Bowers & Wilkins Formation

Bowers & Wilkins Formation Multiroom-System

Bowers & Wilkins Formation Multiroom-System – Die Neudefinition von Multiroom

Bowers & Wilkins präsentiert mit dem Aktivsystem „Formation“ seine Interpretation eines Multiroom-Konzepts und macht dabei alles richtig. Durch smarte neue Features? Nein, viel besser: Die Briten vermeiden jeden überflüssigen Ballast.

Bowers & Wilkins Formation

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Sie werden sich vielleicht fragen, was Vorschusslorbeeren sollen, ehe ich Ihnen auch nur ansatzweise die technischen Daten zur Formation-Familie um die Ohren geprügelt habe. Aber um die soll es hier und heute gar nicht gehen. Wir sprechen über Konzepte und nicht über Wattzahlen. Doch um würdigen zu können, was die Briten entwicklungstechnisch mit ihrer neuen Gerätelinie geleistet haben, müssen wir zunächst in Historie und Grundlagen von Multiroom (MR) eintauchen. Immerhin möchte ich, dass Sie gut vorbereitet sind, wenn’s ans Eingemachte geht.

Wozu, weshalb, warum überhaupt Mehrraum-Anlagen?

Gute Frage. Den initialen Ausschlag für das Prinzip Multiroom dürfte Mitte der Achtziger ein erschreckend simpler Umstand gegeben haben: Weil es auf einmal möglich war. Das Vordringen des Heimkinos zerpflückte das einst so homogene Home-Entertainment. Neben dem HiFi-System im Wohnzimmer oder Hörraum wünschte sich mancher nun auch ein Privatkino. Und warum nicht beides miteinander verknüpfen und eine Makro-Steuerung hinzufügen? Schaltete man auf seiner Crestron-Fernbedienung – die Amerikaner waren anno dunnemals Marktführer in diesem Segment – vom CD-Spieler auf den Filmton um, wurde die Wiedergabe nicht nur an das System im Heimkino übergeben. Unmerklich und wie von Geisterhand wärmte sich der Projektor auf, während die motorisierte Leinwand aus ihrem Versteck kroch. Jetzt musste man nur noch E.T. in den Videorecorder schieben, und schon konnte es losgehen. So skizzierte es das Marketing, und Sie müssen schon zugeben, dass die Vorstellung ziemlich cool klingt.

Bowers & Wilkins Formation

Doch nicht nur bei eingefleischten Musikliebhabern hatte diese Technik einen schweren Stand. In ihrer Urform war sie mehr oder minder chancenlos. Haben Sie eine Ahnung, welcher Aufwand erforderlich war, um noch Anfang der 2000er eine Mehrraumanlage zu realisieren? Fernbedienungen, Controller, Schaltkästen, Spannungskonverter für nicht vereinheitlichte Steuerschnittstellen und natürlich Strippen – kilometerweise Strippen. Das Thema war fest mit „Custom Installation“ verheiratet: Schon kleine Systeme erforderten die Planung eines Experten, der den Gerätefuhrpark individuell zusammenstellte, um ihn anschließend in die Wohnumgebung zu integrieren. Das war nicht selten mit umfassenden Renovierungsarbeiten verbunden und kostete Unsummen.

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Auf in ein neues Zeitalter mit Bowers & Wilkins

Die Karten wurden neu gegeben. Dank (drahtloser) Netzwerktechnik ist die Kopplung und Synchronisation von Komponenten kein Problem mehr. Der Aufwand ist selbst für Laien begreifbar geworden und man benötigt – wenn überhaupt – kaum mehr als eine Handvoll LAN-Kabel, die im Router zusammenlaufen. Um die Einrichtung kümmert sich die App des Geräteherstellers. Die Rollenmodelle dieser neuen Generation sehen wir in den Streamer- und Smartspeaker-Familien von Sonos und Bluesound (NAD). Beide lassen sich beliebig erweitern, von jedem Smart-Gerät aus dirigieren und über das gesamte Haus verstreuen. Damit lässt sich arbeiten.

