Monolink – The Beauty Of It All
Leise geht es los. So leise, dass man sich einige Sekunden lang fragt, ob aus Versehen der Mute-Modus aktiviert ist.
Aber nein, da klopft jetzt doch eine Note an die Lautsprechermembranen. Ein kurzer Ton in spartanischer Einsamkeit, erzeugt von einem einzelnen Finger auf der Synthesizertaste und in dezent arhythmischer Wiederholung lauter werdend. Dann tritt die Stimme von Steffen Linck ins akustische Bild. Mit diesem für Singer-Songwriter-Künstler typischen, am Unbill der Gegenwart leidenden, traurig-melancholischen Tenor. Kaum will man die CD stoppen, da man an einer immer wieder aufblühenden Traurig-melancholischer-Singer-Songwriter-Allergie leidet, als sich statt einer dazu passenden depressiven Akustikgitarre ein modernes, stark reduziertes Jean-Michel-Jarre-Synthie-Opus entfaltet. Ok, denkt man, während die CD weiter ausgelesen werden darf, spannend.
Eventuell könnte es sein, dass nicht jeder und jedem der Name Steffen Linck geläufig ist. War er auch mir nicht. Und, so viel Ehrlichkeit will ich uns gönnen, auch sein Künstlername Monolink nicht. Daraus lässt sich eins ablesen: Man gehört nicht zu jenen Menschen, die mit Smiley-Pillen im Blut beim Burning-Man-Festival die Knochen schütteln oder auf Ibiza für gutes Geld in den Sonnenaufgang tanzen. Dennoch mag ich das ganz gerne, diese dynamische Dramaturgie von House Music, das An- und Abschwellen digitaler Klangkaskaden, das melodiöse Spiel mit Bits und Bytes. An dieser Stelle habe ich zum Beispiel mal ein Werk von Paul Kalkbrenner vorgestellt. Und jetzt bewegen wir uns in ähnlichen Soundsphären. Steffen Linck alias Monolink, gebürtig in Hamburg und natürlich in Berlin ansässig, gehört zu den besonders live viel gefragten Dancefloor-Künstlern, noch nicht so groß wie Kalkbrenner, aber dafür mit einem ganz eigenen spannenden künstlerischen Ansatz: der Verbindung von elektronischer Dance- und Trancemusic mit Akustikpop.
Sein im vergangenen Herbst veröffentlichtes, drittes Album The Beauty Of It All ist für die Zündstoff-Rubrik die vermutlich ideale Referenz. Von spartanisch-schüchterner Keyboardnote über sanfte Stimmgewalt (die Melancholie wäscht sich von Song zu Song heraus) und bisweilen mächtig dröhnendem Drum-and-Bass-Bombast bis hin zur dreckig schrammelnden E-Gitarre im Herzen des Albums hat Monolink ein gut groovendes und vor allem in vielen Nuancen und Facetten abwechslungsreiches Werk geschaffen. Das Album entfaltet sich von Track zu Track wie ein durchchoreografierter DJ-Set, mit ruhigen Passagen, mit kurzatmigen Soundsprints und vor allem mit sich sukzessive aufbauenden, im Herzschlagrhythmus pumpenden Dancefloor-Beats. Die Klänge kommen dabei überwiegend aus digitalem Equipment, ergänzt um analoge Drums (bei „Perfect World“ gespielt von Severin Kantereit, Mitbegründer und Schlagzeuger von AnnenMayKantereit, ansonsten von Monolink-Produzent Toby Siebert, der auch bereits mit Phillip Boa and the Voodoo Club und Kettcar arbeitete) und natürlich Lincks akustischer sowie elektrischer Gitarre.
Beispielhaft für das ganze Werk ist der Song „Promised Land“, ein knapp achtminütiger Ritt durch unterschiedlichste Klangwelten. Das Werk eines postmodernen Landschaftsmalers, inspiriert, wie in einem Interview zu lesen ist, von Pink Floyd. Eine fast gelangweilt klingende Gesangsspur, stoisch treibende Drumsounds und die seltsam orientalisch gestimmte, mitunter metalheavy schreiende E-Gitarre erinnern an vieles: an den Techno Kalkbrenners, an den Desert Blues von Tinariwen und auch an den türkischen Psychedelic Rock von Baba Zula. Interessanterweise erhebt nach rund vier Minuten eine Art Kirchenorgel ihre Stimme, bevor dann die Gitarre richtig aufdreht, aber durchgehend vom monotonen Rhythmus von Bassspur und Drums begleitet. Fernbedienung in die Hand – gleich noch einmal hören.
Monolink – The Beauty Of It All
Label: Embassy One
Format: LP, CD, DL 16/44



