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Frank Lechtenberg und Jana Stadlbauer

FIDELITY – Der HiFi-Podcast, Folge 11

Die Geschichten hinter unseren Geschichten

Podcast: FIDELITY No° 72 und der geschulte Blick von außen

FIDELITY 72 Titel

Kopfhörer erleben seit Jahren einen schier unbegreiflichen Boom. Man kann sich sogar die Frage stellen, warum nicht längst die Marktsättigung zugeschlagen hat. In FIDELITY Nr. 72 haben wir zwei Modelle von T+A sowie Sendy Audio im Test, die stichhaltige Indizien liefern, warum der Zug so munter rollt:

Faszinierende Technik zum fairen Kurs

Der Solitaire T (T+A) liegt im gesunden „Mid-Preis-Segment“, ist aber mit allen Wassern gewaschen. Der schnurlose BT-Hörer übersteht mit einer Akkuladung selbst den längsten Flug, bietet mit seinen ohrumschließenden Hörermuscheln ein einnehmendes Klangerlebnis und – bitte einen Tusch – er lässt sich daheim auch schnurgebunden betrieben. Das umgeht dann auch die Limitierung des verbauten 44,1-kHz-D/A-Wandlers. Die verbauten Flachmembranen können nämlich weit mehr als 22 kHz reproduzieren.

FIDELITY Podcast 11
T+A Solitaire T

Sendy Audio setzt mit seinem Aiva sogar noch einen drauf: Der große Edel-Hörer geht zum sehr vertretbaren „Aufsteiger-Kurs“ über die Ladentheke. Dennoch ist er mit den Magnetostaten seiner größeren Geschwister ausgestattet. Ein echter Edel-Hörer mit exzellenter Transparenz zum Sparkurs. Und da wird man eben auch schwach, wenn man bereits ein bis drei Ohrwärmer in der Sammlung hat.

Ein Bugatti fürs Wohnzimmer

Am entgegengesetzten Ende der Preisspanne stellt sich der Kölner Hersteller Tidal Audio auf. Der hat mit seinem Projekt „Tidal for Bugatti“ eine waschechte Luxus-Kooperation präsentiert. In Zusammenarbeit mit dem legendären Automobilhersteller entwickelte Jörn Janczak die ganz und gar außergewöhnliche Royale. Der kolossale Standlautsprecher ist aktiv ausgelegt und besitzt weit über ein Kilowatt Leistung. Aufgeteilt in mehrere Verstärker-Module.

Die meiste Mühe und Arbeit stecken allerdings im aufwendigen sowie ultramassiven Gehäuse der Royale. Die versteifende Innenmatrix lässt kaum Platz für ein Blatt Papier und sorgt für eine im besten Sinne des Wortes „totes“ Gehäuse. Das Ergebnis: In jedem Raum, in dem wir die Ausnahmebox bislang hören konnten, entfaltete sie ihr volles Klangpotenzial.

Eine Manufaktur vom anderen Stern

FIDELITY Podcast 11

Im Dezember hatte das Team von FIDELITY Gelegenheit, Audio Note (UK) einen Besuch abzustatten. Auf dem Plan sollte eigentlich ein A/B-Vergleich der neuen Field-Coil-Treiber stehen. Zu unserem Termin fehlte allerdings ein konventionell bestücktes Exemplar des erhabenen Lautsprechers AN-E. Erlebt haben wir trotzdem viel. Wir wurden beispielsweise Zeugen der Geburtsstunde eines neuen, vollkommen diskret aufgebauten (und bislang namenlosen) D/A-Wandlers.

Der DAC könnte eines der letzten Geräte sein, das in den alten Firmenräumlichkeiten entsteht. Die Entwicklungsabteilung des Herstellers zieht demnächst in eigene Räumlichkeiten um. Anschließend führte uns der neue (Mit-)Geschäftsführer Daniel Qvortrup durch die außergewöhnliche Produktion des britischen Unternehmens, das als einer von ganz wenigen Produzenten eigene Kondensatoren wickelt und Trafos herstellt, die in einer monströsen Apparatur vergossen und versiegelt werden.

Auch ein Besuch im Eigenheim der Qvortrups stand auf dem Plan. Firmengründer Peter und seine Familie designen nicht nur HiFi-Komponenten der Extreme, sie sie lieben und leben das Thema Musik: Der unermüdliche Röhren- und Schallplattensammler demonstrierte uns einen völlig abgedrehtes Strauß aus alten Mono-Aufnahmen, seltenen Vinyl-Sammlerstücken sowie – zum runterkommen – etwas Electro und Industrial.