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Nicht nur technische Vereinfachung verleiht Multiroom Flügel. Via Smartphone und Internet haben wir Zugriff auf das Musikgedächtnis der Weltgeschichte: Spotify, Youtube Music, Google Play, Amazon Music und Apple Music, Qobuz oder Tidal – es wird mehr Musik konsumiert als je zuvor, alles scheint jederzeit verfügbar. Die Wiedergabegeräte sind mobil geworden, und warum sollte man sich da bei der Anlage auf einen Raum festnageln? Man lauscht hochkarätig im Wohnzimmer, übergibt dann an einen kleinen Lautsprecher in der Küche oder im Bad und beschließt den Hörparcours mit nächtlicher Schlummermusik im Schlafzimmer. Und sollten Sie angesichts von Webstreaming qualitätsbewusst die Nase rümpfen, stöpseln Sie halt eine USB-Festplatte mit hochauflösenden Dateien an Ihren Router und installieren Roon auf Ihrem Smart Device. Schon wird daraus eine High-End-Party.

Doch ehe Sie nun meinen, ich möchte Ihnen Multiroom als superleckeres Buttercremetörtchen auftischen, sollten wir über die Schattenseiten reden. Genauso wie ein Törtchen haufenweise Kalorien auf die Hüfte schaufelt, beginnen die MR-Systeme unter ihrem Ballast zu ächzen. Sonos beherrscht UPnP-Streaming, bietet Zugriff auf unzählige Webdienste, lässt sich via Sprachassistent steuern und vieles mehr. Die einst als intuitiv gefeierte App ist mittlerweile ein Moloch, der sich in der Praxis anfühlt wie ein Passwortmanager. Im gefühlten Tagestakt kommen Firmware- und App-Updates, die Funktionen hinzufügen und auch mal Features entfernen, weil ein Streaming-Anbieter seine AGB um neue Restriktionen erweitert hat. Kurz gesagt: Die Konzepte drohen an ihrer (Funktions-)Vielfalt zu ersticken.
Damit sind Sie eingeweiht, weichgeklopft und sensibilisiert genug, um die kommenden Absätze würdigen zu können.

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Multiroom-Grundlagen: toggle/off

Wir wechseln die Szene und begeben uns nach Worthing, ins Bowers & Wilkins-Hauptquartier. Dort war in den vergangenen zwei, drei Jahren eine Handvoll Entwickler unaufhörlich damit beschäftigt, sich Gedanken über die neue Modellreihe zu machen. Aktiv sollte sie sein, das war klar, denn in diesem Bereich bahnt sich ein großer Trend an. Und sie sollte sich an ein junges Publikum wenden. Eins, das Produkte wie die All-in-one-Anlage „Zeppelin“ mag und dem sich nicht die Fußnägel kräuseln, wenn Begriffe wie „Smartphone“ oder „Bluetooth“ fallen. Für alle anderen gibt’s ja die hervorragende 800-D3-Serie.

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Es ist nur plausibel, dass man sich als Entwickler auch mit dem Wettbewerb auseinandersetzt. Man sah sich also die Möglichkeiten von Bluesound an, und wenn das Team seine Hausaufgaben erledigte, wurde ein System des Marktführers Sonos in den Testbetrieb genommen. Dabei offenbarten sich die Schwächen der Konzepte, und man dürfte sich gefragt haben, wie den Wenns und Abers der Software, den erforderlichen Lizenzen und unbeherrschbarer Komplexität aus dem Wege zu gehen sei. Der Groschen fiel in Form einer bislang einzigartigen Reduzierung: Wir lassen den ganzen Krempel einfach raus. Ersatzlos gestrichen!

Wie unglaublich intelligent diese Entscheidung ist, wird erst klar, wenn man sich die vorherrschenden Quellgeräte ansieht. Das sind – zumindest in der angestrebten Zielgruppe – Smartphones, Tablets und Laptops. Diese Geräte haben aufgrund ihrer prallen App-Abdeckung alle Möglichkeiten. Selbst ein günstiges Feld-Wald-und-Wiesen-Handy kann heute DSD- und hochauflösende FLAC-Dateien wiedergeben und die Musik an seine Funkschnittstellen (WLAN, WiFi, Bluetooth) übergeben. Diese Übertragung klingt unter günstigen Umständen hervorragend (siehe Kasten). Man könnte sogar provokant sein: Einen Streamer nebst komplexer Steuerung in ein Multiroom-Konzept zu integrieren ist mittlerweile nicht nur unnötig, sondern schlichtweg absurd.

