Royal Festival Hall, London

Hörsäle der Welt: Royal Festival Hall, London

Ein geliebtes und gefürchtetes Monstrum im Herzen der Stadt

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Royal Festival Hall, London

Die Royal Festival Hall, ein geliebtes und gefürchtetes Monstrum im Herzen von London

Sie ist eines der ganz frühen Projekte nach dem Zweiten Weltkrieg in London, gar der erste denkmalgeschützte Nachkriegsbau der Stadt, bei vielen Besuchern und Künstlern verhasst und dennoch keinesfalls wegzudenken: die Royal Festival Hall in London. Der Grundstein wurde 1949 gelegt, in den 1960er und 2000er Jahren wurde umgebaut und modernisiert, sie residiert in prominenter Lage am Südufer der Themse neben der verkehrsreichen Waterloo Station, nicht weit entfernt von den Houses of Parliament. Diese einmalige Lage hat das Monstrum mit seinen 2900 Plätzen zum unverzichtbaren Bestandteil des Londoner Kulturlebens werden lassen, sie ist darin gar sicherer verankert als das akustisch um Welten bessere Barbican Centre.

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Für den Besucher geht es von den Terrassen über der Themse durch verschiedene Glasfoyers in die Halle. Fast den ganzen Tag ist dieser Bereich vor dem eigentlichen Saal der Royal Festival Hall geöffnet und wird mit einem unfassbar reichhaltigen Programm an Vorträgen, Kleinkunst, Kinderprogrammen und Ähnlichem bespielt. Unzählige Restaurants im Umkreis runden das Angebot ab. Dieser Saal lebt tatsächlich im Herzen der Stadt.

Der Musiker kommt von der anderen Seite. Von der Waterloo Station aus erreicht man den Bühneneingang über die der Themse abgewandte Seite und freut sich, wenn man hier freitags oder an Feiertagen zu tun hat: Direkt hinter der Halle findet dann einer von Londons besten Streetfood-Märkten statt und ermöglicht es einem, die absolut desaströse Kantine zu umgehen.

Die Garderoben hinter der Bühne sind eng, fensterlos, verwinkelt – die ersten Male hier muss man ein wenig zusätzliche Zeit einkalkulieren, weil man sich mit Sicherheit des Öfteren verlaufen wird. Hat man die Bühne endlich gefunden, wird man sehr schnell sehr klein: Ein so gewaltiges Podium betritt man selten. Auf über siebzehn Meter Breite und zehn Meter Tiefe findet hier jedes Orchester Platz. Selbst als wir hier sehr groß mit zehn (!) Kontrabässen und entsprechend besetzten höheren Streichern spielten, blieb die Raumsituation komfortabel.

An die Akustik muss man sich allerdings gewöhnen. Auch wenn sie im Fokus der letzten Umbaumaßnahmen stand, konnte sie nicht wirklich „gerettet“ werden. In diesem Saal entsteht klanglich zwar eine schöne Bindung der unterschiedlichen Stimmen, gleichzeitig ist es aber fast unmöglich, ihn zu „füllen“. Egal wie laut man auf der Bühne spielt, spätestens in der vierzehnten Reihe kommt allenfalls ein gepflegtes poco forte an. Das hat natürlich Einfluss auf die Instrumentenwahl und Spielart – hier geht man alles etwas kräftiger an. Leider werden leise Töne recht gut übertragen, was die dynamische Bandbreite ein wenig einschränkt und dem Musiker wirklich alles abverlangt, will der dennoch ein breites Spektrum anbieten. Auf der Bühne selbst hört man sich und die Kollegen sehr gut, was die Sache immerhin etwas erleichtert und auch ein Grund für die hier sehr oft stattfindenden Aufnahmen ist.

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Und noch eine Besonderheit hat die Royal Festival Hall zu bieten: Fast automatisch wandert der Blick beim Betreten der Bühne zu Beginn des Konzerts zur Königlichen Loge hinten links (aus Musikersicht). Denn es ist immer auf eine nur schwer erklärliche Art „anders“ zu spielen, wenn dort Licht brennt.

Royal Festival Hall
Southbank Centre
Belvedere Rd, Lambeth
London SE1 8XX
Großbritannien

www.southbankcentre.co.uk/venues/royal-festival-hall

Musiktipps

Aufnahmen mit konzertsaaltypischem Klang

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Béla Bartók
Der wunderbare Mandarin
Philharmonia Orchestra, Esa-Pekka Salonen
Signum Records, 2016

Gustav Mahler
Sinfonien Nr. 7, 8 und 9
Philharmonia Orchestra, Lorin Maazel
Signum Classics, 2015

John McLaughlin Trio
Live at The Royal Festival Hall, London
Edition Winter&Winter, 1990

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