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Louise M. Davies Symphony Hall San Francisco, copyright Brandon Patoc

Hörsäle der Welt: Louise M. Davies Symphony Hall, San Francisco

Louise M. Davies Symphony Hall, San Francisco

Reisen dürfen wir im Moment ja nicht, also träumen wir uns in die Ferne, nehmen diese einzig mögliche Flucht. Und daher werde ich auch nicht über einen Saal in Bielefeld, Nürnberg oder Dresden schreiben.

Fotografie: Brandon Patoc

Ganze 70 Jahre lang wanderte das San Francisco Symphony Orchestra von Saal zu Saal, probte unter teilweise indiskutablen Bedingungen, musste spielen, wo gerade ein Saal frei war. Dann war es endlich so weit: Im Jahre 1980 wurde mit der Louise M. Davies Symphony Hall nicht nur ein großartiger Saal eröffnet, sondern dem ehrwürdigen Klangkörper auch eine standesgemäße Heimat geschenkt. Nach gut sieben Jahren Bauzeit wurde der Saal als Teil des San Francisco War Memorial and Performing Arts Centers eröffnet, teilte allerdings trotz des beträchtlichen Aufwands das Schicksal vieler neuer Säle – so richtig gut klang es noch nicht.

Das änderte sich rund zehn Jahre später, als unter der Leitung der Kirkegaard Associates, die auch den segensreichen Umbau der Royal Festival Hall in London betreuten, die Akustik noch einmal gründlich überarbeitet wurde. Seitdem kann dieser Saal fast alles. Natürlich ist eine Halle mit über 2700 Sitzplätzen nicht so heimelig wie das Salzburger Mozarteum, und sie wäre auch nicht meine erste Wahl für kleine Besetzungen. Nicht der Akustik, sondern der Atmosphäre wegen. Diese Halle fühlt sich von der Bühne aus wirklich groß und mächtig an, eine persönliche Verbundenheit zum Publikum stellt sich nicht ein. Dafür bietet die Bühne enorm viel Platz, sodass auch größte Besetzungen fast mühelos gestellt werden können, und beim Spielen kann man eigentlich endlos Kraft ins Instrument geben, ohne die Akustik auch nur annähernd in Bedrängnis zu bringen. Auch massive Einsätze bleiben transparent, garniert mit dem wohligen Druck einer beginnenden akustischen Überforderung, die sich allerdings nie ganz einstellt. Grandios. Leider war ich bisher noch nicht so oft in der Davies Hall, und Brahms war das Umfangreichste in puncto Besetzung, was ich hier bislang spielen durfte. Ein Mahler oder Schostakowitsch ist in dieser Akustik sicherlich ein Fest!

Louise M. Davies Symphony Hall San Francisco, copyright Brandon Patoc
Louise M. Davies Symphony Hall, San Francisco

Hinter der Bühne geht es erfreulich geräumig zu, die Wege sind nicht zu weit, die Garderoben ausreichend dimensioniert. Neben dem riesigen Spaß, auf dieser Bühne zu spielen, liegt einer der größten Vorzüge der Louise M. Davies Symphony Hall allerdings vor den Türen: San Francisco! Vom Saal aus sind es nur ein paar Schritte nach Norden bis Japantown, wo ich das bisher beste Sushi und Kobe Beef außerhalb Japans verzehren durfte. Im Osten lockt der Theatre District, nördlich davon Chinatown, an den Piers zahllose Bars – keine Frage, San Francisco ist immer der Höhepunkt einer langen Konzertreise. Und es ist tatsächlich ein Glück, dass es hier in unmittelbarer Nähe zur Halle kein gutes Hotel der großen Ketten gibt. Denn so kommen wir meistens in den Genuss, vom Zimmer aus einen atemberaubenden Blick über die San Francisco Bay erleben zu dürfen.


Aufnahmen mit konzertsaaltypischem Klang

Mahler-Sinfonien mit dem San Francisco Symphony Orchestra unter Michael Tilson Thomas (SFS/Warner), aufgenommen übrigens von dem Stuttgarter Studio Tritonus, deren Tonmeister wir bereits interviewten. Das Interview lesen Sie hier.

www.daviessymphonyhall.org

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