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Zutaten und Bedienung der Formation von Bowers & Wilkins

Die freigeschaufelten Entwicklungsressourcen investierten die Briten bei Bowers & Wilkins in ihre Kernkompetenz: den Klang. Das Herz ihrer Formation-Serie bildet die „Duo“, eine aktive Kompakte, die an die 805 erinnert und im Stereopaar betrieben wird. Sie ist um die Hälfte kompakter als ihr Vorbild, parkt idealerweise auf ihrem optionalen Ständer und klingt mit 250 Watt Verstärkerleistung (zwei Wege zu je 125 Watt) unglaublich druckvoll, räumlich und musikalisch. Ein echter B&W-Monitor eben. Im Gegensatz zur 805 ist ihr Gehäuse nicht furniert, sondern besteht aus grauem oder weißem Kunststoff, der Resonanzen schluckt und unerwünschte Anregung durch eine Bruchlinie an den Gehäuseflanken unterbindet. Die Rolle der Duo kann man gar nicht hoch genug einschätzen: Es handelt sich um eine vorzügliche Aktivbox, die so kein anderes, beliebig erweiterbares Multiroom-System bietet!

Bowers & Wilkins Formation

Zutat Nummer zwei ist die „Wedge“, eine aktive Einblock-Stereobox mit markantem Stoffbezug und edler Holzrückwand, die man auf einem eleganten, ebenfalls optionalen Dreibein aus Holz platzieren kann. Sie war gemeint, als wir weiter oben von der „kleinen Lösung“ für Küche, Schlafzimmer und sonstige Nebenräume sprachen.
Für die großformatige Flachbildglotze ließ sich Bowers & Wilkins die „Bar“ einfallen, eine klassische Soundbar, deren leicht bauchige Form an den „Zeppelin“ erinnert. Vor allem für die Bar entwickelten die Briten ihren „Bass“, einen schnurlosen Subwoofer, der seine Crossover-Frequenz automatisch an seinen jeweiligen Spielpartner anpasst – außer mit der Soundbar kann er nämlich auch mit Duo oder Wedge kooperieren.

Und schließlich gibt es noch „Audio“, eine kompakte Breakout-Box, die optisch an eine Playstation 4 erinnert. Der Kasten kann gestreamte Signale analog oder digital an die HiFi-Kette ausgeben oder deren Signale an seine Formation-Geschwister weiterfunken. Mit diesem Quintett (plus Subwoofer) hat Bowers & Wilkins alle Eventualitäten im Griff.

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Bowers & Wilkins Formation

Die Vorzüge der reduzierten britischen Denkweise spürt man bereits beim Einrichten des Systems. Wir ließen uns ein Paar Duos, eine Wedge und den Audio zum Ausprobieren zuschicken, packten alles aus und verbanden die Geräte mit dem Strom. Danach installierte ich die App „Bowers Home“ auf meinem iPhone XR. Kaum war die gestartet, begann sie nach Formation-Spielpartnern zu suchen und fand alle Modelle – perfekt! Ich tippte auf eine der beiden Duos, die sofort als Paar hinzugefügt wurden. Die App bat mich daraufhin, die Taste am linken Lautsprecher zu drücken – jede der Boxen hat eine „Formation“-Taste mit einem verwobenen Linienmuster. Wedge und Audio ließen sich ohne weiteres hinzufügen, und schon war die Einrichtung abgeschlossen. Das Funkpasswort musste ich übrigens nirgends eintippen, das iPhone „vererbte“ es einfach via Bluetooth an alle Aktivlautsprecher, die sich daraufhin wie von Geisterhand via WLAN vernetzten. Nach etwa einer Minute lief das Multiroom-System. Über die App kann man den Lautsprechern noch individuelle Namen zuweisen, ansonsten wird das Programm nicht mehr benötigt.

Bowers & Wilkins Formation

Um Musik in die Anlage zu lotsen, muss man die Airplay-Übertragung des iPhone aufrufen. Dazu wischt man von der rechten oberen Bildschirmecke nach unten und erblickt eine Liste aller angemeldeten Formations. Über kleine Häkchen kann man einen oder mehrere Lautsprecher aktivieren und – Airplay 2 sei Dank – die Zonen anschließend separat oder als Gruppe im Pegel steuern. Die Apple-Oberfläche erwies sich als wirklich intuitiv und die Übertragung via Tidal, Qobuz und Co. tönte über die Duos erstaunlich transparent, satt und neutral. Im Zusammenspiel aller drei Formations fiel uns auf, dass sich B&Ws System samplegenau synchronisiert. Die Musik ertönte ohne Echos oder befremdliche Verzögerungen aus verschiedenen Zimmern. Bei Android-Geräten benötigt man ebenfalls die App, denn nur über sie lässt sich das BT-Pairing aktivieren. Handling und Klang sind bei Bluetooth vergleichbar gut gelöst.

