Eversolo T8
Es hat ungefähr 60 Sekunden gedauert, bis ich die ersten Klänge aus dem Eversolo T8 in meinem Hörraum abspielen konnte. Ohne Bedienungsanleitung, ohne Netzwerkprobleme. Für ein digitales Audioprodukt mit so vielen Möglichkeiten ist das ein guter Start … aber ganz sicher nur der Anfang einer Reise durch meine Musikbibliothek.
Der T8 von Eversolo ist zunächst einmal ein Streamingplayer, aber er ist auch eine Musikzentrale und ein Einmess-System für den Raum. Fangen wir vorne an. Intuitiv habe ich mich mit meinem Streamingdienst verbunden, ohne lange Passworte oder Ähnliches eingeben zu müssen. Die Kurzform: Verkabeln, Netzwerkkabel anschließen, auf der berührungsempfindlichen Oberfläche den Streamingdienst auswählen, QR-Code mit dem Smartphone abfotografieren, „Play“ drücken. Mehr braucht es nicht, um dem T8 Musik zu entlocken. Natürlich kann ich im Anschluss noch jede Menge Einstellungen vornehmen, doch im Grundsatz ist es das. Das sehr gut verarbeitete Gehäuse kommt abgesehen vom harten Netzschalter an der Rückseite komplett ohne Knöpfe aus. Die gesamte Front ist eine intuitive Bedienoberfläche mit gut lesbarem Farbbildschirm in der Mitte. Der Formfaktor ist mit 32 Zentimeter Breite eigenständig, das Design des Aluminiumgehäuses ist aber ansprechend und ausgewogen. Tatsächlich ist der rein digital agierende T8 das Flaggschiff des Herstellers. Preislich ist er denn auch etwas oberhalb der ebenfalls kompakten Eversolo-All-in-one-Geräte angesiedelt.

Fangen wir beim hochwertigen linearen Netzteil mit Ringkerntransformator an. Der liefert über teflonisolierte Kabel seine Spannungen an eine raumgreifende Spannungsaufbereitung, die mehr als ein Drittel des Gehäuses einnimmt. Eine möglichst rauscharme Stromversorgung ist aus Sicht der Entwickler wichtig, weil zahlreiche empfindliche Schaltungen im T8 untergebracht sind. Zuerst ist das sicherlich die extrem genaue Femto-Clock, die das digitale Klanggeschehen mit hoher Präzision taktet und so Probleme wie Taktzittern (Jittern) weitestgehend außen vor lässt. Hier sind zwei Taktreferenzen verbaut, jeweils bezogen auf die mathematischen Vielfachen der üblichen Samplingraten 44,1 Kilohertz oder 48 Kilohertz – so werden Rundungsfehler bei einer der beiden Grundfrequenzen verhindert, eine klangschädliche Umwandlung der Samplerate findet zu keiner Zeit statt. Die Entwickler haben das „Eversolo Original Sampling Rate Audio Engine“ genannt.

Über elektrisch isolierte Digitalausgänge wird die Musik an einen Wandler meiner Wahl weitergeleitet. Neben den Standardanschlüssen wie S/PDIF, USB oder AES/EBU gibt es auch einen I2S-Ausgang (HDMI-Stecker). Das Netzwerk kann via Gigabit-LAN oder direkt mit Lichtleiter angeschlossen werden, denn es ist eine professionelle SFP-Buchse (Lichtleiter) vorhanden, die prinzipbedingt schon elektrisch isoliert ist, allerdings wohl bei den wenigsten von uns zum Einsatz kommen dürfte. Ich kenne diese ultraschnellen Anschlüsse schon aus dem Studiobereich, und irgendwann werden sie vielleicht auch in einer Privatwohnung Standard werden.
Wer nicht streamen, sondern seine sorgsam gerippte Sammlung lokal abspielen möchte, der kann das ebenfalls mit dem Eversolo machen. Entweder per USB 3.0 und externer Festplatte oder mit einbaubaren schnellen SSD-Laufwerken, für die hier zwei Steckplätze mit maximal 16 Terabyte vorgesehen sind. Drahtlos spricht der T8 schon den aktuellen WLAN-6-Standard. Was mir gefällt: Einmal eingerichtet, hat mich der Speicherort meiner Musik nicht mehr zu interessieren. Das Betriebssystem des Eversolo kann nämlich zum Beispiel eigene Playlisten aus lokaler und gestreamter Musik erstellen, die dann unterbrechungsfrei abgespielt werden. Ähnlich wie beim Roon-System, zu dem der T8 natürlich auch kompatibel ist.

