Konzerthaus Freiburg

Hörsäle der Welt: Konzerthaus Freiburg

Konzerte in diesem Haus sind ein wunderbares Erlebnis.

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Konzerthaus Freiburg

Ein weiterer recht neuer Saal in unserer Reihe ist das Konzerthaus in Freiburg im Breisgau.

Im Schatten des berühmteren und akustisch weit schlechteren Festspielhauses in Baden-Baden entstand Mitte der Neunziger im Süden ein großartiges Konzertgebäude, das vielen Musikfreunden noch kein Begriff ist. Leider, denn Konzerte in diesem Haus sind ein wunderbares Erlebnis, woran auch – aber nicht nur – die Akustik schuld ist.

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Das Konzerthaus liegt neben dem Hauptbahnhof, in die andere Richtung sind es nur wenige Gehminuten zur Innenstadt mit all seinen Restaurants und Weinbars. Ein weiterer großer Pluspunkt ist das in den Komplex integrierte Hotel. Man kann also trockenen und sauberen Fußes vom Zimmer zur Bühne gehen, was gerade in den dunkleren Monaten ein unschätzbarer Vorteil ist, sollen Frack und entsprechende Schuhe bühnentauglich bleiben.

Während der Planungsphase des Konzerthauses gab es in Freiburg nicht nur Zustimmung, sondern auch einen sich im Laufe der Zeit immer massiver formierenden Widerstand, der vor allem die finanziellen Folgen für die Stadtkasse fürchtete. Mittlerweile ist man diesbezüglich schlauer und merkt zum Beispiel in Hamburg, dass jeder investierte Euro durch die Kaufkraft der Gäste in der städtischen Wirtschaft vervierfacht wird. Das aber nur nebenbei.

Dem großen Rolf-Böhme-Saal nähert man sich als Musiker über die Hinterbühne, einen ziemlich engen und winkligen Bereich. Zwar gibt es auf einer Etage ausreichend viele Garderoben, allerdings schmälern enge Treppen und Flure die Freude ein wenig. Auf der Bühne angekommen, ist wieder alles in bester Ordnung. Hier wird für die meisten Besetzungen genügend Platz geboten, vor allem aber stimmt von der Bühne aus das Bild. In vielen Sälen blickt man, teils durch tiefhängende Scheinwerfer geblendet, in einen dunklen Schlund und kann das Publikum bestenfalls erahnen. Das macht einen zwar einerseits weniger nervös, andererseits koppelt es den Musiker emotional vom Konsumenten ab, was zu einer gewissen Gleichgültigkeit führen kann. Hier, im hellen Freiburger Konzerthaus, sieht man jederzeit Raum und Menschen, auch die Reaktionen des Publikums bleiben nicht verborgen.

Konzerthaus Freiburg
Konzerthaus Freiburg

Faszinierend ist, dass diese enorme Konzertsaal-Qualität erreicht wurde, obwohl es sich bei der Konstruktion des fast 1800 Besucher fassenden Saales um ein extrem offenes Konzept handelt. Das gesamte Parkett kann von der stufigen Einstellung für Konzerte komplett flach auf Bühnenhöhe gefahren werden, die bis zur Rampe reichenden Ränge rechts und links lassen sich wie Gepäckgitter im Zug nach oben an die Wand klappen, wodurch bei Bällen und Kongressen das Parkett bis zur Wand genutzt werden kann.

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Akustisch machte dieser Saal, wie so viele andere, eine gewisse Entwicklungsphase durch, was auch damit zu tun hat, dass er letztlich anders gebaut als geplant wurde. Die Orgel und die damit verbundenen flexibel schaltbaren Resonanzräume (ähnlich wie im KKL Luzern) fielen dem Rotstift zum Opfer – plötzlich fehlte also ein essenzieller Teil des akustischen Designs. Plattenresonatoren, schallabsorbierende Oberflächenbeschichtungen, zwölf bewegliche Paravents und 30 Acrylsegel über der Bühne wurden im Nachgang zum Mittel der Wahl, um dem Klang Manieren beizubringen. Immer noch ist es sicher nicht der am wärmsten und charmantesten klingende Saal der Musikwelt, allerdings kann er mittlerweile mit einer guten Durchhörbarkeit, vor allem aber einem sehr direkten und involvierenden Klang gefallen. Insgesamt ein sehr erfreulicher Saal, bei dem einfach das Paket mit dem Drumherum stimmt. Und das ist in dieser Qualität wirklich selten.

Musiktipp – Aufnahmen mit konzertsaaltypischem Klang:

Mahler-Sinfonien mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unter Michael Gielen (auch als Video auf SWR Classic)

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