Aktiv oder passiv

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Lyngdorf Cue 100

Bei Lyngdorfs Cue-100 grenzt die Frage, wie genau man den bildhübschen Lautsprecher einordnen möchte, an einen philosophischen Diskurs. Prinzipiell handelt es sich um eine Kompakte, die allerdings (nahezu) zwingend auf ihre drei Echtholz-Füße angewiesen ist. Irgendwie ist sie also doch eine Standbox. Es handelt sich um ein passives Konzept. Ihre volle Performance entfaltet sie allerdings erst im Zusammenspiel mit einem der zugehörigen TDAI-Digitalverstärker des Herstellers. Die stellen eine ausgeklügelte Raumentzerrung zur Verfügung und passen den stimmungsvollen Schallwandler ans Zimmer und seine Aufstellposition an. Irgendwie – tja – kann man die Cue-100 also auch als Aktivkonzept verbuchen.

Und weil die meisten der Lyngdorf-Amps dann auch noch eine Quelle verbaut haben (Streamer), könnte man den Lautsprecher sogar als Komplett- oder All-in-one-System verbuchen. Viel Spaß beim Miträtseln …

Eine Röhre mit (oder eigentlich ohne) Look

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Canor Virtus I2

Optisch nicht minder ansprechend als die Lyngdorf-Lautsprecher ist Canors Röhren-Vollverstärker Virtus I2. Wobei: Eigentlich widerspricht der Bolide so ziemlich allem, was man mit einem KT88-Verstärker verbindet. Seine Röhren liegen gut geschützt im Inneren eines massiven Gehäuses. Canor beschreitet diesen Weg ganz bewusst. Denn wer sich (A) für Röhrensound erwärmt, wird den wohlig abgestimmten Verstärker lieben. Und wer eben keine offenen Röhren im Wohn- oder Hörzimmer haben möchte, findet hier einen versöhnlichen Mittelweg.

Technisch ist der I2 mit allen Finessen ausgestattet. Neben einem soliden Anschlussfeld inklusive exzellentem Phono gibt es einen Trioden- und Ultralinear-Modus mit unterschiedlichen Klangsignaturen. Außerdem eignet er sich dank Auto-Bias für das entspannt-unkomplizierte Vergleichen unterschiedlicher Röhrensätze (Tube-Rolling). Und schließlich gibt es noch eine Mono-Schaltung für mehr Power. Über eine Netzwerkverbindung lassen sich zwei I2 im Master-Slave-Verbund kaskadieren.

Auf der Jagd nach dem Klang

Ein Highlight unseres elften Podcasts war das Interview mit Jana Stadlbauer. Sie ist Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiterin der OTH Regensburg. Zurzeit arbeitet Frau Stadlbauer an ihrer Doktorarbeit zum Thema „Suche nach Sound“. Für die Recherche zu ihrer Arbeit besuchte sie etliche audiophile HiFi-Enthusiasten, hörte mit ihnen Musik und ging in langen Gesprächen den Vorstellungen von Technik und Klang auf den Grund. Frank Lechtenberg führte ein vorher aufgezeichnetes Interview mit der Doktorandin – und wir konnten uns des Gefühls nicht erwehren, dass der Funke auch bei ihr übergesprungen ist.

Frank Lechtenberg und Jana Stadlbauer
Frank Lechtenberg im Gespräch mit Jana Stadlbauer

Vestbo, Koolhaas und Hackman

Zum Abschluss gibt es wie gewohnt Musikempfehlungen. Diesmal stieß Moderator Frank Lechtenberg auf Out of Place, die neuste Veröffentlichung des Vestbo Trio. Besonders reizvoll an dieser Aufnahme sind die Umstände der Produktion. Das Trio traf sich in einem alten Theater und schnitt verschiedene Jam-Sessions mit, aus denen anschließend ein Album „wie aus einem Guss“ zusammengestellt wurde. Besonders stolz sei die Band auf all die Dinge, „die dann eben so passieren“, wie Gitarrist Michael Vestbo betonte.

Ebenfalls außergewöhnlich ist Swart Waling Koolhaas von Jesse Koolhaas, Jost Swart und Bjorn Waling. Jazz mit Klavier und Schlagzeug, untermalt von farbenfrohen Improvisationen teils skurriler Vintage-Synthesizer …

… und hier geht’s zum 11. Teil des FIDELITY Podcast

FIDELITY Podcast 11

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