnahmslos. Sie scheinen Vergnügen auch an den kratzenden Tondokumenten eines Robert Johnson zu finden – das verbindet uns. Ihre hervorragende, kundige Balance nimmt Schärfen im Hochton so weit zurück, bis sie nicht mehr schmerzen, und unterfüttert die dünne, blecherne Aufnahme mit einem bislang ungehörten warmen Grundton. So intim, von Angesicht zu Angesicht, stand ich dem Gottvater des Blues, der einst seine Seele an den Teufel verschacherte, noch nie gegenüber. Erstmals höre ich, dass er richtig gehandelt hat. Ich beschließe, mich durch das Concierto de Aranjuez in Form einer 1976er Pressung mit Ernesto Bitetti an der Gitarre zu quälen. Ein grenzwertig kitschiges Stück klassischer Musik, wenn Sie mich fragen. Unwillkürlich läuft in meinem Kopf ein Disney-Trickfilm ab, in dem eine barfüßige, rundliche Gitarre fröhlich über eine grüne Wiese hüpft, während sich im Hintergrund Streicher mit Bläsern balgen. Trotzdem bezieht das Konzert aus dem Wechselspiel zwischen heftigen Orchestertuttipassagen und nur sanft begleiteter Flamencogitarre enorme dynamische Spannung. Im zweiten Satz entwickelt sich für blues- und soulgeprägte Hörer gar eine Art Call-and-Response zwischen staunend reagierendem Orchester und gockelhaft vortanzender Sologitarre. Mit weiter Öffnung des Raumes nach hinten und fließender Verzahnung des breit gestaffelten Instrumentariums lassen mich die Amplifon-Monos die kunstfertige Belanglosigkeit der Darbietung fast vergessen. Fasziniert folge ich stattdessen den reichhaltigen, schwungvollen Melodiebögen und bestaune Geigen, die wie ein Strauß Lilien aus einer Oboe (vermutlich) entwachsen.

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Die polnischen Boliden setzen auf Kraft und nochmals Kraft.

Ich plädiere allen Ernstes dafür, ABSOLUTE FIDELITY durch eine Rubrik „Ohne Worte“ zu ersetzen. Für die Komponenten, die mit dem Jargon, in dem wir gewohnt sind, über HiFi zu sprechen, nicht zu fassen sind, weil eine Wasserpistole kein Bolzenschussapparat und ein Kettenkarussell keine Hochseilbahn ist. Ein „Test“ ist keine adäquate Form, sich Musikmaschinen wie den SET 140 anzunähern. So wie die Apokalypse keinen weltlichen Berichterstatter haben wird, kann auch das Ende von HiFi nicht mit Fachbegriffen erläutert werden. Mit Farben vielleicht. Oder höchstens einem Gedicht.

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833-Sendetriode im Audio-Verstärker

Wer sich mit dem Betrieb einer Senderöhre in der HiFi-Endstufe beschäftigt, muss andere Punkte beachten als bei „normalen“ Röhren.

Langsam heizen

Das beginnt schon beim Anheizen. Ein Einschalten der Heizung ist nur dann ohne besondere Maßnahmen möglich, wenn in den technischen Daten keine Begrenzung für den Einschaltstrom gefordert wird. Ist dagegen ein maximaler Einschaltstrom angegeben, so ist ein stufenweises Einschalten der Heizspannung vorzusehen. Man muss immer berücksichtigen, dass der Kaltwiderstand des Heizfadens nur etwa 10 Prozent des Heißwiderstandes beträgt und die Zeitkonstante der Erwärmung in der Größenordnung von einigen Sekunden liegt. Bei der 833, deren Heizwerte im Betrieb bei 10 Volt und 10 Ampere liegen, bedeutet das, dass kurzzeitig beim Anheizen etwa 100 Ampere fließen.
Der Vorteil des Betriebs der 833 gegenüber vergleichbaren Senderöhren ist, dass sämtliche Spannungen – Heizung, Anode, Gitter – gleichzeitig angelegt werden dürfen, denn diese Röhre besitzt eine thorierte Wolfram-Kathode. Bei Röhren mit Oxyd-Kathoden sollten die Anoden- und Schirmgitterspannungen erst nach einer vorgeschriebenen Anheizzeit angelegt werden, da sich sonst die Kathodenschicht abzulösen droht.