Das mit jedem Hören wachsende Album Gentō der Supergroup Bioscope (Steve Rothery und Thorsten Quaeschning) erklingt via Qobuz. Der T8 ist dabei an meinen Luxman-Wandler angeschlossen, da er wie gesagt nur digitale Ausgänge besitzt. Offenbar macht sich der sorgfältige Umgang mit den digitalen Musikdaten bezahlt, denn das Klanggeschehen wirkt vom ersten Moment an groß, aufgeräumt und über den gesamten Hörbereich hoch aufgelöst. Sowohl tiefe Bässe aus den Synthesizern von Quaeschning als auch die durch den Roland-Jazz-Chorus des Marillion-Gitarristen verstärkten Klänge überzeugen durch gute räumliche Trennung, aber eben auch musikalisches Zusammenspiel. Dadurch, dass der T8 ein aufgeräumtes Signal an den Wandler weitergibt, löst sich die Musik plastisch vom Lautsprecher. Es kommt der von mir präferierten Abstimmung meiner Anlage nochmals zugute, denn dank der guten Quelle kann auch der Rest der Komponenten zeigen, was geht. Zwar sagt Eversolo selbst, dass der Klang hauptsächlich durch die Auswahl des eigenen Wandlers bestimmt wird, doch aus Erfahrung weiß ich, dass ein guter Transport (egal ob als CD-Laufwerk oder Streamer) eben das entscheidende Quäntchen mehr an Qualität liefern kann. Oft hatte in der Vergangenheit dabei ein gutes Netzteil eine Rolle gespielt, und das ist eben auch beim T8 von ausgesucht guter Qualität.
Die Bedienung erfolgt entweder über das übersichtliche Gerätedisplay oder über die entsprechenden Apps, wobei viele von uns die Connect-Funktion ihres jeweiligen Streaminganbieters nutzen werden. Der T8 macht einfach, was ich will. Und ich mag die gut sichtbare Darstellung von Plattencover und Titelinformationen auf dem Bildschirm. Das können andere auch, aber Eversolo macht hier einfach alles richtig, und wenn ich mal nicht das Cover sehen möchte, kann ich die Anzeige auch deaktivieren oder durch unterschiedliche VU-Meter-Grafiken ersetzen. Eine Fernbedienung mit grundlegenden Laufwerksfunktionen liegt ebenfalls bei.
Die Waliser Band Cardinal Back hat mit Midnight At The Valencia ein eingängiges, großformatiges Album mit jeder Menge Soul und einer ordentlichen Prise britischer Gitarren-Gene eingespielt. Die Basstrommel sitzt tatsächlich auch in der Stereowiedergabe unterhalb des restlichen Schlagzeugs, die Fußmaschine trifft kraftvoll auf das Fell, während Gitarrist Chris Buck darüber die Gitarre singen lässt, wie es kein anderer derzeit kann. Immer melodietauglich und doch gleichzeitig virtuos. Und diese emotionalen Informationen bekomme ich mit dem T8 in optimaler Qualität an meine vertraute Wiedergabekette geliefert.
Der chinesische Hersteller nennt sein integriertes Raumkorrektursystem „evotune“. Mithilfe eines Messmikrofons oder – noch einfacher – mit dem Mikrofon meines Smartphones wird der Raum durchgemessen. Ich mache das mit der eben gehörten Platte von Cardinal Black einmal exemplarisch für diesen Bericht. Einziges Manko: Diese Funktion scheint es bislang nur auf Englisch zu geben, sei’s drum. Ein Rauschen und zwei Sinus-Sweeps später ist die entsprechende Kurve erzeugt. Ich kann sie im laufenden Betrieb ein- und wieder ausschalten. Das Ergebnis ist ein wenig anders, die App senkt dabei zunächst den Pegel des neu generierten Filters ab. Tatsächlich macht das nach Abgleich der Lautstärke nur im Höhenbereich einen leichten Unterschied in meinem Raum: Die Becken rücken ein Stück nach hinten, Tom Hollisters Stimme rückt minimal nach vorne. Geschmacksache.
Eversolo empfiehlt übrigens ein professionelles Messmikrofon zu diesem Zweck. Und ich kann bestätigen, ein Smartphone-Mikrofon ist kein Messmikrofon! Aber der T8 kann eben auch das: Einmessung auf den Raum. Ob wir das am Ende des Tages nutzen wollen, liegt ganz bei uns selbst. Wer mag, kann sich seine EQ-Kurve natürlich auch selbst mit dem vorhandenen 10-Band-EQ einstellen. Einfache Einrichtung, flexible Bedienung und professionelle Anschlussvielfalt stehen klar auf der Habenseite des Eversolo T8. Aus meiner Sicht ist aber die optimale Aufbereitung der digitalen Daten mit der doppelten Femto-Clock und dem klassischen, linearen Netzteil das beste Argument für den Eversolo T8. Schickes Aussehen inklusive.
Eine Raumeinmessung mit dem Smartphone ist mit dem Eversolo T8 in wenigen Minuten erledigt. In der zugehörigen App wird ein entsprechender Dialog geöffnet. Nach der Auswahl des Mikrofons (ein optional erhältliches Messmikrofon liefert deutlich bessere Ergebnisse als das Smartphone) wird ein Rauschsignal über beide Lautsprecher in den Raum geschickt. Im Anschluss folgt je ein Sinus-Sweep aus jedem Lautsprecher. Nach kurzer Rechenzeit wird die entsprechende Entzerrungskurve auf den T8 übertragen, wo sie nach Wunsch aktiviert oder deaktiviert werden kann.
Info
Streaming-Bridge Eversolo T8
Konzept: digitaler Musikspieler für Streaming von lokal oder im Netzwerk gespeicherter Musik, wahlweise auch mit Raumkorrektur
Eingänge: 1 x Netzwerk RJ45, 1 x SFP (Lichtleiter)
Ausgänge (digital): 1 x USB, 1 x I2S (HDMI), 1 x S/PDIF optisch, 1 x S/PDIF koaxial, 1 x AES/EBU (XLR)
Interner Datenspeicher: 64 GB; Steckplätze für NVM-SSD (max. 16 TB); USB-Anschluss für externe Speichermedien
Formate: bis zu DSD512 und PCM 32 Bit/768 kHz
Streamingdienste: kompatibel zu allen Audio-Streaming- und Internetservices; kompatibel zu Connect-Services; Roon-ready
Besonderheiten: hochwertiges lineares Netzteil, doppelt vorhandene Femto-Clock, isolierte Digitalausgänge, WiFi 6; Quad-Core ARM Processor, 6-Zoll-Touchdisplay
Ausführung: Schwarz
Maße (B/H/T): 32/9/23 cm
Gewicht: 5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 1380 €
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