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Damit haben wir die Fähigkeiten der britischen MR-Familie auch schon abgehakt. Natürlich können die Formations noch etwas mehr. Neben BT, LAN und WLAN beherrschen sie die Protokolle für Spotify Connect und Roon ready. Das war’s dann aber auch wirklich, und das ist exzellent so!

Selten haben wir Produkte gesehen, die mit weniger Features mehr erreichen konnten: B&Ws Formation reiht sich nahtlos in die Riege echter Multiroom-Konzepte ein. Die Komponenten lassen sich individuell benennen und man kann Raumzonen hinzufügen, bis die Geldbörse erschöpft ist oder der WLAN-Router bedenklich qualmt. Und dass sich die Briten mit Formation auf eine jüngere Klientel konzentrieren, der Smartphone, Flachbildfernseher und Laptop mehr bedeuten als ein CD-Dreher, finden wir klasse: Die qualitativ einzigartige Duo wird dieser neuen Generation davon künden, dass es da draußen mehr gibt als kleine Bluetooth-Boxen.

Airplay und Bluetooth klingen mies? Lang ist’s her …

Die Formation von Bowers & Wilkins lässt sich kabelgebunden ansteuern. Theoretisch ist das immer die bessere Wahl, da WLAN vergleichsweise störungsanfällig sein kann. In der Praxis ist die Strecke vom Smartphone zum Router aber sowieso schnurlos – es nützt daher wenig, die Strecke vom Router zur Box zu verkabeln. Und Sie sollten sich auch nicht zu viele Sorgen machen: Apple und Co. arbeiten ständig an der Stabilisierung und Verbesserung ihrer Standards. Airplay 2 erhielt deutlich mehr Pufferspeicher als seine Vorgängerversion. So lassen sich Fehler im Funkverkehr finden und kompensieren. Die Airplay überträgt Apple Lossless mit 44,1 Kilohertz und 24 Bit – das ist oberhalb der CD-Qualität.

Um den Klang zu optimieren, sollten Sie vor allem die superbe Duo nah am WLAN-Router platzieren (oder umgekehrt). Je kürzer die Funkstrecke, umso stabiler ist die Verbindung. Wollen Sie ganz auf Nummer sicher gehen, sollten Sie Roon (max. 24/96) oder Spotify Connect (verlustbehaftet) verwenden. In beiden Fällen dient das Smartphone nur als Fernbedienung, die Übertragung kann daher lückenlos per LAN erfolgen.

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Auch Bluetooth ist mittlerweile besser als sein Ruf. B&W unterstützt AptX HD. Der Standard arbeitet mit komprimiertem Hochbit-Audio (24/48), liegt klanglich nahe an der Audio-CD. Das Smartphone muss diesen Standard allerdings unterstützen, was bei Samsungs Galaxy 9 und 10 sowie bei einigen HTCs und Huaweis der Fall ist.

Bowers & Wilkins Formation

Wir meinen

Bowers & Wilkins Formation Duo
Eine hervorragende Aktivbox mit intelligenter Konnektivität und einem ausgefeilten, neutralen und trotzdem anmachenden Klangcharakter. Superbe (weil quasi nicht vorhandene) Bedienung.

Bowers & Wilkins Formation Navigator

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Info

Multiroom-Aktivsystem B&W Formation Duo
Konzept: Aktivbox mit LAN, WLAN und Bluetooth
Bestückung: 2-Wege (Carbon-Tweeter und Continuum-Tiefmitteltöner)
Frequenzgang: 20 Hz bis 33 kHz
Verstärker: 2 x 125 W
Standards: Roon ready, Spotify Connect, Apple Airplay 2, Bluetooth aptX HD
Maße (B/H/T): 20/31/40 cm
Gewicht: 11 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: 4000 €

Preise der übrigen Formation-Modelle: Bar 1250 €, Bass 1100 €, Wedge 1000 €, Audio 700 €

Kontakt

B&W Group Germany
Kleine Heide 12
33790 Halle/Westfalen
Telefon +49 5201 87170

www.bowerswilkins.com

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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