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Höchst empfindlich: die Kathode der 833

Doch auch bei der Kathode der 833 gibt es Wichtiges zu beachten: Der angegebene Heizspannungsnennwert ist auf ±5 % konstant zu halten. Dabei ist darauf zu achten, dass besonders die Heizanschlüsse absolut sauber gehalten werden. Es empfiehlt sich, die Anschlüsse nach einer gewissen Betriebszeit zu kontrollieren, um sicherzustellen, dass die Kontaktflächen nicht oxydiert sind. Eine Oxidschicht bedeutet einen höheren Übergangswiderstand und dadurch ein Unterheizen der Röhre. Das fällt in der Regel erst dann auf, wenn die Röhre merklich „dunkler“ wird.
Unterheizung verringert die Emission der Kathode. Bei voller Ausnutzung der Emission kann schon eine Unterheizung um 5 Prozent zu einem Leistungsabfall des Verstärkers bis zu 15 Prozent führen. Wird die Kathode dagegen nur schwach ausgenutzt (kleine Anodenströme, daraus resultierend weniger abgegebene Leistung), dann ist eine Unterheizung nicht kritisch. Bei einer dauernden Überheizung hingegen um mehr als 5 Prozent sinkt die Lebensdauer der 833 auf etwa die Hälfte ab. Eine möglichst genaue Einstellung der Heizung in betriebswarmem Zustand gewährleistet also eine hohe Lebensdauer und gute Daten der Endstufe.
Die in der Praxis unvermeidlichen Streuungen der Netzspannung und der Schaltelemente im Gerät sind natürlich zu berücksichtigen.

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Rot glühend: die Graphit-Anode

Die Anode der Röhre ist, da sie für den sehr rauen Betrieb als Senderöhre unter Bedingungen kurz unterhalb der Grenzdaten konstruiert wurde, aus Graphit. Der Vorteil gegenüber einem normalen Anodenblech ist die thermische Stabilität. Ein zur Rotglut aufgeheiztes Anodenblech würde sich verformen und die technischen Daten der Röhre – hier die Steilheit und somit die Verstärkung – verändern. Ein weiterer Vorteil dieses Werkstoffs ist, dass er dazu dient, das Vakuum in der Röhre aufrechtzuerhalten: Das Graphit ist mit Zirkon beschichtet und bindet bei Glut restliche Luftmoleküle.

Das Gitter

Das Steuergitter ist ebenfalls mechanisch besonders stabil, denn im Sendebetrieb fließt hier ein nicht zu vernachlässigender Gitterstrom. Im HiFi-Verstärker ist das aber nicht von Bedeutung.

Fazit

Die 833 ist eine Röhre mit sehr hoher Leistung und eignet sich gut als Audioröhre. Wer der Heizung viel Aufmerksamkeit schenkt, kann lange Freude an ihr haben.

Erich Engel

 

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Info

Röhren-Monoendverstärker Amplifon SET 140
Funktionsprinzip: Single-ended Röhrenendstufe in Class A
Ausgangsleistung: 140 W (4/8 Ω)
Röhrenbestückung: EC86 (Eingang), 6C41C (Treiber), 833 (Leistung)
Frequenzbereich: 23–37 000 Hz (−3 dB/130 W)
Klirrfaktor: < 0,2 % (10 W/1 kHz)
Eingangsimpedanz: 120 kΩ
Ausgangsimpedanz: 4 und 8 Ω
Stromaufnahme: ca. 500 W
Maße (B/H/T): 31/41/69 cm
Gewicht: 70 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: 50 000 €

 

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Kontakt

Analog Natural Sound
Cranachweg 2
55127 Mainz
Telefon 06131 3330249

 

www.annasound.de

 

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